Halb drei Uhr morgens. Berta H. sitzt im Wohnzimmer und löst ein Kreuzworträtsel – es ist bereits das dritte in dieser Nacht. Zwei Stockwerke über ihr zappt René K. lustlos durchs Fernsehprogramm. Auch Felix M. im Haus gegenüber findet keinen Schlaf; zum x-ten Mal geht er im Kopf die Auseinandersetzung mit seiner Tochter durch.

Drei Beispiele von Hunderttausenden. Ein Viertel der Bevölkerung schläft schlecht. Die einen können ewig nicht einschlafen, andere erwachen immer wieder, haben Alpträume oder liegen schon um vier Uhr morgens hellwach im Bett. Von Erholung keine Spur.

Gerade dazu ist der Schlaf in erster Linie aber da: Im Schlaf erholen sich die meisten Organsysteme; Blutdruck und Körpertemperatur sinken; die Muskeln entspannen sich. Anderseits werden wichtige körpereigene Substanzen wie Wachstumshormone vor allem nachts ausgeschüttet. In den Träumen verarbeiten wir gute und schlechte Ereignisse und leben unerfüllte Wünsche aus. Die verschiedenen Funktionen laufen in mehreren Phasen und bei unterschiedlicher Schlaftiefe ab.

Wer zufrieden ist, schläft besser

Wichtiger als die Anzahl geschlafener Stunden ist deshalb die Qualität des Schlafs. Die wichtigste Phase für die Erholung ist der Tiefschlaf. Am besten schlafen wir, wenn wir körperlich und seelisch gesund, überhaupt mit unserem Leben rundum zufrieden sind. Dann können uns auch äussere Einflüsse wie Licht oder Lärm weniger anhaben. Da wir im Alltag jedoch meist zwischen Hochs und Tiefs pendeln, schlafen wir auch unterschiedlich gut. Hin und wieder ein paar schlechte Nächte sind deshalb noch kein Grund zur Aufregung.

Eine Schlafstörung liegt erst vor, wenn das Tagesbefinden und die Leistungsfähigkeit über einen längeren Zeitraum hinweg beeinflusst sind. Schlafprobleme sind typische Symptombeschwerden, hinter denen sich die verschiedensten körperlichen und seelischen Ursachen verbergen können.

Das Perfide an der Sache: Schlafstörungen können sich mit der Zeit quasi selbstständig machen und auch dann fortdauern, wenn der ursprüngliche Konflikt längst vergessen ist. In beiden Fällen ist es jedoch wichtig, herauszufinden, was genau den Schlaf raubt.

Die Naturheilkunde geht dieser Frage auf den Grund – indem sie die Aufmerksamkeit vom Schlaf weg hin zur Gesundheit lenkt. Wie ist der Allgemeinzustand der Ratsuchenden? In welcher Situation leben sie beruflich und privat? Welchen Lebensstil pflegen sie? Wie steht es mit dem Essen, mit der Bewegung, mit der Schlafhygiene? Wichtig ist zudem die Frage, ob die Schlafstörung durch übermässige Anspannung oder durch Erschöpfung ausgelöst wird. Nicht Beruhigung ist das Ziel, sondern Unterstützung. Auch geht es nicht darum, die Schlafprobleme sofort aus der Welt zu schaffen.

Die umsichtige Annäherung dient vielmehr dazu, alle Mangelquellen aufzuspüren und die Betroffenen auf ihrem individuellen Genesungsweg zu begleiten. Die Geduld lohnt sich: Viele Naturheilmethoden verzeichnen bei der Behandlung von Schlafstörungen gute und vor allem dauerhafte Erfolge.

Tipps: So finden Sie Schlaf


  • Gönnen Sie sich eine Entspannungspause zwischen den Tagespflichten und dem Schlafengehen, etwa durch Lesen, Musik oder Spazieren.

  • Einschlafrituale wie ein Glas Milch oder ein warmes Bad fördern den guten Schlaf.

  • Bleiben Sie realistisch: Niemand schläft immer gleich gut. Mit den Jahren nimmt die zusammenhängende Schlafdauer bei den meisten Menschen ab.

  • Richten Sie Ihr Schlafzimmer so ein, dass Sie sich darin wohl und behaglich fühlen. Die Temperatur sollte 18 Grad nicht übersteigen.

  • Schwere, fette und scharfe Speisen sind Schlafhemmer. Ebenso Nikotin und grosse Mengen von Alkohol.

  • Achten Sie bei Schlafstörungen auf einen möglichst regelmässigen Lebensrhythmus und auf genügend Bewegung. Überprüfen Sie auch Ihre Essgewohnheiten.

  • Bleiben Sie nicht stundenlang wach im Bett liegen. Schreiben Sie den Brief, den Sie schon lange schreiben wollten, oder machen Sie einen Spaziergang. Sie werden staunen, wie viele Leute ausser Ihnen sonst noch wach sind.

  • Lassen Sie sich unbedingt beraten, bevor Sie Heilmittel schlucken – auch wenn es pflanzliche sind!

  • Der beste Schlaf ist der, über den man nicht nachdenken muss. Wer unbedingt schlafen will, bleibt bestimmt wach.