24_99_schlaf7.jpgAm Lautsprecher sind die Atemgeräusche zu hören. Der Monitor zeigt gleichmässige Hirnstromkurven. Die Kurve, die die Muskelspannung am Kinn aufzeichnet, ist ziemlich flach. Plötzlich schlägt sie wild aus, und auch die Hirnkurve wird unregelmässig. Uber das Mikrofon ist ein lautes Geräusch hörbar.

Was ist passiert? Die Ärzte im Uberwachungsraum der Klinik für Schlafmedizin Zurzach blicken auf den Bildschirm mit dem Gesicht des Schlafenden und stellen fest: Er bewegt den Kiefer stark hin und her, mahlt mit den Zähnen. Dann schläft er weiter. Am Morgen weiss er nichts davon. Da der Schläfer zu Hause keine Bettgenossin hat, die durch sein Knirschen geweckt wird, wäre er selbst nie auf das Problem aufmerksam geworden. Allenfalls hätte seine Zahnärztin die abgeschliffenen Zähne entdeckt vielleicht aber zu spät.

«Zähneknirschen», sagt Dr. med. Jürg Schwander von der Zurzacher Privatklinik für Schlafmedizin, «ist eine Störung, die meist mit einer Zahnschiene zum Schutz der Zähne behoben werden kann.» Stress und Schlafmangel verstärken oft das nächtliche Zähnereiben. Das Tragen der Schiene, Entspannung und längere Erholungszeiten können die Schlafqualität verbessern.

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Schlafstörungen werden in Schlafzentren abgeklärt in Schlaflabors und Sprechstunden an Universitäts- und anderen Kliniken. Betroffene werden in der Regel von ihrem Hausarzt an die entsprechenden Stellen überwiesen oder melden sich direkt an. Sie haben die unterschiedlichsten Störungen. Da gibt es Personen, die über längere Zeit nachts nicht schlafen können, die schnarchen, tagsüber immer müde sind, die ihre Umgebung nicht schlafen lassen, weil sie immer wieder schreien in der Nacht.

Schlafstörungen haben viele Gründe und sind daher nicht einfach einer medizinischen Disziplin zuzuordnen. Deshalb arbeiten in den Schlafzentren Fachleute aus verschiedenen Bereichen zusammen, sowohl beim Abklären als auch in der Therapie: Neurologen, Pneumologen, Psychiater und Psychologen, Internisten, Endokrinologen, Pharmakologen.

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Oft können die Fachleute Schlafprobleme mit Tagebuch, Fragebogen, Gesprächen oder Bewegungsmesser am Handgelenk aufdecken. Manchmal ist es auch nötig, den Schlaf im Labor zu untersuchen. Nach der Diagnose folgt die Therapie. Sie bringt in den meisten Fällen einen besseren Schlaf.

Was zahlt die Krankenkasse?

Zur Therapie gehört es, die Patienten über die Krankheit sowie den Schlaf und seine Bedeutung aufzuklären. Manchmal können kleine Verhaltensanpassungen viel bringen. «Bei Ein- und Durchschlafstörungen sind Verhaltensveränderungen besonders wichtig», sagt Jürg Schwander. «Dies fordert aber einiges von den Patienten; sie brauchen Zeit und Durchhaltewillen.» Manchmal ist eine begleitende Psychotherapie nötig. Narkolepsie und das Restless-Legs-Syndrom werden medikamentös behandelt.

Eine ambulante Behandlung im Schlafzentrum übernimmt die Krankenkasse, gleich wie einen normalen Arztbesuch. Wer eine Hausarzt- oder HMO-Versicherung hat, muss sich von seinem Arzt überweisen lassen. Bei einem stationären Aufenthalt zahlt die Grundversicherung der Krankenkasse nur, wenn ein Spitalaufenthalt notwendig ist und sich der Patient in einer Klinik behandeln lässt, die in der Liste der anerkannten Spitäler des Kantons aufgenommen ist.

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Weitere Informationen

Während einer Nacht im Schlaflabor werden diverse Körperfunktionen gemessen und aufgezeichnet. Dabei legt sich der Patient in einem ruhigen Zimmer ins Bett. Dann werden ihm mit Kabel verbundene Metallplättchen, die Elektroden, an Kopf und Körper geklebt.

Diese messen am Kopf die Hirnströme, neben den Augen die Augenbewegungen, an der Nase den Atemfluss. Gemessen werden zudem Herzfrequenz und Beinbewegungen. Uber dem Patienten hängt ein Mikrofon, das die Geräusche aufzeichnet. Eine Infrarotkamera filmt den Schlafenden.

Die meisten Patienten fürchten, dermassen überwacht und verkabelt nicht schlafen zu können. Die Elektroden werden jedoch so angelegt, dass sie im Schlaf kaum stören.

Zwar schlafen die meisten Patienten im Labor weniger lang oder gut als zu Hause. Um die Art der Schlafstörung zu erkennen, genügen die aufgezeichneten Daten aber meistens.

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Die über die Elektroden gemessenen Werte werden über die Kabel in den Uberwachungsraum geleitet und aufgezeichnet. Ein Bildschirm zeigt den Schlafenden, dessen Geräusche hörbar sind. Dadurch erhalten die Schlaftherapeuten ein genaues Bild von der Schlafstörung des Patienten.

Schlafzentren gibt es an Universitäts- und anderen Kliniken. Sie klären Schlaf-Wach-Störungen ab und behandeln sie.

Die Schweizerische Gesellschaft für Schlafforschung, Schlafmedizin und Chronobiologie wird demnächst die ersten Schlaflabors und -kliniken mit dem Titel «Zertifiziertes Zentrum für Schlafmedizin» auszeichnen. Informationen sind über das Sekretariat erhältlich:

PD Dr. med. Konrad E. Bloch, Abteilung für Pneumologie, innere Medizin, Universitätsspital, Rämistrasse 91, 8091 Zürich, Telefon 01/255 38 28, Fax 01/255 44 51

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