Sabine N., 27, will schwanger werden. Freundinnen haben sie gefragt, ob sie denn die Röteln schon durchgemacht und noch genügend Antikörper hätte.

Bei den Röteln handelt es sich um eine virale Infektionskrankheit, die meistens im Kindesalter auftritt und in der Regel harmlos verläuft. Gefährlich ist es aber, wenn eine Frau während der ersten Monate einer Schwangerschaft an Röteln erkrankt: Die Infektion kann beim werdenden Kind zu Missbildungen an Organen wie Auge, Ohr oder Herz führen.

Antikörper wirken im Blut und haben die Aufgabe, Fremdkörper zu zerstören oder für die Fresszellen (Leukozyten) zu markieren. Bei erstmaligem Kontakt mit dem Rötelnvirus kopiert der Körper die Oberfläche des Virus und stellt passende Antikörper her. Bis es so weit ist, haben sich die Viren aber im Organismus bereits vermehrt, und er erkrankt.

Warum wir nur einmal Röteln haben

Der Körper produziert allerdings zusätzlich einen «Abdruck» der Antikörper und speichert die Daten in Gedächtniszellen. Wird der Organismus erneut infiziert, ruft er die Daten ab und produziert rasch Antikörper – eine Neuerkrankung bleibt aus. Das heisst: Wir erkranken in der Regel nur ein einziges Mal an Röteln oder anderen Viruserkrankungen wie Masern und Windpocken. Dieser Prozess läuft im Prinzip mit jedem Erreger ab, von dem wir im Lauf des Lebens befallen werden. Es gibt aber Virenarten wie HIV und Grippeviren, die gelernt haben, ihre Oberfläche zu verändern. Sie lassen sich deshalb nicht oder nur verzögert bekämpfen.

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Wegen der Gefahren einer Rötelnerkrankung in der Schwangerschaft sollte man sich dagegen impfen lassen. Diese Impfung erfolgt in der Regel bereits im Kleinkindesalter (Kombinationsimpfung Mumps, Masern, Röteln). Dabei werden dem Körper abgeschwächte oder abgetötete Viren verabreicht, die exakt dieselbe Oberfläche haben wie die echten Viren. Der Körper erkennt diese, bekämpft sie und erkrankt nicht oder nicht schwer.

Der Arzt von Sabine N. hat bei einer Blutuntersuchung festgestellt, dass sie noch keine Antikörper gegen das Rötelnvirus gebildet hat. Medizinisch ausgedrückt, ist der Nachweis «negativ» gewesen. Das heisst: Sie könnte jederzeit erkranken, wenn sie mit einem an Röteln erkrankten Menschen in Kontakt kommt. Wäre sie dann schwanger, könnte dies bleibende Folgen für das Ungeborene haben.