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TiermastKillerbakterien im Fleisch

Zahlreiche Bakterien lassen sich durch Antibiotika nicht mehr bremsen. Rasche Massnahmen sind gefragt – doch welche?

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Der übermässige Einsatz von Antibiotika hat schlimme Folgen: Bakterienstämme passen sich genetisch den Medikamenten an und werden resistent dagegen. So lassen sich ­Infektionen bei Menschen und Tieren nicht mehr bekämpfen.

In Berührung mit den Medikamenten kommen die Bakterien in der Tiermast, wo ­massenhaft Antibiotika eingesetzt werden, aber auch durch die Abwässer von Spitälern. Seit 2009 verdoppeln sich die besonders gefährlichen Multi­resistenzen gegen Antibiotika beinahe im Jahresrhythmus.

Weniger Fleisch essen

Man hat errechnet, dass in der EU jährlich rund 25'000 Menschen an Infektionen durch ­resistente Keime sterben – in der Schweiz fehlen gesicherte Zahlen. In der Nutztierhaltung wurden in der Schweiz letztes Jahr 57 Tonnen Antibiotika verwendet; ein Mastkalb erhält durchschnittlich jeden dritten Tag seines Lebens eine Dosis verabreicht. Und das, obwohl Antibiotika in Schweizer Ställen seit 1999 nicht mehr zur Wachstums- und Leistungssteigerung eingesetzt werden dürfen, sondern nur noch zur ­gezielten ­Behandlung von Infek­tionen. Bei abgepacktem Hühnerfleisch hat man jüngst in jeder zweiten Probe resis­tente Keime gefunden, und ­im Fleisch gemästeter Schweine hat sich ­­das Vorkommen resistenter Staphylokokken im vergangenen Jahr verdreifacht – inzwischen kann man sie im Fleisch jedes fünften Schweins nachweisen.

Je mehr Antibiotika, desto mehr Resistenzen. Je mehr Resistenzen, desto mehr tödliche Keime. Ein Bundesprogramm zu Antibiotikaresistenzen soll helfen, aus diesem Teufelskreis auszubrechen: Gesundheits­minister Alain Berset sowie Wirtschafts- und Forschungsminister Johann Schneider-Ammann haben den Auftrag dazu erteilt. Mehrere Bundesämter sollen mitarbeiten, denn die Zeit drängt.

Für Andreas Kronenberg von Anresis, dem Schweizerischen Zentrum für Antibiotikaresistenzen, ist klar: Ein ein­faches Rezept wird es nicht ­geben. «Wir müssen an vielen kleinen Schrauben gleichzeitig drehen.» Der Hausarzt soll ­seinen Patienten wenn möglich Alternativen zur Behandlung mit Antibiotika aufzeigen. Fleischesser sollen weniger, ­dafür ­qualitativ besseres und damit teureres Fleisch essen.

Zudem müsse der Medizintourismus eingeschränkt werden: «Wenn zum Beispiel jemand in Indien eine Brustoperation vornehmen lässt, ist die Resistenz bereits inbegriffen», sagt Kronenberger. Die Patientin würde resistente Keime aus Indien in die Schweiz bringen.

Fraglich bleibt, ob sich all diese Vorhaben schnell genug in die Tat umsetzen lassen.

Veröffentlicht am 15. Oktober 2013