Was der Anrufer sagt, klingt alarmierend: Impf­stoffe sollen giftige Schwermetalle in Form von Nanopartikeln enthalten. Der Mann stellt sich vor als Roberto Sanzone, Sprecher des Vereins Kinder- und Jugend­gesundheit (Kijuges). Er beruft sich auf eine italienische Studie. «Die wollen wir für die Schweiz wiederholen», sagt er zum Beobachter. Dazu sei man mit dem Bundesamt für Gesundheit (BAG), dem Heilmittel­institut Swissmedic und ­einer Hochschule in Kontakt.

Schwermetalle, die in zarte Babykörper injiziert werden? Das hört sich furchteinflössend an – aber weder das BAG noch Swissmedic sehen einen Grund, die Studie für die Schweiz durchzuführen. Sie gaben einem besorgten Vater aus dem Umfeld von Kijuges unlängst folgende Antwort: «Die Ergebnisse der italienischen Studie von Professor Montanari wurden analysiert. Nach Einschätzung unserer Expertinnen und Experten weist sie schwere methodische Mängel auf.»

«Die Studie weist schwere methodische Mängel auf.»

Bundesamt für Gesundheit und Swissmedic

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Die Diskussion sei einseitig auf einen direkten Zusammenhang zwischen gefundenen Nanopartikeln und Nebenwirkungen beim Impfen ausgerichtet. Und: Die Forscher hätten ihre Ergebnisse nicht kritisch hinterfragt. Nicht zuletzt hätten sie die ­Zitate, die beschreiben, wie sich Nanopartikel im menschlichen Körper verhalten, einseitig ausgewählt und teilweise falsch interpretiert.

Plötzlich Präsident

Bereits im August reichte Kijuges bei Swiss­ethics, der Ethikkommission für ­klinische Forschung, das Konzept für eine entsprechende Schweizer Studie ein – und kassierte eine Absage. Doch man ­gebe nicht auf, so Sanzone. Im Gegenteil: Das Projekt werde nun gemeinsam mit einer Hochschule überarbeitet. Mit welcher, wollte er nicht sagen.

Auf Nachhaken hin behauptete Sanzone, er sei der Präsident des Vereins. Sein Name taucht allerdings nirgends im Zusammenhang mit Kijuges auf. Der Name Daniel Trappitsch hingegen schon. Ihm gehört die Website des Vereins. Ausserdem ist die Postanschrift von Kijuges identisch mit derjenigen von Trappitschs Naturheilpraxis und dem Sitz seines Netzwerks Impfentscheid.

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Trappitsch «kennt» den Verein

Trappitsch ist der wohl umtriebigste Impfgegner der Schweiz. Und höchst umstritten. So pflegt er unter anderem Kontakte zu rechtsnationalistischen Vereinigungen wie dem Alpenparlament oder «Bürger für Bürger», wo man etwa Verschwörungstheorien zu 9/11 verbreitet, und zu fragwürdigen Esoterikern im In- und Ausland. 2014 verbreitete er ein Filmchen, in dem Ebolakranke als betrunkene Slumbewohner verhöhnt wurden und die Seuche als «das grösste genetische Experiment ­aller Zeiten» bezeichnet wurde. Seit 2014 läuft zudem eine Anzeige wegen Veruntreuung gegen ihn. Er soll sich aus der Kasse des Netzwerks Impfentscheid bedient haben. Noch laufen die Ermittlungen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Trappitsch gibt auf Anfrage zu, den Verein «zu kennen». Die Studie und der Verein seien aber zwei Paar Schuhe. Das räumt nun auch Sanzone ein: «Ich bin ­weder Kijuges-Präsident, noch habe ich in Sachen Nano­partikel-Studie einen Auftrag vom Verein.» Und kurz darauf war die Kijuges-Site nicht mehr aufrufbar.

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