Haie haben es gut. Wenn sie sich an ihrer Beute einen Zahn ausbeissen, wächst dieser einfach nach. Wir Menschen hingegen bekommen nur einmal im Leben auf natürlichem Weg neue Zähne. Ausgeschlagene oder ausgebissene Zähne sind für immer verloren – wenn nicht sofort der Zahnarzt eingreift.

Zahnunfälle betreffen nicht nur Eishockeyspieler und Karatekämpferinnen. Vor allem Kinder und Jugendliche verletzen sich häufig an den Zähnen. Rund ein Drittel aller Jugendlichen erleidet bis zum 16. Lebensjahr einen Zahnunfall. Bei den Erwachsenen ist es jeder Vierte – und es werden immer mehr. Der Grund: risikoreiche Freizeitbeschäftigungen und Sportarten. Ein Sturz mit den Inline-Skates oder ein verirrter Schlag mit dem Squashschläger endet oft mit einem angeknacksten oder ausgeschlagenen Zahn.

«Ein ausgeschlagener Zahn ist ein Notfall», erklärt Professor Wolfgang Strübig, Leiter des Schulzahnmedizinischen Dienstes der Stadt Bern. «Der Zahnarzt kann den Zahn nur retten, wenn sofort richtig reagiert wird.» Die Zahnwurzel ist mit speziellen Zellen überzogen, den Zementoblasten. Nur wenn diese Zellen überleben, kann der ausgeschlagene Zahn nach der Behandlung wieder im Kiefer festwachsen. Und die Zementoblasten überleben nicht lang: Bei trockener Lagerung des Zahns sterben sie innerhalb von 30 Minuten ab. Sie müssen deshalb feucht bleiben, bis der oder die Verunfallte samt dem ausgeschlagenen Zahn beim Zahnarzt ankommt.

«Im Idealfall wird ein ausgeschlagener Zahn in einer Zahnrettungsbox transportiert», meint Wolfgang Strübig. «In der Box hat es ein Spezialmittel, das die Zellen der Zahnwurzel 24 Stunden am Leben halten kann.» Dies ist vor allem dann hilfreich, wenn der Zahnarzt das Unfallopfer nicht sofort betreuen kann, weil zuerst schwerwiegendere Verletzungen behandelt werden müssen. Eine Zahnrettungsbox kostet in der Apotheke etwa 40 Franken und hält bei Raumtemperatur rund drei Jahre – eine Investition, die sich vor allem für Sportklubs, Schulen oder Familien mit mehreren lebhaften Kindern lohnen kann.

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Als Erste in der Schweiz haben die Berner Schulzahnmediziner vor wenigen Monaten alle Volksschulhäuser der Stadt mit einer Zahnrettungsbox versorgt. Kostenpunkt: rund 1600 Franken. Während der nächsten drei Jahre soll verfolgt werden, ob und wie die Rettungsboxen zum Einsatz kommen und welchen Nutzen verunfallte Kinder davon haben.

Vorbeugen ist besser als heilen
Doch auch bei den Zähnen gilt: Vorbeugen ist besser als heilen. Bei «zahngefährlichen» Sportarten wie Hockey, Boxen, Karate oder Inline-Skating sollte man deshalb Zähne und Kiefer schützen. In Sportfachgeschäften sind entsprechende Vorrichtungen aus Gummi bereits ab vier Franken pro Stück erhältlich.

Ein solcher Schutz hat allerdings Nachteile: Der Sportler oder die Sportlerin kann ihn nur im Mund festhalten, wenn er oder sie die Zähne fest zusammenbeisst. Das erschwert natürlich das Atmen und das Sprechen. Etwas angenehmer sind Zahnschutzmodelle aus verformbarem Material, das sich der Mundform anpasst. Ein solcher Schutz kostet rund 25 Franken.

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Am bequemsten und sichersten ist ein individueller Zahnschutz: Der Zahnarzt macht einen Abdruck von den Zähnen, und in einem zahntechnischen Labor wird anschliessend eine exakt passende Kunststoffschiene hergestellt. Sie hält vier bis fünf Jahre und eignet sich auch für Träger und Trägerinnen von Zahnspangen. Die Kosten von rund 200 bis 250 Franken sind vertretbar, bedenkt man die schmerzhaften und teils langwierigen Folgen von Zahnverletzungen.