Ein Dreirad, ein Moped, ein Stuhl und ein Holzschlitten mit übergrossen Sitzflächen. Darunter stehen auf den Plakaten jeweils folgende zwei Sätze: «Die Schweiz wird immer dicker. Es braucht wenig, um viel zu verändern.»

Beobachter: Ihre Kampagne sei ein Schlag ins Gesicht von dicken Kindern und Jugendlichen, kritisieren Fachärzte. Sie werfen Ihnen mangelnde Sensibilität vor.
Peter Burri Follath: Man muss diese Voten im Kontext sehen: Diese Fachärzte argumentieren aus Sicht ihrer Patienten. Sie reden für die wenigen Prozente der Bevölkerung, die an krankhaftem Übergewicht leiden. Wir aber wollen im Sinne der Volksgesundheit die ganze Bevölkerung für das Thema sensibilisieren.

Beobachter: Um dieses Ziel zu erreichen, nehmen Sie in Kauf, Betroffene zu diskriminieren?
Burri Follath: Eine gute Bevölkerungskampagne muss prägnant sein und Betroffenheit auslösen, um Beachtung zu finden.
Beobachter: Das Feingefühl hatte demnach also zweite Priorität?
Burri Follath: Im Gegenteil. Wir sind sehr vorsichtig mit dem Thema umgegangen und haben gemeinsam mit Kommunikationsprofis eine Variante entwickelt, die die Problematik gut darstellt, ohne zu diskriminieren. So zeigen wir zum Beispiel bewusst keine dicken Menschen. Zu sagen ist, dass die Rückmeldungen aus der Bevölkerung überwiegend positiv sind und von Übergewichtigen nicht so eindeutig ausfallen, wie suggeriert wird. Das wissen wir aus den Reaktionen, die wir sammeln und sehr ernst nehmen.

Beobachter: Während Übergewichtige irritiert reagieren, würden viele normalgewichtige Kinder und Teenager die Botschaft gar nicht verstehen, monieren die Kritiker weiter.
Burri Follath: Diese Aussagen basieren auf deren persönlichen Erfahrungen. Über den Erfolg der Kampagne lassen sich noch keine fundierten Angaben machen. Dafür ist es zu früh. Erste Trends aber zeigen in eine positive Richtung. Weiter können wir aus den eingegangenen Feedbacks schliessen, dass zwei Drittel der Organisationen, die sich mit Prävention von Übergewicht beschäftigen, die Kampagne gut finden. Dazu gehört neben den Kantonen und der Ärztegesellschaft etwa auch die Schweizerische Adipositas-Stiftung.

Beobachter: Bleibt der eine Drittel, der Ihnen auch vorwirft, bei der Planung nicht einbezogen worden zu sein.
Burri Follath: Wie bereits erwähnt, betrachten diese Kreise das Thema in erster Linie durch die medizinische Brille. Diese Sichtweise ist für die Entwicklung einer Bevölkerungskampagne nicht entscheidend. Erfahrungen haben gezeigt, dass solche Kampagnen nur schwierig oder gar nicht gestartet werden konnten, wenn vorwiegend Fachspezialisten konsultiert wurden.