Florian M.: «Ich bekomme in engen Räumen Schweissausbrüche und fürchte, in Ohnmacht zu fallen. Das ist in den Winterferien ein Problem, weil ich die Seilbahn nur benutzen kann, wenn kaum Leute darin sind. Was kann mir helfen?»

Die Angst zu umgehen ist der falsche Weg. Je öfter man ihr ausweicht, desto stärker wird sie. Weil das Ausweichen nämlich jedes Mal eine Erleichterung bringt, es also belohnt wird. Richtig ist genau das Gegenteil: Schritt für Schritt trainieren, es in engen Räumen auszuhalten. Man nennt das in der Fachsprache «systematisches Desensibilisieren».

Als Ergänzung zu den eigenen Bemühungen kann eine Psychotherapie lohnenswert sein. Denn hinter Angstsymptomen stecken oft tiefere Probleme, mit denen sich befassen sollte, wer eine nachhaltige Heilung anstrebt.

Grundsätzlich ist Angst ein sinnvolles Phänomen. Sie warnt vor Gefahren und schützt damit unser Leben. Wenn dieser Mechanismus aus dem Gleichgewicht geraten ist, wenn die Angst dysfunktional wird, spricht man von einer Angststörung. Man erkennt sie daran, dass die Angst nicht mehr schützt, sondern das Leben beeinträchtigt. Auch spüren Betroffene, dass das keine normale Angst mehr ist, dass ihr etwas Unsinniges anhaftet.

Man unterscheidet verschiedene Formen von Angst:

  • Panikstörungen: Diese sind besonders quälend. Sie sind durch plötzlich auftretende Atemnot, Schweissausbrüche, Herzrasen und heftige Angstgedanken charakterisiert. Manchmal ist es eine diffuse Angst oder eine Angst vor der Angst, aber oft auch die Angst, auf der Stelle zu sterben oder verrückt zu werden.
  • Ebenfalls verbreitet sind Phobien, unverhältnismässige Ängste aufgrund spezifischer Auslöser: Das können Tiere, Situationen oder Umweltbedingungen sein. Verbreitet sind zum Beispiel Spinnen- oder Schlangenangst. Angst in engen Räumen ist als Klaustrophobie bekannt, es gibt auch die Angst davor, Fahrstühle zu benutzen, zu fliegen, sich in Menschenmengen aufzuhalten oder vor einem Publikum zu sprechen. Manche haben Angst vor Gewittern, vor der Höhe oder vor Wasser. Wieder andere können kein Blut oder keine Verletzungen sehen.
Anzeige

Der US-Psychologe Reneau Z. Peurifoy hat ein Selbsthilfebuch für Menschen mit Angststörungen geschrieben. Er betont, dass die Angst eigentlich nur ein Bote ist, der den betroffenen Menschen darauf hinweist, dass er ein wichtiges Lebensthema angehen muss. Es geht nicht um die Spinne oder die Enge im Lift, sondern um Defizite bei den grundlegenden Bedürfnissen. Wir haben etwa ein Bedürfnis nach Sicherheit, dazu gehören die Themen Gesundheit, Finanzen und das Gefühl, den beruflichen sowie sozialen Anforderungen gewachsen zu sein. Wir haben aber auch ein Bedürfnis, die Welt zu verstehen, ein Bedürfnis, mit anderen verbunden zu sein, und nicht zuletzt ein Bedürfnis, in Leben und Tod einen Sinn zu finden.

Wer also überfordert ist, Beziehungsprobleme hat und existentielle Fragen nicht beantworten kann, ist gefährdet, Ängste zu entwickeln. Eine Therapie ist langfristig deshalb nur erfolgreich, wenn sie die Hintergrundthematik nicht vernachlässigt.

Anzeige