Durchschnitt sein, das klingt erst mal nach etwas, was wir alle nicht sein wollen: eben so, wie alle sind - also uninteressant.

So strengen wir uns an, stets und überall anders zu sein. Wir reisen zwar nach Mallorca, aber natürlich nicht zu jenem Strand, den alle kennen, sondern zum Geheimtipp der Insel. Wir haben ein Handy, aber nicht irgendeines, sondern ein iPhone, auch wenn wir dafür Schlange stehen müssen. Wir waren an der Streetparade dabei, aber natürlich nur am Anfang, als noch nicht alle hingingen. Und wir lesen abends lieber, als fernzusehen, wobei sich dann im Büro tags darauf herausstellt, dass wir das gestrige Fussballspiel «zufällig» doch gesehen haben.

Kurz: Wir funktionieren die meiste Zeit so, wie die meisten funktionieren. Wir sind Durchschnitt (siehe Artikel zum Thema «Typisch Schweiz: Im Schnitt sind alle Schweizer so»). Doch irgendwie scheint uns das peinlich zu sein. Vielleicht, weil wir uns nur über die Abgrenzung von den anderen als Individuen definieren können.

Aber haben wir diese rein äusserlichen Abgrenzungsversuche wirklich nötig? Ständig und in allem ausserhalb des Durchschnitts zu sein macht ja keine besseren und vermutlich auch keine glücklicheren Menschen aus uns. Also bin ich gerne zu 90 Prozent Durchschnitt und spare die Energie, um mich in einigen wenigen Bereichen mit Lust davon abzuheben.

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