Können Sie sich Ihr Aussehen eigentlich noch erlauben? Nein, ich will Sie nicht beleidigen. Aber die meisten von uns entsprechen optisch nun einmal nicht ganz dem momentanen Ideal. Laut einer repräsentativen Studie findet ein Viertel der Schweizerinnen, das liesse sich ändern – sie könnten sich eine Schönheitsoperation vorstellen. Und offenbar wächst der Druck: 67 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass man selbst für sein Aussehen verantwortlich sei, und genauso viele glauben, dass dieses heute wichtiger sei als früher. Wird der chirurgische Eingriff aus kosmetischen Gründen also eines Tages zum guten Ton gehören wie jetzt die Gebisskorrektur? Und wird, wer sich nicht unters Messer legen kann oder will, zum Aussenseiter?

Unsere Titelstory (siehe Artikel zum Thema) beschreibt das Geschäft mit der operativ angestrebten Schönheit, seine Risiken, aber auch die Chancen. Denn den meisten Kundinnen (und zunehmend auch Kunden) der Chirurgen geht es nicht um die Illusion von ewiger Jugend, sondern eher darum, störende Details zu überarbeiten. Eine Nasenkorrektur kann tatsächlich zu mehr Selbstbewusstsein verhelfen und jemanden buchstäblich zu einem neuen Menschen machen.

Auch wenn Schönheitsoperationen gesellschaftsfähiger geworden sind – wohl die meisten, die sich freiwillig dieser Art der Körperverletzung unterziehen, werden sich kritische Bemerkungen anhören müssen. Selbst in einem Zeitalter, in dem fast alles machbar scheint, haben Schönheitsoperationen immer noch etwas von einem Tabu, und das hat vielleicht seine guten Gründe.

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Stellen Sie sich vor, alle Menschen würden dem Schönheitsideal entsprechen – gäbe es dann überhaupt noch Schönheit? Oder wäre das, was wir heute als Attraktivität wahrnehmen, so banal wie die Tatsache, dass Menschen normalerweise zwei Beine, zwei Arme, zwei Ohren haben? Kann das Schöne ohne das Durchschnittliche und das Hässliche existieren?

Zwar gibt es Formeln, die definieren, mit welchen Proportionen ein Körper allgemein als schön empfunden wird. Aber lässt sich damit Schönheit wirklich herstellen? Wohl kaum. Oft sind es – vielfach unmerkliche – Unregelmässigkeiten oder die Spuren eines Lebens, die jemanden erst schön wirken lassen. Ein genormtes, beliebig reproduzierbares Ebenmass wäre dagegen eher langweilig. Und ohne eine gewisse Ausstrahlung hilft auch alle Chirurgie nichts: Ein unzufriedener Mensch wirkt selten schön.

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Das wissen auch die Ärzte. «Schönheit kommt von innen, so altbacken das klingt», sagt der Schönheitschirurg Jan Poëll. Zum Glück hat er recht.