Rock gegen Stress
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Feiertage

Rock gegen Stress

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Den Feiertagsstrapazen ist man nicht hilflos ausgeliefert. Die Psychologie kennt Bewältigungsmethoden, die so simpel sind, dass sie unser Autor als kleiner Bub selber erfand.

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Als Kind vertrödelte ich während der Weihnachtsferien ganze Vormittage im Pischi und schloss die Zimmertür, um mir meine gestressten Eltern vom Leib zu halten. Ich beschäftigte mich ausgiebig mit meinen neuen Spielsachen und begab mich mit Schlagersängerin Daliah Lavis Liedern auf Phantasiereisen in fremde Länder. So konnte ich den Stressfaktoren die Stirn bieten. Doch im Lauf der Jahre sind mir diese Fähigkeiten wieder abhandengekommen, die der emeritierte US-Psychologe Philip Zimbardo «problemzentrierte» und «emotionszentrierte» Bewältigungsstrategie nennen würde.

Ich wüsste zwar auch heute noch, wie man sich dem Weihnachtsstress widersetzt – Sie auch, oder? Erstens: Es müssen nicht Menüs mit fünf Gängen sein. Zweitens: Einkaufen darf man nicht im letzten Moment. Und drittens: Die viel zu hohen Erwartungen muss man kräftig runterschrauben. Und sich dazwischen immer mal etwas Ruhe gönnen. Diese Empfehlungen haben wir intus, wir haben sie uns mehr als einmal eingebläut. Vergebens, wir jammern trotzdem über zu viel Stress. Aber über was für Stress? Es gibt verschiedene Formen:

Disstress (lat. dis = unterschiedlich, auseinander, wie in Disharmonie) entsteht, wenn die Energie anstaut und die Nervenanspannung nicht mehr entladen wird. Dann kommt es zu einem Zustand der Unzufriedenheit, und man empfindet sämtliche Anforderungen als belastend und fühlt sich als Opfer der Situation.

Eustress (griechisch: eu = gut, wie in Euphorie) entsteht, wenn wir uns auf etwas freuen, wenn wir uns auf etwas vorbereiten und wenn uns etwas gelingt. Eustress mobilisiert zu kreativen und produktiven Aktivitäten und lässt jede Anforderung als Herausforderung erscheinen, der man sich gerne stellt. Eustress kann aber auch dazu führen, dass man sich überschätzt.

Den Verwandtenbesuch mal schwänzen

Beide Formen sind auf Dauer ungesund und kaum auszuhalten. Was tun? Soll der Festtagsstresss bekämpft werden? Oder besteht das Ziel darin, das Unbehagen zu verringern, das durch den Stress entstanden ist? Beides ist denkbar. Psychologe Zimbardo nennt das erste problemzentrierte-, das zweite emotionszentrierte Bewältigungsstrategie. Bei Ersterem ist die Suche nach Alternativen zum üblichen Festtagstrott nötig. Ein paar Beispiele: Vielleicht ist es jetzt eher mal angezeigt, im Bett zu bleiben oder Sport zu treiben, statt auf Verwandtenbesuch zu gehen. Statt an öde Partys zu gehen, sich nur von den besten Freunden einladen lassen. Statt sich von nervigen Christmas-Songs im Radio berieseln zu lassen, zwischendurch etwas Hardrock auflegen. Oder man kann auch einfach die Tür schliessen, so wie ich das als Kind tat.

Beim emotionszentrierten Vorgehen wird hingegen nicht nach Möglichkeiten zur Veränderung oder Behebung der stressreichen Situation gesucht. Stattdessen wird versucht, die damit zusammenhängenden Gefühle zu verändern. Vielen gelingt dies mit Entspannung, Meditation, Ablenkung – oder wenn man sich mit Musik für eine Weile wegbeamt.

Es wäre aber falsch, die Zeit zwischen Heiligabend und Neujahr nur mit Stressbewältigung zu verbringen – das könnte Sie stressen! Die Festtage zeichnen sich nämlich durch ritualisierte Abläufe aus, die uns das Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit bieten. Zu viel Neues und zu viel Veränderung stört da nur. Kinder genauso wie Erwachsene.

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Veröffentlicht am 18. Dezember 2009