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MedikamenteJeden Tag zehn Tabletten, ist das nicht zu viel?

Gesundheit hat in unserer Gesellschaft einen sehr hohen Stellenwert. Trotzdem haben Tabletten nicht den besten Ruf – schon gar nicht, wenn man sie täglich nehmen muss.

Wer viele Tabletten einnehmen muss, mag sie irgendwann gar nicht mehr sehen.
von aktualisiert am 03. Januar 2019

Frage von Maria K.: «Jeden Morgen muss ich sieben Pillen schlucken. Mittags nochmals drei. Ist das nicht zu viel?»

Ihre Bedenken kann ich gut verstehen. Ich stelle mir lebhaft vor, wie Sie am Zmorgetisch sitzen, die Tabletten Medikamente im Müll Sind Pillen und Tabletten bald einzeln erhältlich? vor sich. Fein säuberlich aufgereiht. Gelbe, weisse, eine ovale rote, eine Kapsel, die Sie scherzhaft Luzernerin nennen, da sie halb weiss, halb dunkelblau ist. Dazu noch ein Sachet mit weissem Pulver, das Sie in einem Glas Wasser auflösen müssen.

Für was sind all die Pillen?

Sie haben das Gefühl, dass Ihr Frühstück nicht aus Brot und Butter besteht, sondern aus Chemie. Die ovale, die ist für den Blutdruck, aber all die anderen? Es sind inzwischen so viele, dass Sie gar nicht mehr wissen, wie sie heissen und wozu sie gut sind. Zudem sind einige wirklich nicht einfach zu schlucken. Das hängt vielleicht mit dem Alter zusammen – Schluckfähigkeit und Speichelproduktion nehmen ab. Schon beim Anblick der Pillen würgt es Sie leicht, der Mund wird noch trockener.

Oft rätseln Sie auch, ob sich die Mittel gegenseitig vertragen, da liest man heute ja so einiges. Und Sie nehmen sie ja auch nicht erst seit gestern. Es scheint, dass es mit jedem Lebensjahrzehnt zwei mehr werden.

Tabletten sind ein Sinnbild fürs Kranksein

Ihre Tochter versteht Sie rein gar nicht. Froh sein sollen Sie um all die Medizin, sagt sie jeweils etwas schnippisch und leicht genervt.
Es ist in der Tat so, dass wir hier in der Schweiz wohl fast am meisten Medikamente einnehmen – eine Goldmedaille, auf die wir gern verzichten würden. 

«Wir hier in der Schweiz schlucken wohl fast am meisten Pillen - eine Medaille, auf die wir gern verzichten würden»

Thomas Ihde, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH

Für viele sind all diese Tabletten ein Sinnbild – leider kein positives. Gesundheit hat in unserer Gesellschaft einen sehr hohen Stellenwert. Tabletten sind in dem Sinne Symbol für das Nicht-gesund-Sein. Jede Pille Schmerzmittel Rezeptfrei heisst nicht harmlos erinnert Sie täglich daran.

Wirken diese Tabletten überhaupt?

Schwieriger wird es auch dadurch, dass es Langzeitmedikamente sind. Bei einem Antibiotikum Resistente Keime «Eine sehr ernst zu nehmende Gefahr» sind Pille und Effekt in der Regel zehn Tage lang gekoppelt. Doch bei Ihnen ist eine unmittelbare Wirkung nicht spürbar. Dennoch nehmen Sie 365-mal pro Jahr zehn Tabletten ein.

Unbewusst löst das bei vielen auch Schuldgefühle Schlechtes Gewissen 4 Tipps gegen ständige Schuldgefühle aus. Sie schämen sich, die Gesundheit nicht im Griff zu haben und von etwas Chemischem abhängig zu sein. Als hätten sie versagt. Dabei ist es eine Tatsache, dass wir mit einer gesunden Lebensführung vieles beeinflussen können, vieles aber nicht.

Schuldgefühle wegen der hohen Kosten

Heute haben die Schuldgefühle noch einen anderen Grund. Sie sehen ja jeweils Ihre Krankenkassenrechnung und sind sich bewusst, dass Sie zu den Gesundheitskosten beitragen. Und die Tochter klagt doch immer über die hohen Prämien Krankenkasse So senken Sie Ihre Prämien für ihre Familie, wegen all der Leute, die «wegen nichts zum Arzt rennen Patientenschutz «Patienten schenken Ärzten zu viel Vertrauen» ».

Andererseits sagt einer meiner Patienten, der kosovarische Wurzeln hat: «Ich verstehe die Schweizer manchmal schon nicht. Ich nehme jeden Tag diese paar Tabletten. Mir geht es recht gut. Mein Bruder im Kosovo starb letzten Sommer ganz plötzlich am genau Gleichen – aber er hatte leider keinen Zugang zu diesen Pillen.»

Was kann ich Ihnen nun raten?

  • Setzen Sie sich mit Ihrem Hausarzt zusammen und gehen Sie alle Medikamente durch. Am besten nehmen Sie die Tochter mit. Fragen Sie bei jedem Mittel, warum Sie es einnehmen müssen – und was passieren würde, wenn man es wegliesse. So können Sie sich entscheiden, ob Sie es weiter möchten oder nicht. Plötzlich sieht es vielleicht anders aus. Die kleine gelbe Tablette verhindert einen Schlaganfall. Das haben Sie vielleicht ja bei Ihrem verstorbenen Ehemann miterlebt, und das möchten Sie für sich verhindern.
  • Zum Thema Wechselwirkungen Medikamente Vor schweren Schäden wird zu spät gewarnt kann der Arzt oder die Apotheke einen sogenannten Interaktionscheck durchführen.
  • Wenn Ihnen der Grund für ein Medikament nicht einleuchtet, dann teilen Sie das dem Arzt mit. Fragen Sie, wie Sie das Mittel «ausschleichen» können. Sie entscheiden Vorsorge 7 Schritte zur Selbstbestimmung , denn es geht um Ihre Gesundheit und Ihren Körper.
  • Sehen Sie Ihre Medikamente nicht als Sinnbild für das Nicht-gesund-Sein, sondern als Sinnbild für «bei möglichst guter Gesundheit bleiben – trotz Krankheit». Es geht um Lebensqualität und damit um Ihre Zufriedenheit.

Haben Sie psychische oder soziale Probleme?

Schreiben Sie per Mail an:
thomas.ihde@beobachter.ch

Oder per Post an:

Thomas Ihde
Beobachter
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8021 Zürich

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