Der Vierwaldstättersee ist spiegelglatt. Einzig das Gleiten des Zweierboots auf dem Wasser und das gleichmässige Schlagen der Ruder sind zu hören. Die schönste Zeit zum Rudern ist der frühe Morgen, bevor der Schiffsverkehr beginnt. Denn ohne die Wellen der grossen Schiffe kommt man im Gleichtakt vorwärts.

«Wenn der Rhythmus stimmt, habe ich ein gutes Gefühl», sagt Hanns Fuchs, Mitglied des Ruderklubs Reuss in Luzern. Sitze der komplexe Bewegungsablauf und stimme die Balance, dann sei es, als würde man schweben. Spricht Fuchs über das Rudern, klingt das wie ein Werbespot.

Doch Werbung braucht der Sport kaum noch. Dass Rudern boomt, zeigen die Mitgliederzahlen der Klubs: Dem Ruderklub Reuss zum Beispiel gehören rund 530 Personen an.

In der Schweiz gibt es rund 70 Ruderklubs und 8000 aktive Ruderer. Die meisten Vereine nehmen zwar noch Mitglieder auf, oft bestehen aber lange Wartelisten. Denn der Sport ist nicht nur attraktiv, sondern auch bezahlbar: Der Vereinsbeitrag beläuft sich auf 300 bis 500 Franken pro Jahr, dazu kommt die Aufnahmegebühr. Die Vereine bieten Einführungskurse an, die zwischen 200 und 300 Franken kosten, und stellen in der Regel die Boote zur Verfügung. Besondere Kleidung ist nicht nötig, Trainingsanzug und Turnschuhe genügen.

Auch wer das Vereinsleben scheut, muss nicht auf dem Trockenen sitzen bleiben: Eine Alternative sind Ruderschulen, die Privatstunden erteilen. «Wir können individuell auf den Kunden eingehen – dann, wenn er Zeit hat», so Melchior Bürgin von der Ruderschule Stämpfli Racing Boats in Zürich. Die Privatstunden erteilt er im Zweier. «So lernt der Kunde schneller.»

Eine Sportart für jedes Alter


Für die Gesundheit ist Rudern ideal: Es schont die Gelenke, entspannt und kann in der Natur betrieben werden. «Rudern vereinigt Ausdauer und Kraft, es trainiert das Herz-Kreislauf-System und die Muskulatur», sagt Kerstin Warnke, Chefärztin des Swiss Olympic Medical Centers der Schulthess-Klinik Zürich. Auch für das Lungensystem ist Rudern gesundheitsfördernd; es werde sogar zur Therapie bei Asthma eingesetzt, so Warnke.

Rico Lang vom Schweizerischen Ruderverband (SRV) hebt den umfassenden Trainingseffekt hervor. «Stimmt die Technik, wird der ganze Körper beansprucht. Die Kraft kommt aus den Beinen.» Ausserdem sei Rudern ein Sport für jedes Alter. Schon 12-Jährige seien gross genug, sich in einem Boot wohl zu fühlen.

Quelle: Sabina Bobst