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Anaphylaktischer Schock

(allergischer Schock)
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1. Definition

Definition

Ein anaphylaktischer Schock (allergischer Schock) ist die schwerste Form einer allergischen Reaktion.

Unter Anaphylaxie verstehen Mediziner eine akute allergische Reaktion, die an verschiedenen Körperregionen Symptome hervorruft, zum Beispiel an der Haut, den Atemwegen, im Verdauungstrakt und im Herz-Kreislauf-System.

Der allergische Schock als stärkste allergische Reaktion wird ausgelöst durch Allergene, wie Insektengift, Nahrungsmittel oder Medikamente, auf die der Betroffene besonders heftig allergisch reagiert. Ein allergischer Schock ist lebensbedrohlich und kann innerhalb kurzer Zeit zum Herz-Kreislauf-Stillstand führen.

Bereits wenige Sekunden nach dem Kontakt mit dem Allergen – zum Beispiel nach einem Wespenstich – kann sich eine Anaphylaxie beziehungsweise ein anaphylaktischer Schock durch folgende Symptome zeigen:

  • heftige Kreislaufbeschwerden
  • Übelkeit
  • Atemnot
  • Herzrasen
  • Angst
  • trockener Mund
  • Zungenbrennen
  • Juckreiz
  • Hautausschläge, Quaddeln und geschwollene Augenlider.

Die Anaphylaxie kann in vier Schweregrade eingeteilt werden:

Grad Symptome
Grad I
leichte allergische Reaktion
  • Juckreiz, Hautbläschen, Quaddeln, Hautrötung
  • Heiserkeit, Atembeschwerden
  • Allgemeinbeschwerden wie Kopfschmerzen, Unruhe
Grad II 
ausgeprägte allergische Reaktion
  • Juckreiz, Hautbläschen, Quaddeln, Hautrötung
  • Herzrasen, niedriger Blutdruck (Hypotonie)
  • Schwellungen der Atemwege, Atembeschwerden, Verkrampfung der Bronchialmuskulatur
  • Stuhldrang, Übelkeit, Bauchkrämpfe, Heiserkeit
Grad III
bedrohliche allergische Reaktion
  • Juckreiz, Quaddeln, Hautbläschen, Hautrötung
  • Schock mit niedrigem Blutdruck
  • Verkrampfung der Bronchialmuskulatur mit bedrohlichen Atembeschwerden, Blaufärbung der Haut und Schleimhäute (sog. Zyanose)
  • Bewusstseinstrübung bis zur Bewusstlosigkeit
  • akutes Abdomen (lebensbedrohlicher Zustand, u.a. mit plötzlich auftretenden, heftigen Bauschmerzen, gespannter Bauchdecke, gestörter Darmfunktion), Erbrechen
Grad IV
Organversagen
  • Atem- und Kreislaufstillstand

Die typischen Symptome, die ein allergischer Schock hervorruft, entstehen dadurch, dass sich die Blutgefässe erweitern, sich Wasser im Gewebe einlagert, der Blutdruck abfällt, der Puls abflacht und die Organe schlechter durchblutet werden. Die Betroffenen verlieren schliesslich das Bewusstsein.

Ohne rechtzeitige Therapie kann ein anaphylaktischer Schock tödlich verlaufen. Rufen Sie daher bei den ersten Anzeichen direkt einen Notarzt!

2. Ursachen

Ein anaphylaktischer (allergischer) Schock hat individuell unterschiedliche Ursachen. Menschen, die unter einer Typ-I-Allergie leiden, können einen anaphylaktischen Schock entwickeln, wenn sie in Kontakt mit dem Allergen (Substanz, auf die sie allergisch reagieren) kommen. Bei einem anaphylaktischer Schock sind die häufigsten Ursachen:

  • Nahrungsmittel (z.B. Nüsse), vor allem bei Kindern
  • Insektenstiche (z.B. Wespenstich), besonders bei Erwachsenen
  • Medikamente, vor allem Antibiotika (z.B. Penicillin)
  • Latex

Auch Kontrastmittel bei Röntgenuntersuchungen oder bestimmte Impfstoffe von Medikamenten kommen bei einem anaphylaktischen Schock als Ursachen infrage. Ein allergischer Schock kann auch im Rahmen der Allergie-Therapie mittels einer Hyposensibilisierung auftreten.

Oft weiss der Betroffene bereits vorher, dass er auf ein bestimmtes Medikament oder Nahrungsmittel allergisch reagiert. Es ist wichtig zu wissen, dass ein anaphylaktischer Schock auch scheinbar «harmlose» Ursachen Allergene haben kann, etwa Allergene, auf die die meisten Menschen nicht oder nur schwach reagieren. So kann es zum Beispiel bei einer Erdnussallergie bereits durch kleinste Mengen Erdnuss zum allergischen Schock kommen.

Dasselbe gilt bei einer Kontrastmittel-Allergie: Informieren Sie vor einer Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel die behandelnden Ärzte (auch den Radiologen), wenn eine Allergie auf ein Kontrastmittel bei Ihnen bekannt ist. So kann der Arzt bereits im Vorfeld auf eine andere Untersuchung oder ein anderes Kontrastmittel ausweichen. Das Gleiche gilt bei einer Penicillinallergie, bei welcher der behandelnde Arzt auf ein alternatives Antibiotikum zurückgreift.

3. Diagnose

Ein anaphylaktischer (allergischer) Schock ist ein lebensbedrohlicher Zustand und erfordert eine rasche Diagnose und Behandlung durch einen Notarzt.

Ein allergischer Schock ist meist daran zu erkennen, dass kurz nach einem auslösenden Ereignis – wie einem Insektenstich oder einer Kontrastmittel-Injektion – typische Symptome auftreten:

Der Arzt stellt bei einem anaphylaktischen Schock die Diagnose anhand der typischen Anzeichen des allergischen Schocks, misst den Puls und Blutdruck und beginnt unverzüglich mit der Therapie. In der Klinik können weitere Untersuchungen folgen (wie Blutuntersuchungen, EKG).

4. Therapie

Ein anaphylaktischer Schock (allergischer Schock) ist ein Notfall und erfordert eine sofortige Therapie durch einen Notarzt. Zunächst ist es wichtig, den Kontakt zum auslösenden Allergen (z.B. eine Kontrastmittel-Infusion) sofort zu stoppen.

Bringen Sie den Betroffenen bei einem anaphylaktischen Schock in die sogenannte Schocklage (Körper flach, Beine angehoben) und rufen Sie den Notarzt!

Der Notarzt legt einen Zugang in eine Vene, über die er verschiedene Medikamente verabreicht:

  • Adrenalin
  • Dopamin, Noradrenalin oder Vasopressin
  • Sauerstoff über eine Sauerstoffmaske
  • Flüssigkeit (z.B. Plasmaersatzlösung, Elektrolytlösung)
  • Glukokortikoide (Kortison, Prednisolon)
  • Antihistaminika (z.B. Clemastin oder Dimetinden)

Zusätzlich gibt der Arzt teilweise Beta-2-Sympathomimetika. Diese Substanzen erweitern die Bronchien und sind hilfreich, wenn der anaphylaktische Schock dazu führt, dass die Atemwege zuschwellen.

Nach der notfallmässigen Behandlung muss der Betroffene unverzüglich auf der Intensivstation einer Klinik untersucht und behandelt werden, da sich die allergische Reaktion wiederholen kann.

Bei manchen Personen ist bekannt, dass – zum Beispiel nach Insektenstichen – eine starke allergische Reaktion auftritt, die zu einem anaphylaktischen Schock führen kann. Für diese Menschen ist es sinnvoll, ein Notfallset bei sich zu führen. Es enthält einen sogenannten Autoinjektor, mit dem sich der Betroffene im Notfall (direkt nach einem Wespenstich etc.) selbst Adrenalin in den Oberschenkelmuskel spritzen kann.

Neben dem Autoinjektor gehören zum Notfallset noch weitere Medikamente wie ein Glukokortikoid-Präparat und ein Antihistaminikum. So kann sich der Betroffene schnell selber helfen beziehungsweise durch eine Begleitperson sofort versorgt werden – vor allem in Situationen, in denen eine rasche notärztliche Hilfe nicht möglich ist (z.B. in fernen Urlaubsländern). Wer ein solches Notfallset mit sich führt, sollte sich die Gebrauchsanleitung gut durchlesen und offene Fragen mit dem Arzt oder Apotheker klären.