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Blut im Urin

(Hämaturie)
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Veröffentlicht am 22.06.2020

1. Definition

Blut im Urin kann auf verschiedene Erkrankungen hindeuten. Nicht immer ist das Blut von Auge sichtbar, sondern muss manchmal im Labor untersucht werden.

Blut im Urin (Hämaturie) ist ein Symptom, das unterschiedliche Ursachen haben kann. In einigen Fällen zeigt sich Blut im Urin auch beim gesunden Menschen: In geringen Mengen kann es zum Beispiel nach einer extremen körperlichen Belastung auftreten. Allerdings kann Blut im Urin auch Zeichen von Erkrankungen der Blase, Nieren und anderer Harnwegsorgane sein.

Mögliche Ursachen der Hämaturie sind zum Beispiel:

 

Es gibt zudem verschiedene geschlechtsspezifische Ursachen von Blut im Urin: Bei Frauen kann es sich um Verunreinigungen des Urins durch die Monatsblutung handeln. Bei Männern können Erkrankungen der Prostata, zum Beispiel eine Prostataentzündung (Prostatitis) oder eine gutartige Prostatavergrösserung (benigne Prostatahyperplasie) zu Hämaturie führen.

Mediziner unterscheiden zwei Formen der Hämaturie: Bei einer Mikrohämaturie (mikro = klein) ist das Blut im Urin nur mikroskopisch oder mittels Urin-Teststreifen erkennbar – der Urin ist noch nicht rot verfärbt. Eine andere Form der Hämaturie ist die Makrohämaturie (makro = gross), bei der sich der Urin durch das enthaltene Blut mit blossem Auge sichtbar rot färbt. Die Hämaturie-Form sagt aber nichts über die Ursachen oder den Ort der Blutung aus.

Ist der Urin noch nicht rot verfärbt, erkennt der Labormediziner, ob Blut im Urin vorliegt indem er Urin unter dem Mikroskop untersucht. Zählt er bei einer vorgegebenen Vergrösserung in einem bestimmten Volumen mehr als fünf rote Blutkörperchen (Erythrozyten) pro Gesichtsfeld unter dem Mikroskop, liegt eine Mikrohämaturie vor. Bei einer Makrohämaturie befinden sich mehr als 50 rote Blutkörperchen pro Gesichtsfeld im Urin.

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2. Ursachen

Blut im Urin (Hämaturie) kann verschiedene Ursachen haben. Das Blut im Urin kann zum Beispiel Zeichen von Erkrankungen der Blase, Nieren und Nierenbecken sowie der sogenannten harnableitenden Organe wie Harnleiter und Harnröhre sein. Mögliche Erkrankungen, die mit einer Hämaturie einhergehen können und damit bei Blut im Urin als Ursachen infrage kommen, sind:

 

Blut im Urin kann bei der Frau auch die normale Regelblutung sein. Versuchen Sie daher auszuschliessen, dass die Menstruation die Ursache der rötlichen Verfärbung des Urins ist. Wenn Sie bei sich Blut im Urin feststellen, weisen Sie die Ärztin am besten darauf hin, ob Sie gerade Ihre Periode haben. So können Missverständnisse und überflüssige Untersuchungen oft vermieden werden. Auch Harnwegsinfekte als Ursache von Blut im Urin kommen bei der Frau sehr viel häufiger vor als beim Mann. In den Wechseljahren wird bei Frauen zudem häufiger eine Mikrohämaturie als Zufallsbefund festgestellt. Eine mögliche Ursache hierfür sind die nach der Menopause trockener und empfindlicher werdenden Schleimhäute der Harn- und Geschlechtsorgane.

Blut im Urin beim Mann kann ebenfalls verschiedene geschlechtsspezifische Ursachen haben, zum Beispiel eine Prostataentzündung (Prostatitis) oder eine Prostatavergrösserung (benigne Prostatahyperplasie). Seltener verursacht auch Prostatakrebs Blut im Urin.

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3. Diagnose

Bei Blut im Urin (Hämaturie) stellt die Ärztin zunächst in einem ausführlichen Gespräch – der Anamnese – einige Fragen, um die Diagnose zu sichern, zum Beispiel:

 

  • Wann haben Sie das Blut im Urin zum ersten Mal entdeckt?
  • Welche Färbung hatte der Urin (rosa, rot, dunkelrot, braun)?
  • Haben Sie sich verletzt oder hatten Sie einen Unfall?
  • Bestehen Beschwerden wie Blasenschmerzen oder Brennen beim Wasserlassen?
  • Sind Vorerkrankungen und Steine (wie Blasensteine, Nierensteine) bekannt, die zu Hämaturie führen können?
  • Nehmen Sie Medikamente (z.B. gerinnungshemmende Wirkstoffe wie Phenprocoumon) ein?
  • bei Frauen: Wann war Ihre letzte Regelblutung?

Nicht immer ist Blut für eine Rotfärbung des Urins verantwortlich: Nahrungsmittel, wie Randen, Rhabarber oder Beeren können ebenfalls zu rötlich verfärbtem Urin führen. Denken Sie deshalb auch darüber nach, was Sie gegessen und getrunken haben

Nach der Anamnese folgt eine körperliche Untersuchung, bei welcher der Arzt den Bauch und die Flanken abklopft und abtastet. Ausserdem misst er Temperatur, Blutdruck und Puls. Mittels Ultraschall (Sonographie) untersucht er Blase, Nieren und Harnleiter.

Bei Blut im Urin spielen Urinuntersuchungen eine wichtige Rolle, um die Diagnose zu stellen. Der Arzt wird Sie deshalb um eine Urinprobe zur Urindiagnostik bitten. Mittels Teststreifen lassen sich weisse und rote Blutkörperchen im Urin sowie weitere mögliche Urinbestandteile wie Eiweisse nachweisen. Im Zweifelsfall wird der Arzt ausserdem einen Teil der Urinprobe unter dem Mikroskop untersuchen lassen, um noch genauere Ergebnisse zu erhalten. Rote Blutkörperchen (Erythrozyten) im Urin sind bei einer Makrohämaturie für die sichtbare rötliche Färbung verantwortlich. Bei einer Harnwegsinfektion liegen neben den Erythrozyten auch zu viele weisse Blutkörperchen (Leukozyten) im Urin vor. Leukozyten im Urin können aber auch ein Hinweis auf eine ernsthafte Nierenerkrankung sein.

Je nach Ergebnis sind bei Hämaturie weitere Untersuchungen sinnvoll, um die Ursache von Blut im Urin festzustellen oder um einen Befund weiter abzuklären. Zusätzliche Untersuchungen, die dem Arzt bei Blut im Urin ermöglichen, die Diagnose zu stellen oder zu sichern, sind zum Beispiel:

 

  • Röntgenuntersuchung des Bauchs sowie des Nierenbeckens (Pyelographie) und der Harnleiter (Ureteropyelographie)
  • Blasenspiegelung (Zystoskopie)
  • Computertomographie
  • Kernspintomographie
  • Angiographie (Darstellung der Blutgefässe im Röntgenbild)
  • Biopsie (Probenentnahme) der Niere
Ein Arzt hält eine Urinprobe.

Zur Diagnose ist bei Blut im Urin oft eine Urinprobe nötig.

Quelle: Getty Images

4. Therapie

Tritt Blut im Urin (Hämaturie) auf, richtet sich die Therapie nach den zugrunde liegenden Ursachen. Während eine kurzfristige Hämaturie nach sportlicher Anstrengung in der Regel keine Therapie erfordert, ist bei bestimmten Erkrankungen eine gezielte Behandlung notwendig.

Bei einer durch Bakterien verursachten Blasenentzündung helfen beispielsweise Antibiotika. Das Blut im Urin sollte unter dieser Therapie verschwinden, wenn sich die Entzündung bessert.

Sind Blasensteine oder Nierensteine die Ursache von Blut im Urin, ist eine Behandlung notwendig, falls die Steine nicht von alleine abgehen. Eine mögliche Methode ist die Stosswellentherapie (extrakorporale Stosswellenlithotripsie, ESWL) oder das Einlegen einer Harnleiterschiene. Bei Tumoren, zum Beispiel Nierenkrebs (Nierenkarzinom), sind in der Regel zunächst eine Operation sowie gegebenenfalls weitere Therapien (Chemotherapie, Bestrahlung) notwendig.

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