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Eiweiss im Urin

(Proteinurie)

1. Definition

Befindet sich zu viel Eiweiss im Urin, spricht man von einer Proteinurie. Wie hoch der Anteil ist, kann der Arzt mithilfe einer Urinprobe feststellen. Zu hohe Werte können auf eine Erkrankung hinweisen.

Ähnlich wie ein Sieb filtern die Nieren nicht benötigte Stoffe aus dem Blut, um diese mit dem Urin zu entsorgen. Im Blut befindliche Eiweisse (Proteine) halten die Nieren dabei fast vollständig zurück, sie gelangen deshalb normalerweise nicht in den Urin: Zu grosse Proteine passen nicht durch den «Filter», kleinere Eiweiße führen die Nieren dem Körper nach dem Filtern wieder zu. Geringe Mengen Eiweiss können dennoch auch bei Gesunden im Urin vorkommen.

Unter bestimmten Umständen oder im Zusammenhang mit bestimmten Erkrankungen funktioniert die Filterfunktion der Nieren jedoch manchmal nicht mehr richtig – sie werden durchlässiger. Das kann sich durch eine Proteinurie bemerkbar machen. Ein zu hoher Eiweiss-Anteil im Urin kann daher ein Hinweis darauf sein, dass etwas mit den Nieren beziehungsweise dem Körper nicht stimmt.

Von einer Proteinurie beziehungsweise zu viel Eiweiss im Urin spricht man, wenn im Urin innerhalb von 24 Stunden mehr als 150 Milligramm Eiweiss nachgewiesen werden. Niedrigere Werte gelten als normal.

Bei einem gesunden Menschen ist der Eiweiss-Anteil im Urin niedrig. Vorübergehend kann es auch zu leicht erhöhten Protein-Werten kommen, ohne dass dies bedenklich sein muss, etwa nach körperlichen Anstrengungen wie Sport. Experten sprechen dann von einer sogenannten benignen reversiblen Proteinurie, also einer «gutartigen umkehrbaren Proteinurie». Diese Form der Proteinurie wird häufig zufällig im Rahmen einer Routineuntersuchung festgestellt. Durch Beschwerden macht sie sich in der Regel nicht bemerkbar.

Bei ansonsten gesunden Menschen setzt sich das aus dem Blut filtrierte Eiweiss im Urin meist wie folgt zusammen:

  • 60 Prozent: Plasmaproteine (z.B. Albumin)
  • 40 Prozent: Glykoproteine und Immunproteine (z.B. Immunglobulin G)

Schäumender Urin kann ein Hinweis auf eine Proteinurie sein.

Bleiben die Werte jedoch dauerhaft erhöht oder ist der Eiweiss-Anteil sehr hoch, sollte das näher untersucht werden. Es kann ein Hinweis darauf sein, dass die Nieren nicht richtig arbeiten. Bei stärkeren Nierenschäden treten bei den Betroffenen neben der Proteinurie zudem meist spürbare Symptome auf, zum Beispiel Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme). Ein zu hoher Eiweiss-Anteil im Urin kann ausser in Zusammenhang mit Nierenerkrankungen allerdings auch bei anderen Erkrankungen auftreten.

2. Ursachen

Für zu viel Eiweiss im Urin (Proteinurie) kann es verschiedene Ursachen geben.

Zu einer vorübergehenden und harmlosen Proteinurie (sog. benigne reversible Proteinurie) kann es zum Beispiel durch folgende Umstände kommen:

  • körperliche Anstrengung (z.B. Sport)
  • Stress
  • Kälte
  • Hitze
  • Fieber
  • Wachstum (die sog. orthostatische Proteinurie ist eine lageabhängige Proteinurie, die vor allem bei Kindern und Jugendlichen im Wachstum auftritt; nach längerem Stehen ist die Eiweiß-Ausscheidung im Urin höher, nach nächtlichem Liegen normalisiert sie sich wieder)

Eine benigne reversible Proteinurie erfordert normalerweise keine Behandlung.

Die Eiweiss-Werte im Urin können sich zudem im Rahmen bestimmter Nierenerkrankungen erhöhen, wie etwa:

  • bei einer Nierenentzündung (Glomerulonephritis)
  • bei Nierenschäden (z.B. durch chronische Nierenschwäche)
  • bei nephrotischem Syndrom
  • bei Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) mit Nierenbeteiligung (sog. diabetische Nephropathie)

Eine Proteinurie kann aber auch im Zusammenhang mit Erkrankungen ausserhalb der Nieren entstehen, zum Beispiel bei:

Ebenso können Medikamente bei manchen Betroffenen die Nierenfunktion stören und dadurch die Eiweiss-Ausscheidung erhöhen, wie etwa:

  • nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) oder andere Schmerzmittel
  • Antibiotika
  • Mittel zur Krebstherapie

3. Diagnose

Um festzustellen, wie hoch der Eiweiss-Anteil im Urin ist beziehungsweise ob eine Proteinurie vorliegt, benötigt der Arzt eine Urinprobe des Betroffenen. Da manche Medikamente die Eiweiss-Menge im Urin beeinflussen können, sollte der Arzt über alle eingenommenen Medikamente im Bilde sein.

Meist nutzt der Arzt einen sogenannten Urin-Schnelltest, um Aufschluss über den Eiweiss-Anteil im Urin zu bekommen. Dafür taucht er einen speziellen Teststreifen kurz in die Urinprobe und wartet ab, wie sich der Streifen verfärbt. Je nach Art der Verfärbung kann er nun einschätzen, ob Normalwerte vorliegen oder ob es Abweichungen gibt. Solche Teststreifen sind auch in der Apotheke erhältlich, sodass ein Urin-Schnelltest im Prinzip auch zuhause vorgenommen werden kann.

Weicht das Ergebnis des Schnelltests von der Norm ab, sind weitere Laboruntersuchungen notwendig, die mehr darüber aussagen, wie viel Eiweiss im Urin vorkommt und welche Eiweisse das genau sind (z.B. Albumin). In der Regel untersucht man bei auffälligen Befunden deshalb den sogenannten 24-Stunden-Sammelurin.

Weitere Untersuchungen können folgen, um die Ursache der Proteinurie festzustellen, wie zum Beispiel:

  • Urinkultur
  • Protein-Elektrophorese
  • Ultraschalluntersuchung der Nieren, Blase und Harnwege
  • Gewebeprobe (Biopsie) der Nieren

4. Therapie

Ob bei zu viel Eiweiss im Urin (Proteinurie) eine Therapie notwendig ist und wie diese aussieht, hängt von der Ursache der erhöhten Werte ab. Steht die Proteinurie in Zusammenhang mit einer Erkrankung, so ist diese zu behandeln.