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Definition

Bei Gangstörungen handelt es sich um Probleme beim Gehen. Dabei können die sichtbaren Störungen ganz unterschiedlich ausfallen. Von einem leichten Humpeln bis hin zu einem sehr auffälligen Gangbild mit geknickten Kniegelenken und kaum mehr möglichem Gehen. Gangstörungen können unterschiedliche Ursachen haben. Ärzte unterscheiden hierbei zwischen neurologischen Ursachen, bei denen die Nerven geschädigt oder erkrankt sind, internistischen Ursachen, bei denen die inneren Organe nicht normal arbeiten oder orthopädische Ursachen.

Wenn Sie unter Gangstörungen leiden, kann ein Arzt herausfinden, welche Ursachen dem Problem zugrunde liegen. Dazu fragt er vor allem danach, ob noch weitere Beschwerden oder Störungen vorliegen und führt dann eventuell einige Untersuchungen durch. Nervenbedingte (neurologische) Gangstörungen gehen häufig mit Schwindel einher. Die Betroffenen sind unsicher beim Gehen und oft auch beim Stehen. Das Gleichgewicht kann derart gestört sein, dass der Betroffene zu Boden fällt und das Bewusstsein verliert. Gerade bei neurologische Erkrankungen (z.B. multiple Sklerose, Parkinson) treten neben anderen Beschwerden auch häufig Gangunsicherheiten auf.

Orthopädische Gangstörungen können durch unterschiedliche Schäden an Knochen, Gelenken und Muskeln der Beine sowie der Wirbelsäule verursacht werden, etwa durch Arthrose oder in Folge von Verletzungen. Auch Veränderungen (Anomalien) der Blutgefässe können zu Gangstörungen führen. Hierdurch können Blutungen oder Durchblutungsstörungen in den Beinen entstehen, welche mitunter Beschwerden und Schmerzen verursachen. Die periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK), eine besondere Form der Durchblutungsstörung, macht sich beispielsweise dadurch bemerkbar, dass die Betroffenen in gewissen Abständen stehen bleiben müssen, weil die Beine schmerzen (sog. Schaufensterkrankheit).

2. Ursachen

Gangstörungen können unterschiedliche Ursachen haben. Je nachdem, ob den Gangstörungen eine Erkrankung der Nerven (neurologische Ursache), der inneren Organe (internistische Ursache) oder des Bewegungsapparats (orthopädische Ursache) zugrunde liegt, kommen bei Gangstörungen zahlreiche Erkrankungen als Auslöser in Betracht. Es gibt also viele verschiedene Ursachen, hier einige Beispiele:

  • Durchblutungsstörungen bis hin zu Thrombosen, wie
    • im Ohr (Störung des Gleichgewichtssinns)
    • im Gehirn (z.B. beim Schlaganfall)
    • in den Beinen (periphere arterielle Verschlusskrankheit, PAVK)
  • Blutdruckabfall und niedriger Blutdruck
  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Gifte, Sucht- und Genussmittel (wie Alkohol)
  • Schwindel bei Reisekrankheit (Kinetosen)
  • Flüssigkeitsmangel (Dehydratation)
  • Medikamenten-Nebenwirkung (wie Antibiotika oder entwässernde Mittel)
  • Neurologische Erkrankungen (wie multiple Sklerose, Parkinson, Epilepsie)
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen (wie Herzrhythmusstörungen)
  • Kopfverletzungen (wie Gehirnerschütterung, Schädel-Hirn-Trauma)
  • Sonnenstich und Hitzschlag
  • Innenohrentzündung und Entzündung des Gleichgewichtsnervs
  • Morbus Menière
  • Augenerkrankungen
  • Hirnhautentzündung (Meningitis) und Gehirnentzündung (Enzephalitis)
  • Ohr- und Hirntumoren (wie Akustikusneurinom)
  • Wirbelsäulenerkrankungen und Bandscheibenvorfall
  • Knochenbeschwerden (wie Oberschenkelhalsbrüche)
  • Gelenkbeschwerden (wie Arthrose)
  • Muskelbeschwerden (wie Muskelverletzungen)

3. Diagnose

Bei Gangstörungen stellt der Arzt zu Diagnose-Zwecken zunächst einige Fragen und führt eventuell kleinere Untersuchungen durch, um abschätzen zu können, ob es sich um ein Problem der Nerven, der inneren Organe oder des Bewegungsapparats (wie Knochen, Muskeln, Gelenke) handelt. Mögliche Fragen, welche dem Arzt bei Gangstörungen zur Diagnose-Findung helfen, sind unter anderem:

  • Liegt eine Lähmung vor?
  • Bestehen weitere Beschwerden, z.B. Schwindel oder Gefühlsstörungen, in den Beinen oder anderen Körperteilen?
  • Seit wann bestehen die Beschwerden?
  • Gab es ein Ereignis oder eine Verletzung, welche die Gangstörungen ausgelöst haben?
  • Welche Vorerkrankungen gibt es (z.B. ein Schlaganfall, Herzerkrankungen, Bluthochdruck, orthopädische Erkrankungen)?
  • Nehmen Sie Medikamente ein?
  • Trinken Sie Alkohol?

Nach der körperlichen Untersuchung folgt eine gründliche Untersuchung der Nerven. Bei dieser neurologischen Untersuchung, überprüft der Neurologe unter anderem Reflexe, Motorik und Gefühlsempfinden. Um zu schauen, ob Gleichgewichtsstörungen für die Gangstörungen verantwortlich sind, führt der Arzt zur Diagnose-Findung einige Koordinationsprüfungen durch. Beim sogenannten Romberg-Stehversuch müssen Sie mit eng zusammengestellten Füssen einige Minuten lang stehen, zuerst mit offenen, dann mit geschlossenen Augen. Bei der Gangprüfung müssen Sie einige Schritte auf einer Linie und mit geschlossenen Augen entlang laufen. Beim Unterberger-Tretversuch treten Sie mit geschlossenen Augen und vorgestreckten Armen etwa 20-mal auf der Stelle.

Eventuell sind noch weitere Tests und Untersuchungen notwendig, um die genaue Ursache der Gangstörungen festzustellen und eine gezielte Diagnose stellen zu können. Je nach vermuteter Ursache sind das beispielsweise:

  • Hörtests
  • Blutuntersuchungen
  • Elektroenzephalographie (EEG)
  • Elektroneurographie (ENG)
  • Elektromyographie (EMG)
  • Computertomographie (CT)
  • Kernspintomographie (MRT)
  • eine Liquorpunktion

Manche Untersuchungen müssen von einem anderen Facharzt wie einem Arzt für Innere Medizin (Internisten) oder einem Orthopäden durchgeführt werden.

4. Therapie

Bei Gangstörungen hängt die Therapie von der zugrunde liegenden Ursache ab. Bei Durchblutungsstörungen reicht die Bandbreite von allgemeinen Massnahmen über Medikamente bis hin zu operativen Eingriffen. Ein Notfall ist der Schlaganfall, der umgehend behandelt werden muss. Auf Alkohol, Rauchen und andere schädliche Stoffe, die zu Nervenschäden mit Gangstörungen führen können, sollten Sie verzichten. Falls Medikamente der Auslöser von Gangstörungen sind, passt Ihr Arzt gegebenenfalls die Therapie an und verordnet Ihnen einen anderen Wirkstoff oder ändert die Dosierung. Medikamente sollten Sie nur in Rücksprache mit Ihrem Arzt absetzen.

Bei vielen Nervenkrankheiten, die mit Gangstörungen einhergehen, kann die Therapie nur symptomatisch und nicht ursächlich ansetzen. Vor allem Muskel- und Nervenkrankheiten wie Polyneuropathien, Parkinson und multiple Sklerose schreiten im Krankheitsverlauf immer weiter voran und können in der Regel nicht geheilt werden. Zur Linderung der Symptome und Gangstörungen sind vor allem unterstützende Therapie-Massnahmen wie Physiotherapie und physikalische Behandlungen (wie Wechsel- oder Bewegungsbäder, Massagen, Elektrobehandlungen und Wärmeanwendungen) sinnvoll. Sie helfen, die Muskulatur zu trainieren und die Durchblutung und die Mobilität zu fördern.

Wenn orthopädische Erkrankungen die Gangstörungen verursachen, richtet sich die Behandlung ebenfalls nach der jeweiligen Ursache (z.B. Knochen-, Gelenk-, Muskelerkrankung) und reicht von Ruhigstellung oder Bewegungstherapie bis hin zu Operationen.