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Geschmacksstörung

(Dysgeusie)
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1. Definition

Definition

Eine Dysgeusie (Geschmacksstörung) äussert sich sehr unterschiedlich, da es verschiedene Arten von Störungen gibt. Dabei kann der Geschmackssinn beispielsweise komplett ausfallen oder aber anderweitig beeinträchtigt sein.

Das normale Geschmacksempfinden bezeichnen Mediziner als «Normogeusie». Ist der Geschmackssinn dagegen verändert, handelt es sich um eine Dysgeusie. Es gibt qualitative und quantitative Geschmacksstörungen.

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Qualitative Geschmacksstörungen sind zum Beispiel:

  • Parageusie: Betroffene nehmen Geschmacksreize anders wahr als normal. Eine Form der Parageusie ist z.B. die Kakogeusie. Wer unter dieser Geschmacksstörung leidet, empfindet alle Geschmacksreize als unangenehm bzw. übelschmeckend.
  • Phantogeusie: Menschen mit dieser Dysgeusie schmecken etwas, obwohl kein Geschmacksreiz wie zum Beispiel Nahrung vorhanden ist.


Von einer quantitativen Geschmacksstörung sprechen Ärzte, wenn Personen Geschmacksreize stärker oder weniger stark empfinden als normal.

Zu den quantitativen Formen der Dysgeusie gehören:

  • Hypergeusie: Betroffene empfinden jeden Geschmack als besonders intensiv. Sie reagieren überempfindlich auf Geschmacksreize.
  • Hypogeusie: Menschen mit dieser Geschmacksstörung nehmen Geschmacksreize weniger stark wahr.
  • Ageusie: Die Betroffenen können nichts mehr schmecken. Sie reagieren nicht auf Geschmacksreize.
    • komplette Ageusie: Menschen mit dieser Art der Dysgeusie nehmen keinerlei Geschmacksreize mehr wahr.
    • funktionelle Ageusie: Der Geschmackssinn der Betroffenen ist erheblich eingeschränkt.
    • partielle Ageusie: Menschen mit dieser Geschmacksstörung können einen bestimmten Geschmacksstoff nicht wahrnehmen. Auf andere Geschmacksreize reagieren sie dagegen normal.


Geschmacksstörungen alleine treten im Vergleich zu Geruchsstörungen relativ selten auf, häufig kommen diese beiden Sinneseinschränkungen jedoch in Kombination vor. Tritt eine Dysgeusie allein auf, ist sie meist qualitativ.

Die möglichen Ursachen der Dysgeusie sind vielfältig. Mediziner unterscheiden:

  • epitheliale Ursachen: Schädigungen an den Geschmacksknospen führen zur Dysgeusie, z.B. bei Entzündungen der Zunge oder der Mundschleimhaut.
  • nervale Ursachen: Die Dysgeusie tritt infolge von Schädigungen der Hirnnerven auf, z.B. bei Nervenentzündungen (Neuritis).
  • zentrale Ursachen: Ist die Schmeckbahn im zentralen Nervensystem (ZNS) beeinträchtigt, kommt es zu zentralen Geschmacksstörungen, z.B. bei Vergiftungen.

2. Ursachen

Einer Dysgeusie (Geschmacksstörung) liegen sehr unterschiedliche Ursachen zugrunde. Bei einigen Menschen ist die Dysgeusie angeboren. In den meisten Fällen ist sie aber erworben und tritt erst im Laufe des Lebens auf. Bei einer Geschmacksstörung unterteilen Mediziner die Ursachen in drei Gruppen: epitheliale, nervale und zentrale Ursachen.

Die epithelialen Ursachen wirken sich auf den Geschmackssinn aus, indem sie die Geschmacksknospen schädigen. Hierzu zählen:

  • virale Infektionskrankheiten, z.B. Grippe
  • Strahlentherapie, z.B. bei Kopf-Hals-Tumoren
  • Diabetes mellitus
  • Nebenwirkungen von Medikamenten, z.B. Chlorhexidin, Terbinafin, Penicillamin, Zytostatika
  • Leber- und Nierenerkrankungen
  • Entzündungen der Zunge (Glossitis)
  • Sjögren-Syndrom
  • Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
  • Cushing-Syndrom
  • mangelhafte Mundhygiene

Geschmacksstörungen mit nervalen Ursachen liegt eine Schädigung der Hirnnerven VII, IX und X zugrunde. Die Hirnnerven können zum Beispiel bei Ohroperationen oder Zahnbehandlungen geschädigt werden. Entfernt der Hals-Nasen-Ohren-Arzt die Gaumenmandeln (Tonsillektomie) oder Hals-Lymphknoten (Neck dissection), kann er dabei die Hirnnerven ebenfalls verletzen. Weitere nervale Ursachen für eine Dysgeusie sind:

  • Tumoren
  • Schädelbasisbrüche aufgrund eines Sturzes oder Schlags auf den Kopf
  • entzündliche oder degenerative Nervenerkrankungen

Die dritte Gruppe der Ursachen für Geschmacksstörungen umfassen zentralnervöse Störungen der Schmeckbahn. Mögliche zentrale Ursachen sind:

  • Hirntumoren
  • Verletzungen des Hirnstamms
  • neurodegenerative Erkrankungen (wie Alzheimer)
  • Vergiftungen
  • bestimmte Epilepsieformen

3. Diagnose

Um eine Dysgeusie (Geschmacksstörung) festzustellen, versucht der Arzt zunächst, die Art der Störung genau zu charakterisieren. Dazu stellt er dem Betroffenen einige Fragen, etwa:

  • Schmecken Sie überhaupt nichts mehr oder ist der Geschmackssinn nur eingeschränkt?
  • Können Sie gar nichts oder nur einen einzelnen Geschmacksstoff nicht schmecken?
  • Nehmen Sie Geschmacksreize besonders stark oder schwach wahr, sind also die Geschmacksnerven überempfindlich oder nur gering empfindlich?
  • Haben Sie weitere Beschwerden neben der Geschmacksstörung, z.B. Geruchsstörungen?

Anschliessend untersucht der Arzt gründlich den Mundraum, die Nase und den Nasenrachen. Ausserdem kontrolliert er, ob die Mundschleimhaut ausreichend feucht ist.

Verschiedene Arten von Geschmackstests ermöglichen dem Arzt, bei Geschmacksstörungen eine genaue Diagnose zu stellen. Manche Tests messen dabei, in welcher Konzentration ein Geschmacksstoff gerade eben noch wahrnehmbar ist. Bei anderen Tests soll der Betroffene die Intensität einer Geschmacksprobe beurteilen oder bestimmte Proben erkennen. Andere Verfahren beruhen darauf, elektrische Signale aus den Hirnströmen abzuleiten, die nach einem Geschmacksreiz entstehen.

Je nach vermuteter Ursache ordnet der Arzt bei einer Dysgeusie weitere Untersuchungen an. Zu diesen gehören zum Beispiel:

  • eine Speicheldrüsendiagnostik
  • eine mikroskopische Untersuchung der Mundschleimhaut
  • Computer- oder Magnetresonanztomographie
  • neurologische Untersuchungen

4. Therapie

Bei einer Dysgeusie (Geschmacksstörung) ist die Therapie nicht in allen Fällen einfach und erforscht, sie richtet sich aber auf jeden Fall nach der jeweiligen Ursache.

Die häufigen qualitativen Geschmacksstörungen wie die Parageusie und Phantogeusie sind kaum behandelbar, sie bilden sich aber in zwei Dritteln der Fälle nach weniger als einem Jahr von alleine wieder zurück.

Zurzeit untersuchen Forscher verschiedene Therapiemöglichkeiten, die bei einer qualitativen Geschmacksstörung erste Erfolge zeigen. Dazu gehören Alpha-Liponsäure oder Zink beziehungsweise Zinkglukonat. In besonders starken Fällen von Geschmacksstörungen mit hohem Leidensdruck verschreiben Ärzte zur Therapie zum Beispiel ein lokales Betäubungsmittel wie Lidocain.

Lösen Medikamente eine Dysgeusie aus, ist die Therapie oft einfacher. In diesen Fällen legen die Beschwerden sich in den meisten Fällen eine Zeit nach dem Absetzen der entsprechenden Wirkstoffe. Es ist wichtig, dass Betroffene Medikamente aber nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt absetzen.

Verursacht eine Entzündung der Mundschleimhaut die Dysgeusie, hilft eine Therapie mit Antibiotika.

Tritt die Dysgeusie als Begleitsymptom einer anderen Grunderkrankung auf, ist eine zielgerichtete Therapie dieser Krankheit notwendig.