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Gewichtszunahme

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1. Definition

Definition

Eine Gewichtszunahme kann viele verschiedene Ursachen haben. Häufig hängt die Gewichtszunahme jedoch mit der Ernährung zusammen: Wer mehr Kalorien zu sich nimmt, als der Körper verbraucht, nimmt an Körpergewicht zu. Aber auch Erkrankungen können zu einer Gewichtszunahme führen.

Die tägliche Nahrung ist überlebenswichtig – sie versorgt uns mit vielen Nährstoffen und liefert Energie für sämtliche Stoffwechselprozesse. Der Energiegehalt eines Nahrungsmittels wird in Kilokalorien (kcal) oder auch in Kilojoule (kJ) pro 100 Gramm angegeben. So hat ein Apfel zum Beispiel rund 61 Kilokalorien (255 Kilojoule) pro 100 Gramm. Zum Vergleich: 100 Gramm Milchschokolade enthalten etwa 530 Kilokalorien (2245 Kilojoule). Der tägliche Kalorienbedarf hängt im Wesentlichen von den Faktoren:

  • Alter,
  • Geschlecht,
  • Körpergrösse und
  • sportliche Aktivität ab.

Männer zwischen 25 und 51 Jahren benötigen – je nach körperlicher Aktivität – etwa 2.400 bis 3.100 Kilokalorien pro Tag, Frauen im gleichen Alter zwischen 1.900 und 2.400 Kilokalorien.

Wenn über die Nahrung mehr Energie in Form von Kilokalorien oder Kilojoule aufgenommen wird, als der Stoffwechsel verarbeitet, führt dies zu einer Gewichtszunahme. Dies ist ein einfacher, logischer und im Prinzip normaler Prozess. Eine übermässige Gewichtszunahme durch zu viel und hochkalorisches Essen und zu wenig Bewegung führt zu Übergewicht und Adipositas, auch Fettleibigkeit oder Fettsucht genannt.

Eine Gewichtszunahme kann aber nicht nur durch die Zunahme an Körperfett, sondern auch durch Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme) bedingt sein. Ebenso ist eine Zunahme von Muskelmasse, zum Beispiel durch Muskeltraining, denkbar.

Im Kindesalter sowie in der Schwangerschaft ist eine definierte Gewichtszunahme durch das Wachstum des Kindes beziehungsweise des Ungeborenen normal und notwendig. Auch im Alter nimmt man tendenziell zu, vor allem weil die Stoffwechselprozesse langsamer ablaufen und die meisten Älteren sich weniger bewegen. Bei gesunden Erwachsenen sollte eine Gewichtszunahme vor allem dann ärztlich abgeklärt werden, wenn sie plötzlich, ohne erkennbare Ursache, ungewollt und/oder besonders stark auftritt, da dies auch krankheitsbedingte Ursachen haben kann.

2. Ursachen

Eine Gewichtszunahme kann durch verschiedene Ursachen entstehen. Neben der normalen Gewichtszunahme in der Schwangerschaft, während des Wachstums und – in gewissen Grenzen – auch im Alter, lässt sich eine Zunahme des Körpergewichts häufig auf den Verzehr von zu viel oder zu hochkalorischer Nahrung zurückführen.

Es gibt jedoch auch eine Reihe von Erkrankungen, die bei einer unbeabsichtigten Gewichtszunahme als Ursachen infrage kommen. Die Adipositas (Fettleibigkeit, Fettsucht) gilt dabei als eigenständige Krankheit.

Bei vielen Erkrankungen steigt das Körpergewicht nicht nur durch mehr Körperfett. Häufig lagert das Gewebe auch Wasser ein (Ödemen). So kann sich zum Beispiel bei einer zunehmenden Herzschwäche (Herzinsuffizienz) Wasser im Körper einlagern und zu einer Gewichtszunahme führen.

Durch einen verlangsamten Stoffwechsel sowie den Einfluss bestimmter Hormone (wie Östrogen) führen einige Stoffwechselerkrankungen und hormonelle Störungen zu einer Gewichtszunahme. Dazu zählen zum Beispiel folgende Ursachen:

  • Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
  • Stein-Leventhal-Syndrom (polyzystisches Ovarsyndrom)
  • Cushing-Syndrom (Erkrankung der Nebennieren)

Auch hormonproduzierende Tumore können eine Gewichtszunahme verursachen, zum Beispiel:

  • Tumor der Hirnanhangsdrüse (Hypophysentumor)
  • Tumor des Hypothalamus (Hypothalamustumor)
  • Insulin-produzierender Tumor (Insulinom)
  • Nebennierenrinden-Tumor

Suchtkrankheiten und psychische Erkrankungen, zum Beispiel Alkoholismus und Depressionen, gehen oft mit Gewichtsveränderungen wie einer Gewichtszunahme einher. Nicht zuletzt können aber auch einige Medikamente, darunter Mittel gegen Depressionen (Antidepressiva), zu einer Gewichtszunahme führen. Andere Medikamente, bei denen als Nebenwirkung eine Gewichtszunahme auftreten kann, sind zum Beispiel Insulin und Kortison. Bei einigen Frauen führt auch die Einnahme der Antibabypille zur Gewichtszunahme. Dies kann auch durch vermehrte Wassereinlagerungen im Gewebe bedingt sein.

3. Diagnose

Um Erkrankungen auszuschliessen, ist bei einer Gewichtszunahme die genaue Diagnose der jeweiligen Ursachen sinnvoll. Besonders wenn Sie ohne erkennbaren Grund sehr plötzlich und/oder sehr stark zunehmen, sollten Sie sich beim Hausarzt gründlich untersuchen lassen. Versuchen Sie bereits vor der Untersuchung abzuschätzen, wie viel Kilogramm Sie in welchem Zeitraum zugenommen haben. Im Anamnesegespräch wird der Arzt Sie ausserdem fragen, ob noch weitere Beschwerden vorliegen (z.B. Müdigkeit), ob sich irgendetwas im Alltag, im Beruf, in der Ernährung oder im Bewegungsverhalten geändert hat, ob Vorerkrankungen bestehen (z.B. eine Herzschwäche), ob Sie Medikamente einnehmen und vieles mehr.

Bei einer Gewichtszunahme können verschiedene Untersuchungen notwendig sein, bis der Arzt die Diagnose stellen kann. Zunächst sollten Sie oder der Arzt Ihr aktuelles Körpergewicht mithilfe einer Waage ermitteln. Zudem kann der Arzt Ihren Taillenumfang messen und den sogenannten Body Mass Index (BMI) berechnen. Dieser Wert gibt an, ob Sie übergewichtig oder vielleicht sogar adipös (fettleibig) sind. Welcher BMI für Sie angemessen ist, richtet sich nach Ihrem Geschlecht, dem Alter und der Körpergrösse.

Es folgt eine gründliche körperliche Untersuchung, bei welcher der Arzt auch Puls und Blutdruck misst und gegebenenfalls ein EKG und ein Ultraschall durchführt. Auch schaut sich der Arzt Ihre Fussknöchel an, denn hier erkennt er rasch, ob sich Wasser im Gewebe eingelagert (Ödeme) und zur Gewichtszunahme geführt hat.

Eine Blutuntersuchung gibt weiteren Aufschluss über mögliche Ursachen der Gewichtszunahme. Für die Diagnose interessieren unter anderem die Blutfettwerte, die Schilddrüsenwerte, der Blutzuckerspiegel, Leber- und Nierenwerte sowie einige weitere Blutwerte. Besteht der Verdacht auf eine bestimmte Erkrankung als Ursache der Gewichtszunahme (z.B. Schilddrüsenunterfunktion, Hypophysentumor etc.), sind im Rahmen der Diagnose weitere Untersuchungen erforderlich.

Bei einer Gewichtszunahme, die durch ein verändertes Essverhalten bedingt ist, kann eine Ernährungsanalyse bei einem Experten (z.B. Ernährungswissenschaftler) sinnvoll sein.

4. Therapie

Bei einer Gewichtszunahme richtet sich die Therapie nach der zugrunde liegenden Ursache. Bei einer Adipositas ist es wichtig, dass Sie Ihre Ernährung, Ihr Bewegungs- und Ihr Essverhalten wieder normalisieren. Diese Massnahmen senken auch das Risiko, an einem Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken – eine häufige Folgeerkrankung der Adipositas. Der behandelnde Arzt sowie weitere Therapeuten können Sie während der Umstellungsphase und darüber hinaus beraten und unterstützen. Ein Ernährungsberater kann Ihnen ausserdem dabei helfen, Ihre Essgewohnheiten zu analysieren und gemeinsam mit Ihnen einen individuellen Ernährungsplan aufzustellen, mit dem Sie langfristig Ihr Körpergewicht reduzieren und halten können. Medikamente oder eine Operation sind bei Adipositas nur in besonderen Fällen ratsam.

Liegt der Gewichtszunahme eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) zugrunde, verordnet der Arzt Schilddrüsen-Tabletten. Diese enthalten das Hormon Thyroxin, das den Stoffwechsel beziehungsweise die Energieverbrennung anregt. Hat der Arzt einen Tumor diagnostiziert, zum Beispiel der Hirnanhangsdrüse (Hypophysentumor), ist in der Regel eine Operation notwendig.

Führen bei Ihnen Medikamente zu Gewichtszunahme, sollten Sie mit Ihrem Arzt über die weitere Therapie sprechen. Er kann entscheiden, ob Sie auf andere Präparate ausweichen können, die das Körpergewicht nicht oder weniger beeinflussen. Dies gilt besonders für Frauen, die mit der Antibabypille verhüten. Sprechen Sie in diesem Fall Ihren Frauenarzt auf die Gewichtszunahme an. Er kann Ihnen gegebenenfalls ein anderes Präparat verschreiben.