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Gleichgewichtsstörungen

(Balance-Störung)
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1. Definition

Definition

Menschen mit Gleichgewichtsstörungen haben Schwierigkeiten, das Gleichgewicht zu halten. Ihr Gleichgewichtssinn ist beeinträchtigt. Dieser dient der Körperhaltung und der räumlichen Orientierung.

Das paarige Gleichgewichtsorgan des Menschen befindet sich jeweils im Innenohr. Mediziner bezeichnen es als Vestibularorgan oder Vestibularapparat. Das Gleichgewichtsorgan ist über einen Hirnnerv eng verbunden mit dem Gleichgewichtszentrum im Kleinhirn. Augen, Haut, Muskulatur, Nerven, das Gehör und viele weitere Organe und Sinne tragen überdies zum Gleichgewichtssinn bei.

Gleichgewichtsstörungen äußern sich vor allem durch Schwindel und sind oft von Übelkeit, Sehstörungen und Unwohlsein begleitet. Menschen mit Gleichgewichtsstörungen haben zum Beispiel das Gefühl, in einem Aufzug nach oben zu fahren, dass sich der Boden unter ihren Füßen bewegt oder dass sich ihre Umgebung dreht. Ist das Gleichgewichtsorgan gestört, können Betroffene zum Beispiel nicht auf einem Bein stehen oder mit geschlossenen Augen auf einer geraden Linie laufen. Ärzte machen sich diese typischen Symptome bei der Untersuchung zunutze, um bei einer Gleichgewichtsstörung die Diagnose zu stellen.

In schweren Fällen sind die Gleichgewichtsstörungen so stark ausgeprägt, dass die Person das Gleichgewicht überhaupt nicht mehr halten kann und stürzt. Dann können sich Betroffene leicht verletzen – etwa wenn sie auf den Kopf fallen – und sogar das Bewusstsein verlieren.

Gleichgewichtsstörungen können viele verschiedene Ursachen haben. Manchmal bringen die äußeren Bedingungen das Gleichgewichtsorgan durcheinander. Manche Menschen reagieren zum Beispiel empfindlich, wenn sie sich auf Schiffen befinden und der Boden unter ihnen schwankt. Es gibt aber auch verschiedene Erkrankungen, die das Gleichgewichtsorgan beeinträchtigen und damit zu Gleichgewichtsstörungen führen können. Dazu gehören zum Beispiel Bluthochdruck (Hypertonie) oder ein niedriger Blutdruck (Hypotonie), Kopfverletzungen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. So vielfältig wie die Ursachen, sind auch die Behandlungsmöglichkeiten von Gleichgewichtsstörungen. Die Therapie richtet sich nach der jeweils auslösenden Erkrankung.

2. Ursachen

Gleichgewichtsstörungen können verschiedene Ursachen haben. Manchmal sind die Auslöser einer Gleichgewichtsstörung vollkommen harmlos. So kann etwa der schwankende Boden bei Schifffahrten – vor allem bei starkem Wellengang – den Gleichgewichtssinn durcheinander bringen. Es gibt aber auch einige Erkrankungen, die bei Gleichgewichtsstörungen als Ursachen infrage kommen, zum Beispiel:

  • Schwindel bei Reisekrankheit (Kinetosen)
  • Blutdruckabfall und niedriger Blutdruck
  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Flüssigkeitsmangel (Dehydratation)
  • Stoffwechselstörungen (wie Elektrolytstörungen, Unterzuckerung)
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen (wie Herzrhythmusstörungen)
  • Kopfverletzungen (wie Gehirnerschütterung, Schädel-Hirn-Trauma)
  • Sonnenstich und Hitzschlag
  • Hyperventilationssyndrom
  • Innenohrentzündung
  • Durchblutungsstörungen im Ohr (wie Hörsturz, Tinnitus)
  • Entzündung der Gleichgewichtsnerven (Neuritis vestibularis)
  • Morbus Menière (Erkrankung des Innenohrs)
  • Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel (gutartiger Lagerungsschwindel)
  • Medikamenten-Nebenwirkung (wie Antibiotika oder entwässernde Mittel)
  • Gifte und Genussmittel (wie Alkohol)
  • Augenerkrankungen
  • Hirnhautentzündung (Meningitis) und Gehirnentzündung (Enzephalitis)
  • Durchblutungsstörungen im Gehirn (wie Schlaganfall)
  • Ohr- und Hirntumoren (wie Akustikusneurinom)
  • Neurologische Erkrankungen (wie Parkinson, Demenz, MS, Epilepsie)

3. Diagnose

Um die Ursache von Gleichgewichtsstörungen abzuklären, ist eine genaue Diagnose besonders wichtig. Ist der Betroffene trotz starker Gleichgewichtsstörungen ansprechbar und bei Bewusstsein, stellt der Arzt ihm zunächst ein paar Fragen.

Mögliche Fragen, die dem Arzt bei Gleichgewichtsstörungen helfen, die Diagnose zu stellen, sind zum Beispiel:

  • Seit wann bestehen die Beschwerden?
  • Treten die Gleichgewichtsstörungen immer auf oder nur, wenn Sie sich bewegen?
  • Haben Sie Vorerkrankungen, die Gleichgewichtsstörungen hervorrufen können, z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Bluthochdruck (Hypertonie)?
  • Nehmen Sie Medikamente ein, die den Gleichgewichtssinn beeinträchtigen können?

Nach einer körperlichen Untersuchung folgt eine gründliche Untersuchung der Nerven, bei der unter anderem Reflexe, Beweglichkeit und Gefühlsempfinden überprüft werden. Um den Gleichgewichtssinn zu beurteilen, führt der Arzt einige Koordinationsprüfungen durch. Hierzu gehört der sogenannte Romberg-Stehversuch: Bei dieser Untersuchung soll der Patient mit eng zusammengestellten Füssen einige Minuten lang stehen, zuerst mit offenen, dann mit geschlossenen Augen. Bei der Gangprüfung muss er einige Schritte mit geschlossenen Augen auf einer Linie entlanglaufen. Beim Unterberger-Tretversuch tritt der Untersuchte mit geschlossenen Augen und vorgestreckten Armen etwa 20-mal auf der Stelle.

Weitere Tests und Untersuchungen sind notwendig, um bei Gleichgewichtsstörungen die richtige Diagnose zu stellen. Je nach vermuteter Ursache können dies zum Beispiel sein:

  • Hörtests
  • Blutuntersuchungen
  • Elektroenzephalographie (EEG)
  • Elektroneurographie (ENG)
  • Elektromyographie (EMG)
  • Computertomographie (CT)
  • Kernspintomographie (MRT)
  • Liquorpunktion (Hirnwasseruntersuchung)

4. Therapie

Bei Gleichgewichtsstörungen richtet sich die Behandlung nach der zugrunde liegenden Ursache. Treten die Gleichgewichtsstörungen bei Reisen und Schifffahrten oder Autofahrten auf und sind von starkem Unwohlsein und Übelkeit begleitet, kommen sogenannte Antivertigenosa (Mittel gegen Schwindel) und Antiemetika (Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen) in Betracht.

Ergänzt wird die Behandlung durch physiotherapeutische Massnahmen, um Koordination und Muskulatur zu trainieren. Bei einigen Erkrankungen, die zu Gleichgewichtsstörungen führen (z.B. ein Akustikusneurinom oder ein Schlaganfall), sind unter Umständen operative Eingriffe nötig.