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Gliederschmerzen

(Schmerzen in den Extremitäten)
Von Veröffentlicht am 01.01.1970

1. Definition

Definition

Gliederschmerzen sind ein verbreitetes Symptom – fast jeder, der schon einmal eine starke Erkältung oder eine Grippe hatte, kennt es: Dann schmerzen die Muskeln oder Gelenke der Arme und Beine. Diesen Schmerz bezeichnet man auch als Extremitätenschmerz.

Der Begriff Gliederschmerzen bezeichnet jegliche Muskelschmerzen und Gelenkschmerzen der Arme (Ober- und Unterarme, Ellenbogen und Hände) und Beine (Ober- und Unterschenkel, Knie und Füsse). Dabei können die Schmerzen in den Gliedern sehr unterschiedlich ausgeprägt sein: Der schleichende und ziehende Schmerz kann kaum spürbar, aber auch extrem stark sein. Ausserdem können Gliederschmerzen nur eine oder beide Extremitäten betreffen, symmetrisch oder einseitig auftreten und sich in ihrer Dauer unterscheiden. Starke und länger bestehende Gliederschmerzen wirken sich sehr einschränkend auf die Lebensqualität der Betroffenen aus.

Muskel- und Gelenkschmerzen der Arme und Beine treten häufig vorübergehend auf. Solche Gliederschmerzen beider Extremitäten haben ihre Ursache oft in einer akuten Infektion. Diese ruft neben dem Gliederschmerz in der Regel weitere Symptome hervor: Typisch sind zum Beispiel die Kombination aus Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Neben einer starken Erkältung oder Grippe lösen zum Beispiel auch Masern und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) oft Gliederschmerzen aus. Dabei sind die Schmerzen in den Extremitäten ein Anzeichen dafür, dass die Infektion den ganzen Körper erfasst hat und Abwehrreaktionen ablaufen.

Ständig treten Gliederschmerzen beider Extremitäten dagegen nur selten auf: Chronische Gliederschmerzen betreffen meist nur eine Extremität (Arm oder Bein) und sind Begleiterscheinung einer Grunderkrankung. Bleiben länger bestehende Gliederschmerzen auf eine Extremität beschränkt, können zum Beispiel Durchblutungsstörungen und gestörte oder erkrankte Nerven dafür verantwortlich sein. Auf den Arm beschränkte Gliederschmerzen bezeichnet man auch als Brachialgie. Solche Muskelschmerzen und/oder Gelenkschmerzen im Arm können auch die Folge einer Brustkrebs-Behandlung (in Form einer Bestrahlung der Achselhöhle oder einer radikalen Entfernung der Brust) sein.

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2. Ursachen

Für Gliederschmerzen kommen verschiedene Ursachen infrage.

Wenn Arme und Beine vorübergehend weh tun, steckt meist eine Infektionskrankheit dahinter. Vorübergehend auftretenden Gliederschmerzen in Armen und Beinen liegen als Ursachen meist eine starke Erkältung oder Grippe zugrunde; aber auch andere Infektionskrankheiten wie beispielsweise Masern oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) gehen oft mit Gliederschmerzen einher.

Gliederschmerzen können aber auch ohne Anzeichen einer Infektion wie Fieber auftreten. Vor allem bei älteren Menschen haben Gliederschmerzen ihre Ursache oft in Arthrose, Rheuma oder Gicht. Lang anhaltende Gliederschmerzen, die mehrere Gelenke betreffen, können Symptom einer Polyneuropathie sein, deren mögliche Ursachen Diabetes mellitus, Alkoholmissbrauch oder Vergiftungen sind. Aber auch Durchblutungsstörungen in Fingern und Zehen (Raynaud-Syndrom) oder eine Polyarthritis können einen lang anhaltenden Gliederschmerz in mehreren Gelenken verursachen.

Lang anhaltende Gliederschmerzen in den Armen (Brachialgien) können als Begleitsymptom bei Nervenschmerzen (Neuralgie), einer Entzündung (Neuritis) des Plexus brachialis oder bei zusammengedrückten Nerven (wie z.B. beim Karpaltunnel-Syndrom) auftreten. Ausserdem können Schmerzen, die von der Wirbelsäule oder den Ellenbogen ausstrahlen, die Ursachen für solche Gliederschmerzen in den Armen sein. Darüber hinaus können Gliederschmerzen in den Armen nach einer Röntgenbestrahlung der Achselhöhle bei Brustkrebs oder einer radikalen Entfernung der weiblichen Brust (Mastektomie) auftreten.

Gliederschmerzen der unteren Extremität – das heisst am Ober- und Unterschenkel, Knie und Fuss – können dadurch entstehen, dass der Ischiasnerv, der vordere Oberschenkelnerv (Nervus femoralis) oder das als Plexus lumbalis bezeichnete Nervengeflecht aus dem Rückenmark der oberen Lendenwirbelsäule erkrankt oder gestört ist. Zu den möglichen Ursachen hierfür gehören zum Beispiel Verletzungen bei Operationen, Entzündungen durch Vergiftungen und Infektionskrankheiten oder Zusammendrückungen (Kompressionen) durch zu enges Schuhwerk, Gipsverbände oder auch Tumoren. Ausserdem können auch Gliederschmerzen der Beine ihre Ursache in Durchblutungsstörungen haben.

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3. Diagnose

Bei Gliederschmerzen, die aufgrund einer Erkältung, Grippe oder anderer Infektionskrankheiten auftreten, gelingt die Diagnose meist schon, nachdem der Arzt den körperlichen Zustand kurz geprüft sowie nach weiteren Symptomen und der Krankengeschichte gefragt hat. Um bei einer Infektionskrankheit den genauen Erreger festzustellen, wird Blut entnommen, um spezifische Antikörper oder Viren im Blut nachzuweisen. In manchen Fällen ist es sinnvoll, das Hirnwasser (Liquor) und den Urin zu untersuchen.

Schliesst der Arzt eine Infektionskrankheit als Ursache für die Gliederschmerzen aus, folgen weitere Untersuchungen. Dazu zählt beispielsweise eine neurologische Untersuchung, die darin besteht, Sensibilität, Muskelkraft und Reflexe zu testen. Um die Diagnose zu unterstützen, können auch die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (NLG), eine Elektromyographie (EMG), eine Computertomographie (CT) oder eine Röntgenaufnahme der betroffenen Extremität sinnvoll sein.

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4. Therapie

Die bei Gliederschmerzen eingesetzte Therapie ist abhängig von der Schmerzursache. Wenn Ihre Gliederschmerzen auf eine Erkältung oder Grippe zurückzuführen sind, können Sie versuchen, die Schmerzen in Arm und Bein durch kalte Wickel zu lindern. Als hilfreiche Mittel gegen starke Gliederschmerzen können Schmerzmittel einnehmen. Ausserdem ist es wichtig, dass Sie viel trinken (z.B. Tees mit Weidenrinde oder Lindenblüten), sich körperlich schonen und viel schlafen.

Sind Ihre Gliederschmerzen Begleitsymptom einer anderen Grunderkrankung, ist die gezielte Therapie dieser Krankheit notwendig. Gegen eine Neuritis beispielsweise helfen Medikamente: Geeignet sind entzündungshemmende Mittel, sogenannte Antiphlogistika, bei denen der Arzt den betroffenen Nerv örtlich betäubt. Auch hier können Sie kurzfristig Schmerzmittel (Analgetika) einnehmen, um Ihre Muskel- und/oder Gelenkschmerzen in den Extremitäten zu lindern. Nur in seltenen Fällen ist eine Operation zur Behandlung von Gliederschmerzen nötig.

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