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Gliederschmerzen

(Schmerzen in den Extremitäten)
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Veröffentlicht am 21. Oktober 2021 - 13:12 Uhr

1. Definition von Gliederschmerzen

Wenn die Glieder schmerzen, liegt das meist an einer Infektionskrankheit. Oft helfen dann altbekannte Hausmittel wie kalte Wadenwickel, Tees und viel Ruhe.

Der Begriff Gliederschmerzen bezeichnet jegliche Muskelschmerzen und Gelenkschmerzen der Arme (Ober- und Unterarme, Ellenbogen und Hände) und Beine (Ober- und Unterschenkel, Knie und Füsse). Die Bezeichnung ist also sehr weit gefasst: So fallen unter dem Begriff Gliederschmerzen beispielsweise auch Ellenbogenschmerzen nach einem Stoss oder Muskelkater in den Beinen nach dem Sport.

Die Schmerzen in den Gliedern können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein: Der schleichende und ziehende Schmerz kann kaum spürbar, aber auch extrem stark sein. Ausserdem können Gliederschmerzen nur eine oder beide Extremitäten betreffen, symmetrisch oder einseitig auftreten und sich in ihrer Dauer unterscheiden. Starke und länger bestehende Gliederschmerzen wirken sich sehr einschränkend auf die Lebensqualität der Betroffenen aus und sollten ärztlich abgeklärt werden.

Muskel- und Gelenkschmerzen der Arme und Beine treten häufig vorübergehend auf. Solche Gliederschmerzen beider Extremitäten haben ihre Ursache oft in einer akuten Infektion, zum Beispiel bei einer Grippe. Diese ruft neben dem Gliederschmerz in der Regel weitere Symptome hervor: Typisch sind zum Beispiel die Kombination aus Fieber, Kopfschmerzen und Gliederschmerzen.

Es kann aber auch vorkommen, dass die Betroffenen ausschliesslich unter Gliederschmerzen leiden, also ohne Fieber, Müdigkeit oder andere Anzeichen einer Infektion. Die Ursachen hierfür sind vielfältig – es können zum Beispiel unter anderem Durchblutungsstörungen, Nervenkrankheiten oder das Karpaltunnel-Syndrom hinter den Gliederschmerzen stecken.

Ständig treten Gliederschmerzen beider Extremitäten dagegen nur selten auf: Chronische Gliederschmerzen betreffen meist nur eine Extremität (Arm oder Bein) und sind Begleiterscheinung einer Grunderkrankung, zum Beispiel Arthrose.

Eine Ärztin oder Physiotherapeutin untersucht den Arm eines Patienten.

Starke, länger anhaltende Gliederschmerzen sollten unbedingt ärztlich behandelt werden.

Quelle: Getty Images
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2. Ursachen von Gliederschmerzen

Für Gliederschmerzen kommen verschiedene Ursachen infrage.

Infektionskrankheiten

In vielen Fällen sind Gliederschmerzen die Folge einer Infektionskrankheit – meist treten sie im Rahmen einer echten Grippe oder einer starken Erkältung auf. Viele der Betroffenen haben dann nicht nur mit Schmerzen in Armen und Beinen zu kämpfen, sondern auch mit Kopfschmerzen, Rückenschmerzen und Fieber.

Die Krankheitserreger (wie etwa Grippeviren) oder die Entzündungen der oberen Atemwege im Rahmen einer Erkältung führen dazu, dass der Körper vermehrt bestimmte chemische Substanzen ausschüttet – sogenannte Pyrogene. Pyrogene sorgen zum einen dafür, dass die Körpertemperatur ansteigt (man bekommt Fieber) und zum anderen, dass die Schmerzschwelle sinkt. Mit anderen Worten: Die Betroffenen nehmen Schmerzen in ihren Gliedern früher und stärker wahr als normalerweise.

Gliederschmerzen entwickeln sich ausserdem häufig bei anderen Infektionskrankheiten wie beispielsweise Masern oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).

Wassermangel und Medikamente

Gliederschmerzen können aber auch ohne Anzeichen einer Infektion wie Fieber auftreten: So können vorübergehende Gliederschmerzen zum Beispiel neben anderen Beschwerden entstehen, wenn der Körper durch starkes Schwitzen viel Flüssigkeit und Elektrolyte verliert (sog. Hitzeerschöpfung). Um genau zu sein, kommt es zu Muskelschmerzen und Koordinationsproblemen, wenn der Körper bis zu sechs Prozent seines Gewichts (etwa 5 Liter bei einer 80 Kilogramm schweren Person) an Flüssigkeit verliert.

Des Weiteren gehören Gliederschmerzen zu den möglichen Nebenwirkungen mancher Medikamente: So können Gliederschmerzen auch durch eine Behandlung mit Heparin oder sogenannten PDE-5-Hemmern entstehen.

 

 

 

Vor allem bei älteren Menschen haben Gliederschmerzen ihre Ursache oft in Arthrose, Rheuma oder Gicht. Lang anhaltende Gliederschmerzen, die mehrere Gelenke betreffen, können Symptom einer Polyneuropathie sein, deren mögliche Ursachen Diabetes mellitus, Alkoholmissbrauch oder Vergiftungen sind. Aber auch Durchblutungsstörungen in Fingern und Zehen (Raynaud-Syndrom) oder eine Polyarthritis können einen lang anhaltenden Gliederschmerz in mehreren Gelenken verursachen.

Durchblutungsstörungen und Gelenkentzündungen

Auch Durchblutungsstörungen in den Beinen infolge einer Arterienverkalkung führen zu Gliederschmerzen. Diese Krankheit ist im Volksmund auch als Schaufensterkrankheit bekannt – fachsprachlich heißt sie pAVK (periphere arterielle Verschlusskrankheit). Bei dieser Krankheit verengen zunehmend die Gefässe in den Beinen (in seltenen Fällen in den Armen), wodurch die entsprechende Extremität nicht mehr genug Sauerstoff erhält. Die Folge: Der Patient bekommt beim Gehen relativ schnell Schmerzen in den Beinen, sodass er gezwungen wird, für ein paar Minuten stehenzubleiben.

Aber auch Durchblutungsstörungen in Fingern und Zehen (Raynaud-Syndrom) oder eine Polyarthritis kommen für lang anhaltende Gliederschmerzen in mehreren Gelenken als Ursachen infrage. Vor allem bei älteren Menschen können entzündete Gelenke hinter den Schmerzen stecken – zum Beispiel im Rahmen einer ArthroseRheuma oder Gicht.

Nervenstörungen und -krankheiten

Wenn lang anhaltende Gliederschmerzen mehrere Gelenke betreffen, kann dies auf eine Polyneuropathie hinweisen: Diese Nervenerkrankung kann zum Beispiel infolge von Diabetes mellitus, Alkoholmissbrauch oder Vergiftungen entstehen. 

Gliederschmerzen der unteren Extremität – das heisst am Ober- und Unterschenkel, Knie und Fuss – können ausserdem dadurch entstehen, dass der Ischiasnerv, der vordere Oberschenkelnerv (Nervus femoralis) oder das als Plexus lumbalis bezeichnete Nervengeflecht aus dem Rückenmark der oberen Lendenwirbelsäule erkrankt oder gestört ist. Zu den möglichen Ursachen hierfür gehören zum Beispiel Verletzungen bei Operationen, Entzündungen oder Zusammendrückungen (Kompressionen) durch zu enges Schuhwerk, Gipsverbände oder auch Tumoren.

Schmerzen in den Armen

Lang anhaltende Gliederschmerzen in den Armen (Brachialgien) können als Begleitsymptom bei Nervenschmerzen (Neuralgie), einer Entzündung (Neuritis) des Plexus brachialis oder bei zusammengedrückten Nerven (wie z.B. beim Karpaltunnel-Syndrom) auftreten. Ausserdem können Schmerzen, die von der Wirbelsäule oder den Ellenbogen ausstrahlen, die Ursachen für solche Gliederschmerzen in den Armen sein. Darüber hinaus können Gliederschmerzen in den Armen nach einer Röntgenbestrahlung der Achselhöhle bei Brustkrebs oder einer radikalen Entfernung der weiblichen Brust (Mastektomie) auftreten.

3. Diagnose von Gliederschmerzen

Bei Gliederschmerzen ist meist keine komplizierte Diagnose erforderlich: Oft reicht es schon aus, den körperlichen Zustand kurz zu prüfen und nach weiteren Symptomen und der Krankengeschichte zu fragen, um eine Infektion als Ursache für die Gelenkschmerzen und Muskelschmerzen der Arme und Beine festzustellen. Um bei einer Infektionskrankheit den genauen Erreger festzustellen, wird Blut entnommen, um spezifische Antikörper oder Viren im Blut nachzuweisen. In manchen Fällen ist es sinnvoll, das Hirnwasser (Liquor) und den Urin zu untersuchen.

Schliesst der Arzt eine Infektionskrankheit als Ursache für die Gliederschmerzen aus, folgen weitere Untersuchungen. Dazu zählt beispielsweise eine neurologische Untersuchung, die darin besteht, Sensibilität, Muskelkraft und Reflexe zu testen. Um die Diagnose zu unterstützen, können auch die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (NLG), eine Elektromyographie (EMG), eine Computertomographie (CT) oder eine Röntgenaufnahme der betroffenen Extremität sinnvoll sein.

4. Therapie von Gliederschmerzen

Die bei Gliederschmerzen eingesetzte Therapie ist abhängig von der Schmerzursache. Wenn Ihre Gliederschmerzen auf eine Erkältung oder Grippe zurückzuführen sind, helfen manchmal schon altbekannte Hausmittel wie kalte Wadenwickel oder Tees. Generell ist es bei einer Infektionskrankheit wie der Grippe wichtig, dass Sie Ihrem Körper viel Ruhe gönnen, viel schlafen und sich schonen!

Sie können auch Medikamente gegen die Beschwerden einnehmen: Hilfreiche Mittel gegen starke Gliederschmerzen sind Acetylsalicylsäure, Ibuprofen und Paracetamol.

Sind Ihre Gliederschmerzen Begleitsymptom einer anderen Grunderkrankung, ist die gezielte Therapie dieser Krankheit notwendig. Gegen eine Nervenentzündung beispielsweise helfen Medikamente: Geeignet sind entzündungshemmende Mittel, sogenannte Antiphlogistika wie Phenylbutazon, oder Plexusblockaden, bei denen die Ärztin den betroffenen Nerv örtlich betäubt. Auch hier können Sie kurzfristig Schmerzmittel (Analgetika) einnehmen, um Ihre Muskel- und/oder Gelenkschmerzen in den Extremitäten zu lindern. Nur in seltenen Fällen ist eine Operation zur Behandlung von Gliederschmerzen nötig – zum Beispiel bei einem hartnäckigen Karpaltunnel-Syndrom.

«Wissen, was dem Körper gut tut.»
Chantal Hebeisen, Redaktorin
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