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1. Definition

Definition

Heisshunger ist ein extremes Verlangen nach sofortiger Nahrungsaufnahme. Dafür kann es eine Reihe von Ursachen geben.

Hunger ist ein normaler, gesunder Vorgang: Das Hungergefühl soll sicherstellen, dass Lebewesen die nötigen Nährstoffe und Energie bekommen und über die Nahrung zu sich nehmen.

Wenn man lange nichts gegessen hat, stellt sich natürlicherweise ein Hungergefühl ein. Auch nach dem Sport tritt häufig Heisshunger auf. Grund ist, dass der Körper dabei viel Energie verbrennt und dann Nachschub fordert. Dieser Heisshunger ist normalerweise unproblematisch, denn der Körper holt sich nur das zurück, was er durch den Sport verbraucht hat.

Viele überkommt nach einem deftigen Essen ein Heisshunger auf Süßes. Meistens ist dieses Verlangen nach Süssigkeiten nur eine Gewohnheit beziehungsweise anerzogen. Wer es gewöhnt ist, dass es nach dem Essen einen süssen Nachtisch gibt, dem fällt es schwer, darauf zu verzichten. Dieser Heisshunger kann zu Übergewicht führen, wenn die zusätzlichen Kalorien nicht wieder abtrainiert oder an anderer Stelle eingespart werden.

Starker Hunger und Heisshunger-Attacken können aber auch ein Zeichen sowohl körperlicher als auch psychischer Krankheiten und Störungen sein. Negative Erfahrungen führen bei entsprechend veranlagten Menschen mitunter zum Frustessen – das heisst sie versuchen, unangenehme Erlebnisse durch Essen zu verdrängen. Langfristig ist auch hier Übergewicht die Folge.

Neben dem Bedürfnis nach Essen können die Heisshunger-Attacken von weiteren Symptomen wie Zittern und Schweissausbrüchen begleitet sein. Dies spricht für eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) des Körpers, die nach längerer Zeit ohne Nahrung sowie bei Diabetes mellitus auftritt. Auch nach starker körperlicher Belastung ist eine Hypoglykämie möglich.

Auch hormonelle Erkrankungen oder Umstellungen können Heisshunger hervorrufen. So treten Heisshunger-Attacken zum Beispiel oft auch bei Schwangeren auf. Auch Menschen mit Fettstoffwechsel- oder Essstörungen wie Ess-Brech-Sucht leiden oft unter Heißhunger.

2. Ursachen

Für krankhaften Heisshunger können die Ursachen mit bestimmten körperlichen Vorgängen (Stoffwechsel), mit Hormonen oder der Psyche zusammenhängen. Häufige Ursachen für Heisshunger sind:

  • Unterzuckerung (Hypoglykämie) bei Diabetes mellitus oder nach längerer Zeit ohne Nahrung
  • Heisshungerattacken bei Diäten und Fasten
  • Hormonell bedingter Heisshunger während der Schwangerschaft oder dem Menstruationszyklus
  • Adipositas (Fettsucht)
  • Essstörungen wie die Ess-Brech-Sucht (Bulimie), Magersucht (Anorexie) und Binge-Eating-Störung
  • Schilddrüsenüberfunktion und weitere Stoffwechselstörungen
  • Drogenkonsum (z.B. Cannabis, Alkohol)
  • Heisshunger als Nebenwirkung von Medikamenten

3. Diagnose

Treten wiederholt Heisshunger-Attacken ohne erkennbaren Grund auf, ist eine genaue Diagnose durch den Hausarzt ratsam. Bei Heisshunger ist der erste Schritt zur Diagnose eine genaue Befragung (Anamnese). In dem Gespräch fragt der Arzt zum Beispiel:

  • Wann haben die Heisshunger-Attacken begonnen?
  • Tritt der Heisshunger zu bestimmten Tageszeiten oder besonderen Umständen auf?
  • Haben Sie Ihre Ernährung geändert oder bewegen Sie sich mehr als früher? Betreiben Sie sehr anstrengende Sportarten?
  • Haben Sie in letzter Zeit Gewicht verloren oder zugenommen?
  • Treten neben dem Heisshunger weitere Beschwerden auf, z.B. Abgeschlagenheit, Durchfall, Schmerzen?
  • Wurden bei Ihnen bereits Vorerkrankungen festgestellt, die zu einer Unterzuckerung und damit verbunden zu Heisshunger führen können, z.B. Diabetes mellitus?
  • Nehmen Sie Medikamente ein, die Heisshunger-Attacken auslösen können?

Anschliessend untersucht der Arzt den Betroffenen gründlich. Dazu gehört auch eine Blutuntersuchung. So kann der Arzt unter anderem die Blutzucker-, Schilddrüsen- und Blutfettwerte kontrollieren. Je nach Verdacht, woher der Heisshunger kommt, sind weitere Untersuchungen notwendig, um die Diagnose zu sichern. Dies können beispielsweise spezielle Blutuntersuchungen und Tests auf Diabetes mellitus, Urinuntersuchung und Stuhluntersuchungen, eine gynäkologische sowie gegebenenfalls weitere fachärztliche Untersuchungen sein. Bei psychisch bedingtem Heisshunger empfiehlt sich auch der Besuch bei einem Psychologen beziehungsweise Psychotherapeuten.

4. Therapie

Bei Heisshunger richtet sich die Therapie nach der zugrunde liegenden Ursache – denn Heisshunger ist nur das Symptom einer körperlichen oder psychischen Erkrankung oder Störung. Um Heisshunger zu stoppen, ist es wichtig, dass der Blutzuckerspiegel nicht zu stark schwankt. Extrem niedrige oder hohe Blutzuckerwerte sollten Sie daher vermeiden. Ist zum Beispiel ein unzureichend eingestellter Diabetes mellitus verantwortlich für Heisshunger-Attacken, sorgt die Therapie dafür, dass sich der Blutzuckerwert normalisiert und größere Schwankungen (Überzuckerungen und Unterzuckerungen) ausbleiben.

Ein Heisshungergefühl kann zwar auch psychisch verursacht, aber ebenfalls ein Signal des Körpers sein. Vor allem wenn Zittern und Schweißausbrüche auftreten, spricht dies für eine Unterzuckerung. Dann können Sie den Heisshunger beispielsweise mit einem Stück Traubenzucker stoppen, der schnell ins Blut geht und den niedrigen Blutzuckerspiegel wieder ansteigen lässt.

Grundsätzlich ist es wichtig, die Ernährung, das Bewegungs- und das Essverhalten zu normalisieren, regelmässig zu essen und Unterzuckerungen zu vermeiden. Wer sich ausgewogen ernährt, leidet auch seltener unter Heisshunger auf Süsses. Ernährungsberater und der behandelnde Arzt können hier eine Hilfe sein. Heisshunger infolge von Essstörungen, Adipositas oder psychischer Erkrankungen gehören in ärztliche und psychiatrische Therapie.

Bei Diäten und Fasten sollten Sie darauf achten, dass dem Körper immer noch genügend Energie zur Verfügung steht, damit Sie nicht unterzuckern. Damit vermeiden Sie auch Heisshunger auf Süsses, der eine Diät schnell wirkungslos macht.

Appetitzügler

Appetitzügler wirken hemmend auf das Hungerzentrum im Gehirn und mindern den Appetit. Die meisten Appetitzügler sind sogenannte Sympathomimetika. Die Wirkung der nicht verschreibungspflichtigen Mittel ist wissenschaftlich nicht belegt, und die rezeptpflichtigen dürfen Sie nur unter ärztlicher Kontrolle und wegen ihrer Nebenwirkungen nur über einen kurzen Zeitraum anwenden.