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Herzschmerzen

(Brustenge)
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1. Definition

Definition

Oft wird der Begriff «Herzschmerz» in Verbindung mit Liebeskummer genannt. Hierdurch entstehen allerdings keine Schmerzen im medizinischen Sinne. Herzschmerzen äussern sich meist durch stechende, ziehende oder auch drückende Missempfindungen im Bereich des Herzens.

Schmerzen in der Herzgegend sollten Sie immer ernst nehmen – es könnte eine Herz-Kreislauf-Erkrankung dahinterstecken!

Sie können also statt Liebeskummer ein Zeichen einer ernsten Erkrankung des Herzens sein, zum Beispiel einer koronaren Herzkrankheit (KHK), einer Herzmuskelentzündung oder eines Herzinfarkts.

Das Herz ist ein Hohlmuskelorgan, das sich im Brustkorb befindet. Die Muskelfasern des Herzens ziehen sich rhythmisch zusammen – diese Kontraktionen sind als Herzschlag beziehungsweise Puls spürbar. Die Herz-Funktion ist wichtig für die Durchblutung. So pumpt das Herz das Blut durch den Körper und versorgt damit sämtliche Organe und Gewebe.

Bei Schmerzen im Brustkorb ist die Angst, dass ein Herzinfarkt dahinter stecken könnte, oft gross. Solche Schmerzen im Brustkorb sind aber häufig keine Herzschmerzen sondern haben ihre Ursache in Lungen-, Zwerchfell- oder Magenbeschwerden.

Ein typischer Herzschmerz ist die sogenannte Angina pectoris, die bei der Koronaren Herzkrankheit auftritt. Die Betroffenen klagen über Schmerzen, ein dumpfes Druckgefühl bis hin zum Brennen hinter dem Brustbein, das typischerweise durch körperliche oder seelische Belastung ausgelöst wird. Die Schmerzen können in den rechten oder linken Arm, die Schultern, den Hals oder die Wangen und die Zähne ausstrahlen. Herzschmerzen bei einer KHK können aber auch mit sehr untypischen Beschwerden verlaufen.

Der Angina pectoris-Anfall dauert meist nur wenige Minuten und lässt sich durch Nitroglyzerinspray oder -kapseln, die viele KHK-Patienten als Notfallmedikament bei sich führen, beenden. Tritt trotz der Nitro-Präparate keine Besserung ein, kann dies auf einen Herzinfarkt hinweisen.

2. Ursachen

Hinter Herzschmerzen können als Ursachen Beschwerden oder Erkrankungen des Herzens stehen. Doch nicht hinter allen Schmerzen im Brustkorb (Thorax) verbirgt sich eine Herzerkrankung. Oft handelt es sich bei vermeintlichen Herzschmerzen um Muskelverspannungen, Zwerchfellverspannungen, Wirbelsäulen- und Gelenkbeschwerden, die als Schmerzen in den Brustkorb ausstrahlen. Auch Speiseröhrenerkrankungen (wie Refluxkrankheit) und Magenbeschwerden wie eine Magenschleimhautentzündung und Lungenerkrankungen (wie Lungenentzündung, Lungenembolie) können Schmerzen verursachen, die Herzschmerzen ähnlich sind.

Wenn keine körperlichen Ursachen für die Herzschmerzen gefunden werden, der Betroffene aber weiterhin unter starken Beschwerden leidet und grosse Angst vor einem Herzinfarkt hat, könnte es sich auch um eine Herzneurose (funktionelle Herzbeschwerden) handeln.

Es gibt einige Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die Herzschmerzen verursachen. Solche Schmerzen sollten deshalb immer sehr ernst genommen werden, vor allem wenn eine Herzerkrankung bekannt ist. Herzschmerzen können unter anderem ausgelöst werden durch:

  • Koronare Herzkrankheit (KHK) mit Angina Pectoris
  • Herzinfarkt
  • Endokarditis (Entzündung der Herzinnenhaut)
  • Herzbeutelentzündung (Perikarditis)
  • Herzmuskelentzündung (Myokarditis)
  • Herzklappenfehler
  • Herzrhythmusstörungen
  • Herzinsuffizienz (Herzschwäche)
  • Kreislauferkrankungen wie Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Aneurysma der Aorta (Gefässaussackung der Hauptschlagader)

3. Diagnose

Bei Herzschmerzen ist eine genaue Diagnose wichtig, um Herzerkrankungen auszuschliessen beziehungsweise erkennen zu können. Zur Diagnose-Findung bei Herzschmerzen stellt der untersuchende Arzt dem Betroffenen zunächst einige Fragen, um die Ursache der Beschwerden einzugrenzen. So möchte der Arzt zum Beispiel wissen

  • seit wann die Schmerzen bestehen,
  • wo genau sich die Schmerzen befinden,
  • ob sie in andere Körperregionen (z.B. den Arm oder den Unterkiefer) ausstrahlen,
  • bei welcher Tätigkeit die Herzschmerzen aufgetreten sind,
  • ob weitere Beschwerden vorliegen,
  • ob Vorerkrankungen bestehen (wie eine KHK, ein zurückliegender Herzinfarkt oder eine Herzmuskelentzündung),
  • ob Medikamente eingenommen werden und – wenn ja – welche,
  • ob man Nitrospray benutzt hat
  • und vieles mehr.

Zur Diagnose von Herzschmerzen lässt der Arzt Blut abnehmen und im Labor vor allem auf typische Enzyme untersuchen, die bei einem Herzinfarkt erhöht sind (sog. Herzenzyme). Dann führt der Arzt ein EKG durch. Mit diesen Untersuchungen kann er in der Regel bereits einen Herzinfarkt feststellen oder ausschliessen.

Weitere, spezielle Herzuntersuchungen sind je nach vermuteter Ursache der Herzschmerzen zur Diagnose notwendig. Dazu zählen unter anderem ein Belastungs-EKG, ein Langzeit-EKG, eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie), nuklearmedizinische Verfahren wie die Myokardperfusions-Szintigraphie und Positronen-Emissions-Tomographie (PET), spezielle Computertomographie (CT)- und Magnetresonanztomographie (MRT)-Untersuchungen sowie eine Röntgenuntersuchung der Herzkranzgefässe (Koronar- Angiographie).

4. Therapie

Bei Herzschmerzen richtet sich die Therapie nach der Ursache der Schmerzen. Herzschmerzen, die durch einen Angina pectoris-Anfall bei Koronarer Herzkrankheit verursacht werden, bessern sich in der Regel nach wenigen Minuten durch Nitroglyzerin als Spray oder Zerbeisskapseln. Wer wegen seiner Angina pectoris bereits in Behandlung ist, hat solche Medikamente in der Regel von seinem Arzt verschrieben bekommen. Es ist wichtig, diese immer bei sich tragen. Sollten sich die Herzschmerzen trotz der Nitropräparate nicht bessern, sprechen Mediziner von einer instabilen Angina pectoris. Sie kann auf einen akuten Herzinfarkt hinweisen. Ein Herzinfarkt ist ein Notfall – rufen Sie sofort den Notarzt! Der Betroffene muss bereits auf dem Weg zum Krankenhaus behandelt werden.

Warnzeichen, die auf eine instabile Angina pectoris oder einen Herzinfarkt hinweisen, sind:

  • Herzschmerzen und Atemnot bei Belastung treten erstmals auf.
  • Die Herzschmerzen werden schlimmer oder häufiger.
  • Die Beschwerden sind anders als sonst (z.B. an anderer Stelle, stärker, länger).
  • Die Schmerzen in der Brust treten bei geringerer Belastung auf als gewohnt.
  • Die Herzschmerzen verschwinden nicht durch Ausruhen.
  • Die Beschwerden verschwinden nicht durch Verwendung von Nitroglyzerin.

Die ursächliche Behandlung der Herzschmerzen richtet sich dann nach der zu Grunde liegenden Erkrankung (z.B. Therapie eines Herzinfarkts). Die langfristige Therapie von Herzschmerzen aufgrund Koronarer Herzkrankheit reicht von der Änderung der Lebensgewohnheiten (gesündere Ernährung, mehr Bewegung, nicht mehr rauchen) über Medikamente bis hin zu operativen Eingriffen (z.B. Bypass-Operation).

Andere Herzerkrankungen als Ursache der Herzschmerzen, beispielsweise die bakterielle Endokarditis (Entzündung der Herzinnenhaut), müssen unter anderem mit Antibiotika behandelt werden.