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Hexenschuss

(Lumbago)
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1. Definition

Definition

Unter einem Hexenschuss versteht man im Volksmund einen plötzlichen, sehr heftigen, stechenden Rückenschmerz im Bereich der Lendenwirbelsäule. Er wird medizinisch als Lumbago oder auch akute Lumbalgie bezeichnet.

Nach einem Hexenschuss kann sich der Betroffene meist kaum bis gar nicht mehr bewegen und strecken und nimmt daher oftmals eine Schonhaltung ein. Bei einer Lumbago schmerzt bereits die kleinste Bewegung – mit der Folge, dass sich die Rückenmuskulatur verkrampft. Die verkrampfte Rückenmuskulatur kann wiederum die Rückenschmerzen verstärken.

Ausgelöst wird ein Hexenschuss in der Regel durch alltägliche Bewegungen wie Heben, Drehen, Bücken und Aufrichten oder auch beim Sport. Der Rückenschmerz ist bei einer Lumbago so heftig, dass viele Betroffene fälschlicherweise einen Bandscheibenvorfall befürchten. Ein Bandscheibenvorfall ist jedoch relativ selten der Auslöser für einen Hexenschuss. Hauptursachen sind zumeist, blockierte Wirbel im Lendenwirbelbereich oder Muskelverspannungen und Muskelzerrungen.

Der Arzt diagnostiziert einen Hexenschuss normalerweise anhand der typischen Beschwerden und einer gründlichen körperlichen Untersuchung. Dabei prüft er beispielsweise die Reflexe. Um ernst zu nehmende Ursachen für die akute Lumbalgie auszuschliessen, etwa einen Bandscheibenvorfall, können bildgebende Verfahren wie Röntgen, Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) sinnvoll sein.

Bei einem Hexenschuss verordnet der Arzt entzündungshemmende Schmerzmittel, sogenannte NSAR (nicht-steroidale Antiphlogistika) und gegebenenfalls Muskelrelaxanzien. Dabei handelt es sich um spezielle Medikamente, die entspannend auf die Muskulatur wirken. Zusätzlich können Wärmekissen und eine Stufenlagerung der Beine rasche Linderung bei einer akuten Lumbalgie verschaffen.

Einige Menschen, die einen Hexenschuss erleiden, haben dauerhafte oder immer wiederkehrende Rückenschmerzen (chronische Lumbalgien). In diesem Fall empfiehlt es sich, die Rückenmuskulatur langfristig zu stärken, zum Beispiel durch Physiotherapie in der akuten Phase und anschliessendes, kontinuierliches Rückentraining. Auf diese Weise lässt sich einer Lumbago in der Regel gut vorbeugen.

2. Ursachen

Ein Hexenschuss (Lumbago, akute Lumbalgie) kann verschiedene Ursachen haben. Für den plötzlichen Rückenschmerz bei einer Lumbago sind zumeist Blockierungen eines Gelenks der Lendenwirbelsäule, Muskelverspannungen oder Muskelzerrungen verantwortlich.

Durch eine abrupte Bewegung oder ungünstige Körperhaltung, etwa beim Bücken oder beim Heben eines schweren Gegenstands, können sich die kleinen Gelenke der Wirbelsäule zerren, verhaken und blockieren. Da sich im Bereich der Gelenke zahlreiche Nerven und Nervenfasern befinden, sind solche Zerrungen und Blockierungen beim Hexenschuss Ursachen der starken Rückenschmerzen. Auch kann sich die tiefe Muskulatur der Wirbelsäule (sog. autochtone Rückenmuskulatur) bei ungünstigen Bewegungen verkrampfen und zerren, was zu einem Hexenschuss führt.

Viele Menschen gehen davon aus, ein Hexenschuss sei meist durch einen Bandscheibenvorfall verursacht – dieser gehört jedoch zu den eher seltenen Hexenschuss-Ursachen. Sind die Bandscheiben (Knorpelscheiben zwischen den Wirbelkörpern der Wirbelsäule) für die Lumbago verantwortlich, unterscheidet man zwischen einer Bandscheibenvorwölbung und dem Bandscheibenvorfall.

Die Bandscheiben liegen wie Stossdämpfer zwischen den Wirbelkörpern der Wirbelsäule. Durch erhöhten Druck, zum Beispiel beim Bücken, kann sich die Bandscheibe oder Bandscheibenmaterial vorwölben und Schmerzen verursachen. Diese Bandscheibenvorwölbung (Protrusion) ist eine Vorstufe des Bandscheibenvorfalls (Prolaps). Sowohl Bandscheibenvorwölbung als auch Bandscheibenvorfall können bei einem Hexenschuss Ursachen der Rückenschmerzen sein. Sie lösen meist Schmerzen, Gefühlsstörungen und Lähmungen im Bein aus.

Sehr seltene Lumbago-Ursachen sind Verengungen im Wirbelbereich durch Tumoren oder Entzündungen.

3. Diagnose

Ein Hexenschuss (Lumbago, akute Lumbalgie) erfordert die sorgfältige Diagnose durch den Arzt. Menschen, die einen Hexenschuss erleiden, können ihrem Arzt meist recht klar schildern, wann und bei welchem Ereignis (z.B. beim Bücken oder Aussteigen aus dem Auto) die Rückenschmerzen aufgetreten sind. Der Arzt fragt unter anderem, wo genau die Schmerzen sind, ob sie ins Gesäss oder ins Bein ausstrahlen und ob Blasen- oder Darmstörungen (Inkontinenz) aufgetreten sind. Zudem möchte er wissen, inwieweit der Patient schon einmal von Rückenproblemen, einem Bandscheibenvorfall oder einem Hexenschuss betroffen war.

Für die Diagnose einer akuten Lumbalgie ist es zudem wichtig, das Gefühlsempfinden (Sensibilität) im Lendenwirbelbereich und in den Beinen, die Bewegungsfähigkeit (Motorik) und die Reflexe zu überprüfen. Hierzu klopft der Arzt mit einem kleinen Metallhämmerchen auf bestimmte Körperpunkte, um einen Muskelreflex auszulösen. Um festzustellen, ob die Nerven bereits geschädigt sind, führt der Arzt eine Sensibilitätsprüfung durch. Dabei streicht er mit einem kleinen, spitzen Gegenstand über verschiedene Bereiche an Beinen und Füssen. Während dieser Untersuchung berichtet der Patient, ob und wie intensiv er die jeweilige Berührung spürt. Anhand dieser Angaben kann der Arzt einschätzen, inwieweit eine Sensibilitätsstörung besteht.

Um bei einem Hexenschuss die gezielte Diagnose stellen zu können, sind gegebenenfalls weitere Untersuchungen sinnvoll. Dies ist zum Beispiel beim Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall der Fall, wenn Gefühlsstörungen oder Lähmungen auftreten. Mögliche weitere Untersuchungen bei einer Lumbago sind:

  • Röntgenuntersuchung
  • Computertomographie (CT) und Kernspintomographie (Magnetresonanztomographie)
  • Ultraschalluntersuchungen (Sonographie)
  • Blutuntersuchungen
  • Liquorpunktion (Untersuchung der Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit)

4. Therapie

Um bei Hexenschuss (Lumbago, akute Lumbalgie) die geeignete Therapie zu finden, ist eine sorgfältige Diagnose erforderlich. In erster Linie ist es wichtig, die Ursachen des Hexenschusses zu erkennen und – wenn möglich – zu beheben. So kann im Fall eines blockierten Wirbelgelenks das Deblockieren notwendig sein, um die Beweglichkeit der Wirbel wiederherzustellen. Dies darf aber nur ein Orthopäde oder fachkundiger Therapeut vornehmen. Bei einem Hexenschuss reichen zur Therapie der Schmerzen häufig Behandlungen wie Wärme, Bewegung und Medikamente aus. Auch die sogenannte Stufenbettlagerung kann dazu beitragen, dass die Beschwerden abklingen. Hierzu legen Sie sich für etwa 20 bis 30 Minuten in Rückenlage auf eine ebene Unterlage. Winkeln Sie Ihre Beine nun in einem 90 Grad Winkel an und legen sie die Unterschenkel waagerecht auf einen Stuhl oder Hocker. Diese Körperhaltung entspannt den Ischiasnerv sowie die Muskulatur im Lendenwirbelbereich und lindert die Schmerzen.

Wichtigstes Ziel in der Hexenschuss-Therapie ist, dass der Betroffene schnell wieder schmerzfrei wird und sich nicht weiter verkrampft. Bei einer plötzlichen Lumbago (akute Lumbalgie) kann der Arzt Schmerzmittel, örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) sowie muskelentspannende und entzündungshemmende Mittel (wie Kortison) direkt in die Rückenmuskulatur spritzen. Schmerztabletten sollten Sie aufgrund ihrer Nebenwirkung und der Gefahr einer Abhängigkeit nur in Absprache mit Ihrem Arzt über einen kurzen Zeitraum einnehmen.

Während nach einem Hexenschuss je nach Ursache zunächst Bettruhe, Schonung und Wärme wohltuend sind, ist es bei Rückenproblemen längerfristig empfehlenswert, für ausreichende und regelmässige Bewegung zu sorgen und die Rückenmuskulatur zu stärken. Darüber hinaus unterstützen unter anderem standardisierte Schulungsprogramme (Rückenschule), Physiotherapie , Entspannungsverfahren, Ergotherapie, Chirotherapie, Massagen und Akupunktur die Hexenschuss-Therapie.

Starke oder wiederholte Bandscheibenvorfälle erfordern unter Umständen eine Operation. Dies sollten Sie im Einzelfall mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen.