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Hyperventilation

(Störung der Atemregulation)
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1. Definition

Definition

Hyperventilation (Hyperventilationssyndrom) ist eine gestörte Atemregulation: Menschen, die hyperventilieren, atmen schneller und tiefer, als es den körperlichen Bedürfnissen entspricht.

Menschen, die hyperventilieren, sind sich dessen meist nicht bewusst. Häufig lösen psychische Ursachen wie Angst oder Panik eine Hyperventilation aus, aber auch organische Krankheiten wie Asthma oder eine Lungenembolie können der Grund sein.

Es gibt eine akute und eine chronische, also dauerhafte, Form der Hyperventilation. Durch die beschleunigte und zu tiefe Atmung verliert der Betroffene vermehrt Kohlendioxid (CO2), die CO2-Konzentration im Blut sinkt. In der Folge steigt der pH-Wert im Blut. Dies kann letztlich zu einer  respiratorischen (durch die Atmung bedingten) Alkalose führen. Sie führt dazu, dass die Zellen den Sauerstoff schlechter aus dem Blut aufnehmen können und mündet letztlich in gestörten Austauschvorgängen an den Zellen. Auch sinkt die Konzentration freien Kalziums im Blut.

Der Sauerstoffgehalt des Bluts jedoch steigt beim Hyperventilieren kaum, da das Blut meist schon bei normaler Atmung ausreichend mit Sauerstoff angereichert (gesättigt) ist.

Die akute Hyperventilation tritt in Anfällen auf und kann, je nach ihrer Dauer und Intensität, mit unterschiedlichen Beschwerden einhergehen.

Für eine akute Hyperventilation typische Symptome sind:

 

  • Atemnot
  • Seufzeratmung
  • Gähnen
  • Missempfindungen (Parästhesien) wie Ameisenlaufen und Kribbeln
  • Taubheitsgefühl in Armen und Beinen
  • Verkrampfungen im Mundbereich
  • Zittern
  • Schwindel
  • Sehstörungen
  • Brustschmerzen
  • Druck am Hals (Klossgefühl)

Ausserdem kann Hyperventilieren zu Krämpfen mit einer typischen Pfötchenstellung der Hände (Hyperventilationstetanie) und zu Bewusstlosigkeit führen. Die Pfötchenstellung tritt ein, wenn sich die Muskeln des Unterarms und der Hand in bestimmter Weise verkrampfen.

Bei der chronischen Form der Hyperventilation treten in vielen Fällen keine akuten Anfälle auf, die Beschwerden sind sehr unterschiedlich und führen häufig nicht direkt zur richtigen Diagnose.

Die Betroffenen klagen über Symptome wie:

  • Schwindelgefühle
  • Schmerzen im Brustkorb
  • kalte Hände und Füsse
  • Angst und Nervosität
  • Müdigkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • Vergesslichkeit
  • Kopfschmerzen

Hyperventilation tritt vor allem im zweiten und dritten Lebensjahrzehnt auf, mit steigendem Alter nimmt die Häufigkeit ab. Obwohl Frauen sich häufiger deshalb behandeln lassen, sind beide Geschlechter etwa gleich oft betroffen.

2. Ursachen

Eine Hyperventilation (Hyperventilationssyndrom) kann psychische oder körperliche Ursachen haben. In den meisten Fällen hyperventilieren völlig gesunde Menschen psychisch bedingt.

Als psychische Auslöser kommen Belastungssituationen in Betracht, wie zum Beispiel

  • Aufregung,
  • Wut,
  • Angst,
  • Panik oder Stress.

Der Betroffene bemerkt unangenehme Symptome, die wiederum seine Angst und die Hyperventilation verstärken können. Es bildet sich ein Teufelskreis.

Eine Hyperventilation kann folgende körperliche Ursachen haben:

  • Schwangerschaft
  • Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
  • Lungenembolie
  • Asthma bronchiale
  • Erkrankungen des Gehirns, die das Atemzentrum anregen, z.B. Tumoren oder Gehirnentzündung (Enzephalitis)
  • Vergiftungen (z.B. Kohlenmonoxid, Nitroglycerin)
  • Fieber
  • Pneumothorax (Ansammlung von Luft im Brustkorb)
  • Blutarmut (Anämie)
  • Diabetes mellitus
  • Harnvergiftung (Urämie)
  • Sauerstoffmangel im Gewebe (Hypoxie)

Ausserdem kann es bei der sogenannten Zirkularatmung bei Spielern eines Blasinstruments, vor allem beim Spielen eines Didgeridoos, zu einer Hyperventilation kommen.

3. Diagnose

Bei Verdacht auf akute Hyperventilation (Hyperventilationssyndrom) stellt der Arzt die Diagnose anhand der Krankengeschichte und des klinischen Bildes, also der Beschwerden. Hierzu befragt er den Betroffenen ausführlich über Anlass, Art und Dauer der Symptome, bestehende Vorerkrankungen und eventuell eingenommene Medikamente.

Wichtig ist auch, in welcher Situation Betroffene hyperventilieren. Stand der Betroffene vielleicht gerade unter Stress oder war er sehr aufgeregt?

Unmitelbar nach einem Anfall, kann mithilfe einer Blutgasanalyse die Kohlendioxid-Konzentration und der pH-Wert des Bluts bestimmt werden.

Es ist auch möglich die für eine Hyperventilation typischen Beschwerden zu provozieren, indem der Patient drei Minuten lang schneller und tiefer atmet als normal. Dieser sogenannte Hyperventilations-Expositionsversuch gilt als positiv, also beweisend für eine Hyperventilation, wenn der Betroffene nach oder während des Versuchs genau jene Beschwerden angibt, die er auch im Alltag bei einem Anfall spürt:

Bei chronischer Hyperventilation ist dieser Provokationstest oft nicht zielführend, da der Körper sich bereits an die Situation gewöhnt hat und nicht mehr in dem Masse auf die verstärkte Atmung reagiert.

Weiterhin gilt es, mögliche körperliche Ursachen, wie Lungenerkrankungen, Herzschwäche und Erkrankungen des Gehirns, auszuschliessen. Dies gelingt oft schon allein durch ein Gespräch (Anamnese).

Je nach vermuteter Ursache wird der Arzt eventuell weitere Untersuchungen vornehmen, um zusätzliche Anhaltspunkte zu bekommen. Zu den Untersuchungen gehören beispielsweise eine Blutuntersuchung, eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs, ein Elektrokardiogramm (EKG) oder eine Computertomographie (CT) des Kopfes.

4. Therapie

Bei einer Hyperventilation (Hyperventilationssyndrom) richtet sich die Therapie nach der Ursache. Während eines akuten Hyperventilations-Anfalls, der auf Grund psychischer Ursachen wie Stress, Angst oder Aufregung erfolgt, ist es wichtig, den Betroffenen zunächst zu beruhigen und ihn aufzuklären. 

Liegen bereits Symptome wie Ameisenlaufen, Kribbeln oder verkrampfte Hände (sog. Pfötchenstellung) vor, hilft eine kurzzeitige sogenannte Tütenrückatmung: Man hält dem Betroffenen eine Plastik- oder Papiertüte vom Kinn her über Mund und Nase und fordert ihn auf ruhig und gleichmässg zu atmen. Die Beschwerden klingen in aller Regel rasch ab, da durch die Rückatmung die Kohlendioxid-Konzentration im Blut schnell steigt und sich die aus den Fugen geratenen Vorgänge in den Zellen wieder normalisieren.

Treten Krämpfen auf, kann der Arzt im akuten Anfall Beruhigungsmittel aus der Wirkstoffgruppe der Benzodiazepine spritzen.

Um weitere Hyperventilations-Anfälle zu verhindern, sollte eine atemtherapeutische Behandlung erfolgen, bei der der Betroffene spezielle Atemtechniken erlernt. Auch Entspannungstechniken, wie beispielsweise Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation und Yoga, können bei einer Hyperventilation helfen. Liegen den Hyperventilations-Anfällen ausgeprägte Angstzustände oder Ähnliches zugrunde, können eine Psychotherapie und in Extremfällen auch Psychopharmaka helfen.

Wenn eine Hyperventilation durch eine körperliche Erkrankung wie Blutarmut (Anämie) oder eine Schwäche der Muskulatur des linken Herzens (Linksherzinsuffizienz) ausgelöst wird, ist eine gezielte Therapie dieser Grunderkrankung notwendig.