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Juckreiz im Genitalbereich

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1. Definition

Definition

Wenn der Penis, die Eichel oder die äussere Scheide (Vagina) juckt, ist dies zwar lästig – ein kurzfristiger Juckreiz im Genitalbereich (Pruritus genitalis) ist aber meist harmlos. Wie andere Empfindungen der Haut – zum Beispiel Schmerz, Berührung, Kälte oder Hitze – dient das Jucken als Schutzmechanismus.

Juckreiz löst ein unangenehmes Missempfinden aus, das sich durch Wärme verstärkt. Zahlreiche Botenstoffe des Körpers, wie Histamin, Zytokine und Opioide, können einen Juckreiz bewirken und langsam leitende Nervenfasern sorgen für seine Weiterleitung. Das Jucken bringt die Betroffenen dazu, die Haut zu kratzen, zu scheuern oder zu reiben – dies entfernt eventuelle Parasiten oder andere Fremdkörper von der Hautoberfläche. Wenn ein Juckreiz nur an einer bestimmten Stelle (z.B. im Genitalbereich) auftritt und so örtlich leicht einzugrenzen ist, liegt ein sogenannter epikritischer Pruritus vor. Ein brennendes, schlecht örtlich einzugrenzendes Jucken ist ein protopathischer Pruritus. Treten gleichzeitig zum Juckreiz auch Veränderungen der Haut auf, spricht man von einem Prurigo.

Anders als ein kurzfristiger, akuter Juckreiz im Genitalbereich ist ein lang anhaltendes, chronisches Jucken als Warnsymptom zu betrachten. Ein solches chronisches Jucken kann man in drei Gruppen einteilen:

  1. Pruritus auf ursprünglich nicht-entzündeter Haut (anfangs liegen also noch keine Hautveränderungen vor)
  2. Pruritus auf ursprünglich entzündeter Haut (bei Hauterkrankungen)
  3. Pruritus mit chronischen Hautverletzungen durch Kratzen (das Hautbild ist durch diese Kratzverletzungen geprägt)

Wenn das Jucken im Genitalbereich lange anhält, kann dies zum einen ein Anzeichen für eine behandlungsbedürftige Erkrankung sein. Zum anderen kann ein starker Juckreiz im Genitalbereich eine Art Teufelskreis in Gang setzen: Wer sich lange oder stark kratzt, schädigt die Haut, was die Entzündungsvorgänge aufrechterhält beziehungsweise verstärkt, die ihrerseits den Juckreiz fördern. So verschlimmert sich der Hautzustand immer mehr.

Ein länger anhaltender Juckreiz im Genitalbereich tritt am häufigsten bei der Frau als sogenannter Pruritus vulvae auf – der Schambereich (bzw. Vulva) juckt dabei überwiegend infolge von Pilzinfektionen. Ein Juckreiz im Genitalbereich beim Mann ist seltener.

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2. Ursachen

Ein Juckreiz im Genitalbereich kann viele verschiedene Ursachen haben. Wenn die äussere Scheide (Vagina), der Scheideneingang, der Penis oder die Eichel kurzfristig juckt, sind die Gründe oft harmlos. Vor allem ein länger andauerndes Jucken im Genitalbereich kann jedoch Anzeichen für eine behandlungsbedürftige Erkrankung sein. Wie beispielsweise eine:

  • entzündliche Hautkrankheit, wie:
  • Infektion (sowohl sexuell übertragbare als auch nicht sexuell übertragbare) wie:
    • Gonorrhoe
    • Chlamydien
    • Trichomoniasis
    • Soor
    • Genitalherpes (Herpes genitalis)
    • Krätze (Skabies)
    • Filzläuse
    • Madenwurm-Infektion (Enterobiasis)
  • gutartige oder bösartige Neubildung von Körpergewebe (Neoplasie), wie:
    • gutartige Tumoren der Schweissdrüsen (Syringome)
    • Vulvakrebs
    • Gebärmutterhalskrebs
  • hormonelle oder Stoffwechselstörung, wie:
    • Diabetes mellitus
    • Eisenmangel
    • Östrogenmangel (z.B. in den Wechseljahren)

Mangelnde oder übertriebene Hygiene kann einen Juckreiz im Genitalbereich begünstigen. In manchen Fällen tritt der Juckreiz ohne eine erkennbare Ursachen auf (idiopathischer Juckreiz) und ist vermutlich psychosomatisch bedingt.

Ein Juckreiz im Genitalbereich bei der Frau hat seine Ursachen meistens in einer Pilzinfektion mit dem Candida Pilz. Je nachdem, welche Stelle infiziert ist, entsteht eine Entzündung der Vulva (Vulvitis), der Scheide (Kolpitis) oder der Harnröhre (Urethritis). Meist liegt in diesen Fällen begleitend zum Juckreiz ein weisslicher Ausfluss aus der Scheide vor.

Candida besiedelt auch die gesunde Schleimhaut des Menschen, kann sich aber durch hormonelle Veränderungen während einer Schwangerschaft krankhaft vermehren und ein Jucken im Genitalbereich auslösen. Ein Juckreiz im Genitalbereich beim Mann kann seine Ursachen beispielsweise auch in einer Vorhautverengung (Phimose) haben.

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3. Diagnose

Bei einem Juckreiz im Genitalbereich besteht der erste Schritt zur Diagnose in einer ausführlichen Befragung. Dabei möchte der Arzt Folgendes wissen:

  • Wie stark ist der Juckreiz und wann tritt er auf?
  • Besteht gleichzeitig ein Ausfluss?
  • Haben Sie hormonhaltige Medikamente eingenommen?
  • Bestand in der letzten Zeit ein Risiko für sexuell übertragbare Krankheiten?
  • Sind Grunderkrankungen bekannt?

Diese und weitere Fragen können dem Arzt erste Hinweise auf mögliche Ursachen für den Juckreiz geben.

Nach der Befragung folgt eine körperliche Untersuchung. Dabei untersucht der Arzt die äusseren Geschlechtsorgane. Bei einer Frau mit Juckreiz im Genitalbereich tastet er die Scheide (Vagina) ab und untersucht mit einem Scheidenspiegel (Spekulum) die Scheidenschleimhaut auf Auffälligkeiten wie Entzündungen oder Ausfluss. Gleichzeitig nimmt er einen Abstrich der Schleimhaut, untersucht diesen unter dem Mikroskop auf mögliche Erreger wie Pilze oder Bakterien und bestimmt den pH-Wert des Schleimhautsekrets.

Je nach vermuteter Ursache für das Jucken im Genitalbereich können weitere Untersuchungen folgen. Hierzu gehören beispielsweise eine Blutuntersuchung, eine Bestimmung der Östrogenkonzentration im Blut und eine Blutzuckermessung. Besteht der Verdacht auf eine Krebserkrankung im Genitalbereich, kommen zur weiteren Diagnose bildgebende Verfahren wie Ultraschalluntersuchung oder Computertomographie (CT) zum Einsatz.

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4. Therapie

Grundsätzlich hängt bei einem Juckreiz im Genitalbereich die Therapie von seiner Ursache ab. Bei einer Pilzinfektion hilft eine Salbe mit pilzabtötenden Wirkstoffen (sog. Antimykotika) gegen den Juckreiz im Genitalbereich. Verursacht eine bakterielle Infektion den Juckreiz am Penis oder der äusseren Vagina, erfolgt eine Antibiotika-Behandlung. Bei sexuell übertragbaren Infektionen ist es in jedem Fall wichtig, Sexualpartner mitzubehandeln, um eine erneute Infektion auszuschliessen.

Ein behandlungsbedürftiger Juckreiz im Genitalbereich tritt am häufigsten bei Frauen auf. Um allgemein die Scheidenflora zu verbessern und Infektionen zu verhindern, bieten sich daher Präparate mit Milchsäure oder Milchsäurebakterien an. Wenn ein vaginaler Juckreiz durch einen Östrogenmangel bedingt ist, kann die Therapie darin bestehen, örtlich auf die Schleimhaut der Vagina Estriol aufzutragen. Bei einer gleichzeitigen Infektion durch Bakterien oder Pilze können Präparate zum Einsatz kommen, die eine Kombination aus Östrogenen und Antibiotika beziehungsweise Antimykotika enthalten.

Steckt hinter dem Jucken im Genitalbereich eine andere Krankheit wie Diabetes mellitus oder Eisenmangel, ist eine gezielte Therapie dieser Grunderkrankung erforderlich. Um einen Juckreiz im Genitalbereich zu lindern, ist – unabhängig von der Ursache für das Jucken – als allgemeine Therapie Folgendes ratsam:

  • Unterlassen Sie alles, was die Haut zu sehr austrocknet: Baden Sie nicht zu häufig und gehen Sie nicht in die Sauna.
  • Vermeiden Sie Kontakt mit irritierenden Stoffen oder Substanzen wie Kamille.
  • Verwenden Sie zum Waschen milde, nicht-alkalische Seifen, rückfettende Waschsyndets oder Dusch- und Badeöle.
  • Trocknen Sie sich vorsichtig ab (tupfen statt rubbeln).
  • Tragen Sie luftige Wäsche aus Baumwolle.
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