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Lähmung

(Parese)
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1. Definition

Definition

Bei einer Lähmung sind einzelne Körperteile, wie Arme und Beine, einzelne Muskeln, wie die Augenmuskeln, oder der gesamte Körper gelähmt. Dies ist der Fall, wenn das Nervensystem oder einzelne Nerven in ihrer Funktion gestört sind.

Mediziner bezeichnen eine Lähmung – je nach Ausmass – als:

  • Plegie: vollständige Lähmung von Skelettmuskeln
  • Paralyse: vollständige Lähmung (z.B. auch Muskeln von Blutgefässen)
  • Parese: leichte oder unvollständige Lähmung

Manchmal tritt eine Lähmung plötzlich auf, zum Beispiel nach einem Unfall, einem Bandscheibenvorfall oder bei der sogenannten idiopathischen Fazialisparese, einer Gesichtslähmung unbekannter Ursache. Je nach Ursache und Therapie kann eine Lähmung wieder zurückgehen oder aber bestehen bleiben. Es gibt aber einige Erkrankungen, die zu langsam fortschreitenden Lähmungen führen können, wie bestimmte Nervenerkrankungen (z.B. Polyneuropathien) und Muskelerkrankungen (z.B. Muskeldystrophien).

Plötzliche Lähmungen ohne erkennbare Ursache sollten besonders kritisch betrachtet werden. Hier kann eine ernste Erkrankung (z.B. ein Schlaganfall) dahinter stecken. Stark gefährdete Personen sollten in diesem Fall besonders achtsam sein und frühzeitig einen Arzt aufsuchen, wenn sie das Gefühl haben, dass etwas nicht stimmt.

Oft treten Lähmungen in Kombination mit einer Gefühlsstörungen auf. Ist beispielsweise ein Bein durch einen Nervenschaden gelähmt, ist es oft auch ohne Gefühl. Das heisst, dass neben den motorischen Nerven, welche für die Bewegung verantwortlich sind, auch die sensiblen Nervenfasern, welche Schmerz, Berührungen oder Temperatur weiterleiten, geschädigt sind.

Eine Therapie der jeweiligen Lähmung richtet sich ganz nach ihrer Ursache. Gerade bei Unfällen ist oft eine Operation nötig, um bei verletzten Körperteilen die Nervenverbindungen zu retten. Bei Erkrankungen des Nervensystems sollte sich die Therapie gegen den Auslöser richten, um so das Fortschreiten mindestens zu verlangsamen.

2. Ursachen

Eine Lähmung kann unterschiedliche Ursachen haben: Von Unfällen, Infekten, Nerven- und Muskelentzündungen über einen Schlaganfall bis hin zu angeborenen Muskelerkrankungen (Muskeldystrophien) und psychischen Erkrankungen. Gifte oder Entzündungen schädigen einzelne Nerven. Bei einer Lähmung kommen auch mechanisch geschädigte Nerven als Ursachen infrage, zum Beispiel eingeklemmte Nerven, wie bei einer Radialislähmung am Oberarm, oder Verletzungen bei Operationen.

Hier eine Übersicht über mögliche Ursachen für Lähmungen:

  • Kopfverletzungen (wie Schädel-Hirn-Trauma)
  • Bandscheibenvorfall
  • Querschnittslähmung
  • Polyneuropathien
  • Polyneuropathie bei Diabetes mellitus
  • Fazialisparese (Gesichtslähmung)
  • Muskeldystrophien (Typ Duchenne und Typ Becker-Kiener)
  • Migräne
  • Hirnhautentzündung (Meningitis) und Gehirnentzündung (Enzephalitis)
  • Schlaganfall (Apoplex)
  • Hirntumoren und Rückenmarkstumoren
  • Alkoholismus (Alkohol-Myopathie)
  • Botulismus
  • Borreliose
  • Kinderlähmung (Poliomyelitis)
  • amyotrophe Lateralsklerose
  • multiple Sklerose (MS)
  • Muskelentzündung (Myositis)
  • Myasthenia gravis pseudoparalytica
  • Parkinson-Krankheit
  • seelische Ursachen (psychogene Lähmung)

3. Diagnose

Bei jeder plötzlich oder neu aufgetretenen Lähmung ist eine Diagnose durch den Arzt sinnvoll, da eine ernste Erkrankung (z.B. ein Schlaganfall) dahinter stecken  könnte.

Der Arzt stellt zunächst einige Fragen, beispielsweise wann die Lähmung aufgetreten ist, ob es ein bestimmtes auslösendes Ereignis gab (z.B. einen Unfall oder eine Verletzung), ob weitere Beschwerden bestehen, ob Vorerkrankungen bekannt sind (z.B. Arteriosklerose, Diabetes mellitus, MS) und ob Medikamente eingenommen werden.

Meist folgt eine körperliche Untersuchung, eine Blutuntersuchung sowie eine neurologische Untersuchung, bei welcher der Arzt unter anderem die Bewegungsfähigkeit, die Muskelkraft, die Reflexe und das Gefühlsempfinden überprüft. Je nach Befund sind bei einer Lähmung weitere Untersuchungen notwendig:

  • Computertomographie (CT)
  • Kernspintomographie (MRT)
  • Elektromyographie (EMG)
  • Elektroneurographie (ENG)
  • Elektroenzephalographie (EEG)
  • Liquorpunktion (Hirnwasseruntersuchung)
  • Muskelbiopsie (Probenentnahme aus dem Muskel)
  • Gentests
  • weitere spezielle fachärztliche Untersuchungen (Augenarzt, HNO-Arzt)

Welche Untersuchungen davon bei einer Lähmung sinnvoll sind, hängt von der vermutetn Diagnose ab.

4. Therapie

Bei einer Lähmung richtet sich die Therapie nach der zugrunde liegenden Ursache. Lähmungen können einen sehr unterschiedlichen Verlauf nehmen. So bildet sich in den meisten Fällen eine Fazialisparese (Gesichtslähmung) unbekannter Ursache innerhalb von sechs Wochen bis sechs Monaten von selbst zurück. Sind Nerven- und Muskelentzündungen durch Infekte Ursache der Lähmung, sind als Therapie gegebenenfalls Antibiotika oder virushemmende Medikamente notwendig. Eine Lähmung, die durch einen Hirntumor verursacht wurde, kann sich unter Umständen nach einer erfolgreichen Operation, Chemotherapie oder Strahlenbehandlung des Tumors wieder zurückbilden.

Bei vielen neurologischen Erkrankungen ist eine Lähmung allerdings irreversibel. Das bedeutet, dass die Nerven dauerhaft geschädigt sind und die Lähmung bestehen bleibt. Vor allem Muskel- und Nervenkrankheiten wie die Multiple Sklerose (MS), die amyotrophe Lateralsklerose (ALS) oder die Muskeldystrophie vom Typ Duchenne schreiten im Krankheitsverlauf voran. Da bei diesen Lähmungen keine Therapie zur Verfügung steht, welche die Ursachen komplett beseitigt, sind vor allem unterstützende Massnahmen sinnvoll: Physiotherapie und physikalische Behandlungen (wie Wechselbäder, Bewegungsbäder, Massagen, Elektrobehandlungen und Wärmeanwendungen) sind dann hilfreich, um die Muskulatur zu trainieren und die Durchblutung und die Beweglichkeit zu fördern.