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Mundgeruch

(Halitosis)
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1. Überblick

Im Alltag wird man oft damit konfrontiert – gesprochen wird darüber jedoch nur selten: Für viele Menschen ist das Thema Mundgeruch (medizinisch Halitosis oder Foetor ex ore) tabu. Häufig trauen sich Mitmenschen nicht, Betroffene auf deren Mundgeruch anzusprechen. Dabei könnte genau dies sehr hilfreich sein – denn die meisten Personen nehmen ihren Mundgeruch selbst nicht wahr.

Mundgeruch kann in vielen Fällen gut behandelt werden. Streng genommen unterscheidet man zwei Formen: Halitosis und Foetor ex ore. Die Behandlung von Foetor ex ore beziehungsweise Halitosis richtet sich dabei nach der Entstehungsursache. Die Ansicht, dass Mundgeruch besonders häufig durch Erkrankungen des Magens entsteht, ist ein Irrglaube. Die Mehrheit aller Personen mit Mundgeruch hat Probleme im Mund-, Nasen-, oder Rachenraum (Foetor ex ore), die teilweise auch auf eine mangelnde Mundhygiene zurückzuführen sein können. Mithilfe einer sorgfältigen Mundpflege können viele Betroffene daher schon einiges tun, um bei Foetor ex ore Abhilfe zu schaffen.

Eine unangenehm riechende Atemluft – also eine sogenannte Halitosis – kann darüber hinaus auch bei Erkrankungen des Stoffwechsels, des Verdauungsapparats oder der Atmungsorgane auftreten, so zum Beispiel im Rahmen einer Stoffwechselentgleisung bei Diabetes mellitus. Die Halitosis entsteht als Folge dieser Erkrankungen.

Die Therapie von Mundgeruch richtet sich vor allem nach den Ursachen. Ist eine Erkrankung für die Halitosis verantwortlich, muss diese zunächst behandelt werden – vorher wird sich die Halitosis nicht zurückbilden. Liegen die Ursachen für Mundgeruch im Mund-, Nasen- oder Rachenraum, ist vor allem eine gute Mundhygiene wichtig. Zusätzlich können kurzfristig antibakterielle Mundwasser gegen Foetor ex ore helfen. Auch Massnahmen, die den Speichelfluss anregen, können bei Mundgeruch sinnvoll sein. Dazu können Betroffene zum Beispiel feste Speisen (z.B. Schwarzbrot) kauen oder saure Bonbons lutschen, um den Foetor ex ore zu bekämpfen.

2. Definition

Mundgeruch (Halitosis, Foetor ex ore) ist keine Krankheit. Er kann ein Zeichen mangelnder Mundhygiene sein, aber auch durch verschiedene Krankheiten ausgelöst werden. Der Genuss bestimmter Speisen, wie Zwiebeln oder Knoblauch, kann kurzfristig Mundgeruch verursachen, ebenso ein nüchterner Magen. Davon abzugrenzen ist dauerhafter Mundgeruch, der für Betroffene und Mitmenschen zur Belastung werden kann.

Mundgeruch ist ein Überbegriff für unterschiedliche Formen einer unangenehm riechenden Atemluft:

Foetor ex ore: Diese Form von Mundgeruch hat ihre Ursache im Mund-, Nasen- und Rachenraum, so zum Beispiel durch Erkrankungen der Mundhöhle. Der unangenehme Geruch fällt nur beim Ausatmen durch den Mund auf.

Halitosis: Von einer Halitosis spricht man, wenn auch dann ein unangenehmer Geruch entsteht, wenn der Betroffene durch die Nase ausatmet. Der Geruch tritt bei einer Halitosis also auch bei geschlossenem Mund auf.

Heute werden die Begriffe Mundgeruch, Foetor ex ore und Halitosis aber meist synonym verwendet.

Darüber hinaus können in seltenen Fällen bestimmte psychiatrische oder neurologische Erkrankungen zu einer Missempfindung im Rahmen einer Halluzination führen. Dabei nimmt eine Person einen unangenehmen Geruch bei sich selbst wahr, ohne dass sie tatsächlich Mundgeruch hat.

Häufigkeit

Etwa ein Viertel der Bevölkerung leidet an Mundgeruch. Bei undgefähr 85 bis 90 Prozent handelt es sich um Foetor ex ore.

3. Ursachen

Bei Mundgeruch (Halitosis, Foetor ex ore) liegen die Ursachen in etwa 85 bis 90 Prozent der Fälle im Mund-, Nasen-, oder Rachenraum. Es handelt sich also meist um Foetor ex ore. Bei dieser Mundgeruch-Form liegen die Ursachen innerhalb des Mund-, Nasen- und Rachenraums.

Foetor ex ore entsteht in der Regel durch Fäulnisprozesse, die durch Bakterien ausgelöst werden. Die Bakterien produzieren schwefelhaltige Stoffwechselprodukte, welche die eigentlichen Mundgeruch-Ursachen sind. Gründe für die Entstehung von Foetor ex ore sind zum Beispiel:

  • Erkrankungen des Zahnhalteapparats und der Zähne: Krankheiten wie zum Beispiel eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis) können bei Mundgeruch die Ursachen sein.
  • Mangelhafte Pflege der Zahnzwischenräume und Zahnfleischtaschen: In Zahnzwischenräumen, nur halb durchgebrochenen Zähne und vor allem in entzündeten Zahnfleischtaschen können sich Mikroorganismen hervorragend ansiedeln.
  • Bakterielle Beläge und Nahrungsreste auf der Zunge: Die raue Zungenoberfläche bietet besonders im hinteren Drittel, wo die Zunge nicht mit dem Gaumen in Kontakt kommt, eine gute Grundlage für Essensreste und bakterielle Beläge.
  • Tumoren im Mund-, Nasen- oder Rachenbereich: Wenn sich Teile eines Tumors ablösen, kann dies mit einer unangenehmen Geruchsbildung verbunden sein.
  • Verminderter Speichelfluss (Xerostomie): Ein geringer Speichelfluss fördert Mundgeruch zusätzlich. Die Schleimhäute trocknen aus, so dass bakterielle Auflagerungen entstehen. Faktoren wie Schnarchen, Mundatmung oder Fasten können den Speichelfluss ebenso reduzieren wie bestimmte Speicheldrüsenerkrankungen oder Medikamente (z.B. Psychopharmaka) und kommen damit bei Mundgeruch als Ursachen infrage. Nachts ist die Speichelproduktion generell stark vermindert, weshalb sich vor allem morgens nach dem Aufstehen ein unangenehmer Geruch und Geschmack bemerkbar macht. Auch leiden ältere Menschen häufig an einem verminderten Speichelfluss.
  • Bakterielle Entzündungen des Hals-, Nasen-, Rachenraums: Erkrankungen wie zum Beispiel Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis), Mandelentzündung (Tonsilitis) oder auch ein Schnupfen (Rhinitis) können vorübergehend zu Mundgeruch führen.

Weitere Ursachen von Mundgeruch

Bei etwa 10 bis 15 Prozent aller Personen mit Mundgeruch (Halitosis, Foetor ex ore) ist der Geruch auch über die Ausatemluft der Nase wahrnehmbar. Man spricht dann von Halitotis. Die Mundgeruch-Ursachen liegen dann meist ausserhalb des Mund-, Nasen- und Rachenbereichs. Mundgeruch-Ursachen sind bei Halitosis zum Beispiel Erkrankungen des Stoffwechsels, des Verdauungsapparats oder der Atmungsorgane. Halitosis entsteht zum Beispiel bei:

  • Lungenkrankheiten wie eitrige Bronchitis, Lungenentzündung (Pneumonie) oder Lungenabszess
  • Stoffwechselentgleisungen im Rahmen von Diabetes mellitus oder bei schweren Nieren- oder Leberfunktionsstörungen (Leberkoma)
  • Vergiftungen durch Stoffe wie Phosphor, Arsen oder Selen
  • Erkrankungen des Verdauungstrakts wie zum Beispiel Fremdkörper in der Speiseröhre, Darmverschluss (Ileus), Infektionen des Magens mit dem Bakterium Helicobacter pylori oder Ausbuchtungen der Speiseröhrenwand (Speiseröhrendivertikel)

Darüber hinaus atmen einige Personen mit Halitosis Fettsäuren aus, die den unangenehmen Geruch auslösen (sog. essenzielle Halitose). Bei dieser Form von Mundgeruch sind die Ursachen bislang unbekannt.

4. Symptome

Bei Mundgeruch (Halitosis, Foetor ex ore) werden die Betroffenen oft erst auf die Symptome aufmerksam, wenn eine andere Person sie darauf hinweist. Mundgeruch äussert sich in einem übel riechenden Atem. Der Geruch kann variieren und unterschiedlich stark sein.

Je nachdem, um welche Form des Mundgeruchs es sich handelt, nehmen Aussenstehende den unangenehmen Geruch nur aus dem Mund des Betroffenen (Foetor ex ore) oder aber auch über die Ausatmung durch die Nase wahr (Halitosis).

Die Art des Mundgeruchs kann auf eine eventuell zugrunde liegende Krankheit hinweisen. Personen mit einem Leberkoma, einer schweren Leberfunktionsstörung, können beispielsweise nach roher Leber riechen. Bei einer Stoffwechselentgleisung im Rahmen eines Diabetes mellitus riecht die Atemluft nach Aceton. Dabei handelt es sich um einen obstartigen Geruch ähnlich fauler Äpfel. Uringeruch aus dem Mund kann dagegen auf eine gestörte Nierenfunktion hinweisen.

Ist mangelnde Mundhygiene die Ursache für Mundgeruch, können die im Mund- und Rachenraum angesiedelten Bakterien sehr gut gedeihen. Ihre Zersetzungsprodukte – flüchtige Schwefelverbindungen – sorgen für strenge, faulig-ranzige Gerüche als Mundgeruch-Symptome.

5. Diagnose

Bei Mundgeruch (Halitosis, Foetor ex ore) ist die Diagnose an sich einfach: Der Arzt nimmt den unangenehmen Geruch wahr. Allerdings nehmen Betroffene den Geruch selbst nicht wahr, so dass sie meist erst durch die Familie, Freunde oder Bekannte darauf aufmerksam gemacht werden, bevor sie zum Arzt gehen. Bei Mundgeruch ist die Suche nach den Ursachen schwieriger als die eigentliche Diagnose. Mundgeruch kann viele Ursachen haben. Daher dient die Diagnose vor allem dazu, den Auslöser für den unangenehmen Geruch zu finden, um diesen zu beseitigen. In vielen Fällen kann der Zahnarzt bereits die Ursache im Mundbereich finden. Oft arbeiten aber auch Zahnärzte, Hals-Nasen-Ohrenärzte und Internisten Hand in Hand, um den Grund für den Mundgeruch zu finden.

Zur objektiven Bestimmung und Messung des Mundgeruchs werden in einzelnen Zahnkliniken auch spezielle Geräte (sog. Sulfidmonitore) eingesetzt, die den Anteil von flüchtigen Schwefelverbindungen in der Atemluft messen.

6. Therapie

Bei Mundgeruch (Halitosis, Foetor ex ore) richtet sich die Therapie nach dem Auslöser der Beschwerden. Viele Fälle von Mundgeruch sind auf eine erhöhte Bakterienzahl im Mundraum zurückzuführen. Eine umfassende Zahnsanierung bildet dabei die notwendige Grundlage der Mundgeruch-Therapie. Zudem behandelt der Zahnarzt die gegebenenfalls vorliegenden Erkrankungen des Zahnhalteapparats (Parodontopathie-Behandlung). Eine intensive Aufklärung über die richtige Mundhygiene stellt einen wichtigen Therapieschwerpunkt bei Mundgeruch dar: Die sorgfältige und regelmässige Mundpflege durch Zahnbürste, Zahnseide und Zungenschaber trägt massgeblich dazu bei, Mundgeruch dauerhaft zu beseitigen. Zusätzlich kann man antibakterielle Mundspülungen verwenden werden, um Teile der Bakterien zu eliminieren.

Es gibt gegen Mundgeruch ausserdem verschiedene Hausmittel. Dazu gehören zum Beispiel das Kauen von Ingwerwurzeln oder Petersilie. Ob bei Mundgeruch Hausmittel wirklich wirken, ist bislang aber nicht erwiesen.

Eine verstärkte Speichelproduktion vermindert den unangenehmen Geruch bei Foetor ex ore, so dass ein vermehrter Speichelfluss gefördert werden sollte. Dieser kann beispielsweise durch das Kauen zuckerfreier Kaugummis oder Äpfel angeregt werden. Zudem sind feste Nahrungsmittel wie Schwarzbrot, die reichlich gekaut werden müssen, geeignet. Besonders geruchsintensive Speisen sollten Betroffene meiden.

Falls eine bestimmte Erkrankung die Ursache des Mundgeruchs ist, muss diese behandelt werden. Ist zum Beispiel eine eitrige Bronchitis für den Mundgeruch verantwortlich, bildet sich dieser in der Regel zurück, wenn die Bronchitis abgeklungen ist. Liegt eine sogenannte essenzielle Halitosis vor, bei welcher übel riechende Fettsäuren für den Mundgeruch verantwortlich sind, besteht die Mundgeruch-Therapie in der Regel aus einer fettarmen Diät mit speziellen Vorgaben. Zudem wird angestrebt, mithilfe des Zweifachzuckers Laktulose und gegebenenfalls Antibiotika die Darmflora zu verändern.

Mundwasser ohne antibakterielle Wirkstoffe wie etwa Chlorhexidin, Pastillen oder zuckerfreie Kaugummis können den unangenehmen Geruch zwar kurzzeitig überdecken, sie bekämpfen jedoch nicht die Ursache des Mundgeruchs. Antibakterielle Wirkstoffe sollten dagegen nicht dauerhaft verwendet werden. Daher können Mundwasser die Mundgeruch-Therapie nur unterstützen.

7. Verlauf

Mundgeruch (Halitosis, Foetor ex ore) kann im Verlauf der Therapie in den meisten Fällen beseitigt werden. Oft führt bereits eine regelmässige, sorgfältige Mundpflege zum gewünschten Erfolg. Sind bestimmte Erkrankungen die Ursache für den Mundgeruch, richtet sich der Verlauf danach, wie erfolgreich die Grunderkrankung behandelt werden kann.

8. Vorbeugen

Mithilfe einer gründlichen Zahnpflege können Sie Mundgeruch (Halitosis, Foetor ex ore) oft schon effektiv vorbeugen. Eine regelmässige Reinigung sowohl der Zähne und der Zahnzwischenräume, zum Beispiel mit Zahnseide, sollte selbstverständlich sein. Eine professionelle Zahnreinigung beim Zahnarzt sollten Sie bei Bedarf regelmässig durchführen lassen. Darüber hinaus können über einen begrenzten Zeitraum auch antibakterielle Mundspülungen hilfreich sein. Auch die regelmässige Säuberung der Zunge mit einer weichen Bürste (Zahnbürste) oder einem speziellen Zungenschaber als fester Bestandteil der täglichen Mundhygiene kann Mundgeruch oft vorbeugen.

Mundgeruch, der aufgrund einer bestimmten Erkrankung entsteht, können Sie dagegen meist nicht vorbeugen.