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Muskelschwäche

(Myasthenie)
von Onmeda-Ärzteteam

1.  Definition

Definition

Bei einer Muskelschwäche, medizinisch als Myasthenie oder Myasthenia bezeichnet, tritt meist eine ungewöhnlich schnelle Muskelermüdung auf. Diese ist abhängig von der Belastung und kann ein Symptom verschiedener Ursachen sein.

Der Mensch hat weit über 600 Muskeln, die es ihm zusammen mit den Gelenken ermöglichen, sich zu bewegen und Kraft aufzubringen. Lässt diese Kraft nach, spricht man von Muskelschwäche. Zum Beispiel nach einer anstrengenden Arbeitswoche oder nach körperlicher Überlastung hat man das Gefühl, schlapp und kraftlos zu sein. Muskelschwächen können aber auch Zeichen einer Nervenerkrankung oder inneren Erkrankung sein und bis zur Lähmung voranschreiten.

Eine Muskelschwäche kann plötzlich auftreten, beispielsweise nach einem Unfall, einem Schlaganfall oder einer Infektion. Falsche Ernährung kann ebenfalls eine Muskelschwäche hervorrufen, wenn daraus zum Beispiel ein starker Vitamin- und Mineralstoffmangel (wie Magnesium) damit verbunden ist. Es gibt aber auch Erkrankungen, die zu langsam fortschreitenden Muskelschwächen bis hin zu Lähmungen führen können, wie Polyneuropathien und Muskeldystrophien. Bei einer Muskelatrophie kommt es zum Muskelschwund und folglich zu zunehmender Myasthenie.

Eine seltene Erkrankung, deren Häufigkeit aber immer mehr steigt, ist die sogenannte Myasthenia gravis pseudoparalytica. Hierbei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung bei der die Signalübertragung zwischen Muskel und Nerv gestört ist. Frauen sind häufiger von der Krankheit betroffen.

Eine weitaus bekanntere und häufigere Erkrankung, bei der eine Muskelschwäche zu den Symptomen gehört ist der sogenannte Botulismus. Es ist eine Vergiftung mit dem Botulismustoxin, welches in verdorbenen Lebensmitteln vorkommen kann. Oft handelt es sich dabei um Konserven, die nicht ausreichend erhitzt wurden, so dass sich Botulinumbakterien in ihnen vermehren und das Gift bilden konnten.

Eine Muskelschwäche (Myasthenie) kann zahlreiche Ursachen haben – von falscher Ernährung, Infekten, Nerven- und Muskelentzündungen über einen Schlaganfall bis hin zu angeborenen Muskelerkrankungen (Muskeldystrophien) und psychischen Erkrankungen. Zudem variiert die Ausprägung ebenfalls von leichter Schwäche bis zur Lähmung. Aus der Vielzahl möglicher Ursachen für eine Muskelschwäche hier einige Beispiele:

  • Muskelentzündung (Myositis)
  • Muskelüberlastung und Muskelverletzungen (vom Muskelkater bis Muskelfaserriss)
  • falsche Ernährung (Vitamin- und Mineralstoffmangel, wie Magnesium)
  • Blutarmut (Anämie)
  • Muskel- oder Nervenschädigung durch Gifte
  • Alkoholismus (Alkohol-Myopathie)
  • Allgemeininfektionen (z.B. Grippe)
  • Stoffwechselerkrankungen (z.B. Schilddrüsenunterfunktion)
  • Durchblutungsstörungen und Thrombosen
  • lange Bewegungsarmut (z.B. wochenlange Ruhigstellung im Gips, Bettlägerigkeit etc.)
  • Muskeldystrophien (Typ Duchenne und Typ Becker-Kiener)
  • spinale Muskelatrophie (Muskelschwund)
  • Polyneuropathien (z.B. bei Diabetes mellitus)
  • amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
  • Myasthenia gravis pseudoparalytica
  • Botulismus
  • Borreliose
  • Kinderlähmung (Poliomyelitis)
  • multiple Sklerose (MS)
  • Parkinson-Krankheit
  • Bandscheibenvorfall
  • Schlaganfall (Apoplex)
  • Hirnhautentzündung (Meningitis) und Gehirnentzündung (Enzephalitis)
  • Hirntumoren und Rückenmarkstumoren
  • seelische Ursachen

Besonders bei neu aufgetretener oder zunehmender Muskelschwäche (Myasthenie) ist eine rasche Diagnose durch den Arzt wichtig. Er kann feststellen, ob eine behandlungsbedürftige Erkrankung dahinter steckt. Der Arzt stellt dazu zunächst einige Fragen, beispielsweise wann die Muskelschwäche aufgetreten ist, welche Muskeln betroffen sind oder ob es ein bestimmtes Ereignis gab (z.B. einen Unfall oder eine Verletzung). Auch weitere Beschwerden (z.B. Gefühlsstörungen), bekannte Vorerkrankungen (wie Diabetes mellitus, MS) und eingenommene Medikamente sind für den Arzt im Zusammenhang mit einer Myasthenie wichtig.

Es folgen weitere Untersuchungen, um Ausmass und Ursache der Myasthenie zu diagnostizieren. Dazu zählen eine körperliche Untersuchung, eine Blutuntersuchung sowie eine gründliche Untersuchung der Nerven, bei der unter anderem die Bewegungsfähigkeit, die Muskelkraft, die Reflexe und das Gefühlsempfinden überprüft werden. Bereits mit einfachen Tests, zum Beispiel einem beidseitigen Händedruck, kann der Arzt einen Seitenunterschied der Muskelkraft feststellen.

Je nach Ergebnis der Untersuchungen ist eine weitere Diagnostik notwendig, beispielsweise:

  • Elektromyographie (EMG)
  • Muskelbiopsie (Probenentnahme aus dem Muskelgewebe)
  • Computertomographie (CT)
  • Kernspintomographie (MRT)
  • Elektroneurographie (ENG)
  • Elektroenzephalographie (EEG)
  • Liquorpunktion (Hirnwasseruntersuchung)
  • Gentests und spezielle fachärztliche Untersuchungen (Augenarzt, HNO-Arzt)

Ob eine dieser Untersuchungen notwendig ist, entscheidet der Arzt. Je nach dem, welche Ursache er für die Muskelschwäche (Myasthenie) vermutet.

Bei einer Muskelschwäche (Myasthenie) richtet sich die Therapie nach der zugrunde liegenden Ursache. Muskelschwächen nehmen oft einen sehr unterschiedlichen Verlauf. Bei leichten, ernährungsbedingten Muskelschwächen mit Blutarmut, Eisen- und Magnesiummangel bessern sich die Beschwerden, wenn Sie Ihre Ernährung umstellen und Vitamine und Mineralstoffe einnehmen. Auch nach Infekten, bei denen eine Muskelschwäche auftritt, kommt die Muskelkraft meist nach ausgestandener Erkrankung zurück.

Bei vielen Nervenerkrankungen, die zu einer Myasthenie führen, ist oft nur eine Therapie der Symptome möglich und nicht der eigentlichen Ursache. Vor allem Muskel- und Nervenkrankheiten wie einige Formen von Polyneuropathien, die amyotrophe Lateralsklerose (ALS), die Myasthenia gravis pseudoparalytica, die Muskeldystrophie vom Typ Duchenne und die multiple Sklerose (MS) schreiten im Krankheitsverlauf voran und lassen sich ursächlich nicht heilen. Hier sind vor allem unterstützende Massnahmen wie Physiotherapie und physikalische Behandlungen wie Wechsel- und Bewegungsbäder, Massagen, Elektrobehandlungen und Wärmeanwendungen hilfreich. Diese trainieren die Muskulatur und fördern die Durchblutung und Beweglichkeit.