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1. Definition

Definition

Als Nackenschmerzen bezeichnet man Schmerzen im Nacken- und Halswirbelbereich, die bis in die Schultern und Arme ausstrahlen können. Schmerzen, die vom Halswirbelbereich ausgehen, fasst man auch unter dem Begriff Zervikalsyndrom zusammen.

Häufig führen die Beschwerden dazu, dass der Hals steif wird und man den Kopf nur noch unter grossen Schmerzen bewegen kann. In diesem Fall spricht man vom steifen Hals. In einigen Fällen treten zusammen mit den Nackenschmerzen auch weitere Symptome auf, wie:

Die Halswirbelsäule ist der filigranste Teil des Rückens und besteht aus sieben Halswirbelkörpern. Im Gegensatz zu anderen Abschnitten der Wirbelsäule, ist die Halswirbelsäule extrem beweglich. Durch diese Beweglichkeit kommt es aber auch zu einer höheren Belastung der Muskulatur und stärkeren Abnutzung der Wirbelkörper, die wiederum zu Schmerzen führen können. Sind gleichzeitig bestimmte Nerven gereizt oder geschädigt, können Missempfindungen wie Kribbeln, Brennen oder Taubheitsgefühle auftreten.

Nackenschmerzen können kurzzeitig auftreten oder auch länger andauern. Bestehen die Nackenschmerzen seit mehr als drei Monaten spricht man von chronischen Schmerzen. Die Beschwerden können in unregelmässigen Abständen vorkommen – manchmal entstehen innerhalb von Minuten ziehende Schmerzen. In der Regel sind die Ursachen von Nackenschmerzen jedoch relativ harmlos und die Schmerzen klingen nach drei bis sechs Tagen wieder ab.

Nackenschmerzen werden häufig durch schwere körperliche Arbeit ausgelöst, aber auch Stress kann eine Ursache sein, woraus sich eine Wechselbeziehung entwickeln kann: Je stärker die Nackenschmerzen, desto grösser die persönliche Belastung und umgekehrt.

Nackenschmerzen treten sehr häufig auf.

2. Ursachen

Die Ursachen für Nackenschmerzen sind vielfältig. Sie reichen von akuten, das heisst plötzlich auftretenden Ereignissen, bis zu chronischen, sich langsam entwickelnden Schäden. Meist entstehen sie aufgrund von Verspannungen oder Verkrampfungen der Halsmuskulatur, die durch falsches Liegen oder Sitzen, Stress oder bei einer Erkältung auftreten können. Häufig kommt es nach Autounfällen oder Stürzen als Symptom eines Schleudertraumas oder Wirbelbruchs zu Nackenschmerzen. Seltener sind Nackenschmerzen auf eine spezifische Ursache, wie Abnutzungsvorgänge oder Bandscheibenschäden (z.B. Bandscheibenvorfall) der Halswirbelsäule, zurückzuführen.

Weitere Ursachen für Nackenschmerzen sind:

  • Überlastung oder Zerrung der Nackenmuskulatur
  • Osteoporose
  • Entzündung der Wirbelkörper (Spondylitis)
  • Gehirnhautentzündung (Meningitis)
  • rheumatische Erkrankungen (z.B. rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew)
  • Fehlstellung der Wirbelsäule (Skoliose)
  • Infektionskrankheiten (z.B. Salmonellen-Infektion, Listeriose)
  • neurologische Erkrankungen (z.B. Plexusneuritis)
  • Gefässerkrankungen (z.B. Durchblutungsstörungen, Aortenaneurysma)
  • Tumoren (z.B. Knochentumoren, Lymphome)

In wenigen Fällen entstehen Nackenschmerzen durch angeborene Fehlbildungen der Halswirbelsäule, bei denen zum Beispiel einzelne Wirbelkörper miteinander verwachsen sind (z.B. angeborener Schiefhals).

3. Diagnose

Wenn Nackenschmerzen längere Zeit bestehen, sie nach Unfällen auftreten oder Taubheitsgefühle in der Schulter- und Nackenregion dazukommen, sollten Sie für eine Diagnose der verursachenden Erkrankung einen Arzt aufsuchen.

Dieser wird Sie zunächst ausführlich befragen, wann genau die Nackenschmerzen auftreten, wie lange sie andauern und ob sie sich verschlimmert haben. Danach folgt in der Regel eine orthopädische Untersuchung, bei welcher die Muskelfunktionen und die Beweglichkeit der Halswirbelsäule und Schultergelenke überprüft werden. Ausserdem kann der Arzt dabei feststellen, ob Nerven eingeklemmt sind.

Je nach vermuteter Ursache der Nackenschmerzen kann der Arzt weitere Untersuchungen vornehmen, um diese zu bestätigen oder auszuschliessen. Zu diesen gehören eine Blutuntersuchung, Röntgenuntersuchung, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT). Bei Verdacht auf eine Gehirnhautentzündung wird zusätzlich das Hirnwasser untersucht (Liquorpunktion).

4. Therapie

Bei Nackenschmerzen richtet sich die Therapie generell nach der jeweiligen Ursache. Sind die Schmerzen Folge von Verspannungen, verschwinden sie meist von selbst. Vorsichtige Massagen oder Wärmeanwendungen (Fango, Rotlicht, etc.) können die Beschwerden lindern. Um die Muskulatur zu lockern, kann man eine transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) durchführen.

Bei starken Nackenschmerzen können Schmerzmittel, durchblutungsfördernde und entzündungshemmende nichtsteroidale Antirheumatika oder muskelentspannende Medikamente (Muskelrelaxanzien) helfen.

Um die Nackenmuskulatur nicht zu schwächen, sollten Sie Ihre gewohnten Tätigkeiten nach einer Behandlung so früh wie möglich fortsetzen. Verzichten Sie dabei jedoch vorläufig auf Arbeiten über dem Kopf und andere Arbeiten in starrer Haltung. Sportliche Aktivitäten dagegen fördern die Beweglichkeit, stärken die Muskulatur und senken damit das Risiko von Rückfällen. Achten Sie aber auch hier darauf, wirbelbelastende Sportarten wie Joggen oder Velofahren zu vermeiden. Haben die Nackenschmerzen psychische Ursachen, können zum Beispiel Entspannungstechniken oder auch eine psychologische Beratung helfen.

Langfristige Erfolge bei der Therapie von chronischen Nackenschmerzen zeigen Physiotherapie und die Rückenschule. Bei dieser lernen Betroffene, sich im Alltag rückenschonend zu verhalten und besonders belastende Bewegungen zu vermeiden. Auf chiropraktische Massnahmen wie Einrenkungen sollte man im Bereich der Halswirbelsäule aufgrund eines grossen Risikos für Verletzungen der Blutgefässe oder Lockerungen der Wirbelgelenke verzichten. Lassen sich die Nackenschmerzen durch konservative Massnahmen nicht lindern, kann, zum Beispiel bei einem Bandscheibenvorfall, eine Operation nötig sein.

Sind die Nackenschmerzen Begleitsymptom einer anderen Grunderkrankung, ist eine gezielte Therapie dieser Krankheit notwendig.