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Von Veröffentlicht am 24.11.2016

1. Überblick

Rückenschmerzen haben sich mittlerweile zu einer Volkskrankheit entwickelt. Abgesehen von Infekten, sind Rückenschmerzen der zweithäufigste Grund, einen Arzt aufzusuchen.

Erste Beschwerden verschwinden bei Betroffenen häufig spontan und ohne Behandlung. Bei über 60 Prozent kehren die Rückenschmerzen wieder zurück. Von chronischen Rückenschmerzen spricht man, wenn die Symptome länger als zwölf Wochen anhalten.

Rückenschmerzen können sowohl organische als auch psychische Ursachen haben – oft beeinflussen sich diese Komponenten gegenseitig.

In der Anfangsphase sind die Symptome häufig unspezifisch. Die Betroffenen klagen über Morgensteifigkeit, Verspannungen oder Schwäche. Viele bagatellisieren die Beschwerden zunächst oder verdrängen sie durch gesteigerte Aktivität. Mit der Zeit können sich die Schmerzen allerdings verstärken.

Man unterscheidet den plötzlich auftretenden Rückenschmerz (Lumbago) vom Wurzelreizsyndrom (Lumboischialgie) mit Kreuzschmerzen, die auch in die Beine ziehen. Auch Bandscheibenvorfälle verursachen starke Rückenschmerzen.

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2. Definition

Unter Rückenschmerzen versteht man Schmerzzustände, die in unterschiedlichen Bereichen des Rückens auftreten. Die Ursachen des Rückenschmerzes zu finden, ist in vielen Fällen schwierig. Denn der Rücken wird mit vielen Nerven versorgt und im Laufe des Lebens können Verschleisserscheinungen auftreten – beispielsweise in den Wirbelgelenken.

Man unterscheidet zwischen einem radikulären und einem pseudoradikulären Schmerz:

  • Beim radikulären (lat. radicula = kleine Wurzel) Rückenschmerz wird eine Nervenwurzel beispielsweise durch einen Bandscheibenvorfall gereizt.
  • Beim pseudoradikulären Schmerz (= scheinbar-radikulärer Schmerz) sind Veränderungen in kleinen Gelenken der Wirbelsäule die Ursache der Rückenschmerzen.

Rückenschmerzen lassen sich weiterhin unterscheiden in:

  • Hexenschuss (Lumbago): plötzlich auftretender Rückenschmerz
  • chronischer Rückenschmerz: Rückenschmerzen, die seit mehr als drei Monaten auftreten
  • Beinschmerz ( Ischialgie )
  • Kreuzschmerzen und Schmerzen in den Beinen (Lumboischialgie)

Häufigkeit

60 bis 80 Prozent der 30- bis 60-jährigen Frauen sind von Rückenschmerzen betroffen, bei den Männern sind es 65 bis 70 Prozent.

Bei rund 50 bis 60 Prozent der von Rückenschmerzen Betroffenen besteht ein Zusammenhang der Schmerzen mit ihrem Beruf. Von den Betroffenen, die länger als sechs Monate an Rückenschmerzen leiden, kehren 50 Prozent wieder an ihren Arbeitsplatz zurück.

Über 75 Prozent aller Rückenschmerzen entstehen im Lendenbereich. Die Lendenwirbelsäule besteht aus fünf Wirbelkörpern, an die sich Kreuz- und Steissbein anschliessen. Ist das Gelenk zwischen dem Kreuzbein und einem Teil des Beckenknochens (Darmbein) betroffen, spricht man vom Kreuzschmerzen beziehungsweise von sogenannten iliosakralen Beschwerden. Das Gelenk heisst Kreuzbein-Darmbeingelenk oder Iliosakralgelenk, der Schmerz auch Iliosakralsyndrom (ISG-Syndrom).

Der obere Bereich der Wirbelsäule, die Hals-Nacken-Region, schmerzt Betroffene am zweithäufigsten: 25 Prozent der Rückenschmerzen gehen vom Nackenbereich aus.

Ähnlich ist die Verteilung auch bei Bandscheibenvorfällen: Die überwiegende Mehrheit betrifft die Lendenregion, während die Halswirbelsäule vergleichsweise selten betroffen ist.

Über 60 Prozent aller Kur- und Invaliditätsanträge werden wegen Rückenschmerzen gestellt.

3. Ursachen

Rückenschmerzen entstehen aufgrund körperlicher (organischer) und psychosomatischer Ursachen sowie durch Fehlhaltungen und Fehlbelastungen.

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über verschiedene organische Ursachen der Rückenschmerzen:

Organische Ursachen

Organische Ursachen können sein:

Organische Ursache Erkrankung
Verletzungsbedingt
Tumoren
  • Neurinom (gutartiger Nervenfasertumor)
  • Meningeom (Tumor der Nervenscheide)
  • Tumoren der Wirbelkörper ausserhalb des Rückenmarks
  • Metastasen eines Tumors des Rückenmarks (Tochtergeschwülste)
Stoffwechselveränderungen
  • Nervenentzündung bei Diabetikern
  • Entmarkungskrankheit (Funikuläre Myelose)
Vergiftung
  • Alkohol-, Opiate- oder Schmerzmittelentzug
Entzündung
  • Erkrankung des Nervensystems im Verlauf einer Borreliose (Neuroborreliose)
  • Neurolues (Neurosyphillis, Verlaufsform einer unbehandelten oder nicht ausgeheilten Syphilis)
  • Entzündung der Wirbelkörper (Spondylitis)
  • Entzündung einer Bandscheibe (Diszitis)
  • Eiteransammlung (Abszess) am Schädel in Nähe der Wirbelsäule (epiduraler Abszess)
Abnutzung / Degeneration
  • Arthrose (Gelenkverschleiss)
  • Osteoporose (Knochenschwund)
  • Veränderungen der Wirbelsäule im Bereich Lendenwirbel/Kreuzbein (lumbosakrale Spondylose)
  • Einengung des Rückenmarkkanals im Bereich Lendenwirbel/Kreuzbein (lumbosakrale Stenose)
  • Verengung eines Nervenaustrittspunkts
  • Versteifung der Brust- und Lendenwirbelsäule (z.B. bei Morbus Bechterew)
  • Knochenverdickungen (Morbus Paget)
Gefässe als Ursache
  • Krankhafte Erweiterung der Schlagader (Aortenaneurysma)
  • Durchblutungsstörungen im Rückenmark (Arteria-spinalis anterior-Syndrom)

Mechanische Ursache
  • Eingeklemmter Nerv
  • Verletzungen bei Operationen
    Meningomyelozele (Form der Spina bifida; Rückenmark und Rückenmarkshäute wölben sich aus Wirbelkanal vor)
  • Pseudomeningozele (Form der Spina bifida; Rückenmarkshäute wölben sich aus Wirbelkanal vor)
Veränderungen nach Operationen
  • Meningomyelozele (Form der Spina bifida; Rückenmark und Rückenmarkshäute wölben sich aus Wirbelkanal vor)
  • Pseudomeningozele (Form der Spina bifida; Rückenmarkshäute wölben sich aus Wirbelkanal vor)
Angeboren Spina bifida (offener Rückenmarkskanal)

Fehlhaltung und Fehlbelastung

Fehlhaltung und Fehlbelastung der Wirbelsäule können ebenfalls zu Rückenschmerzen führen. Unbewusst neigen Betroffene dazu, die auftretenden Schmerzen zu kompensieren, in dem sie versuchen, die Fehlhaltung dadurch auszugleichen, dass sie bestimmte Muskeln anspannen. Dies verursacht weitere Fehlhaltungen, die zu erneuten Rückenschmerzen führen. Ein klassischer Teufelskreis ist eröffnet. Ein Bandscheibenvorfall kann die Folge sein.

Die Rückenschmerzen werden dabei zunächst vom hinteren Längsband der Wirbelsäule verursacht, welches sich über die Rückseite der Wirbelkörper entlang der Körperachse spannt. Eine hervorquellende Bandscheibe, deren Hülle (Faserring) zu diesem Zeitpunkt noch intakt ist, verlagert möglicherweise das Längsband (sog. Protrusion).

Tritt die Bandscheibe durch den gerissenen Faserring nach hinten aus, kann sie dadurch eine Nervenwurzel reizen. Dies verursacht innerhalb des Nervengewebes komplexe Veränderungen. Dazu gehören Durchblutungsstörungen, chronische Entzündungen, Nervenschwellungen sowie die Ausschüttung bestimmter Eiweisse, die beim Aufbau der Rückenschmerzen eine Rolle als Boten spielen.

Psychosomatische Ursachen

Der Begriff psychosomatisch umfasst die Wörter psyche (Seele) und soma (Körper). Psychosomatische Erkrankungen sind Ausdruck seelischer Befindlichkeiten, Probleme oder Krankheiten, die sich in körperlichen Beschwerden zeigen. Dasselbe gilt auch andersherum: Körperliche Beschwerden können ihrerseits psychische Probleme verursachen.

Ein Teil des Nervensystems bildet eine Brücke zwischen Psyche und Körper. Angst- oder Stresssituationen erhöhen zum Beispiel den Herzschlag und steigern die Durchblutung. Dauert die Stressüberbelastung zu lange an, können psychosomatische Störungen auftreten. Äussern sich diese in dauerhaften Schmerzen, so wird wiederum eine Stresssituation geschaffen und ein Teufelskreislauf entsteht.

Menschen, die Gefühle wie Aggression, Wut oder Trauer ausleben sind sieben Mal weniger gefährdet, Rückenschmerzen zu bekommen.

Rückenschmerzen mit psychosomatischen Ursachen treten vor allem im Bereich der Lendenwirbelsäule auf. Während Schmerzen für den Körper Stress bedeuten, löst umgekehrt Stress bei Rückenschmerzpatienten wiederum (Dauer-)Schmerzen aus. Bandscheibenoperationen sind in diesen Fällen nicht immer das geeignete Mittel, um Schmerzen im Rücken zu beseitigen.

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4. Symptome

Anfangs treten bei Rückenschmerzen Symptome auf, die Betroffene häufig nicht ernst nehmen oder durch Aktivität verdrängen. Hierzu zählen:

Im Verlauf der Rückenschmerzen verstärken sich die Symptome und halten eine längere Zeit an.

Häufig lösen verspannte und schmerzhafte Muskeln ebenfalls Rückenschmerzen aus. Betroffene spüren den Schmerz häufig nicht an der Körperstelle, an der die Muskeln verspannt sind. Beispielsweise können Schäden beziehungsweise Muskelverspannungen an der Halswirbelsäule Schmerzen in der Schulter, im Arm und in den Fingern verursachen.

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5. Diagnose

Bei Rückenschmerzen hängt die genaue Diagnose von der Ursache ab. Der Arzt nutzt verschiedene Methoden, um die Ursache zu ermitteln. Hierzu zählen

  • Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) und körperliche Untersuchung
  • Röntgenaufnahmen
  • Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT)
  • Myelographie (spezielle Form der Röntgenaufnahme, bei der ein Kontrastmittel in den Wirbelkanal injiziert wird)

Anamnese und körperliche Untersuchung

Bei der Diagnose von Rückenschmerzen ist eine sorgfältige Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) besonders wichtig. Der Arzt erfasst Vor- oder Begleiterkrankungen wie Arthrose (Gelenkverschleiss) oder Osteoporose (Knochenschwund), die als Auslöser infrage kommen. Des Weiteren erforscht er mögliche psychosomatische Gründe der Rückenschmerzen. Hierzu gehören zum Beispiel dauerhafter Stress oder psychische Probleme wie etwa Depressionen. Auch berufliche Aspekte spielen bei der Beurteilung der Rückenschmerzen eine Rolle. Arbeitet der Betroffene beispielsweise überwiegend im Sitzen oder im Stehen, kann dies seine Beschwerden verursachen beziehungsweise verstärken.

Als weiteres Element der Diagnostik stehen sogenannte Schmerztagebücher zur Verfügung. Der Betroffene dokumentiert dabei mithilfe einer Skala, wie er die Rückenschmerzen im Verlauf des Tages empfindet. Schmerztagebücher helfen, die Rückenschmerzen zu beurteilen und spätere Therapiemassnahmen zu kontrollieren.

Der Arzt beziehungsweise Orthopäde untersucht den Betroffenen zudem körperlich. Er beurteilt dabei Veränderungen, die er von aussen erkennen kann. Dazu zählen beispielsweise die Stellung des Beckens und der Schultern, Verkrümmungen der Wirbelsäule sowie die gesamte Körperhaltung. Ausserdem prüft er Muskelkraft, Reflexe, Berührungsempfinden und die Beweglichkeit der Gelenke und der Wirbelsäule. In vielen Fällen gibt dies Aufschluss über Ursache und Diagnose der Rückenschmerzen. Weitere Untersuchungen sind nicht nötig.

Besteht der Verdacht auf eine Nervenschädigung, empfiehlt sich jedoch eine Untersuchung bei einem Neurologen.

Röntgenaufnahme

Um die Ursache der Rückenschmerzen abzuklären, kann eine Röntgenaufnahme nötig sein. Eine Röntgenaufnahme der Wirbelsäule wird in zwei Ebenen durchgeführt: von vorne und von der Seite. Die Röntgenbilder geben einen Eindruck von der Beschaffenheit der Wirbelknochen, der Haltung und Krümmung der Wirbelsäule sowie dem Zustand der Wirbelgelenke.

Bei bestimmten Fragestellungen kann man die Wirbelsäule auch in Vor- und Rückwärtsbeugung röntgen. Diese sogenannten Funktionsaufnahmen geben Aufschluss über die Beweglichkeit der Wirbelsäule und lassen Rückschlüsse über die Rückenschmerzen zu.

Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT)

Häufig ist auch eine gezielte Diagnostik mithilfe der Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT, Kernspin) sinnvoll, um die Ursache der Rückenschmerzen abzuklären. Diese sogenannten Schnittbildverfahren dienen dazu, bestimmte Abschnitte der Wirbelsäule gezielt zu untersuchen. Sie erzeugen Schnittbilder von Muskeln, Wirbelkörpern, Bandscheiben und Gelenken, die dem Arzt helfen, sich ein genaueres Bild über eventuelle Ursachen der Rückenschmerzen zu verschaffen. Gewöhnlich reicht eine Untersuchung ohne Kontrastmittel aus. Wird jedoch eine Entzündung oder ein Tumor als Ursache der Rückenschmerzen vermutet, kann auf die Gabe eines Kontrastmittels nicht verzichtet werden.

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Myelographie

Ein besonderes Verfahren namens Myelographie kann den Rückenmarkskanal und die Rückenmarksnerven (Spinalnerven) darstellen. Bei der Myelographie spritzt der Untersucher ein Kontrastmittel in den Bindegewebsschlauch, der das Rückenmark umgibt (sog. Duralsack). Mithilfe des Kontrastmittels kann der Arzt neben den Knochen der Wirbelsäule auf dem Röntgenbild auch das Rückenmark und die Nervenwurzeln sehen. Durch eine Computertomographie (CT) im Anschluss an eine Myelographie lässt sich das Rückenmark bei besonderen Fragestellungen bezüglich der Rückenschmerzen genauer beurteilen.

6. Therapie

Bei Rückenschmerzen richtet sich die Therapie nach den Ursachen und dem Ausmass der Beschwerden. Generell können Rückenschmerzen mit folgenden Methoden behandelt werden:

  • Wärmeanwendungen (besonders bei leichten Rückenschmerzen)
  • Medikamente
  • Akupunktur
  • Massage
  • Entspannungsverfahren und Sport
  • Operationen
  • Verhaltenstherapie

Wärmeanwendungen

Wärme lindert in vielen Fällen die Rückenschmerzen – insbesondere bei leichten Rückenschmerzen oder Schmerzen aufgrund von Verspannungen. Hierfür empfehlen sich:

  • Bäder mit Kräuterzusätzen: Sie sollten nicht länger als 15 Minuten dauern, eventuell vor dem Zubettgehen. Die Wassertemperatur ist ungefähr der Körpertemperatur anzugleichen, keinesfalls wärmer. Bei bereits angewärmter Muskulatur sind in der Badewanne leichte Dehn- und Streckübungen zu empfehlen. Auch regelmässiges Schwimmen sollte im Warmwasserbecken erfolgen.
  • Sauna: Saunagänge entspannen und lockern die Muskulatur. Betroffene mit Herz-Kreislauf-Beschwerden, Schilddrüsenüberfunktion oder akuten Infektionen sollten jedoch auf Saunagänge verzichten bzw. sie mit Ihrem Hausarzt besprechen.
  • Warme Güsse: Für circa 10 bis 15 Minuten mit einem harten Wasserstrahl auf die Hauptschmerzpunkte zielen.
  • Wärmepackungen: z.B. mit Fango, Paraffin und Moorschlamm
  • Warme Kompressen:Heizkissen und Wärmestrahler sind beliebte Hausmittel
  • Wärmeumschläge: In der Apotheke erhältliche Wärmeumschläge erhitzen sich durch chemische Prozesse selbstständig auf 40 Grad Celsius und halten diese Temperatur über mehrere Stunden. Die Wärme lindert die Rückenschmerzen und kann die Therapie auf natürliche Art unterstützen, so dass in vielen Fällen die Einnahme von Schmerzmitteln reduziert wird.
  • Wärmepflaster: Wärmepflaster enthalten z.B. den Wirkstoff Capsaicin. Capsaicin regt die Durchblutung an und fördert dadurch die Therapie der Rückenschmerzen. Die Pflaster sollten nicht mit Schleimhäuten in Verbindung gebracht werden, da dies schwere Reizungen zur Folge haben kann.

Organische Ursachen und Medikamente

Wenn eine Operation nicht zwingend erforderlich ist, kann man viele Rückenschmerzen mit Schmerzmitteln und Ruhigstellung behandeln (sog. konservative Therapie). Um irritierte Nerven zu entlasten, kann eine Lagerung im Stufenbett zur Ruhigstellung notwendig sein. Im Bereich der Halswirbelsäule hilft das Anlegen einer stabilisierenden Halskrawatte.

Als Schmerzmittel setzt man bei Rückenschmerzen Rheumamittel ohne Kortison ein. Sie lindern die Rückenschmerzen und hemmen die Entzündung.

Als effektiv bei der Behandlung akuter und chronischer Rückenschmerzen erwies sich das Spritzen von Schmerzmitteln unter computertomographischer Überwachung. Die Schmerzmittel wirken direkt an der Einspritzstelle und können mit sogenannten Kortikoiden kombiniert werden, welche stark entzündungshemmend sind. Hierzu spritzt man während einer Computertomographie (CT) ein Schmerzmittel in die schmerzverursachende Region der Wirbelsäule. Abhängig vom Ausgangsort der Rückenschmerzen bringt der Arzt das Schmerzmittel in den Bereich der Nervenwurzeln der Wirbelgelenke oder dem Spaltraum im Bereich der Rückenmarkshäute (Periduralraum) mit Schmerzmitteln. Allerdings sollten Schmerzmittel und Kortikoide möglichst nur über eine begrenzte Zeit verabreicht werden.

Akupunktur

Eine besondere Stellung bei der Behandlung von Rückenschmerzen nimmt die Akupunktur ein. Sie ist eine der wichtigsten Methoden der traditionelle chinesischen Medizin (TCM). Zusätzlich zur Akupunktur wird die sogenannte Moxibution angewandt. Bei der Moxibution verbrennt der Akupunkteur über oder auf der Haut Kräuter und regt damit die Akupunkturpunkte durch Wärme an. Die Haut wird dabei nicht geschädigt. Weitere Elemente der chinesischen Medizin, die die Behandlung der Rückenschmerzen unterstützen, sind die Bewegungslehre (Tai Chi), die Kräuter-Therapie und eine richtige Ernährung.

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Stressbedingte Rückenschmerzen und Medikamente

Schmerzmittel können bei stressbedingten Rückenschmerzen akut die Schmerzen lindern, allerdings beheben sie nicht die eigentliche Ursache.

Der Teufelskreis aus Stress, depressiver Verstimmung, Rückenschmerzen und dadurch bedingtem weiteren Stress lässt sich auch durch natürliche Präparate durchbrechen. Beispielsweise hemmt Johanniskraut, eine alte europäische Hauspflanze, den Abbau der Glücksbotenstoffe Serotonin, Noradrenalin und Dopamin im Körper. Es stabilisiert die Stimmung und hilft, den Teufelskreis der Rückenschmerzen zu beenden.

Physiotherapie

Physiotherapeutische Massnahmen gegen Rückenschmerzen sollen vor allem die Rückenmuskulatur kräftigen. Kräftigere Rückenmuskeln helfen, den Halteapparat der Wirbelsäule zu entlasten und Verspannungen – und damit Rückebnschmerzen – entgegenzuwirken.

Rückenschule

Die Rückenschule vermittelt die richtige Haltung und rückenschonende Bewegungsabläufe, um Rückenschmerzen zu lindern oder ihnen vorzubeugen. Die zehn goldenen Regeln der Rückenschule lauten:

  1. Viel bewegen:Regelmässige Bewegung ist wichtig. Denn der Wechsel zwischen Bewegung und Ruhe sorgt für eine ausreichende Durchblutung und Ernährung des Gewebes.
  2. Haltung bewahren: Unser Rücken fühlt sich bei gerader Haltung am wohlsten. Deshalb ist es sinnvoll, wenn Sie mit gezielten Übungen die Rumpf- und Bauchmuskulatur stärken. Denn eine schlechte Haltung führt auf Dauer zu einem Hohlrundrücken.
  3. Aktiv bücken: Beim Bücken sollte die Hauptbelastung auf Ihren Beinen liegen. Rückenschonendes Bücken erreicht man, indem man stets mit geradem Rücken in die Hocke geht.
  4. Nicht schwer heben: Das Heben schwerer Gegenstände belastet in erster Linie die Bandscheiben im unteren Wirbelsäulenbereich. Deshalb sollten Sie unbedingt darauf achten, das Gewicht mit breit gegrätschten Beinen und so körpernah wie möglich anzuheben.
  5. Lasten verteilen: Verteilen Sie die zu tragenden Lasten möglichst gleichmässig. Wenn Sie beispielsweise zum Einkaufen gehen, benutzen Sie anstelle einer Tasche lieber zwei und tragen Sie diese beidseits. Das schont nicht nur Wirbelsäule und Bandscheiben, sondern führt auch zu einer geraden Körperhaltung.
  6. Richtig sitzen: Rückenschonend und entspannt sitzen Sie, wenn Sie folgende Punkte beachten: Ober- und Unterschenkel sollten beim Sitzen einen rechten Winkel bilden, die Füsse flach auf dem Boden stehen. Ober- und Unterarme sollten einen rechten Winkel bilden, wenn Ihre Hände auf der Tastatur liegen. Nutzen Sie die gesamte Sitzfläche Ihres Bürostuhls und lehnen Sie sich an. Sitzen Sie nicht starr, sondern ändern Sie immer wieder mal Ihre Sitzposition.
  7. Locker stehen: Stehen Sie locker. Denn beim Stehen mit gestreckten Beinen verfällt man allzu schnell in eine Hohlkreuzhaltung. Nutzen Sie jede Möglichkeit sich anzulehnen, denn so schonen Sie Ihre Lendenwirbelsäule. Auch das richtige Schuhwerk mit flachen Absätzen entlastet die Wirbelsäule
  8. Entspannt liegen: Ob beim Stehen, Sitzen oder Liegen – bemühen Sie sich stets, die physiologische Krümmung der Wirbelsäule beizubehalten. Beim Liegen in der Rückenlage ist es deshalb ratsam, sich eine zusammengerollte Decke oder ein Kissen unter die Knie zu legen. In der Seitenlage lässt sich die Wirbelsäule am besten gerade halten, in dem Sie zwischen die Beine ein Kissen nehmen. Die Bauchlage ist für den Rücken eher ungünstig.
  9. Sport treiben: Jede Art von Bewegung fördert den Stoffwechsel der Bandscheiben und kräftigt die Muskeln, Sehnen und Bänder. Speziell die Rücken- und Bauchmuskulatur geben der Wirbelsäule Halt und balancieren sie in optimaler Stellung aus. Sehr gut geeignet für den Rücken ist das Kraul- oder Rückenschwimmen, denn dadurch wird der ganze Rücken gestreckt und abwechselnd be- und entlastet.
  10. Wirbelsäule trainieren: Eine gezielte Wirbelsäulengymnastik ist so wichtig wie das tägliche Zähneputzen. Deswegen sollten Sie sich wirbelsäulengerecht strecken und dehnen, so dass Sie Ihrer Wirbelsäule einen Gefallen tun. Denn falsche Übungen können wahre Bandscheibenkiller sein. Bevor Sie ein tägliches Übungsprogramm zusammenstellen, sollten Sie sich unbedingt von einem Experten beraten lassen.

Nicht geeignet ist die Rückenschule allerdings bei schweren, chronischen Rückenschmerzen.

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Massage

Zusätzlich kann auch eine Massage sehr entspannend für die Muskulatur sein und Rückenschmerzen lindern. Ätherische Öle und Wärmeanwendung unterstützen den Effekt der Massage. Besondere Formen wie etwa Shiatsu und Reflexzonenmassage heben die Einheit von Körper, Geist und Seele in besonderer Weise hervor.

Entspannungsverfahren und Bewegung

Sportliche Betätigung in Abwechslung mit Entspannungsverfahren empfehlen Experten besonders in der Therapie von Rückenschmerzen. Speziell Sportarten, welche die Wirbelsäule entlasten und den Kreislauf gleichmässig anregen, sind sehr günstig, um Rückenschmerzen zu lindern oder ihnen vorzubeugen. Hierzu zählen Rückenschwimmen, sanftes Joggen und Walking sowie Aikido oder längere Spaziergänge. Diese sind generell sehr wirksam bei Rückenschmerzen. Besser als Bettruhe und Wärme hilft daher die regelmässige, individuell angepasste Bewegung.

Operation

Rückenschmerzen können vielfältige Ursachen haben. Nur bei wenigen ist heutzutage eine Operation notwendig.

Neben den grossen offenen Operationen wendet man auch Verfahren an, die einen kleineren Eingriff erlauben (sog. minimalinvasive Verfahren) – vor allem bei weniger schwer wiegenden Fällen und bei bestimmten Ursachen der Rückenschmerzen. Beispiele für minimalinvasive Verfahren sind:

  • chemische Auflösung der Bandscheibe durch Enzyme (Chemonukleolyse)
  • Verdampfung von Teilen der Bandscheibe mittels Laser
  • Wirbelsäulenchirurgie mittels Endoskopie: Mithilfe eines röhrenförmigen Systems, in dem eine Kamera eingebaut ist (Endoskop), kann der Arzt Hohlräume des Körpers sehen und Störungen behandeln.
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Verhaltenstherapie

Betroffene von chronischen Rückenschmerzen laufen Gefahr, in eine Schmerzspirale zu geraten. Aufgrund der Rückenschmerzen vermeiden sie zum Beispiel bestimmte Bewegungen oder unterlassen Aktivitäten aus Angst, die Rückenschmerzen könnten schlimmer werden. Sie erreichen dadurch aber genau das Gegenteil: Sie verstärken die Schmerzen durch ihre Schonhaltung. Da die Rückenschmerzen jetzt noch schlimmer geworden sind, meinen sie, sich noch mehr schonen zu müssen. In diesen Fällen kann eine Verhaltenstherapie hilfreich sein. Die Verhaltenstherapie verläuft in drei Phasen:

  1. Informationsphase: Der Betroffene erfährt, wie die Rückenschmerzen entstehen und wodurch er sie aufrecht erhält. Er lernt, dass er den Schmerzen nicht ausgeliefert ist und selbst aktiv etwas dagegen tun kann.
  2. Übungsphase: Der Betroffene übt, Einfluss auf äussere und innere Schmerzauslöser zu nehmen. Zu den äusseren Auslösern zählt z.B. ein hektischer Alltag. Innere Stressoren sind z.B. Ängste, Sorgen oder Erinnerungen. Hier helfen Schmerztagebücher, die Auslöser zu finden.
  3. Praxisphase: Entspannungstechniken unterstützen den Betroffenen, die Rückenschmerzen zu bewältigen. Wirkungsvoll sind z.B. autogenes Training oder die Biofeedback-Therapie. Der Betroffene soll die körperliche Aktivität nach und nach steigern.

7. Verlauf

Der Verlauf hängt in erster Linie von der Ursache der Rückenschmerzen ab. Die meisten Rückenschmerzen sind eher harmlos. Erste Beschwerden verschwinden meist spontan und ohne Behandlung. In über 60 Prozent der Fälle treten jedoch erneut Beschwerden auf.

Als chronisch bezeichnet man Rückenschmerzen, wenn die Symptome länger als zwölf Wochen anhalten.

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8. Vorbeugen

Mit bestimmten Verhaltensweisen und Methoden können Sie Rückenschmerzen vorbeugen. Hierzu zählen:

  • Eine gesunde Lebensweise mit sportlicher Betätigung : Besonders eignen sich Sportarten, welche die körperliche Ausdauer fördern und den Rücken entlasten, wie z.B. Schwimmen, Walking und Velofahren.
  • Rückenschule: Die Rückenschule stärkt durch spezielle Übungen die Muskeln des Rückens und entlastet dadurch die Bänder und die Bandscheiben.
  • Ein harmonisches Wechselspiel zwischen Bewegung und Entspannung kann Rückenschmerzen lindern.
  • Entspannungstraining: Hierfür kommen verschiedene Methoden wie beispielsweise Massage, autogenes Training und Meditation in Betracht.
  • Übergewicht vermeiden: Übergewicht belastet den Rücken stark und ist ein häufiger Grund für Rückenbeschwerden. Daher ist neben ausreichender Bewegung auch ein gesundes Essverhalten unabdingbar, um Rückenschmerzen vorzubeugen.

Bis vor einigen Jahren herrschte die Überzeugung, ein möglichst gerader Rücken sei besonders gesund. Heute steht man dieser Meinung kritischer gegenüber. Denn Menschen, die nur auf ihre gerade Haltung achten, schränken sich in ihrem gesunden, natürlichen Bewegungsspielraum ein. Sie scheinen langfristig für Wirbelsäulenverletzungen anfälliger zu sein.

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