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1. Überblick

Schulterschmerzen können für die Betroffenen äusserst einschränkend und störend sein. Ursachen gibt es viele, häufig steckt ein sogenanntes Impingementsyndrom hinter den Beschwerden. Aber auch akute Verletzungen und Verschleiss lösen Schulterschmerzen aus. Oft steht eine langfristige, konsequent angewendete Physiotherapie zur Muskelkräftigung im Mittelpunkt der Behandlung – eine Operation lässt sich in vielen Fällen umgehen.

Schulterschmerzen sind zum überwiegenden Teil Weichteilschmerzen im Bereich des Schultergelenks, bei denen vor allem Muskeln, Sehnen, Gelenkkapsel und Schleimbeutel beteiligt sind. Was die Beschwerden besonders lästig macht: Schon alltägliche Handgriffe, die sich oft kaum vermeiden lassen, gehen mit Schmerzen einher.

Und auch bei der Arbeit oder beim Sport setzen viele Tätigkeiten und Bewegungen ein reibungs- und schmerzlos funktionierendes Schultergelenk voraus. Schulterschmerzen schränken folglich das Spektrum der Tätigkeiten, denen man nachgehen möchte, stark ein.

Beispiele für mögliche Ursachen von Schulterschmerzen sind:

 

  • Impingementsyndrom (Engpasssyndrom) der Schulter
  • Schädigung oder Riss der sog. Rotatorenmanschette (Rotatorenmanschettenruptur)
  • verschleissbedingte Veränderungen: Arthrose
  • unfallbedingte Veränderungen: Brüche und Verletzungen (z.B. Schlüsselbeinbruch)
  • Verrenkung des Schultergelenks (Schulterluxation)
  • entzündliche Veränderungen: Sehnenentzündungen, Schleimbeutelentzündungen
  • Verspannungen
  • Schultergelenkentzündung, Schultersteife (sog. Frozen Shoulder)

Schulterschmerzen können – abhängig von der Ursache – an sehr unterschiedlichen Stellen und bei sehr unterschiedlichen Bewegungen und Tätigkeiten auftreten. Die Symptome richten sich vor allem danach, welche Verletzung an welcher Struktur vorliegt. Auch Beschwerden der Halswirbelsäule können zu Schmerzempfindungen an der Schulter führen. Ebenso strahlen mitunter Schmerzen aus Hand oder Arm bis in die Schulter aus.

2. Definition

Schulterschmerzen sind überwiegend sogenannte Weichteilschmerzen, bei denen nicht die Knochen, sondern vielmehr Muskeln, Sehnen, Gelenkkapsel, Schleimbeutel und Gelenkschmiere (Synovia) beteiligt sind.

Schulterschmerzen schränken in den meisten Fällen die Beweglichkeit des Schultergelenks ein. Dies wirkt sich gleich mehrfach negativ aus: Viele alltägliche Vorgänge – etwa das Anziehen eines Hemdes, Haare kämmen und föhnen – setzen eine fein abgestimmte Koordination der Schulter- und Armmuskeln voraus. Ebenso gelingt der Grossteil aller Bewegungen der Hand nur dann, wenn sich das Schultergelenk schmerzfrei und ungehindert bewegt.

Schulterschmerzen können somit die Lebensqualität der Betroffenen erheblich einschränken: Sowohl sozial als auch beruflich leiden manche Patienten erheblich unter den Folgen der Schulterbeschwerden. Mitunter können sie ihrem Beruf oder bestimmten Sportarten und Hobbys nicht mehr nachgehen.

Supraspinatussehne

Die Supraspinatussehne, die Sehne des Obergrätenmuskels (Musculus supraspinatus), verläuft dicht unterhalb des Schulterdachs im Subakromialraum und ist Teil der Rotatorenmanschette. Die Rotatorenmanschette besteht aus den Sehnen vierer Muskeln, die das Schultergelenk eng umschliessen. Von diesen vier Muskeln und Sehnen ist die Supraspinatussehne den höchsten Belastungen ausgesetzt. Sie hängt daher oft mit den Schmerzen beim Impingementsyndrom zusammen.

Die Aufgabe der Supraspinatussehne besteht darin, über Muskelzug den Arm nach aussen abzuspreizen (Abduktion), wobei der Arm vor allem ab einem Winkel von 60 Grad die Kraft des Obergrätenmuskels für diese Bewegung braucht. Beim seitlichen Anheben des Arms gleitet die Supraspinatussehne unter einem Band hindurch, das den Rabenschnabelfortsatz (Coracoid) und das Schulterdach (Akromion) verbindet. Es heisst Ligamentum coracoacromiale. Beim weiteren Abspreizen des Arms gerät die Sehne zwischen den grossen Höcker des Oberarmknochens (Tuberculum majus), das genannte Band und das Schulterdach.

3. Ursachen

Schulterschmerzen können verschiedene Ursachen haben. Dabei spielt es eine grosse Rolle, dass die Schulter das beweglichste Gelenk des menschlichen Körpers ist. Im Gegensatz zu vielen anderen Gelenken, etwa dem Hüftgelenk, nimmt nicht eine tiefe Gelenkpfanne den Gelenkkopf (den Kopf des Oberarmknochens) auf und stabilisiert ihn somit. Vielmehr halten Muskeln, Sehnen und Bänder den Kopf in der richtigen Position. Erfüllen sie ihre Aufgabe nur unzureichend, sind oft Schulterschmerzen die Folge. Ursachen können also schwache, zu wenig beanspruchte Muskeln und Fehlstellungen sein. Auch eine falsche Haltung stellt ein Risiko dar.

Für Schulterschmerzen häufige Ursachen sind:

  • Impingementsyndrom (Engpasssyndrom) der Schulter
  • Schädigung oder Riss der Rotatorenmanschette (Rotatorenmanschettenruptur)
  • Schultergelenkentzündung, Schultersteife (engl. Frozen Shoulder), auch Periarthritis humeroscapularis genannt
  • Gelenkverschleiss (Arthrose)
  • Brüche und Verletzungen
  • Verrenkung des Schultergelenks (Schulterluxation)
  • Sehnenentzündung
  • Schleimbeutelentzündung
  • Verspannungen
  • Erkrankungen an anderen Stellen des Körpers, z.B. Tumoren, neurologische Erkrankungen, Gefässerkrankungen

Die häufigste Ursache ist das sogenannte Impingementsyndrom der Schulter. Weiterhin führen Überlastungen (z.B. Krafttraining oder zu schweres Heben) in manchen Fällen zu Entzündungen im Schultergelenk und in den Sehnenansätzen, zu Bänderdehnungen, Bänderrissen und Muskelverspannungen.

Auch Muskel- oder Sehnenrisse können Ursache für Schulterschmerzen sein. Mit dem Alter treten ausserdem häufig knöcherne Veränderungen am Gelenk und Verkalkungen an der Bizepssehne auf. Häufig strahlen auch Schmerzen aus anderen Körperbereichen, wie etwa der Hand, dem Arm oder der Halswirbelsäule, in die Schulter aus.

4. Symptome

Je nach Ursache und Ursprungsort der Schulterschmerzen stehen unterschiedliche Symptome im Vordergrund. Allerdings können sich die Beschwerden trotz unterschiedlicher Auslöser stark ähneln.

Häufige Ursachen von Schulterschmerzen wie das sogenannte Impingementsyndrom (Engpasssyndrom) oder Verletzungen der Rotatorenmanschette (Rotatorenmanschettenruptur) beeinträchtigen die Beweglichkeit des Arms: Er lässt sich schmerzbedingt oft kaum noch heben und viele alltägliche Vorgänge – etwa das Anziehen eines Hemdes oder das Einschrauben einer Glühbirne über Kopf – sind nur noch schwer möglich.

Da die Symptome oft beim seitlichen Abspreizen des Arms (Abduktion) auftreten und sich in bestimmten Bewegungsbereichen zeigen, sprechen Ärzte auch vom sogenannten schmerzhaften Bogen (engl. painful arc). Schmerzen durch Engpasssyndrome können weit in Richtung Schulter ausstrahlen.

Typisch ist auch der nächtliche Schmerz, der auftritt, wenn der Betroffene auf der erkrankten Seite liegt oder sich unbewusst im Schlaf dorthin dreht.

Mechanisch bedingte Krankheitsprozesse der Halswirbelsäule zeigen sich in Form von Bewegungs- und Funktionsstörungen dieses Bereichs: Schmerzen strahlen hier in Schultern und Arme aus.

Reizungen der Nervenwurzeln führen zu Bewegungsstörungen der Halswirbelsäule und bis in die Hand ausstrahlenden Schmerzen. Diese kann der Arzt aufgrund der anatomischen Begebenheiten der jeweiligen Nervenwurzel zuordnen. Sie können mit oder ohne Empfindungsstörungen und Muskelschwächen auftreten.

Eine Erkrankung des seitlichen Schlüsselbeingelenks (Akromioklavikulargelenk) verursacht meist örtliche Beschwerden im Bereich der oberen Schulter, während sich Schultergelenksschmerzen häufig tiefer bemerkbar machen. Daneben findet man bei diesen Beschwerden ein typisches Bewegungsmuster (sog. Kapselmuster), das auf eine Beeinträchtigung des Gelenks oder umliegende Strukturen (Rotatorenmanschette) schliessen lässt. Beim Kapselmuster sind mehrere Bewegungen des Gelenks eingeschränkt.

Nach Unfällen auftretende Veränderungen an den Nerven sind häufig mit einer stark abweichenden Empfindung verbunden (Brennen, einschiessender Schmerz), die sich im Wesentlichen im Versorgungsgebiet der betroffenen Nerven äussert.

Bei Sehnenentzündungen richten sich die Schulterschmerzen danach, welche Muskelsehne entzündet ist:

 

Muskel Schmerz
Obergrätenmuskel (Musculus supraspinatus) bei Abspreizung des Arms gegen einen Widerstand
Untergrätenmuskel (Musculus infraspinatus), kleiner runder Armmuskel (Musculus teres minor) bei Drehbewegung nach aussen gegen einen Widerstand
Unterschulterblattmuskel (Musculus subscapularis) bei Drehbewegung nach innen gegen einen Widerstand, Schmerz besonders am kleineren Muskelansatzhöcker am Oberarmknochen (Tuberculum minus humeri)
Musculus biceps brachii Schmerz an der Schultervorderseite. Entzündungen betreffen meistens den längeren Anteil des Muskels (sog. Caput longum). Sie beruhen auf Verschleisserscheinungen oder chronischen Reizungen, häufig aufgrund schweren Hebens, sowie Sehnenrissen. Die Sehne in der Furche des Bizepsmuskels (Sulcus bicipitalis) reagiert schmerzhaft auf Druck. Der Schmerz wird durch Innendrehung des Unterarms gegen einen Widerstand verstärkt.

5. Diagnose

Bei Schulterschmerzen kann die Diagnose verschiedene Schritte umfassen. Da Schulterschmerzen mit zu den häufigsten Beschwerden im orthopädischen Alltag gehören, stellt die Untersuchung ein Routineverfahren dar. In aller Regel erfragt der Arzt zuerst die Krankengeschichte (Anamnese):

  • Liegt eine bekannte Schulterverletzung vor, etwa nach einem Sturz oder Anprall?
  • Seit wann bestehen die Schulterschmerzen?
  • Wann treten die Schmerzen auf? Ständig oder nur bei bestimmten Bewegungen?
  • Um was für einen Schmerz handelt es sich? Ist er scharf, brennend oder dumpf?
  • Ist die Bewegung eingeschränkt?
  • Treten die Schmerzen auch nachts auf?
  • Bestehen Risikofaktoren für Schulterverletzungen bzw. Schulterverschleiss (etwa sportlich oder beruflich bedingte)?

Die Antworten des Betroffenen geben dem Arzt erste Hinweise auf mögliche Ursachen der Schulterschmerzen. Als nächstes folgt die körperliche Untersuchung. Wichtige Informationen leiten sich schon aus der Körperhaltung und den Bewegungen des Patienten ab. Beim Ausziehen des Hemdes offenbaren sich mitunter gestörte Bewegungsabläufe und ein Vermeidungsverhalten ist erkennbar: Der Betroffene schont den Arm, um Schmerzen zu entgehen. Der Arzt achtet auf Form und Stand der Schultern, der Schulterblätter und der Schlüsselbeine und betrachtet die Haltung der Arme und mögliche Auffälligkeiten der Muskulatur.

Ebenso wichtig wie die optische Diagnose ist die Untersuchung des Betroffenen mit speziellen Untersuchungsgriffen und -methoden. Von ihnen gibt es eine ganze Reihe – sie kommen zum Einsatz, um die Funktion der Muskeln des Schultergelenks beurteilen zu können und somit die Ursachen der Schulterschmerzen genauer einzugrenzen und eine Diagnose ableiten zu können.

Typische klinische Funktionstests, die der Arzt bei Schulterschmerzen anwendet, sind:

  • Jobe-Test (Supraspinatus-Test)
  • Impingement-Test nach Neer (Neer-Test)
  • Hawkins-Test
  • Test, ob ein schmerzhafter Bogen (engl.: painful arc) besteht
  • Codmann-Griff
  • Lift-off-Test
  • Drop-arm-Zeichen
  • Nackengriff
  • Schürzengriff

Beim Jobe-Test führt der aufrecht stehende oder sitzende Patient beide Arme in die Horizontale (90°), beugt sie in dieser Ebene um etwa 30° und dreht die Hände so, dass die Daumen zum Boden zeigen (als würde man eine Dose ausschütten). Der Arzt versucht nun, die Arme des Patienten gegen dessen Widerstand nach unten zu drücken. Kann der Betroffene auf einer Seite nur wenig entgegensetzen, spricht dies für einen Sehnenriss, eine gereizte Sehne oder eine Entzündung des Schleimbeutels unter dem Schulterdach.

Beim Nackengriff fordert der Arzt den Patienten auf, beide Hände in den Nacken zu legen (die Daumen zeigen dabei nach unten). Beim Schürzengriff fasst man mit beiden Händen an den Rücken, wobei die Daumen nach oben zeigen – wie beim Binden einer Schürze.

Weitere Untersuchungen

Um bei Verdacht auf ein Impingementsyndrom (Engpasssyndrom) die Diagnose zu sichern, können weitere Untersuchungen notwendig sein. So tastet der Arzt beispielsweise die Sehnenansätze, Gelenke und Triggerpunkte ab. Triggerpunkte sind Reizpunkte, deren Berührung Schmerzen auslösen kann. Er untersucht den Schulterbereich auf Muskelverkürzungen und prüft die Beweglichkeit der Gelenke. Gegebenenfalls schliesst sich eine neurologische Untersuchung an, um zum Beispiel eine Einklemmung eines Nervs abzuklären.

Weitere Rückschlüsse über die Beschaffenheit des Schultergelenks und den Platz unter dem Schulterdach erlauben bildgebende Verfahren wie:

 

  • Ultraschall (Sonographie)
  • MRT (Magnetresonanztomographie)
  • Röntgenuntersuchung

Mithilfe einer Ultraschalluntersuchung lassen sich vor allem die Muskeln, Sehnen und Bänder sowie eventuell vorhandene Gelenkergüsse (krankhafte Flüssigkeitsansammlungen in Gelenken) beurteilen. Ebenfalls aufschlussreich kann die Untersuchung mittels MRT (Magnetresonanztomographie) sein. Weiterhin kann der Arzt ein örtliches Betäubungsmittel unter das Schulterdach spritzen. Bessern sich die Beschwerden, weist das auf ein subakromiales Impingement hin.

Schliesslich fasst der Arzt die Ergebnisse des Gesprächs, der klinischen Tests und der Ultraschall-, Röntgen- oder MRT-Untersuchung zusammen und stellt eine Diagnose.

Ergeben all die Untersuchungen keinen klaren Anhalt, was die Schulterschmerzen verursacht, kann unter Umständen eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie) Klarheit bringen. Bei dieser Operation in Schlüssellochtechnik (minimal-invasiv) verschafft sich der Arzt einen direkten Eindruck von den Strukturen im Schultergelenk. Falls erforderlich, kann er im gleichen Zug auch therapieren – etwa einengende Knochenvorsprünge oder entzündetes Gewebe abtragen oder einen Sehnenriss nähen.

6. Therapie

Bei Schulterschmerzen fällt die Therapie abhängig von der Ursache unterschiedlich aus. Für die meisten Fälle gilt aber, dass der Betroffene selbst erheblich dazu beitragen kann, die Schulterschmerzen zu lindern oder ganz loszuwerden. Denn in vielen Fällen stecken mangelnde Bewegung und mit ihr eine Muskelschwäche sowie eine fehlerhafte Haltung hinter den Beschwerden. Zwei Ursachen, die jeder aktiv ändern kann.

Konservative Therapie

Bei einem Impingementsyndrom schliesst die konservative Therapie schmerzstillende (analgetische) und entzündungshemmende (antiphlogistische) Medikamente sowie physikalische Therapie ein.

Geeignet sind Medikamente, die

  • die Entzündung hemmen, sog. NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika),
  • die Schmerzen lindern (Analgetika),
  • der Arzt unter das Schulterdach spritzt hier besteht das Risiko, dass die Medikamente (sog. Glukokortikoide) die Sehnen zusätzlich schädigen können. Daher beschränkt sich die Zahl der Injektionen meist auf 3.

Operation

In folgenden Situationen sollten Patient und Arzt bei einem Impingementsyndrom gemeinsam überlegen, ob eine Operation weiterhelfen kann:

  • wenn Medikamente und Physiotherapie nicht den gewünschten Erfolg bringen,
  • wenn die Schulterschmerzen trotz der konservativen Therapie stärker werden,
  • wenn der Betroffene weiterhin unter nachts auftretenden Schmerzen und Kraftlosigkeit in der Schulter leidet, also Beschwerden, die ihn sichtlich einschränken und seine Lebensqualität herabsetzen,
  • bei bestimmten Berufsgruppen, die auf ihre Schulter sehr angewiesen sind, und
  • bei aktiven Sportlern, die einer Überkopfsportart nachgehen, zum Beispiel Tennis- oder Handballspieler.

In vielen Fällen hat ein Impingementsyndrom mechanische Ursachen: Ein Knochensporn am Schulterdach (Akromion) oder ein hakenförmig geformtes oder zu stark geneigtes Akromion engen den Raum ein, es handelt sich um ein sogenanntes subakromiales Outlet-Impingement. In der Folge klemmt Gewebe ein und die Schulter schmerzt bei bestimmten Bewegungen und in bestimmten Positionen. Die Operation zielt darauf ab, den Raum unter dem Schulterdach (Subakromialraum) zu erweitern. Das geeignete Verfahren heisst (arthroskopische) subakromiale Dekompression oder Akromioplastik.

Liegen dem Impingementsyndrom keine mechanischen Ursachen zugrunde, sondern ein sogenanntes Non-Outlet-Impingement (z.B. chronische Entzündung des Schleimbeutels), ist in der Regel keine Akromioplastik angezeigt.

Heutzutage kann die Mehrzahl der Betroffenen mittels Schlüssellochchirurgie, einer Gelenkspiegelung (Arthroskopie), operiert werden. Eine offene" Operation, bei der ein grösserer Hautschnitt erfolgt, lässt sich bei einem Impingementsyndrom meist umgehen.

Bei der Gelenkspiegelung erhält der Arzt dank eines optischen Instruments (Endoskop) freien Blick auf den Raum unter dem Schulterdach und kann die umliegenden Strukturen begutachten. Über einen weiteren sehr kleinen Schnitt führt er bei Bedarf ein Instrument ein, mit dem er Gewebe abtragen kann. Mit kleinen Fräsen entfernt er Teile des Unterrands des Akromions und entnimmt den darunter gelegenen Schleimbeutel (Bursa subacromialis). Liegt auch eine Verletzung der Rotatorenmanschette vor – etwa ein Teilriss der Supraspinatussehne (Partialruptur) –, kann und wird er sie je nach Ausmass gleich mitversorgen.

Physiotherapie und physikalische Behandlung

Die physiotherapeutische Behandlung des Impingementsyndroms umfasst mehrere Aspekte:

  • gezielte Physiotherapie mit Muskelaufbautraining (vorausgesetzt sie verursacht keine Schmerzen)
  • manuelle Therapie
  • unterstützende physikalische Behandlung, z. B. Kältetherapie im akuten Stadium, heisse Rolle (Wärmetherapie) bei länger bestehenden Beschwerden, Ultraschallbehandlung, Interferenzstrombehandlung (ein Art der Elektrotherapie)

 

Der Physiotherapie kommt beim Impingementsyndrom eine wichtige Rolle zu: Sie dient dazu, die Muskeln der Rotatorenmanschette zu kräftigen und die Position des Oberarmkopfes im Schultergelenk so zu verändern, das unter dem Schulterdach wieder genug Platz für die Sehnen und anderen Strukturen bleibt. Als Rotatorenmanschette wird eine Muskelgruppe im Schultergelenk bezeichnet.

Bei den Übungen sollte das betroffene Schultergelenk nicht überlastet oder falsch belastet werden. Zudem sollten Sie während der Bewegungstherapie keine Schmerzen haben.

Im akuten Stadium empfiehlt es sich manchmal, das Schultergelenk vorübergehend ruhigzustellen. Dabei besteht jedoch die Gefahr, dass sich eine Schultersteife entwickelt. Fragen Sie Ihren Arzt oder Physiotherapeuten, wie Sie vorgehen sollen.

Wichtig ist, dass Sie die physiotherapeutischen Übungen auch zu Hause machen und so aktiv dazu beitragen, dass die Muskeln wieder zu Kräften kommen. Besonders bedeutsam sind Regelmässigkeit und Ausdauer der Physiotherapie: In Absprache mit dem Arzt und Physiotherapeuten empfiehlt sich ein Training über mehrere Monate hinweg, zum Beispiel an fünf Tagen pro Woche für 15 bis 30 Minuten. Bauen Sie die Übungen fest in Ihren Tagesablauf ein – trainieren Sie zum Beispiel immer morgens vor dem Frühstück. Diese Art der Routine erleichtert Ihnen, wirklich kontinuierlich Ihre Muskeln zu kräftigen.

Nachbehandlung

Wenn bei einem Impingementsyndrom eine Operation nötig war, schliesst sich stets eine intensive und konsequente Nachbehandlung an. Erfolgte eine Akromioplastik (subakromiale Dekompression), stehen folgende Schritte an:

  • Die operierte Schulter wird meist für etwa 24 Stunden in einem Verband ruhiggestellt (sog. Gilchrist-Verband).
  • Im Lauf der ersten und zweiten Woche stehen passive Bewegungsübungen auf dem Plan, zusätzlich versucht der Physiotherapeut, die Schulter beweglicher zu machen (zu mobilisieren).
  • Ab der dritten Woche nach der Operation übt der Betroffene aktiv, also mithilfe seiner eigenen Muskelkraft.

Im Anschluss muss er mithilfe der physiotherapeutischen Übungen die Muskeln der Rotatorenmanschette schrittweise wiederaufbauen und kräftigen. Für alle Übungen gilt: Sie dürfen nicht schmerzen!

7. Verlauf

Je frühzeitiger Sie etwas gegen dauerhafte Schulterschmerzen unternehmen, desto besser sind die Heilungsaussichten. Je nach Ursache ist der Verlauf von Schulterschmerzen sehr unterschiedlich. Eine dauerhafte Überbelastung der Schultergelenke kann zum Beispiel im Verlauf zu chronischen Schulterschmerzen und frühzeitigem Verschleiss führen, der nicht umkehrbar ist. Auch anhaltende Verspannungen können chronische Schmerzen nach sich ziehen.

Wie gut die Therapie anschlägt, hängt deshalb auch von Ihrer Mitarbeit ab. Haben die Schulterschmerzen ihre Ursache in der Ausübung bestimmter Sportarten, kann es sinnvoll sein, eine Weile oder gar langfristig auf diese zu verzichten. Empfiehlt Ihnen der Arzt, den Schulterbereich vorerst ruhigzustellen beziehungsweise zu schonen, sollte Sie diesen Rat beherzigen.

Komplikationen

In der Folge eines Engpasssyndroms kann es zu Entzündungen, Verschleisserscheinungen und Einrissen der Sehnen der Rotatorenmanschette im Schultergelenk kommen. Der Schleimbeutel unter dem Schulterdach (Bursa subacromialis) kann sich ebenfalls entzünden.

Eine mögliche Komplikation einer Operation, aber auch einer Ruhigstellung ohne operativen Eingriff besteht darin, dass sich eine Schultersteife (Frozen Shoulder) entwickelt. Dem können Sie durch gezielte Physiotherapie und eine abgestimmte Nachbehandlung aktiv vorbeugen.

8. Vorbeugen

Mit gezieltem Muskeltraining können Sie Schulterschmerzen und einem frühem Verschleiss der Schulter vorbeugen. Hierfür eignen sich zum Beispiel Schulterübungen, die Sie zuhause selbst regelmässig machen können. Achten Sie beim Krafttraining darauf, dass ein ausgebildeter Trainer Sie in die Geräte einweist und trainieren Sie in Massen. Überlastung führt eher zu Schulterschmerzen, als dass sie hilft.

Wer Schulterschmerzen vorbeugen möchte, sollte stets bedenken, dass eine schlechte Haltung und wenig Bewegung die grössten Feinde der Schulter sind. Denn sie führen einerseits zu einer falschen Stellung des Gelenkes, andererseits verkümmern die inaktiven Muskeln mit der Zeit. In einem solchen Fall schädigen schon geringfügige Belastungen und Bewegungen einzelne Strukturen – dies reizt und überlastet die Schulter.

Ein Problem stellen dauerhaft sitzende Tätigkeiten dar: Es kommt schnell zu Muskelverspannungen. Machen Sie deshalb regelmässig kurze Pausen, in denen Sie den Schulter- und Nackenbereich durch Entspannungsübungen lockern. Achten Sie bei längerem Sitzen auf die richtige Haltung. Selbst mit kurzen Spaziergängen können Sie Verspannungen vorbeugen und die Muskeln lockern.