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Veröffentlicht am 20.05.2020

1. Überblick

Verspannungen, Unfälle, Überlastung: Schulterschmerzen können diverse Ursachen haben. Riskant sind vor allem gewisse Sportarten und eine falsche Sitzhaltung.

Wenn die Schulter schmerzt, liegt das meist an den Weichteilen, die das Schultergelenk umgeben: den Muskeln, Sehnen, Bändern, Schleimbeuteln oder der Gelenkkapsel. Dank dieser Strukturen ist die Schulter zugleich beweglich und stabil – eine Besonderheit, die das Schultergelenk von allen anderen Gelenken des Körpers unterscheidet.

Werden die Schultern aber – entweder einmalig oder wiederholt – zu stark oder falsch belastet, können diese Weichteile Schaden nehmen und es kann zu Schmerzen im Schulterbereich kommen. Wo genau die Schmerzen gespürt werden, wie sie sich anfühlen und bei welcher Art von Belastung sie auftreten, hängt von der Ursache ab.

Beispiele für mögliche Ursachen von Schulterschmerzen sind:

 

 

Schulterschmerzen können für die Betroffenen äusserst einschränkend und störend sein. Oft steht eine langfristige, konsequent angewendete Physiotherapie zur Muskelkräftigung im Mittelpunkt der Behandlung. Der Nutzen von Operationen hingegen ist umstritten.

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2. Definition von Schulterschmerzen

Schulterschmerzen sind überwiegend sogenannte Weichteilschmerzen, bei denen nicht die Knochen, sondern vielmehr Muskeln, Sehnen, Gelenkkapsel oder Schleimbeutel beteiligt sind.

Schulterschmerzen schränken in den meisten Fällen die Beweglichkeit des Schultergelenks ein. Dies wirkt sich gleich mehrfach negativ aus: Viele alltägliche Vorgänge – etwa das Anziehen eines Hemdes, Haare kämmen und föhnen – setzen eine fein abgestimmte Koordination der Schulter- und Armmuskeln voraus. Ebenso gelingt der Grossteil aller Bewegungen der Hand nur dann, wenn sich das Schultergelenk schmerzfrei und ungehindert bewegt.

Schulterschmerzen können somit die Lebensqualität der Betroffenen erheblich einschränken: Sowohl sozial als auch beruflich leiden manche Patienten erheblich unter den Folgen der Schulterbeschwerden. Mitunter können sie ihrem Beruf oder bestimmten Sportarten und Hobbys nicht mehr nachgehen.

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3. Ursachen von Schulterschmerzen

Schulterschmerzen können verschiedene Ursachen haben. Dabei spielt es eine grosse Rolle, dass die Schulter das beweglichste Gelenk des menschlichen Körpers ist. Im Gegensatz zu vielen anderen Gelenken, etwa dem Hüftgelenk, nimmt nicht eine tiefe Gelenkpfanne den Gelenkkopf (den Kopf des Oberarmknochens) auf und stabilisiert ihn somit. Vielmehr halten Muskeln, Sehnen und Bänder den Kopf in der richtigen Position. Werden diese zu stark oder falsch belastet, sind oft Schulterschmerzen die Folge. Ursachen sind also vor allem kurz- oder langfristige Überlastungen, Unfälle oder Fehlbelastung im Alltag.

Für Schulterprobleme häufige Ursachen sind:

 

  • Impingementsyndrom der Schulter: Einengung von Weichteilgewebe unter dem Schulterdach
  • Entzündung und Risse in der Rotatorenmanschette (Rotatorenmanschettenruptur): Wenn eine Sehne oder mehrere Sehnen einreissen, kann es zu einer Entzündungsreaktion kommen. Gelingt es dem Körper nicht, die Schäden zu reparieren, können sich mit der Zeit kleine Kalkteilchen in der betroffenen Sehne ablagern (sogenannte Kalkschulter).
  • Schultergelenkentzündung mit Gelenkkapselentzündung. Dies kann zur sogenannten frozen shoulder führen: Die Schulter schmerzt nicht nur, sondern wird auch steif.
  • Verrenkung des Schultergelenks: Die Gelenkknochen werden aus ihrer ursprünglichen Position geschoben (z.B. bei einem Sportunfall).
  • Schleimbeutelentzündung
  • Verspannungen

Wenn die Schulter schmerzt, liegt das meist an Verspannungen der Muskulatur, Muskelrissen, beschädigten Sehnen oder Entzündungen eines Schleimbeutels oder einer Gelenkkapsel. Ursache der Verspannung, Schädigung oder Entzündung ist meist eine kurzfristige oder langfristige Überlastung – etwa durch allzu intensives Krafttraining oder das Heben schwerer Gegenstände (z.B. beim Einkaufen oder Umzug), einen Unfall oder längerfristige Fehlbelastungen im Alltag. Viele Menschen ziehen zum Beispiel unbewusst ihre Schultern hoch, wenn sie bei der Arbeit mit gekrümmtem Rücken am Schreibtisch sitzen.

Seltenere Ursachen von Schulterschmerzen sind zum Beispiel:

 

  • Gelenkverschleiss (Arthrose)
  • Brüche und Verletzungen der Schulterknochen wie etwa ein Schlüsselbeinbruch. Knochenbrüche führen meist zu plötzlichen, heftigen Schmerzen.
  • altersbedingte knöcherne Veränderungen am Gelenk
  • Erkrankungen, die an anderen Körperstellen entstehen, aber zu Beschwerden in der Schulter führen, oder Schmerzen hervorrufen, die in die Schulter ausstrahlen (z.B. Rheuma, Herzinfarkt, Nervenerkrankungen, Knochenkrebs)
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4. Symptome von Schulterschmerzen

Manchmal treten Schulterschmerzen nur oder verstärkt bei Belastung auf – etwa beim Heben des Arms. Ist die Schulter gesund, lässt sich der Arm problemlos im 180-Grad-Winkel vom Oberkörper abspreizen. Bei einigen Schultererkrankungen bereitet das Armheben jedoch Schmerzen. In welchem Bereich diese Schmerzen auftreten, kann ein wichtiger Hinweis auf die Ursache der Schmerzen sein.

Bei Entzündungen im Gelenk zwischen Oberarmkopf und Gelenkpfanne ist es meist überhaupt nicht möglich, den Arm seitlich abzuspreizen. Man spricht daher von von einer Frozen Shoulder. Der sogenannte Painful Arc (englisch für schmerzhafter Bogen), also der Bereich der Armbewegung, in dem Schmerzen auftreten, erstreckt sich dabei in der Regel von 0 bis 180 Grad.

Ist das sogenannte Akromioklavikulargelenk (AC-Gelenk) zwischen Schlüsselbein und Schulterdach beeinträchtigt, treten die Schmerzen vor allem oberhalb der Schulter auf, also im Winkel von 120 bis 170 Grad.

Gehen die Beschwerden mit einer Einengung von Weichteilgewebe unter dem Schulterdach einher (sog. Impingement-Syndrom) befindet sich der schmerzhafte Bewegungsbereich zwischen 60 und 120 Grad, tritt also vor allem bei einem vom Körper seitlich weggestreckten Arm auf.

Oft treten Schulterschmerzen nur links oder nur rechts auf, da auch im Alltag oder beim Sport eine Schulter meist stärker beansprucht wird als die andere. Fast alle Schulterverletzungen und -erkrankungen führen daher zu einseitigen Beschwerden. Welche Schulter schmerzt, hängt davon ab, ob man Links- oder Rechtshänder ist.

Bei Verspannungen hingegen tun häufig beide Schultern weh – zum Beispiel durch verkrampfte Schultern aus Anspannung in einer stressigen Situation, durch langes Sitzen am Computer oder das Schleppen schwerer Einkaufstaschen mit beiden Armen.

Wenn man sich im Schlaf auf die Seite dreht und das Gewicht auf der betroffenen Schulter lastet, können sich die Schmerzen so heftig und plötzlich verstärken, dass man davon aufwacht. Zurückführen lassen sich die starken Schmerzen meist darauf, dass die entzündeten oder beschädigten Weichteile dann unter dem Schulterdach eingeklemmt werden. Besonders häufig ist eine Schleimbeutelentzündung der Schulter für die Schmerzen verantwortlich.

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5. Diagnose von Schulterschmerzen

Mit Schulterschmerzen kann man sich an eine Orthopädin oder einen Orthopäden wenden. Leichte Verspannungen, die sich eindeutig auf eine kürzlich erfolgte Belastung zurückführen lassen, müssen normalerweise nicht ärztlich untersucht werden. Wenn die Schmerzen aber binnen einiger Tage nicht von selbst abklingen oder immer wieder auftreten, ist ein Arztbesuch empfehlenswert. Solche wiederkehrenden Schmerzen können ein Anzeichen dafür sein, dass man die Schulter im Alltag oder Sport regelmässig überlastet oder falsch beansprucht.

Ebenfalls zum Arzt sollte man bei Beschwerden, die auf schwerwiegende Erkrankungen oder Schädigungen der Schulter hinweisen. Dazu zählen vor allem:

 

  • plötzlich auftretende, starke Schulterschmerzen (z.B. nach einem Unfall),
  • Rötungen oder Schwellungen im Schulterbereich,
  • Missempfindungen im Arm oder in der Schulter (bis hin zu Lähmungserscheinungen),
  • ein Schwächegefühl im Arm.

Bei Schulterschmerzen kann die Diagnose verschiedene Schritte umfassen. Da Schulterschmerzen mit zu den häufigsten Beschwerden im orthopädischen Alltag gehören, stellt die Untersuchung ein Routineverfahren dar. In aller Regel erfragt die Ärztin folgendes:

 

  • Wo genau tut es weh?
  • Seit wann bestehen die Schulterschmerzen?
  • Wann treten die Schmerzen auf? Ständig oder nur bei bestimmten Bewegungen?
  • Verstärken sie sich nachts, wenn Sie auf der Schulter liegen?
  • Um was für einen Schmerz handelt es sich? Ist er scharf, brennend oder dumpf?
  • Fühlt sich die Schulter steif an? Ist die Bewegung eingeschränkt?
  • Welchen Beruf üben Sie aus?
  • Treiben Sie regelmässig Sport? Wenn ja, welche Sportart?

Die Antworten des Betroffenen geben der Ärztin erste Hinweise auf mögliche Ursachen der Schulterschmerzen.

Als nächstes folgt die körperliche Untersuchung. Wichtige Informationen leiten sich schon aus der Körperhaltung und den Bewegungen des Patienten ab. Beim Ausziehen des Hemdes offenbaren sich mitunter gestörte Bewegungsabläufe und ein Vermeidungsverhalten ist erkennbar: Der Betroffene schont den Arm, um Schmerzen zu entgehen. Die Ärztin achtet darauf, ob sich die Schultern beide in gleicher Höhe befinden oder nicht. Ein Schulterschiefstand kann auf falsche Haltungsgewohnheiten hindeuten, jedoch auch auf bestimmte Erkrankungen (z.B. Skoliose).

Um sich einen genaueren Eindruck vom Gelenk und den dazugehörigen Muskeln und Sehnen zu verschaffen, wird die Ärztin die Schulter zunächst abtasten. So können weitere Entzündungszeichen wie Schwellungen und Wärme erkannt und unter anderem festgestellt werden, ob sich die Gelenkknochen in der richtigen Position befinden. Zugleich erfährt die Ärztin beim Abtasten, an welchen Stellen die Schulter besonders druckempfindlich ist. Auch das hilft dabei, den Ursprung der Beschwerden zu finden.

Funktions- und Beweglichkeitstests

Welche Bewegungen möglich sind und welche Schmerzen verursachen, kann dem Arzt oder der Ärztin einen wichtigen Hinweis auf die Ursache der Beschwerden liefern. Darum wird die Beweglichkeit und Funktion des Schultergelenks durch verschiedene Tests geprüft. Einer davon ist der Painful-arc-Test: Die Patientin oder der Patient soll den Arm seitlich abspreizen und ausgestreckt hochheben. Der Winkel, in dem die Schmerzen auftreten oder sich verstärken, kann einen Hinweis auf die mögliche Ursache geben.

Bildgebende Verfahren

Für eine sichere Diagnose ist es in der Regel notwendig, die inneren Strukturen des Gelenks mithilfe bildgebender Verfahren wie Ultraschall, Röntgen, MRT und/oder CT sichtbar zu machen. Welches Verfahren im Einzelfall geeignet ist, hängt davon ab, welche Ursache die Ärztin oder der Arzt vermutet. Knochenbrüche sind auf Röntgenbildern gut zu erkennen, Schäden an Muskeln und Sehnen nur auf Ultraschall- oder MRT-Aufnahmen.

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Weitere Untersuchungen bei Schulterschmerzen

Je nachdem, welche Ursache die Ärztin oder der Arzt vermutet, können weitere Untersuchungen notwendig sein. Deuten die Symptome auf eine rheumatoide Arthritis hin, wird auch eine Blutuntersuchung durchgeführt. Bei Verdacht auf Nervenschäden können ausserdem neurologische Untersuchungen erfolgen.

Eine Frau hält sich beim Sport die schmerzende Schulter.

Überbelastung beim Sport ist ein häufiger Grund für Schmerzen in der Schulter.

Quelle: Getty Images

6. Therapie von Schulterschmerzen

Je nach Ursache kann der Arzt zum Beispiel Physiotherapie und/oder Tabletten bzw. eine Salbe gegen die Schmerzen verschreiben. Stärkere Beschwerden lassen sich mitunter nur durch eine Kortisonspritze wirksam lindern. Kortison ist aber nicht zur Dauertherapie geeignet, da es das Bindegewebe in der Schulter schwächen kann.

In bestimmten Fällen raten manche Ärztinnen und Ärzte zu einer Operation – etwa, um eingeklemmte Weichteile zu befreien. Allerdings legen Studien nahe, dass ein solcher Eingriff meist keinen tatsächlichen Einfluss auf die Genesung hat. Zwar liessen die Schmerzen der Testpersonen nach dem Eingriff innerhalb einiger Monate nach. Den Probanden aus der Vergleichsgruppe, an denen nur eine Scheinoperation in Form einer Schulterspiegelung vorgenommen wurde, ging es aber etwa gleich schnell besser.

Übungen

Was gegen die Schmerzen hilft, hängt von der Ursache ab. Bei einer Verspannung kann es helfen, die verhärteten Muskeln durch leichte Übungen zu lockern, bei denen man die Schultern bewegt, ohne sie zu stark zu beanspruchen.

 

  • Pendelübung: Stellen Sie sich neben einen Tisch oder Stuhl, der Ihnen während der Übung Halt gibt. Halten Sie sich daran mit der Hand der schmerzfreien Seite fest. Beugen Sie sich nun leicht nach vorn und lassen sie den Arm der schmerzenden Seite locker herunterhängen. Machen Sie jetzt kreisende Bewegungen mit dem hängenden Arm (ca. zehn Kreise in jede Richtung). Wenn sich die Beschwerden bessern, versuchen Sie, die Kreise allmählich zu vergrössern. Achten Sie dabei aber darauf, dass Sie die Schulter nicht zu stark beanspruchen.
  • Dehnübung: Halten Sie ein etwa ein Meter langes Handtuch hinter dem Rücken mit beiden Händen fest. Jede Hand greift ein Ende. Ziehen Sie nun mit dem Arm der schmerzfreien Schulter den Arm der betroffenen Schulter nach oben, bis Sie eine leichte Dehnung in der verspannten Schulter verspüren. Achten Sie darauf, dass Sie die Schulter dabei locker lassen. Halten Sie die Dehnung für einige Sekunden und senken Sie die Arme dann wieder in die Ausgangsposition. Diese Übung können Sie über den Tag verteilt immer wieder durchführen. 10 bis 20 Wiederholungen sind ein guter Richtwert.

Hausmittel

Auch Hausmittel wie Wärmeflaschen oder Massagen können dazu beitragen, die Verspannungen zu lösen. Wenn diese immer wieder auftreten, ist es wichtig, die Ursache zu klären und zu beheben. Hat eine krumme Haltung zu den Schulterproblemen geführt, kann es zum Beispiel helfen, die Rumpfmuskulatur durch bestimmte Übungen zu kräftigen.

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Belastungen vermeiden

Lassen sich die Schmerzen nicht auf Verspannungen zurückführen, sind Übungen möglicherweise riskant. Gerade bei starken Beschwerden ist es dann besser, die Ursache ärztlich abklären zu lassen, bevor man Selbsthilfe-Massnahmen ergreift. In jedem Fall ist die schmerzende Schulter zu entlasten und zu schonen. Schwere Gegenstände zu heben ist nicht ratsam. Wenn die Schmerzen es zulassen, sollte man die Schulter trotzdem weiterhin bewegen, damit sie nicht steif wird.

Ob sich die Schulterschmerzen durch Übungen lindern lassen oder nicht, kann der behandelnde Arzt am besten einschätzen. Wenn ja, kann er ein Rezept für eine Physiotherapie ausstellen. Dort wird dann entschieden, welche Übungen am besten geeignet sind.