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1. Definition

Definition

Laufen, stehen, sitzen, rennen – wer den ganzen Tag auf den Beinen war, kennt das Gefühl, schwere Beine zu haben. Und damit ist er nicht allein: Bei vielen Menschen treten abends müde, geschwollene und schwere Beine auf. Dies kann einerseits Zeichen von überlasteten, aber ansonsten gesunden Venen sein. Andererseits können schwere Beine auch auf eine ernsthafte Venenerkrankung hinweisen. Mit einer behandlungsbedürftigen Erkrankung der Beinvenen bringen Betroffene diese Beschwerden jedoch nur selten in Verbindung.

Dabei gibt es unzähligen Veränderungen der Venen. Solche Veränderungen können sich durch schwere Beine bemerkbar machen, aber auch äusserlich sichtbare Anzeichen wie Besenreiser treten auf. Meistens empfinden Betroffene diese jedoch vor allen Dingen kosmetisch als störend. An ein gesundheitliches Problem denkt dabei selten jemand, doch Veränderungen wie Besenreiser sind nicht nur optisch unschön, sondern können auch erstes Anzeichen einer Venenschwäche sein. Das gleiche gilt für schwere Beine.

Von den Personen mit behandlungsbedürftigen Veränderungen an den Beinvenen befindet sich nur ein geringer Teil in ärztlicher Behandlung. Unbehandelt schreiten die Veränderungen jedoch ständig fort und können langfristig zu gravierenden Problemen führen. Die Folgen reichen von Krampfadern über offene Beine und Thrombosen bis hin zu Embolien.

Schwere Beine treten ausserdem häufig während der Schwangerschaft, da die Venen während der Schwangerschaft circa 20 Prozent mehr Blutvolumen zu bewältigen haben. Ausserdem belastet das zunehmende Gewicht das Venensystem und durch bestimmte Hormone verlieren die Venen während der Schwangerschaft an Elastizität.

Um die Ursachen für schwere Beine abzuklären, sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen. Dieser kann mittels entsprechender Untersuchungen herausfinden, ob der Beinschwere harmlose Ursachen zugrunde liegen oder eine ernsthafte Erkrankung dafür verantwortlich ist.

2. Ursachen

Schwere Beine können harmlose Ursachen haben, aber auch auf ein ernsthaftes Venenleiden hindeuten. Venenleiden – insbesondere die folgenschweren Veränderungen im tiefen Beinvenensystem – sind von aussen meist nicht sichtbar. So können müde, schwere Beine sowohl Anzeichen von übermässig belasteten gesunden als auch erste Anzeichen für erkrankte Venen sein. Weitere Warnsignale sind geschwollene Knöchel, Kribbeln, Jucken oder stechende Schmerzen sowie sichtbare Venenveränderungen wie Besenreiser und Krampfadern.

Für schwere Beine kommen mehrere Ursachen infrage: Beim Stehen oder Sitzen steht die Beinmuskelpumpe still, die normalerweise das Blut durch Muskeltätigkeit zurück zum Herzen presst. Dadurch kommt es zu einer Stauung des Blutes, die sich durch schwere Beine bemerkbar macht. Auch eine genetische Veranlagung kann Venenleiden begünstigen. Personen mit einer überwiegend sitzenden oder stehenden Tätigkeit, die darüber hinaus Verwandte mit Venenleiden haben, sind besonders gefährdet.

In der Schwangerschaft kommt es häufig zu schweren Beinen. Durch den veränderten Hormonhaushalt sind die Gefässe dehnbarer als sonst und es fliesst mehr Blut hindurch. So kann es in den Beinvenen zu einem Rückstau kommen. In der Folge bilden sich möglicherweise Krampfadern und die Beine fühlen sich schwer an.

Erkrankungen der Venen sollten immer ernst genommen und ärztlich abgeklärt werden.

3. Diagnose

Schwere Beine können Anzeichen für eine Venenerkrankung sein. Der Arzt versucht deshalb im Rahmen der Diagnose herauszufinden, ob Venenveränderungen vorliegen. Er untersucht, ob weitere Beschwerden neben dem Gefühl der schweren Beine vorliegen, wie etwa Krampfadern oder andere sichtbare Anzeichen wie knotenförmige Vorwölbungen oder Wasseransammlungen (Ödeme).

Um festzustellen, ob und wie schnell Blut durch die Gefässe fliesst, kann der Arzt eine Dopplersonografie veranlassen. Die Dopplersonografie arbeitet mit Ultraschallwellen einer bestimmten Frequenz. Diese Frequenz ändert sich, wenn Schallwellen auf eine strömende Flüssigkeit treffen. Die Frequenzänderung lässt sich farblich darstellen.

Eine weitere Möglichkeit, um die Ursache für schwere Beine aufzudecken, bietet die Diagnose per Duplexsonografie. Die Duplexsonografie kombiniert ein Schwarz-Weiss-Schnittbild (B.-Bild-Sonografie) mit der Dopplersonografie. Dabei werden die akustischen Signale in ein Schnittbild überführt und farblich dargestellt. Die Duplexsonografie erlaubt durch die bildliche Darstellung ausserdem Aussagen über die Wandbeschaffenheit von Gefässen.

Die sogenannte Phlebografie ist ein weiteres Verfahren, das Aufschluss geben und schwere Beine als Symptom für eine Venenerkrankung identifizieren kann. Diese Methode hat jedoch durch Dopplersonografie und Duplexsonografie stark an Bedeutung verloren. Weitere Tests können die Diagnose beim Verdacht auf Krampfadern unterstützen.

4. Therapie

Schwere Beine erfordern meist nur dann eine Therapie, wenn sie auf erkrankte Venen hindeuten. Dann richtet sich die Behandlung nach der genauen Ursache und nach der Stärke der Beschwerden.

Wer schwere Beine hat, tut gut daran, die Beine so oft wie möglich hochzulegen – das erleichtert den Rückfluss des Blutes aus den Beinvenen. Langes Sitzen oder Stehen ist so gut es geht zu meiden. Venengymnastik kann die Gefässwände stärken und den Blutfluss verbessern.

Die Beschwerden können Sie ausserdem lindern, indem Sie:

  • regelmässig wechselduschen,
  • ausreichend trinken (mind. 2 Liter pro Tag),
  • und auf hohe Absäzte verzichten.

Ausserdem kann der Arzt Ihnen Kompressionsstrümpfe verschreiben. Gut angepasste medizinische Kompressionsstrümpfe unterstützen effektiv die Venenfunktion und beugen so Folgeerkrankungen vor.

Mit Sportarten wie Schwimmen, Radfahren oder Gehen können Sie die Muskelvenenpumpe aktivieren und den Blutfluss ankurbeln.

Kompressionsstrümpfe

Kompressionsstrümpfe können sowohl bei bereits bestehendem Venenleiden als auch vorbeugend angewendet werden. Mit Kompressionsstrümpfen vorbeugen sollten Personen, bei denen bestimmte Risikofaktoren vorliegen. Hierzu zählen vor allem genetische Belastung, eine vorwiegend sitzende oder stehende Tätigkeit, erhöhte Blutgerinnungsneigung, Schwangerschaft, lange Reisen mit Flugzeug, Auto oder Bahn (Reisethrombose) sowie Bettlägerigkeit. Ein weiterer Einsatzbereich von Kompressionsstrümpfen sind lymphatische Erkrankungen.

Bei erkrankten Venen schliessen die Venenklappen, die normalerweise wie kleine Ventile einen Rückstrom des zum Herzen fliessenden Bluts verhindern, nicht mehr richtig. Die Folge davon: Das Blut versackt sozusagen in den Beinen. Die dadurch fortschreitenden Erweiterungen der Venen führen wiederum dazu, dass die Klappen noch schlechter schliessen.

Medizinische Kompressionsstrümpfe üben von aussen Druck auf die erweiterten Venen aus, der ihren Durchmesser einengen soll. Durch den verengten Venenquerschnitt können die Venenklappen wieder besser schliessen.

Darüber hinaus erhöhen Kompressionsstrümpfe die Fliessgeschwindigkeit des Bluts und unterstützen die Muskelpumpe, wodurch Stauungen vermieden und die Venen vor weiterer Überdehnung geschützt werden.

Der bessere Rückfluss des Bluts zum Herzen senkt die Thrombose- und folglich auch die Emboliegefahr. Die Stoffwechselvorgänge im Bein werden günstig beeinflusst und das Risiko für offene Beine sinkt. Der kontinuierliche Druck von aussen wirkt zudem einem Austritt von Flüssigkeit ins Gewebe und damit einer Wasseransammlung (Ödembildung) entgegen.

Kompressionsstrümpfe sind zu unterscheiden von sogenannten Stützstrümpfen, die in Bezug auf die Höhe des Drucks, die Beständigkeit des Drucks und die Druckverteilung insgesamt nicht bei den genannten Anwendungsgebieten ausreichen. Weiterhin abzugrenzen sind sogenannte Thromboseprophylaxestrümpfe, die zum Beispiel im Krankenhaus angewendet werden.

Verschreibung, Anpassung und Kompressionsklassen

Kompressionsstrümpfe werden bei Notwendigkeit verschrieben. Die Strümpfe müssen durch exakte Vermessung der Beine ausgewählt und angepasst werden. Bei aussergewöhnlicher Körpergrösse oder Beinform, bei speziellen Druckanforderungen oder unterschiedlichen Kompressionsklassen beider Beine kann eine Sonderanfertigung der Strümpfe notwendig sein.

Wer schwere Beine hat und einem Venenleiden mit Kompressionsstrümpfen vorbeugen möchte, muss sich nicht verstecken: Moderne medizinische Kompressionsstrümpfe haben die braunen, harten Gummistrumpfhosen von früher abgelöst. Sie sind mittlerweile in vielen Farben und mit unterschiedlicher Transparenz erhältlich, sodass sie in Optik und Tragekomfort normalen Strumpfhosen recht ähnlich geworden sind.

Je nach Grad der Erkrankung können vier unterschiedliche Klassen von Kompressionsstrümpfen verwendet werden, die sich in erster Linie in der Festigkeit des Materials unterscheiden und somit unterschiedlich starken Druck ausüben:

  • Klasse I: bei Schwere und Müdigkeitsgefühl in den Beinen, bei leichter Krampfaderbildung oder bei beginnendem Krampfaderleiden (Varikosis) während der Schwangerschaft
  • Klasse II: bei stärkeren Beschwerden, ausgeprägten Krampfadern, leichten Schwellungen, nach oberflächlichen Venenentzündungen, bei stärkeren Entzündungen während der Schwangerschaft sowie nach Verödungsbehandlungen oder Operationen
  • Klasse III: bei chronischer Veneninsuffizienz, nach Thrombose, bei Hautveränderungen und nach Abheilen von Unterschenkelgeschwüren
  • Klasse IV: bei schwereren Krankheitsbildern als für Klasse III sowie bei Lymphödemen

Um den richtigen Kompressionsstrumpf anzupassen, muss das Bein ausgemessen werden und zwar im stehenden und ödemfreien Zustand. Da Beine in der Regel unterschiedlich lang sind und unterschiedliche Durchmesser haben, müssen – wenn Kompressionsstrümpfe für beide Beine notwendig sind – auch beide Beine ausgemessen werden.

Kompressionsstrümpfe anziehen

Die Kompressionsstrümpfe werden am besten nach dem Aufwachen vor dem Verlassen des Betts angezogen – also bevor sich Ödeme an den Beinen entwickelt haben. Damit der Stoff beim Anziehen nicht beschädigt wird, sollten Betroffene keinen Schmuck an den Händen tragen. Ausserdem ist es hilfreich, Gummihandschuhe zu tragen. Sie erleichtern das Greifen des Stoffs. Beim Anziehen ist darauf zu achten, den Strumpf nicht zu überdehnen. Es gilt, den Kompressionsstrumpf gleichmässig nach oben abzurollen, ohne ihn zu stark nach oben zu ziehen.

Komplikationen und Gegenanzeigen

Falsch angepasste Kompressionsstrümpfe können Gewebezerstörung (Hautnekrosen) und andere Druckschäden verursachen.

Ungeeignet ist eine Kompressionstherapie bei fortgeschrittener arterieller Verschlusskrankheit, schweren Funktionsstörungen des Herzens, nässenden Hauterkrankungen und schweren Störungen der Nervenfunktion in Armen und Beinen.

Haltbarkeit und Pflege von Kompressionsstrümpfen

Üblicherweise halten Kompressionsstrümpfe etwa ein halbes Jahr, bis das Gewebe an Festigkeit verliert und die medizinische Wirkung nachlässt. Die regelmässige Wäsche ist nicht nur aus hygienischen Gründen wichtig, sie stellt auch die Festigkeit der durch das Tragen geweiteten Strümpfe wieder her. Kompressionsstrümpfe können von Hand oder in der Maschine gewaschen werden. Beachten Sie die Waschanweisungen des Herstellers.

Tipps zu Haltbarkeit und Pflege

  • Kompressionsstrümpfe sind in verschiedenen Grössen und Klassen erhältlich. Wichtig ist zunächst, den Strumpf der Beingrösse anzupassen. Mit den Klassen wird entschieden, wie stark der Druck auf die Beinvenen sein soll. Eine ausführliche Beratung durch den Arzt oder den Fachhandel ist hierbei unerlässlich.
  • Damit der Stoff beim Anziehen nicht beschädigt wird, sollte kein Schmuck an den Händen getragen werden. Ausserdem ist es hilfreich, Gummihandschuhe zu tragen. Sie erleichtern das Greifen des Stoffs.
  • Beim Anziehen sollte der Strumpf nicht überdehnt werden. Es gilt, den Strumpf gleichmässig nach oben abzurollen, ohne ihn zu stark nach oben zu ziehen.
  • Die richtige Pflege ist für die Haltbarkeit der Strümpfe entscheidend. Der Stoff leiert durch das Tragen aus. Regelmässiges Waschen zieht den Stoff wieder zusammen.
  • Zusätzliche Massnahmen, welche die Venenfunktion unterstützen, sind: Viel Bewegung (Venengymnastik, Schwimmen, Radfahren, Wandern, Tanzen oder Golf spielen), so oft wie möglich die Beine für fünf bis zehn Minuten hochlegen und kalte Fussduschen.