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Sensibilitätsstörungen

(Empfindungsstörung)
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1. Definition

Definition

Der Begriff Sensibilitätsstörungen beschreibt Störungen in der Wahrnehmung von Reizen wie Berührung, Temperatur oder Schmerzen. Sensibilitätsstörungen werden oftmals auch als Missempfindungen bezeichnet. Eine häufige Form der Sensibilitätsstörung ist die sogenannte Parästhesie, die sich durch Kribbeln (Ameisenlaufen) und Taubheitsgefühle in der betroffenen Körperregion äussert. Einige Menschen verwenden deshalb auch den Begriff Gefühlsstörungen.

Zahlreiche Nervenendigungen, Rezeptoren und Sensoren im ganzen Körper sowie Sinnesorgane, beispielsweise Augen, Ohren, Nase und Haut, nehmen Reize (Stimuli) wahr und leiten sie über die Nerven ans Gehirn weiter. Das Gehirn verarbeitet die Informationen der Sinnesorgane und Sensoren zu Eindrücken und Empfindungen. Man unterscheidet unter anderem mechanische Reize (z.B. Druck, Vibration), Temperaturempfindung (Thermorezeption), Schmerzempfindung (Nozizeption) sowie Bewegungs- und Lageempfinden.

Sensibilitätsstörungen äussern sich in unangenehmen Missempfindungen oder in einer gesteigerten, abgeschwächten oder auch vollständig aufgehobenen Reizwahrnehmung. Typische Sensibilitätsstörungen sind Kribbeln, Brennen und Jucken. Manchmal treten auch sogenannte Wärme- oder Kältemissempfindungen auf. Dabei haben die Betroffenen das Gefühl, dass eine bestimmte Körperstelle ungewöhnlich warm oder kalt ist – bei Berührung fühlt sich diese Körperstelle jedoch normal an. Aber auch ein gesteigertes Schmerzempfinden gehört zu den Sensibilitätsstörungen. Mediziner verwenden dafür den Fachbegriff Hyperalgesie.

In manchen Fällen äussern sich Sensibilitätsstörungen auch als Taubheitsgefühle: Die betroffene Körperstelle fühlt sich an, als ob sie – wie bei einem chirurgischen Eingriff – örtlich betäubt ist. Im Gegensatz zur Hyperalgesie kann die Schmerzempfindung nun ausgeschaltet sein. Menschen mit Sensibilitätsstörungen an den Füssen merken deshalb nicht, wenn sie in spitze Gegenstände (z.B. einen Reissnagel) treten. Besonders bei Diabetikern kann das schwere Folgen haben und dazu führen, dass sich die unbemerkte Verletzung entzündet und es zu einem Diabetischen Fuss kommt.

Hinter Sensibilitätsstörungen können sich harmlose, vorübergehende Ursachen verbergen, zum Beispiel ein Kribbeln in den Fingern, wenn man sich am Ellenbogen stösst. Störungen der Sensibilität treten aber auch bei zahlreichen Erkrankungen oder Schädigungen des Nervensystems auf – beispielsweise bei Polyneuropathien, infolge von Infektionskrankheiten wie Gürtelrose (Herpes zoster) und Meningitis (Hirnhautentzündung) oder auch einem Schlaganfall. Eine weitere, häufige Ursache für Sensibilitätsstörungen ist ein Bandscheibenvorfall, bei dem hervorgetretenes Bandscheibengewebe auf umliegende Nerven drückt und so Sensibilitätsstörungen auslösen kann.

Langanhaltende Sensibilitätsstörungen erfordern in jedem Fall eine ärztliche Untersuchung und eine individuelle Therapie.

2. Ursachen

Sensibilitätsstörungen können zahlreiche Ursachen haben – von harmlosen, vorübergehenden Nervenreizungen über Entzündungen bis hin zu schweren Erkrankungen des Nervensystems.

Es gibt eine Vielzahl möglicher Faktoren, die zu Sensibilitätsstörungen führen können. Häufige Ursachen sind:

  • Schädigung einzelner Nerven durch Gifte, Infektionen oder mechanische Reize wie Einklemmung
  • Verbrennungen und Verbrühungen der Haut mit Schädigung der umliegenden Nerven
  • direkte Nervenreizung nach Untersuchungen (z.B. Liquorpunktion)
  • Erkrankungen des Bewegungsapparats mit Nervenschäden (z.B. Bandscheibenvorfall)
  • Polyneuropathien (z.B. bei Diabetes mellitus oder Alkoholismus)
  • neurologische Erkrankungen wie multiple Sklerose (MS) und Parkinson
  • Durchblutungsstörungen (z.B. Arteriosklerose, periphere arterielle Verschlusskrankheit)
  • Migräne mit Aura – hier treten Sensibilitätsstörungen zumeist in einer, gelegentlich auch in beiden Gesichtshälften auf
  • Schlaganfall (Apoplex)
  • Hirn- und Rückenmarkstumoren
  • Schädigungen des Rückenmarks (z.B. Hinterhornsyndrom)
  • Nebenwirkung von Medikamenten
  • Allergien
  • Viruserkrankungen (z.B. Gürtelrose)
  • bakterielle Infektionen (z.B. Borreliose oder Meningitis)
  • Blutarmut (Anämie)
  • Vitaminmangel (z.B. Vitamin-B1-Mangel), Eisen- und Magnesiummangel
  • Restless-Legs-Syndrom (RLS)
  • Hyperventilationssyndrom
  • seelische Ursachen, z.B. bei Angst- und Panikstörungen

3. Diagnose

Bei Sensibilitätsstörungen ist eine ärztliche Diagnose wichtig. Bestimmte Untersuchungen helfen zu erkennen, ob eine harmlose Nervenreizung oder aber eine ernste Erkrankung Ursache für die Sensibilitätsstörungen ist. Neurologen sind auf die Diagnose von Sensibilitätsstörungen spezialisiert. Plötzlich aufgetretene Taubheitsgefühle, zum Beispiel eines Arms, erfordern sofortige ärztliche Abklärung, da beispielsweise ein Schlaganfall vorliegen kann.

Der Arzt stellt zunächst einige Fragen zu den Sensibilitätsstörungen, zum Beispiel:

  • Wann sind die Beschwerden aufgetreten?
  • Gab es ein auslösendes Ereignis (z.B. eine Untersuchung oder eine Verletzung)?
  • Bestehen weitere Beschwerden (wie Lähmungen, Sprachstörungen)?
  • Sind Vorerkrankungen bekannt (wie koronare Herzkrankheit, Diabetes mellitus, Bandscheibenvorfall)?
  • Nehmen Sie Medikamente ein?

Es folgen eine körperliche Untersuchung, eine Blutuntersuchung sowie eine gründliche neurologische Untersuchung. Mittels Sensibilitätsprüfungen kann der Arzt zusätzlich das Gefühlsempfinden und das Ausmass der Sensibilitätsstörungen testen. Auf diese Weise lässt sich überprüfen, ob und wie stark das Druck- und Vibrationsempfinden ist, wie der Erkrankte Temperatur und Schmerz empfindet und wie das Bewegungs- und Lageempfinden ausgeprägt ist. Aber auch andere mögliche Nervenstörungen (z.B. Lähmungen, Sprachstörungen) untersucht der Arzt.

Je nach Befund sind weitere Untersuchungen notwendig, um bei Sensibilitätsstörungen die korrekte Diagnose zu stellen, zum Beispiel eine Computertomographie (CT), ein CT des Kopfs (CCT), eine Kernspintomographie (MRT), Elektroneurographie (ENG), Elektroenzephalographie (EEG), Liquorpunktion (Hirnwasseruntersuchung), Röntgenaufnahmen, spezielle Blutuntersuchungen, Angiographien, Allergietests, orthopädische Untersuchungen und vieles mehr.

4. Therapie

Bei Sensibilitätsstörungen richtet sich die Therapie nach der zugrunde liegenden Ursache. Komplexe Erkrankungen des Nervensystems, wie etwa multiple Sklerose, erfordern eine dauerhafte medikamentöse Therapie. Dagegen lassen sich Nerveneinklemmungen oft durch kurzfristige manuelle (bspw. bei Wirbelblockaden) oder operative Eingriffe (z.B. bei einem Bandscheibenvorfall) beheben.

Ein Schlaganfall, der zu Sensibilitätsstörungen führt, macht eine umgehende intensivmedizinische Therapie notwendig, da er sonst bleibende Schäden nach sich zieht und zu schweren Komplikationen bis hin zum Tod führen kann. Informieren Sie daher bei Verdacht auf einen Schlaganfall umgehend den Notarzt!

Medikamente, die Sensibilitätsstörungen auslösen oder begünstigen können, sollten Sie nur in Rücksprache mit Ihrem Arzt absetzen.

Wenn keine behandlungsbedürftige Erkrankung dahinter steckt, verschwinden Sensibilitätsstörungen manchmal auch ganz ohne Therapie. Bei länger anhaltenden Beschwerden sollten Sie in jedem Falle Ihren Arzt aufsuchen. Er kann die Ursache für die Sensibilitätsstörungen herausfinden und diese entsprechend behandeln.

Es gibt keine Möglichkeit, Sensibilitätsstörungen generell vorzubeugen. Grundsätzlich empfehlen sich eine ausgewogene Ernährung mit den notwendigen Vitaminen und Mineralstoffen, ausreichend Bewegung und eine gesunde, stressfreie Lebensweise. Wenn bei Ihnen orthopädische Erkrankungen bekannt sind, die Sensibilitätsstörungen verursachen, ist eine langfristige Physiotherapie sinnvoll, um die Symptome dauerhaft zu lindern.