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Von Veröffentlicht am 24.11.2016

1. Definition

Definition

Bei einer Stuhlinkontinenz kann der Mensch, den Stuhlgang nicht zurückzuhalten. Im frühen Kindesalter lernt man, den Stuhl willkürlich, ort- und zeitgerecht abzusetzen. Bei bestimmten Erkrankungen und Störungen kann diese Fähigkeit wieder verloren gehen. Bei einer Stuhlinkontinenz (Fachausdruck: anorektale Inkontinenz) gelingt es nicht, den Darminhalt – flüssigen oder festen Stuhl, Darmgase und Darmschleim – willkürlich zurückzuhalten.

Stuhlinkontinenz kommt relativ häufig vor. Vor allem ältere Menschen und Frauen sind unterschiedlich stark davon betroffen. Je nachdem, wie gut es noch gelingt, den Stuhlgang zurückzuhalten, spricht man von Stuhlinkontinenz ersten bis dritten Grades.

Man unterscheidet drei verschiedene Schweregrade:

  • Schweregrad 1 (Teilinkontinenz 1. Grades): Bei Belastung und Durchfall kommt es zu Stuhlschmieren.
  • Schweregrad 2 (Teilinkontinenz 2. Grades): Darmgase und dünnen Stuhl zu halten, ist nicht möglich.
  • Schweregrad 3 (Totalinkontinenz): Es kommt zu einem totalen Kontrollverlust über die Darmentleerung, welcher mit ständigem Stuhlschmieren verbunden ist. Den Darminhalt willentlich oder reflektorisch zurückzuhalten, ist unmöglich, auch fester Stuhl wird verloren.

Eine Stuhlinkontinenz kann verschiedene Ursachen haben. Im Alter etwa lässt die Gewebespannung und Muskelkraft nach, wodurch auch der Schliessmuskel betroffen ist. Speziell bei Frauen kann Inkontinenz Spätfolge einer Schwangerschaft sein, da durch die Geburt der Beckenboden sehr stark gedehnt und eventuell verletzt wird. Verletzungen im Bereich des Afters können ausserdem eine Stuhlinkontinenz bewirken. Weiterhin können Nervenschäden der Grund sein, warum der Schliessmuskel am After nicht mehr (vollständig) funktioniert. Psychische Ursachen sind ebenfalls möglich.

Die Therapie einer Stuhlinkontinenz richtet sich nach ihrer Ursache. Allgemein ist es sinnvoll, die Beckenbodenmuskulatur zu stärken, um die Kontinenz zu verbessern oder einer Stuhlinkontinenz vorzubeugen. Im Alltag helfen unter anderem spezielle Einlagen, um die Wäsche zu schonen.

Häufigkeit

Stuhlinkontinenz kommt mit einer grossen Häufigkeit vor. Vor allem ältere Menschen sind aufgrund nachlassender Beckenbodenmuskulatur und einer Schwäche des Schliessmuskels am After betroffen. Statistisch gesehen bekommen vier- bis fünfmal mehr Frauen als Männer eine Stuhlinkontinenz, vor allem wegen ihres schwächeren Beckenbodens und Schliessmuskels sowie als langfristige Folge von Schwangerschaft und Geburt.

2. Ursachen

Stuhlinkontinenz kann verschiedene Ursachen haben, möglich sind:

  • Schädigung des Schliessmuskels am Anus
    • durch Einriss des Schliessmuskels beim Geburtstrauma (Dammriss),
    • bei operativen Eingriffen, zum Beispiel Fistel-Operationen,
    • durch Analprolaps (sog. Darm-Vorfall).
  • Beckenbodenschwäche, zum Beispiel
    • nach (mehreren) Geburten
    • bei starkem Übergewicht (Adipositas)
    • im Alter durch Muskel- und Bindegewebsschwäche
  • Durchfallerkrankungen, zum Beispiel
  • Nervenschädigungen, wie
    • bei neurologischen Erkrankungen (multipler Sklerose, Parkinson und Demenz)
    • nach grösseren Operationen im kleinen Becken (z.B. Tumoroperationen)
    • bei Schlaganfall
    • durch Bandscheibenvorfall
    • bei Querschnittslähmung
    • durch bestimmte Medikamente
  • Verstopfung (chronische Obstipation)
  • psychisch als Folge von traumatischen Erfahrungen oder Psychosen
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3. Diagnose

Stuhlinkontinenz erfordert die Diagnose durch einen Arzt. Der Facharzt, der sich mit der Diagnose und Behandlung von Stuhlinkontinenz und anderen Erkrankungen des Anus und des Enddarms befasst, ist der Proktologe. Er stellt zunächst einige Fragen zu den Beschwerden und möglichen Vorerkrankungen. Zur körperlichen Untersuchung bei Stuhlinkontinenz legt sich der Betroffene auf eine Untersuchungsliege. Damit der Arzt den Anus genau anschauen kann, muss sich der Patient mit angezogenen Beinen auf die Seite legen. Bei der rektalen Untersuchung tastet der Arzt mit dem Finger vorsichtig den Enddarm ab. So kann er mögliche Veränderungen feststellen.

Bei Stuhlinkontinenz nutzt der Arzt zur genauen Diagnose ein Spiegelinstrument, das sogenannte Endoskop. Damit schaut er dann tiefer in den Analkanal. Der Fachbegriff für diese Untersuchung lautet Proktoskopie. Schaut der Arzt noch weiter in den Enddarm beziehungsweise Mastdarm (Rektum) hinein, spricht man von Rektoskopie. Gegebenenfalls ist eine Spiegeluntersuchung des gesamten Dickdarms (Darmspiegelung, Koloskopie) notwendig. Sie bedarf allerdings einiger Vorbereitungszeit und ist daher etwas aufwändiger. Im Rahmen dieser Diagnostik lassen sich auch Abstriche von der Analschleimhaut sowie Gewebeproben (Biopsie) von der Darmschleimhaut entnehmen und mikroskopisch beurteilen.

Um zu untersuchen, ob und wie gut der Schliessmuskel bei einer möglichen Stuhlinkontinenz funktioniert, lässt sich eine sogenannte Druckmessung durchführen. Dabei führt der Arzt einen Messfühler in den Enddarm ein und zeichnet Druckverhältnisse im Schliessmuskelbereich elektronisch auf. Weitere Untersuchungen, die bei Stuhlinkontinenz sinnvoll sein können, sind bildgebende Verfahren wie Ultraschalluntersuchungen (Sonographie), eine Defäkographie (Röntgenuntersuchung des Enddarms mit Kontrastmittel) und eine Magnetresonanztomographie (MRT).

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4. Therapie

Bei einer Stuhlinkontinenz hängt eine ursächliche Therapie von der Grunderkrankung ab.

Neben dem Versuch, die Gründe für eine Stuhlinkontinenz zu beseitigen, gehören zur Therapie auch Hilfsmittel, damit der Stuhl nicht unkontrolliert die Unterwäsche und Kleidung beschmutzt. Zahlreiche Produkte sind hierfür im Handel erhältlich, zum Beispiel Inkontinenzeinlagen, Inkontinenzhosen, Netzhosen für Inkontinenzeinlagen, Stuhlauffangbeutel und Analtampons.

Zusätzlich sind bei leichter bis mittelschwerer Stuhlinkontinenz die langfristige Regulierung des Stuhlgangs (regelmässig, weder Durchfall noch Verstopfung) sowie Beckenbodengymnastik empfehlenswert. Beckenbodengymnastik gilt als eine der besten Vorbeugemassnahmen für eine  Blasen- und Stuhlinkontinenz und wird insbesondere Frauen nach einer Geburt geraten.

Bei Nervenschäden als Ursache ist die sogenannte sakrale Nervenstimulation eine vielversprechende neue Stuhlinkontinenz-Therapie. Dabei stimuliert ein Schrittmacher die noch intakten Nervenenden des Schliessmuskels. Der Schliessmuskel zieht sich dadurch zusammen und hält den Stuhl zurück. Um Stuhl zu entleeren, wird der Schrittmacher dann abgeschaltet.

Wenn der Schliessmuskel nicht mehr funktioniert oder zerstört ist, kann eine Operation bei Stuhlinkontinenz helfen, den Stuhlgang wieder bewusst zu kontrollieren. Dabei versucht der Arzt, den Schliessmuskel zu rekonstruieren (Schliessmuskelersatz) – entweder aus einem Muskel vom Oberschenkel (sog. Gracilis-Plastik) oder durch einen künstlichen Schliessmuskel. Beide Operationsmethoden zur Stuhlinkontinenz-Therapie sind allerdings sehr aufwändig und können zu Komplikationen führen. Um den natürlichen Darmausgang am After komplett zu umgehen, lässt sich als letzte Möglichkeit bei Stuhlinkontinenz ein künstlicher Darmausgang (Anus praeter) anlegen.

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