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Von Veröffentlicht am 24.11.2016

1. Definition

Definition

Das Taubheitsgefühl, medizinisch Hypästhesie genannt, gehört zu den sogenannten Sensibilitätsstörungen. Ärzte verstehen darunter eine herabgesetzte Sensibilität der Haut.

In der Medizin steht der Begriff Sensibilität für den Gefühlssinn des Menschen. Zahlreiche Nervenendungen, Rezeptoren und Sensoren im ganzen Körper sowie die Sinnesorgane, etwa Augen, Ohren, Nase oder die Haut, nehmen Gefühlsreize wahr und leiten sie an das zentrale Nervensystem (ZNS) weiter. Dabei werden unter anderem mechanische Empfindungen (z.B. Druck, Vibration), Temperaturempfindungen (Thermorezeption) und Schmerzempfindung (Nozizeption) voneinander unterschieden.

Je nachdem, wie sich das Taubheitsgefühl äussert, lässt es sich unterteilen in:

  • taktile Hypästhesie (herabgesetzte Berührungs- und Druckempfindung)
  • Thermhypästhesie (abgeschwächtesHitze- oder Kälteempfinden)
  • Hypalgesie (reduzierte Schmerzempfindlichkeit)
  • Pallhypästhesie (verminderte Empfindung von Vibrationen)

Einen vollständigen Sensibilitätsausfall bezeichnet man als Anästhesie.

Ein Taubheitsgefühl tritt häufig in den Extremitäten, zum Beispiel im Arm oder im Bein, auf. Am Rumpf oder im Gesicht kommt es nur selten vor. Eine Hypästhesie kann beide Arme oder beide Beine oder jeweils nur einen Arm oder ein Bein betreffen. Oftmals macht sich ein Taubheitsgefühl auch im Finger oder Zeh bemerkbar. Das Taubheitsgefühl kann entweder beidseitig oder auch nur halbseitig auftreten. Je nach Ursache der Hypästhesie können gleichzeitig auch weitere Symptome wie Schmerzen, Gleichgewichtsstörungen, Sprachstörungen, Sehstörungen oder motorische Einschränkungen (Einschränkungen im Bewegungsablauf) auftreten. Verschwindet das Taubheitsgefühl von alleine, kann es danach zu einem typischen Kribbeln in den betroffenen Körperteilen kommen, beispielsweise im Finger.

Ein Taubheitsgefühl kann harmlose, aber auch ernst zu nehmende Ursachen haben. Daher ist es ratsam, bei plötzlich auftretenden und länger bestehenden Sensibilitätsstörungen auf jeden Fall einen Arzt aufzusuchen. Dieser kann die Ursachen der Hypästhesie abklären und gegebenenfalls eine geeignete Therapie einleiten.

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2. Ursachen

Ein Taubheitsgefühl (Hypästhesie) kann sehr unterschiedliche Ursachen haben. Meist ist es ein Hinweis auf eine mangelnde Durchblutung der Extremität oder eine Nervenschädigung.

Häufig tritt ein vorübergehendes Taubheitsgefühl auf, wenn durch eine ungünstige Körperhaltung ein Nerv abgeklemmt wird. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn man den Oberarm auf einer Stuhllehne abstützt oder sich lange Zeit im Liegen auf das Ellbogengelenk aufstützt. Auch bei einer ungünstigen Schlafposition, bei der die Arme nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt werden, kann ein Taubheitsgefühl entstehen. Manche Menschen sprechen dann von einem «eingeschlafenen Arm».

Ein Taubheitsgefühl ist ausserdem ein charakteristisches Symptom für eine Polyneuropathie, einer Erkrankung des peripheren Nervensystems. Diese kann vor allem bei Menschen mit einem Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) als sogenannte «diabetische Polyneuropathie» auftreten. Ausserdem kann eine Hypästhesie infolge eines Bandscheibenvorfalls entstehen, bei dem eine Bandscheibe eine Nervenwurzel zusammendrückt und so ein Taubheitsgefühl verursacht. Häufig ist ein Taubheitsgefühl in den Beinen auch ein Anzeichen für Erkrankungen des Ischiasnervs (Nervus ischiadicus), der von den Lendenwirbeln bis zu den Kniekehlen verläuft.

Daneben kann ein Taubheitsgefühl noch weitere Ursachen haben:

  • Verbrennungen der Haut
  • Nervenverletzungen, zum Beispiel durch Unfälle
  • chronisch-entzündliche Nervenerkrankungen
  • Karpaltunnelsyndrom
  • multiple Sklerose
  • Schlaganfall
  • Vergiftungen
  • Minderdurchblutung (Ischämie)
  • Infektionskrankheiten, zum Beispiel Meningitis (Hirnhautentzündung) oder Gürtelrose (Herpes zoster)
  • Tumoren
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3. Diagnose

Bei einem Taubheitsgefühl (Hypästhesie) ist es im Rahmen der Diagnose für den Arzt zunächst wichtig, genau zu erfahren, wann das Taubheitsgefühl das erste Mal aufgetreten ist, ob es seitdem anhält oder ob es zwischenzeitlich immer wieder von alleine verschwindet und ob es ein- oder beidseitig vorhanden ist. Entscheidend ist auch, ob es nach einem bestimmten Vorfall, beispielsweise einer unglücklichen Bewegung oder nach einem Unfall, erstmals entstanden ist. Ebenso befragt der Arzt die betroffene Person nach bestehenden und bekannten Grunderkrankungen, die als, mögliche Ursache für das Taubheitsgefühl infrage kommen.

Ausserdem muss der Arzt genau feststellen, welcher Bereich von dem Taubheitsgefühl betroffen ist. Das ist für die Diagnose sehr wichtig. Sind nur einige Finger oder die ganze Hand betroffen? Fühlen sich mehrere Stellen am Körper taub an?

Diese Fragen klärt der Arzt mithilfe der körperlichen Untersuchung. So kann er mögliche Nervenschädigungen aufspüren. Um neurologische Ausfälle festzustellen, prüft er zusätzlich die Eigenreflexe, das Gehör, die visuelle Wahrnehmung (Sehsinn), den Gleichgewichtssinn und den Bewusstseinszustand des Patienten.

Je nach vermuteter Ursache der Hypästhesie können sich weitere Untersuchungen anschliessen. Dazu zählen beispielsweise eine Computer- oder Magnetresonanztomographie, eine Doppler-Sonographie der Gefässe, eine Elektroneurographie (ENG), eine Röntgenuntersuchung und eine Blutuntersuchung. Bei Verdacht auf eine Polyneuropathie oder eine Herpesinfektion kann der Arzt ergänzend eine Lumbalpunktion zur Untersuchung der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit durchführen.

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4. Therapie

Bei einem Taubheitsgefühl (Hypästhesie) richtet sich die Therapie immer nach der eigentlichen Ursache, ist also von Patient zu Patient unterschiedlich. Ein vorübergehendes Taubheitsgefühl aufgrund einer ungünstigen Körperlage (z.B. eingeschlafene Beine beim Schneidersitz) verschwindet meist kurze Zeit von alleine wieder, nachdem die Lage verändert wurde.

Steckt eine Polyneuropathie hinter dem Taubheitsgefühl, hängt die Therapie von der Form der Erkrankung ab. Angeborene Polyneuropathien können bisher nicht ursächlich behandelt werden. Die diabetische Polyneuropathie erfordert eine optimale Einstellung des Blutzuckers.

Bei der infektiösen Form verordnet der Arzt Medikamente. Tritt die Hypästhesie infolge einer bakteriellen Infektion (z.B. Borreliose) auf, hilft eine Antibiotikatherapie. Wenn das Taubheitsgefühl jedoch mit einer Herpesinfektion zusammenhängt, behandelt der Arzt diese zumeist mit einem Virostatika. Dabei handelt es sich um ein spezielles Arzneimittel, das die Vermehrung der Herpesviren hemmt.

Bei einem Bandscheibenvorfall sollte die Wirbelsäule zunächst in liegender Position (zum Beispiel Stufenbett) ruhiggestellt werden. Um die Schmerzen zu lindern, verabreicht der Arzt Schmerzmittel und Muskelrelaxantien. Eine anschliessende Physiotherapie empfiehlt sich, um langfristig die Rückenmuskulatur zu kräftigen. In schweren Fällen kann auch eine Operation an der betroffenen Bandscheibe notwendig sein.

Ist das Taubheitsgefühl Begleitsymptom einer anderen Grunderkrankung, ist immer die zielgerichtete Therapie dieser Krankheit erforderlich.

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