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Traurigkeit

(Niedergeschlagenheit)
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1. Definition

Definition

Die Begriffe Traurigkeit und Niedergeschlagenheit beschreiben eine negative, gedrückte Grundstimmung – praktisch jeder Mensch kennt dieses Gefühl. Wer sehr traurig und niedergeschlagen ist, hat meist ein seelisch schmerzliches oder entmutigendes Ereignis hinter sich.

Traurigkeit kann die Lebensfreude beeinträchtigen und sogar zu einer Lebenskrise führen. Häufig treten Traurigkeit und Niedergeschlagenheit in Verbindung mit fehlendem Antrieb, Erschöpfung oder psychosomatischen Beschwerden wie Magen-Darm-Störungen auf.

Phasen der Traurigkeit gehören aber zu einem normalen und gesunden Leben dazu und sind an sich nicht als krankhaft zu bewerten, sondern als Fähigkeit, sich mit etwas seelisch auseinanderzusetzen. Erst wenn Menschen scheinbar grundlos unendlich traurig sind und/oder ihre seelische Niedergeschlagenheit übermässig lange andauert, ist dies ein Zeichen dafür, dass eine krankhafte Ursache für den Gemütszustand verantwortlich ist.

Eine solche fehlgeleitete Traurigkeit kann zum einen ein Hinweis auf eine ernste psychische Störung sein – zum Beispiel auf eine Depression. Neben der Niedergeschlagenheit können sich Depressionen zusätzlich durch Aufmerksamkeitsstörungen, ein geringes Selbstwertgefühl, sozialen Rückzug, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Herzbeschwerden und Kreislaufprobleme äussern. Hinter einer Traurigkeit, die scheinbar ohne Grund auftritt, können aber auch viele andere körperliche Störungen oder Erkrankungen stecken (z.B. ein veränderter Hormonhaushalt, Infektionskrankheiten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Parkinson, multiple Sklerose, Alzheimer-Demenz usw.). Ausserdem kann eine Traurigkeit als Nebenwirkung bestimmter Medikamente (z.B. Antibabypille) auftreten.

Daher gilt: Wenn jemand über einen längeren Zeitraum übermässig traurig und niedergeschlagen ist und die Traurigkeit nicht alleine überwinden kann, ist ein Arztbesuch ratsam. Wenn es mit ärztlicher Hilfe gelingt, den Grund für die Niedergeschlagenheit aufzudecken, ist meist auch schnell klar, worin das geeignete Mittel gegen die Traurigkeit liegt.

2. Ursachen

Eine Traurigkeit oder Niedergeschlagenheit kann viele Ursachen haben. Oft liegt es an einem unerwünschten Ereignis oder Zustand, wenn jemand traurig ist – so kann zum Beispiel

 

  • der Tod eines nahestehenden Menschen,
  • eine schwere Krankheit oder bestehende Lebensgefahr eines nahestehenden Menschen,
  • das Vermissen eines geliebten Menschen,
  • soziale Ablehnung durch das Umfeld,
  • Liebeskummer,
  • Sehnsucht oder
  • Erfolglosigkeit

eine tiefe Traurigkeit auslösen. Manchmal ist es nicht einfach, eine Phase der Trauer oder Niedergeschlagenheit von einer depressiven Verstimmung oder einer Depression zu unterscheiden, denn die Übergänge können fliessend sein. Wenn sich jemand übermässig lange sehr traurig fühlt, ist es daher ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Hat eine Traurigkeit ihre Ursachen in einer Depression, ist medizinische Hilfe wichtig, um sie erfolgreich bekämpfen zu können.

Ursachen für die Traurigkeit im Rahmen sogenannter Winterdepressionen sind ein veränderter Hormon- und Energiehaushalt und die fehlende Sonnenbestrahlung im Winter. Und bei der Entstehung von Depressionen spielen zum Beispiel die Vererbung, chemische Reaktionen im Körper oder Konflikte in der Kindheit eine Rolle.

Manche Menschen fühlen sich auch traurig, ohne einen Grund für ihre Niedergeschlagenheit benennen zu können und ohne depressiv zu sein. Dann sind häufig Medikamente Grund für die Traurigkeit. So können beispielsweise die Antibabypille oder Betablocker Traurigkeit auslösen. Aber auch im Rahmen verschiedener Erkrankungen kann man sich traurig und niedergeschlagen fühlen – Beispiele hierfür sind:

 

  • Gehirnveränderungen (z.B. nach einem Schlaganfall)
  • Veränderungen oder Störungen im Hormonhaushalt (z.B. nach einer Schwangerschaft, in den Wechseljahren, beim prämenstruellen Syndrom)
  • durch Viren verursachte Infektionskrankheiten (z.B. Grippe, AIDS)
  • Diabetes mellitus
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Parkinson
  • multiple Sklerose
  • Alzheimer-Demenz
  • Chorea Huntington

3. Diagnose

Wer länger als normal traurig und niedergeschlagen ist und die Traurigkeit nicht alleine in den Griff bekommt, der sucht sich am besten Hilfe beim Arzt, um der Niedergeschlagenheit auf den Grund zu gehen. Der erste Schritt zur Diagnose besteht in einem sehr ausführlichen Gespräch: Dabei versucht der Arzt herauszufinden, ob die Traurigkeit vielleicht das Symptom einer Depression ist, die eine Behandlung erfordert. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, welche für eine Depression typischen Beschwerden (z.B. gedrückte Stimmung, Antriebslosigkeit, Interessenverlust) über welchen Zeitraum bestehen.

Der Arzt kann sich bei diesem Gespräch nach einem Interviewleitfaden richten. Ausserdem stehen bei Traurigkeit zur Diagnose verschiedene Fragebögen zur Verfügung, die als Selbstbeurteilungsverfahren für die Betroffenen selbst oder auch als Fremdbeurteilungsverfahren für den behandelnden Arzt oder Psychologen dienen. Wenn die Niedergeschlagenheit eine Behandlung nötig macht, können diese Fragebögen auch zum Einsatz kommen, um die Behandlungsfortschritte zu kontrollieren.

Wenn der Verdacht besteht, dass eine nicht-psychische Erkrankung für die Traurigkeit verantwortlich ist, können zur Diagnose weitere Untersuchungen folgen: zum Beispiel eine Blutuntersuchung, eine neurologische Untersuchung, eine Magnetresonanztomographie (MRT) oder eine Computertomographie (CT).

4. Therapie

In den meisten Fällen ist bei einer Traurigkeit und Niedergeschlagenheit keine Therapie nötig, denn das Gefühl der Traurigkeit vergeht von selbst, je weiter der auslösende Vorfall in die Vergangenheit rückt. In der ersten Zeit helfen oft Gespräche und Trost oder Ablenkung durch Aussenstehende gegen die tiefe Traurigkeit.

Wenn hinter Ihrer Traurigkeit und Niedergeschlagenheit eine Depression steckt, ist eine Therapie durch einen Arzt oder Psychologen zu empfehlen. Zur Behandlung von Depressionen stehen verschiedene Medikamente (Antidebressiva) zur Verfügung. Bei den sogenannten Winterdepressionen kann eine Lichttherapie helfen, die Traurigkeit zu überwinden. Zusätzlich zur medikamentösen Behandlung kann bei einer Depression auch eine psychotherapeutische Behandlung ein hilfreiches Mittel gegen die Traurigkeit sein.

Wenn die Traurigkeit das Symptom für eine andere Grunderkrankung ist (z.B. multiple Sklerose o. Herz-Kreislauf-Erkrankung), dann ist eine gezielte Therapie dieser Krankheit notwendig.