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Trockener Mund

(Mundtrockenheit)
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1. Definition

Definition

Ein trockener Mund (Mundtrockenheit, Xerostomie) ist eine subjektiv empfundene Trockenheit der Mundschleimhaut. Sie entsteht durch eine verminderte Produktion von Speichel (weniger als 0,1 ml/min).

Viele Menschen leiden unter Mundtrockenheit. Speichel wird von den Speicheldrüsen gebildet – insbesondere in der Unterkieferdrüse (Glandula submandibularis). Speichel erfüllt wichtige Funktionen: Durch seine besondere Zusammensetzung schützt und reinigt er die Mundhöhle. So enthält er beispielsweise wichtige Enzyme, die Erreger wie Bakterien abwehren und die den Zucker (Polysaccharide) aus der Nahrung in kleinere Teile spalten, damit dieser im Magen weiter verdaut werden kann. Die im Speichel vorkommenden Substanzen spielen ausserdem bei der Vermittlung von Geschmacksempfindungen eine Rolle.

Ein trockener Mund kann zu Problemen führen: Wird zu wenig Speichel produziert, kann unter anderem der Enzymschutz in der Mundhöhle nicht ausreichend sein. Dies kann zum Beispiel zu Zahnproblemen, Mundgeruch oder Entzündungen führen. Die Zusammensetzung und die Menge des gebildeten Speichels hängen unter anderem von der Art der aufgenommenen Nahrung ab. Aber auch ohne Nahrungsaufnahme entsteht immer ein wenig Speichel. Der gesunde Mensch produziert täglich ungefähr 1,5 Liter Speichel. Dies entspricht einem Milliliter pro Minute.

Ein trockener Mund ist kein seltenes Symptom. Je älter eine Person ist, desto eher tritt Mundtrockenheit auf. Bei Personen über 60 Jahren sind Schätzungen zufolge etwa 40 Prozent betroffen.

In den meisten Fällen hält die Mundtrockenheit nur kurzfristig an und kann durch einfache Massnahmen wie ausreichendes Trinken beseitigt werden. Wenn dies nicht hilft oder ein trockener Mund in Verbindung mit Begleitsymptomen wie Probleme oder Schmerzen beim Kauen, Schlucken oder Sprechen auftreten, sollte man auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen, um die Ursachen der Mundtrockenheit abzuklären.

2. Ursachen

Ein trockener Mund (Mundtrockenheit, Xerostomie) kann verschiedene Ursachen haben, die entweder die Speichelproduktion der Drüsen vermindern oder die Speichelzusammensetzung verändern.

Häufig entsteht ein trockener Mund aufgrund eines Flüssigkeitsmangels. Dieser kann einerseits durch eine zu geringe Trinkmenge auftreten, andererseits durch hohe Flüssigkeitsverluste, die nicht ausgeglichen werden – zum Beispiel durch Schwitzen, Durchfall oder Erbrechen. Ausserdem kann Mundtrockenheit entstehen, wenn das Atmen durch die Nase erschwert ist (z.B. bei einer Erkältung) und man deshalb durch den Mund atmet.

Ein trockener Mund tritt häufig als Nebenwirkung von Medikamenten auf, zum Beispiel:

  • Mittel, die die Wirkung des Botenstoffs Acetylcholin hemmen (Anticholinergika)
  • Psychopharmaka (z.B. Antidepressiva, Benzodiazepine)
  • Wirkstoffe, die den Botenstoff Histamin hemmen (Antihistaminika), z.B. Mittel gegen Allergien (Antiallergika)
  • blutdrucksenkende Mittel (Antihypertonika)
  • entwässernde Mittel (Diuretika)

Insbesondere ältere Menschen, die häufig verschiedene Medikamente zu sich nehmen, leiden unter Mundtrockenheit. Zudem neigen Ältere eher dazu, zu wenig zu trinken. Darüber hinaus lässt die Speichelproduktion im Alter langsam nach. Kommen diese Faktoren zusammen, kann ein trockener Mund die Folge sein.

Ein trockener Mund kann auch weitere Ursachen haben. Hier einige Beispiele:

  • Bestrahlungstherapie bei Kopf-Hals-Tumoren
  • Chemotherapie
  • Autoimmunerkrankungen, zum Beispiel das Sjögren-Syndrom
  • Stoffwechselerkrankungen, zum Beispiel Diabetes mellitus
  • Depressionen
  • Erkrankungen der Speicheldrüsen, wie zum Beispiel Entzündungen, Tumoren
  • Atmen durch den Mund, Schnarchen
  • emotionaler Stress
  • Schädigungen der Nebennieren

Häufig tritt eine Mundtrockenheit auch auf, wenn die Kaufunktion beispielsweise durch Mundschleimhaut- oder Zahnerkrankungen oder aufgrund eines mangelhaften Zahnersatzes eingeschränkt ist. Ein trockener Mund kann auch die Folge einer Pilzinfektion (z.B. die durch den Pilz Candida albicans verursachte Soor) sein.

3. Diagnose

Wer wegen Mundtrockenheit zum Arzt geht, wird für die Diagnose zunächst ausführlich befragt. Dabei interessiert den Arzt zum Beispiel die tägliche Flüssigkeitsaufnahme und welche Nahrung der Betroffene aufnimmt, denn bestimmte Trink- und Ernährungsgewohnheiten können für einen trockenen Mund sorgen. Ausserdem fragt der Arzt zum Beispiel nach:

  • Kaffee- und Alkoholkonsum
  • Rauchgewohnheiten
  • Mundhygiene
  • Grunderkrankungen, z.B. andauernde Probleme beim Atmen durch die Nase, Stoffwechselerkrankungen, Erkrankungen der Mundhöhle oder der Speicheldrüsen
  • Bestrahlungstherapie
  • regelmässig eingenommenen Medikamenten

Um bei Mundtrockenheit die Diagnose zu stellen, erkundigt sich der Arzt auch nach eventuell auftretenden zusätzlichen Beschwerden. An den Antworten kann er oft bereits erkennen, welche Ursachen für den trockenen Mund infrage kommen.

Bei Mundtrockenheit ist die aussagekräftigste Methode zu Diagnose die Messung der Speichelfliessrate. Dabei kann der Arzt feststellen, wie viel Speichel der Untersuchte pro Minute bildet. Er misst dazu die Ruhespeichelfliessrate und die stimulierte Speichelsekretion. Um die Speichelproduktion anzuregen, kaut der Betroffene für die Untersuchung zum Beispiel zuckerfreies Kaugummi. Auch die Sekretion einzelner Drüsen kann der Arzt messen.

Eine körperliche Untersuchung ist ebenfalls notwendig, um bei Mundtrockenheit die Diagnose zu stellen. Dabei prüft der Arzt, wie Mundschleimhaut und Speicheldrüsen beschaffen sind und sucht nach Auffälligkeiten in der Mundhöhle. Zudem untersucht er auch die Augen und die Nasenregion und tastet die Lymphknoten ab.

Je nach vermuteter Ursache der Mundtrockenheit können weitere Untersuchungen notwendig sein. Dazu gehören beispielsweise die Bestimmung der Zusammensetzung des Speichels, seines pH-Werts, ein Erregerabstrich aus der Mundhöhle, eine Röntgenuntersuchung oder eine Darstellung der Speichelgänge mit Kontrastmittel.

4. Therapie

Ist ein trockener Mund (Mundtrockenheit, Xerostomie) Begleitsymptom einer anderen Grunderkrankung, ist immer eine zielgerichtete Therapie dieser Erkrankung notwendig.

Bei Mundtrockenheit besteht die Therapie vor allem aus ausreichendem Trinken (z.B. Wasser oder Früchte- und Kräutertees), um die akuten Beschwerden zu lindern. Wichtig ist auch, einen Flüssigkeitsverlust (z.B. bei Durchfall oder Erbrechen) durch entsprechende Getränke sofort wieder auszugleichen. Ebenso kann es helfen, den Mund mit Wasser oder Tee auszuspülen oder den Speichelfluss durch saure Getränke oder Bonbons anzuregen. Ist ein trockener Mund Nebenwirkung eines Medikaments, kann der behandelnde Arzt entscheiden, ob das Medikament im Rahmen der Therapie abgesetzt oder durch ein anderes ersetzt werden darf.

Sowohl kurz- als auch langfristig kann die Speichelproduktion durch Kauen, zum Beispiel eines zuckerfreien Kaugummis, angeregt werden. Diesem können verschieden Aromen zugesetzt werden, um den Speichelflusses noch weiter zu erhöhen.

Bei einer starken Mundtrockenheit, die sich durch einfache Mittel nicht bessert, können Mundspülungen, Mundgels und Mundsprays Linderung bringen. Diese enthalten zum Beispiel Enzyme wie Lactoferrin sowie Inhaltsstoffe, die die Mundhöhle feucht halten. Ausserdem können künstliche Speichellösungen einen trockenen Mund vermeiden. Sie enthalten beispielsweise Carboxymethylcellulose oder Hydroxyethylcellulose und sind ähnlich wie der natürliche Speichel zusammengesetzt.