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Veröffentlicht am 24.11.2016

1. Definition von Urinveränderungen

Definition

Urinveränderungen geben Hinweise auf zahlreiche Erkrankungen. Der Urin ist die von den Nieren durch die Harnwege abgesonderte Flüssigkeit. Über den Urin (Harn) werden verschiedene Endprodukte des Stoffwechsels, zum Beispiel Eiweisse, sowie Wasser und Mineralsalze ausgeschieden.

Urinveränderungen können sich durch unterschiedliche Merkmale des Urins bemerkbar machen. Dazu gehören die ausgeschiedene Menge, die Farbe, der Geruch, der pH-Wert und einzelne Harnbestandteile (z.B. Blutkörperchen, Zucker, Harnstoff).

Der sogenannte physiologische (normale, gesunde) Urin ist klar, stroh- bis bernsteingelb und besteht zu 95 Prozent aus Wasser. Je nach Alter und Geschlecht bildet der gesunde Mensch täglich 500 bis 2.000 Milliliter Urin. Die Menge des Urins, aber auch die meisten anderen Urinwerte werden sowohl durch die Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme, als auch durch Flüssigkeitsverluste über Schweiss, Atmung und Stuhlgang beeinflusst. Auch zahlreiche Krankheiten und Stoffwechselstörungen führen zu Urinveränderungen.

Eine Veränderung muss nicht immer Anlass zur Sorge sein, wenn sie eine bekannte Ursache hat und vielleicht beim nächsten Harnabsatz nicht mehr auftritt. Bei ernstzunehmenden Veränderungen wie zum Beispiel Blut im Urin oder Urinveränderungen in Verbindung mit anderen Symptomen wie Schmerzen, sollte ein Arzt eine genaue Diagnose stellen.

Harnuntersuchung («Urinstatus») Normalbereich
Spezifisches Gewicht (Dichte) 1'002 - 1'035 g/l
Osmolalität 800 - 1.400 mosmol/kg
pH-Wert 4,5 - 8,0
Erythrozyten unter 5 Zellen/µl
Leukozyten unter 10 Zellen/µl
Albumin (Eiweiss) unter 30 mg/dl
Glukose (Zucker) unter 20 mg/dl
Nitrit negativ
Ketone negativ
Urobilinogen unter 1 mg/dl
Bilirubin negativ
Kreatinin unter 250 mg/dl
8,8 - 14 mmol/l
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2. Ursachen von Urinveränderungen

Urinveränderungen können viele verschiedene Ursachen haben, zum Beispiel Erkrankungen der Nieren und ableitenden Harnwege, zahlreiche Stoffwechselstörungen und weitere innere Krankheiten.

Harmlose und natürliche farbliche Urinveränderungen treten öfter durch Lebensmittel und Medikamente auf. So färbt sich der normalerweise klar-gelbe Urin nach dem Genuss von Roter Beete beispielsweise rötlich, und bestimmte Antibiotika führen zu einer braunen Urinfarbe. Roter Urin kann aber auch Zeichen einer Blutung sein und sollte daher unbedingt ärztlich abgeklärt werden. Hinter Blut im Urin (Hämaturie) können unter anderem ein Harnwegsinfekt (HWI), Nierensteine, aber auch ein bösartiger Tumor (z.B. Blasenkrebs) stecken.

Bei Urinveränderungen, die auf der Menge des ausgeschiedenen Urins basieren, kommen als Ursachen besonders Nieren- und Harnwegserkrankungen infrage. Bei einer Nierenschwäche wird weniger Urin produziert und ausgeschieden. Bei Nierenerkrankungen sind meist auch typische Nierenwerte (wie Kreatinin, Harnstoff) im Urin verändert.

Auch Stoffwechselerkrankungen können Urinveränderungen verursachen. Diabetes mellitus führt zum Beispiel zu einer erhöhten Harnausscheidung (Polyurie). Im Urin findet sich dann auch vermehrt Zucker (Glukose). Aber auch Alkoholgenuss steigert den Harndrang. Grund hierfür ist, dass Alkohol ein Hormon (ADH) hemmt, das normalerweise die Harnausscheidung (Diurese) blockiert.

Urinveränderungen können sich auch im Geruch äussern. Wenn Urin länger steht, riecht er säuerlich stechend. Der typische Geruch des Urins ist durch Harnsäure und Ammoniak bedingt. Bestimmte Nahrungsmittel, zum Beispiel Spargel und Kaffee, können den Geruch des Urins verändern. Aber auch Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder bakterielle Infektionen (z.B. eine Blasenentzündung) hinterlassen einen typischen Uringeruch. Bei einem Harnweginfekt sind oftmals Bakterien oder andere Keime im Urin nachweisbar.

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3. Diagnose von Urinveränderungen

Urinveränderungen bedürfen immer einer genauen Diagnose, da eine Vielzahl von Erkrankungen dahinter stecken können. Bereits im Mittelalter versuchten Mediziner, Erkrankungen anhand der Menge, der Farbe und des Geruchs von Urin zu diagnostizieren. Heutzutage ist die Urindiagnostik natürlich wesentlich ausgereifter und spezieller.

Wenn jemand mit Urinveränderungen zum Arzt geht, erfragt dieser zunächst, ob neben den Urinveränderungen noch weitere Beschwerden bestehen, zum Beispiel:

  • Brennen beim Wasserlassen
  • Häufiger Harndrang
  • Schmerzen in der Blase oder in den Flanken
  • Durst
  • Fieber

Wichtig ist auch, ob bereits Harnweginfekte aufgetreten sind und ob man unter bestimmten Erkrankungen (wie Diabetes mellitus) leidet.

Bei Urinveränderungen findet meist auch eine körperliche Untersuchung statt. Hierbei klopft der Arzt unter anderem das Nierenlager im Flankenbereich ab, und führt gegebenenfalls eine rektale Untersuchung (Austasten des Enddarms) durch.

Zur weiteren Diagnostik bei Urinveränderungen gehört auch eine Urin-Untersuchung. Es gibt unterschiedliche Testverfahren, wie die Urin-Teststreifen-, die Urinsediment- oder die Urinzytologie-Diagnose. Mittels Urin-Teststreifen lässt sich feststellen ob der Urin ungewöhnliche Bestandteile, zum Beispiel rote oder weisse Blutkörperchen enthält. Eine genaue Analyse des gewonnenen Urins (Urinprobe, z.B. im Urinbecher) erfolgt im Labor durch die Bestimmung des Urinstatus. Um die festen Bestandteile des Harns untersuchen zu können, wird aus der Urinprobe das sogenannte Urinsediment gewonnen und unter dem Mikroskop beurteilt. Mittels einer Urinkultur lassen sich Bakterien und andere Keime nachweisen, zum Beispiel bei einer Blasenentzündung.

Je nach vermuteter Ursache der Urinveränderungen sind weitere Untersuchungen zur Diagnose-Stellung notwendig. Dies können beispielsweise Blutuntersuchungen, eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) der Blase und Nieren, Röntgenuntersuchungen oder spezielle Untersuchungen der Harnwege und der inneren Geschlechtsorgane sein.

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4. Therapie von Urinveränderungen

Anhand der zugrunde liegenden Ursache bei Urinveränderungen, wählt der Arzt die geeignete Therapie. In vielen Fällen ist die Ursache ein bakterieller Harnwegsinfekt. In diesem Fall helfen neben Schmerzmitteln und krampflösenden Medikamenten, vor allem Antibiotika die Erkrankung erfolgreich zu behandeln. Bei hartnäckigen und wiederholten Harnwegsinfekten sind regelmässige Urinkontrollen sinnvoll.

Löst eine Stoffwechselerkrankungen wie ein Diabetes mellitus die Urinveränderungen aus, ist es wichtig, dass man die Blutzuckerwerte gut einstellt. Unter Umständen ist dazu eine Therapie mit Medikamenten (Antidiabetika, Insulin) notwendig. Blasensteine und Nierensteine als Ursache der Urinveränderungen lassen sich, falls sie nicht von alleine abgehen, gegebenenfalls mittels Stosswellentherapie (Extrakorporale Stosswellenlithotripsie, ESWL) zertrümmern.

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