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Vergesslichkeit

(Gedächtnisstörung)
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Definition

Vergesslichkeit kennt wohl jeder aus seinem alltäglichen Leben: Mal kann man sich Namen, Termine oder Telefonnummern nicht merken, mal vergisst man seinen Hausschlüssel im Büro oder das Portemonnaie im Restaurant.

Bei Vergesslichkeit ist der Vorgang, in dem der Mensch Informationen aufnimmt, im Gehirn speichert und abruft, an irgendeiner Stelle (evtl. auch an mehreren gleichzeitig) gestört. Dies kann harmlose Gründe haben: Oft ist Vergesslichkeit auf eine vorübergehende Ablenkung oder auf kurzfristigen Stress zurückzuführen. Bis zu einem gewissen Ausmass ist es also vollkommen normal, vergesslich zu sein.

Vergesslichkeit kann aber auch Zeichen für eine schwerwiegendere Störung sein: Bei einer Gedächtnisstörung ist die Fähigkeit, neue Inhalte längerfristig zu speichern und gespeicherte Informationen aus dem Gedächtnis abzurufen, vermindert oder ganz verloren gegangen. Bei Letzterem spricht man von Amnesie (wobei nicht alle Gedächtnisinhalte gleichermassen betroffen sein müssen). Wenn sich jemand hingegen neue Informationen nicht mehr so gut oder gar nicht mehr merken kann und nach spätestens 10 Minuten alles wieder vergessen hat, liegt eine sogenannte Merkfähigkeitsstörung vor.

Das Gedächtnis setzt sich aus mehreren Teilen zusammen: Wenn der Mensch Informationen aufnimmt, kann er sie vorübergehend im Kurzzeitgedächtnis speichern, das aber nur über eine begrenzte Speicherkapazität verfügt. Von dort gehen die Informationen nach kurzer Zeit entweder wieder verloren (d.h. der Mensch vergisst sie wieder, z.B. weil er sie für unwichtig hält o. abgelenkt ist) oder sie gehen ins Langzeitgedächtnis über, dessen Speicherkapazität unbegrenzt ist. Dort sind die Informationen dauerhaft gespeichert. Eine sich im normalen Rahmen bewegende Vergesslichkeit betrifft oft das Kurzzeitgedächtnis. Wenn jemand Inhalte aus dem Langzeitgedächtnis scheinbar vergessen hat, dann vermutlich deswegen, weil es ihm nicht mehr gelingt, die noch vorhandenen Erinnerungen abzurufen. Die Informationen sind also nicht aus dem Langzeitspeicher gelöscht, sondern verschüttet.

Da Vergesslichkeit auch krankhafte Ursachen haben kann, ist in bestimmten Fällen ein Arztbesuch ratsam, um gegebenenfalls eine entsprechende Therapie einleiten zu können. Dies gilt zum Beispiel, wenn sich die Vergesslichkeit häuft oder wenn jemand Lernschwierigkeiten hat, weil er gleichzeitig unkonzentriert und vergesslich ist. Vergesslichkeit bei Kindern kann zum Beispiel ein Symptom für ADHS sein. Aber auch bei psychischen Erkrankungen ist das Gedächtnis oft beeinträchtigt. Darüber hinaus kann Vergesslichkeit vor allem im Alter ein erster Hinweis auf eine Demenz sein. In diesem Fall ist sie häufig kombiniert mit einer Orientierungslosigkeit und einer Einschränkung der Lernfähigkeit und der alltäglichen Aktivitäten.

Vergesslichkeit kann viele verschiedene Ursachen haben. Wenn bei gesunden Menschen im Alltag Vergesslichkeit vorkommt, ist meistens Stress oder Ablenkung bei der Aufnahme der entsprechenden Informationen der Grund dafür. Auch ein vorübergehender Nahrungsmangel kann vergesslich machen. Darüber hinaus kann das Erinnerungsvermögen durch den Missbrauch von Drogen, Alkohol oder Medikamenten eingeschränkt sein.

Vergesslichkeit kann im Rahmen natürlicher Alterungsprozesse des Gehirns als sogenannte Altersvergesslichkeit (leichte kognitive Störung) auftreten. Vor allem einer Vergesslichkeit im Alter können als Ursachen aber auch eine Demenz oder eine Alzheimer-Erkrankung zugrunde liegen. Ausserdem kann Vergesslichkeit Begleitsymptom eines Schlaganfalls, der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit oder der Parkinson-Krankheit sein.

Vergesslichkeit bei Kindern kann Anzeichen für eine starke Aufmerksamkeitsstörung (ADHS) sein. Als Ursachen für eine Vergesslichkeit kommen aber auch psychische Erkrankungen infrage. Oft sind Menschen mit einer Depression oder Angststörung vergesslich. Darüber hinaus kann Vergesslichkeit bei einer mangelnden Durchblutung des Gehirns entstehen, zum Beispiel bei Arteriosklerose, sowie durch Kopfverletzungen oder Hirntumoren.

Wenn sich die Vorfälle der Vergesslichkeit häufen oder bereits in jüngeren Jahren eine auffällige Gedächtnis- und Konzentrationsschwäche auftritt, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen, um die Ursachen  abzuklären. Der erste Schritt zur Diagnose besteht in einer ausführlichen Befragung:

  • Wann ist die Vergesslichkeit das erste Mal aufgetreten?
  • Wie oft vergessen Sie Dinge?
  • Treten gleichzeitig andere Beschwerden auf?
  • Sind Grunderkrankungen bekannt?

Diese und andere Fragen können dem Arzt einen ersten Hinweis auf die Ursache der Vergesslichkeit geben. In vielen Fällen kann zusätzlich auch eine Befragung enger Angehöriger oder Betreuer entscheidend für die Diagnose sein.

Es folgt eine körperliche und neurologische Untersuchung. Hierbei kann der Arzt beispielsweise auch die Sehleistung und das Gehör überprüfen, um Seh- und Hörfehler auszuschliessen. Ein neuropsychologischer Test, wie beispielsweise der MMSE (Mini Mental State Examination) oder der Wechsler-Gedächtnistest, dient dazu, das Gedächtnis und seine Defizite zu bewerten.

Je nachdem, welchen Grund der Arzt für die Vergesslichkeit vermutet, können zur weiteren Diagnose zusätzliche Untersuchungen zum Einsatz kommen, wie zum Beispiel eine Magnetresonanztomographie (MRT), Computertomographie (CT), Hirnwasser- (Liquor-) und Blutuntersuchung.

Bei einer Vergesslichkeit richtet sich die Therapie individuell nach den Ursachen. Um einer Vergesslichkeit im Alter vorzubeugen, sind ausreichende Bewegung, gesunde Ernährung und ein gezieltes Training des Gehirns wichtig. Dazu gehören beispielsweise Gedächtnistraining, Denksport oder Schach spielen.

Schon lange kommen verschiedene pflanzliche Mittel gegen Vergesslichkeit, wie Ginkgo und Ginseng, zum Einsatz. Man erhofft sich von ihnen eine bessere Durchblutung des Gehirns und somit eine bessere Gedächtnisleistung. Ob eine solche Therapie tatsächlich wirkt, ist jedoch nicht hinreichend belegt. Ginseng kann weder die geistige Leistung gesunder Menschen verbessern noch nachweislich etwas gegen Demenz ausrichten. Und auch in der Behandlung von Demenzen mit Gingko sind die Ergebnisse uneinheitlich.

Wenn die Vergesslichkeit auf eine Demenz zurückzuführen ist, können zur Therapie verschiedene Medikamente zum Einsatz kommen, beispielsweise Antidementiva und Acetylcholinesterase-Hemmer.

Ist die Vergesslichkeit Begleitsymptom einer anderen Grunderkrankung, wie zum Beispiel eines Hirntumors oder einer Parkinsonerkrankung, ist eine gezielte Therapie dieser Krankheit notwendig.