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Verstärkte Behaarung

(Hypertrichose)
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1. Definition

Definition

Bis auf wenige Stellen (wie Hand- und Fussinnenflächen sowie Schleimhäute) ist die Haut des Körpers behaart. Eine verstärkte Behaarung (Hypertrichose, Hirsutismus) kann verschiedene Ursachen haben.

Männer haben natürlicherweise einen anderen Behaarungstyp als Frauen, zum Beispiel eine stärkere und dichtere Körperbehaarung an Brust, Innenseiten der Oberschenkel und im Oberlippen- und Kinnbereich des Gesichts (Barthaare). Auch haben beispielsweise Asiaten oder Afrikaner eine andere Körperbehaarung als Europäer. Auch in einzelnen Familien beobachtet man oft ein typisches Behaarungsmuster. Unabhängig von diesen normalen unterschiedlichen Behaarungstypen kann, sowohl bei Frauen als auch bei Männern, eine verstärkte Behaarung des Körpers auftreten.

Je nach Art und Ursache unterscheiden Mediziner verschiedene Formen von verstärkter Behaarung. Die Hypertrichose kommt sowohl bei Frauen als auch bei Männern vor. Dabei wachsen über den ganzen Körper verteilt (diffus) oder an bestimmten Stellen (lokalisiert) verstärkt Haare. Diese Behaarung entspricht aber nicht einem typisch männlichen Behaarungsmuster.

Anders beim Hirsutismus, eine dem männlichen Behaarungsmuster entsprechende Körper- und Sexualbehaarung bei der Frau. Bei Hirsutismus ist die verstärkte Behaarung allerdings das einzige Symptom, es treten keine weiteren Merkmale einer Vermännlichung auf.

Bei der Vermännlichung, auch Androgenisierung oder Virilisierung genannt, treten typisch männliche Veränderungen bei einer Frau auf. Dies ist die Folge einer vermehrten Wirkung von männlichen Hormonen (Androgenen). Eine verstärkte Behaarung (z.B. Wachsen eines Damenbarts) ist hier nur ein einzelnes Anzeichen. Betroffene Frauen wirken insgesamt äusserlich männlicher. Einige leiden an typisch männlichem Haarausfall am Kopf. Auch die Stimme kann dunkler werden.

Tritt plötzlich eine verstärkte Behaarung auf, sollte in jedem Fall ein Arzt die Ursache der Veränderung klären. Dann kann nämlich eine schwere Erkrankung wie ein hormonproduzierender Tumor dahinterstecken. Auch eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) und andere hormonelle Ungleichgewichte können eine verstärkte Behaarung verursachen. Die Diagnose stellt der Arzt in der Regel mithilfe einer Blutuntersuchung.

Nicht immer kann eine verstärkte Behaarung behandelt werden. Manche Menschen neigen aufgrund ihrer Erbanlagen zu starkem Haarwuchs. Ist eine Erkrankung die Ursache, wird diese entsprechend behandelt, zum Beispiel mit Medikamenten.

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2. Ursachen

Einer verstärkten Behaarung (Hypertrichose, Hirsutismus) können zahlreiche Ursachen zugrunde liegen. Neben einer harmlosen, rein kosmetischen übermässigen Behaarung, die nicht krankhaft ist, kann eine verstärkte Körperbehaarung auch Zeichen einer inneren Erkrankung sein.

Hypertrichose

Eine Hypertrichose – eine verstärkte Behaarung, die nicht dem typischen männlichen Behaarungsmuster entspricht, kann zum Beispiel nach Hautreizungen an umschriebenen Körperstellen entstehen. So bilden sich beispielsweise am Rand von Narben oder unter einem Gipsverband kleine Haare, die in der Regel von alleine wieder ausfallen. Auch bei Durchblutungsstörungen in den Beinen und einer Beinvenenthrombose können Haare an diesen Stellen wachsen. Bei dieser Hypertrichose sind häufige Ursachen auch bestimmte Erbkrankheiten, Blutkrankheiten (sog. Porphyrien) sowie Geschwulste, die Hormone produzieren. Darüber hinaus können einige Medikamente als Nebenwirkung zu verstärkter Behaarung führen.

Hirsutismus

Der Hirsutismus – die dem männlichen Behaarungsmuster entsprechende Körper- und Sexualbehaarung bei der Frau – wird durch die Wirkung männlicher Geschlechtshormone (Androgene) ausgelöst. Androgene kommen in geringen Mengen auch natürlicherweise bei Frauen vor. Bei Hirsutismus können die Ursachen vielfältig sein: zum Beispiel Geschwulste in den Nebennieren oder den Eierstöcken, die das Hormon Androgen bilden, bestimmte Stoffwechselkrankheiten oder die Einnahme androgenhaltiger Medikamente (wie auch sog. Anabolika zum Muskelaufbau beim Doping). In den allermeisten Fällen ist die Ursache der verstärkten männlichen Behaarung bei Frauen jedoch nicht erkennbar.

3. Diagnose

Tritt eine verstärkte Behaarung (Hypertrichose, Hirsutismus) auf, ist es wichtig, die richtige Diagnose zu stellen. Dazu stellt der Arzt zunächst einige Fragen – zum Beispiel wann der vermehrte Haarwuchs aufgetreten ist oder bemerkt wurde, ob weitere Beschwerden vorliegen oder ob Medikamente eingenommen werden.

Nach einer gründlichen körperlichen Untersuchung, bei der der Arzt die Behaarung des gesamten Körpers und möglicherweise weitere Auffälligkeiten betrachtet, sind Blutuntersuchungen und Labortests nötig. Der Mediziner lässt beispielsweise die Konzentrationen verschiedener Hormone (Androgene, Hypophysen- oder Nebennierenrinden-Hormone) ermitteln. Ausserdem gibt es eine Reihe von Tests, die die Steuerung der Hormone im Körper überprüfen (z.B. Metopiron-Test, ACTH-Stimulationstest).

Wenn der Verdacht auf einen Tumor der Nebennierenrinde, eines Eierstocks oder der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) als Ursache der verstärkten Behaarung besteht, sind zur Diagnose-Findung weitere Untersuchungen sinnvoll. Dies können zum Beispiel Ultraschalluntersuchungen (Sonographie), eine Computertomographie (CT), eine Kernspintomographie (MRT) sowie gezielte Hormonbestimmungen sein.

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4. Therapie

Ob eine verstärkte Behaarung (Hypertrichose, Hirsutismus) behandelt werden kann, ist von der Ursache abhängig. Um die geeignete Therapie zu finden, muss also zunächst die Diagnose feststehen.

Ist beispielsweise ein hormonproduzierender Tumor für die verstärkte Behaarung verantwortlich, besteht die Therapie in einer Operation. Medikamente, die als Nebenwirkung eine vermehrte Behaarung verursachen, können in Rücksprache mit dem Arzt unter Umständen abgesetzt werden. In einigen Fällen kann eine verstärkte Behaarung auch durch eine Hormon-Therapie behandelt werden, um beispielsweise die Bildung und die Wirkung von männlichen Geschlechtshormonen zu unterdrücken.

Um übermässige Haare zu beseitigen, können Sie diese kurzfristig durch eine Rasur, oder längerfristig durch Auszupfen (Epilation) oder Elektroepilation (elektrische Verödung der Haarwurzel) entfernen.

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