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1. Definition

Definition

Unter Verwirrtheit versteht man eine Bewusstseinsstörung, die häufig bei älteren Menschen auftritt.

Die Verwirrtheit ist gekennzeichnet durch Orientierungsstörungen, innere Unruhe und eine eingeschränkte Merkfähigkeit. Die Wahrnehmung der Betroffenen ist häufig gestört. Es können sogar Halluzinationen auftreten. Verwirrte Personen sind weniger leistungsfähig und haben oft Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren. Das Langzeitgedächtnis ist in den meisten Fällen nicht von den Verwirrtheitszuständen betroffen.

Betroffene reagieren langsamer und reden häufig zusammenhangslos und schlecht verständlich. Manche verwirrte Personen sind schläfrig, andere dagegen aggressiv.

Verwirrtheit kann verschiedene Ursachen haben. Gerade ältere Menschen trinken häufig zu wenig. Auf diesen Flüssigkeitsmangel reagiert der Körper unter Umständen mit Verwirrtheit. Auch Durchfall bringt den Flüssigkeitshaushalt durcheinander und kann so Verwirrtheit hervorrufen. Es kommen aber auch schwerwiegende Erkrankungen wie Gehirntumoren, Hirn- oder Hirnhautentzündungen (Enzephalitis und Meningitis) als Auslöser infrage.

Je nach Ursache kann die Verwirrtheit von Tag zu Tag zunehmen, aber auch akut auftreten. Etwa bei einer Demenzerkrankung wie Alzheimer werden Betroffene nach und nach verwirrter. Bei akuten Erkrankungen tritt die Verwirrtheit dagegen plötzlich auf, zum Beispiel wenn bei einem Schlaganfall das Gehirn nicht mehr ausreichend durchblutet und mit Sauerstoff versorgt wird. In jedem Fall sollte ein Arzt den Ursachen der Verwirrtheit nachgehen und gegebenenfalls eine geeignete Therapie einleiten.

Welche Therapie geeignet ist, hängt von der Ursache der Verwirrtheit ab. Manchmal hilft es bereits, wenn verwirrte Personen ausreichend trinken. In anderen Fällen sind Medikamente notwendig, etwa bei psychisch bedingter Verwirrtheit. Treten Verwirrungszustände infolge von Medikamenten-Nebenwirkungen auf, sollten Sie die Medikamente nicht eigenmächtig absetzen. Besprechen Sie in diesem Fall mit Ihrem Arzt, ob das Medikament unbedingt notwendig ist beziehungsweise ob es Alternativen gibt.

2. Ursachen

Für Verwirrtheit können die Ursachen harmlos sein. Gerade ältere Menschen trinken zum Beispiel häufig zu wenig. Der Körper reagiert darauf teileweise mit Verwirrtheit. Auch Durchfall trocknet den Körper aus und kann zu Verwirrtheit führen.

Nebenwirkungen verschiedener Medikamente und Vergiftungen, zum Beispiel durch einen übermässigen Alkoholkonsum, gehören bei Verwirrtheit zu den möglichen Ursachen.

Die Verwirrtheit kann aber auch aufgrund verschiedener Krankheiten entstehen, wie:

  • Durchblutungsstörungen im Gehirn, z.B. durch Arteriosklerose
  • Gehirnverletzungen, z.B. Gehirnerschütterung
  • Sauerstoffmangel, z.B. bei Herzinsuffizienz
  • Demenzen, z.B. Alzheimer
  • Stoffwechselentgleisungen, z.B. bei Diabetes mellitus
  • Enzephalitis
  • Gehirnhautentzündung (Meningitis)
  • Epilepsie
  • Gehirntumor
  • Schlaganfall
  • Infektionskrankheiten mit Fieber
  • Harnvergiftung (Urämie)

Neben diesen körperlichen Ursachen kann eine Verwirrtheit auch aufgrund psychischer oder sozialer Ursachen entstehen. Dazu zählen beispielsweise Schizophrenie oder der Verlust von Bezugspersonen.

3. Diagnose

Verwirrtheit stellt der Arzt vor allem im Gespräch mit Bezugspersonen oder Pflegepersonal fest – die Diagnose steht dann meist schnell. Der Arzt stellt verschiedene Fragen, zum Beispiel:

  • Wann hat die Verwirrtheit begonnen und hat sie sich seitdem verschlimmert?
  • Leidet die verwirrte Person unter Grunderkrankungen, die zu Verwirrtheit führen können, z.B. Demenz oder Diabetes mellitus?
  • Welche Medikamente nimmt der Betroffene ein?
  • Trinkt der Verwirrte ausreichend?
  • Gab es in der letzten Zeit eine psychische Belastung, z.B. den Tod eines nahen Angehörigen?
  • Bestehen andere Begleitsymptome?

Diese und ähnliche Fragen ermöglichen dem Arzt bei Verwirrtheit nicht nur die Diagnose, sondern geben auch einen ersten Hinweis auf ihre Ursache.

Zur Basisdiagnostik bei einer Verwirrtheit gehören eine Blutuntersuchung, Blutzuckermessung und Blutdruckmessung. Um neurologische Ausfälle festzustellen, prüft der Arzt die Eigenreflexe, das Gehör, das Sehen, den Gleichgewichtssinn und den Bewusstseinszustand. Manchmal ordnet er zusätzlich ein Elektrokardiogramm (EKG) an.

Je nach vermuteter Ursache stehen weitere Untersuchungsmethoden zur Verfügung, um bei Verwirrtheit die Diagnose zu stellen, zum Beispiel eine Computer- oder Magnetresonanztomographie (CT und MRT), Elektroenzephalographie (EEG), Ultraschalluntersuchung und eine Untersuchung des Hirnwassers (Liquoruntersuchung). Kann der Arzt organische Ursachen ausschliessen, veranlasst er in der Regel eine psychiatrische Untersuchung.

4. Therapie

Aufgrund der vielfältigen Ursachen einer Verwirrtheit kann auch die Therapie sehr unterschiedlich erfolgen. Ist ein Flüssigkeitsmangel Auslöser der Verwirrtheitszustände, hilft es bereits, wenn der Betroffene ausreichend trinkt. Ausserdem ist eine ausreichende Zufuhr an Nährstoffen wichtig. Ist der Körper bereits stark ausgetrocknet, ist eine stationäre Infusionstherapie notwendig.

Wenn die Verwirrtheit Nebenwirkung eines Medikaments ist, muss dieses abgesetzt und gegebenenfalls durch ein anderes ersetzt werden. Sie sollten Medikamente aber niemals eigenmächtig absetzen, sondern Rücksprache mit dem behandelnden Arzt halten. Er kann beurteilen, ob die Verwirrtheit mit einer Medikamenten-Nebenwirkung zusammenhängt und ob beziehungsweise welches Medikament als Alternative infrage kommt.

Verwirrtheit kann auch durch zu grossen Alkoholkonsum entstehen – die Therapie besteht dann aus einer Entziehungskur.

Bei psychischen Ursachen ist eine aufmerksame Pflege des Betroffenen nötig. Er sollte viel Zuwendung und Aufmerksamkeit erhalten, mögliche Stressfaktoren, welche den psychischen Druck erhöhen, müssen ausgeschaltet werden. Es gibt zusätzlich Medikamente, die der Arzt bei Verwirrtheit aufgrund psychischer Erkrankungen zur Therapie verschreiben kann. Dazu gehören zum Beispiel Haloperidol oder Risperidon.

Wenn die Verwirrtheit Begleitsymptom einer anderen Grunderkrankung ist, muss in jedem Fall eine zielgerichtete Therapie dieser Krankheit erfolgen.