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1. Definition

Definition

Der Begriff Völlegefühl beschreibt das unangenehme Empfinden eines übervollen Magens und Darms. Meist entsteht ein Völlegefühl im Bauch durch verschluckte Luft, übermässige Gasbildung im Darmbereich oder durch eine mangelhafte Gasabfuhr.

Typisch beim Völlegefühl ist meist ein regelrechter Blähbauch: Dann ist der Bauch stark angespannt, aufgebläht und nach vorne gewölbt. Das Völlegefühl zählt zu den Anzeichen einer Verdauungsstörung (auch als Dyspepsie bezeichnet). Entsprechend tritt das Völlegefühl häufig zusammen mit anderen Beschwerden wie Schmerzen im Oberbauch, Blähungen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Appetitlosigkeit, Sodbrennen oder Aufstossen auf. Ein stark ausgeprägtes Völlegefühl kann auch durch Krämpfe sowie durch kolikartige Bauch- und Magenschmerzen begleitet sein.

Verdauungsbeschwerden wie das Völlegefühl müssen nicht unbedingt krankhaft bedingt sein: Es ist völlig normal, dass auch ein gesunder Mensch als Reaktion auf eine allzu üppigen Mahlzeit, ein Völlegefühl entwickelt. Vor allem sehr fetthaltige Lebensmittel, stark gesüsste und blähende Speisen, wie Hülsenfrüchte und verschiedene Kohlsorten, können für ein Völlegefühl und weitere Beschwerden im Magen-Darm-Bereich verantwortlich sein. Wenn jedoch ein Völlegefühl ohne entsprechenden Auslöser auftritt (wenn z.B. ein ständiges Völlegefühl herrscht), kann dies durchaus Anzeichen für eine zugrunde liegende Störung sein – zu den möglichen Ursachen gehören zum Beispiel eine gestörte Darmflora (z.B. nach einer Antibiotika-Behandlung), eine Nahrungsmittelunverträglichkeit, ein Reizmagen oder Reizdarm, eine Gastritis, ein Magengeschwür oder auch Tumoren. Wenn sich unerklärliche Verdauungsbeschwerden häufen oder länger anhalten, ist es daher unbedingt ratsam, einen Arzt aufzusuchen, um den Beschwerden auf den Grund zu gehen und – falls nötig – eine entsprechende Behandlung einzuleiten.

2. Ursachen

Ein Völlegefühl hat meistens keine krankhaften Ursachen: Jeder gesunde Mensch kann nach einer üppigen Mahlzeit, ein Völlegefühl entwickeln. Vor allem sehr fetthaltige Nahrung, stark gesüsste und blähende Speisen wie Hülsenfrüchte und verschiedene Kohlsorten können dieses Gefühl hervorrufen. Allerdings können bestimmte Umstände das Völlegefühl fördern: zum Beispiel psychische Faktoren wie Stress, Angst und Depressionen oder auch Alkohol- und Nikotinkonsum.

Wenn ein Völlegefühl aber nach dem Essen einer normalen Portion auftritt, kann es ein Anzeichen dafür sein, dass etwas nicht in Ordnung ist. Meistens steckt eine Störung der Verdauung beziehungsweise der Produktion von Verdauungssaft hinter einem scheinbar grundlosen Völlegefühl. Zu den möglichen Ursachen für ein Völlegefühl gehören beispielsweise folgende Krankheiten:

  • Reizmagen (funktionelle Dyspepsie)
  • Reizdarm-Syndrom
  • Magenschleimhautentzündung (Gastritis)
  • Magengeschwür und Zwölffingerdarmgeschwür
  • Pilzinfektionen des Darms
  • Störungen der Gallensäureproduktion (z.B. Bauchspeicheldrüsenentzündung, Gallensteine)
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten (z.B. Lebensmittelallergie, Laktoseintoleranz)
  • Störungen der Darmflora (z.B. nach einer Antibiotikatherapie)
  • autonome Polyneuropathie bei Diabetes mellitus
  • paraösophageale Hiatushernie
  • Bauchspeicheldrüsentumoren

Für ein Völlegefühl bei Frauen kommen als Ursachen auch eine Schwangerschaft oder ein prämenstruelles Syndrom (PMS) infrage.

3. Diagnose

Ein ständiges oder bei leerem Magen auftretendes Völlegefühl kann Anzeichen für eine Störung sein, weshalb ein Arztbesuch ratsam ist. Der erste Schritt zur Diagnose besteht in einer ausführlichen Befragung: Wann tritt das Völlegefühl auf? Welche anderen Beschwerden begleiten das Völlegefühl (z.B. Blähungen, Übelkeit, Aufstossen)? Wie lange hält das Völlegefühl an? Diese und andere Angaben können dem Arzt im Zusammenhang mit charakteristischen Schmerzen einen ersten Hinweis auf den Grund für das Völlegefühl liefern.

Bei einem möglicherweise krankhaften Völlegefühl bietet sich zur weiteren Diagnose eine Magenspiegelung an: Über den eingeführten Schlauch (sog. Gastroskop) kann der Arzt den Zustand der Magenschleimhaut beurteilen und gleichzeitig eine Gewebeprobe (Biopsie) und einen Abstrich entnehmen, um eine Erregerkultur anzulegen. Zur Basisdiagnostik bei einem Völlegefühl gehört auch eine Blutuntersuchung, deren Zweck unter anderem darin besteht, die Entzündungswerte im Blut zu bestimmen.

Je nachdem, welche Ursache der Arzt für das Völlegefühl vermutet, können zur Diagnose zusätzliche Untersuchungen erfolgen, wie zum Beispiel eine Ultraschalluntersuchung der Bauchspeicheldrüse, eine Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT) des Bauchraums oder eine Spiegelung (Endoskopie) des Gallengangs.

4. Therapie

Bei einem Völlegefühl hängt die Therapie individuell von der Ursache für die Beschwerden ab. Da ein Völlegefühl nach zu üppigem Essen auch bei völlig gesunden Menschen auftreten kann, gilt allgemein: Verzichten Sie am besten auf grosse Mahlzeiten (nehmen Sie stattdessen häufiger kleinere Mahlzeiten ein) und achten Sie auf eine ballaststoffreiche Nahrung, um das Gefühl gar nicht erst entstehen zu lassen. Es ist auch wichtig, die Speisen gut durchzukauen und nicht zu schnell zu essen, um einem Völlegefühl vorzubeugen. Ausserdem ist es ratsam, Alkohol, Nikotin und künstliche Süssungsmittel zu vermeiden.

Wenn Sie doch aufgrund einer übermässigen Essensportion oder der Nahrungszusammensetzung ein Völlegefühl im Bauch entwickeln, bietet sich als Hausmittel ein Tee mit Fenchel, Anis, Kümmel oder Pfefferminze an. Auch pflanzliche Bittermittel wie zum Beispiel Enzian- oder Angelikawurzel und das Auflegen einer Wärmflasche sind bei Völlegefühl zur Therapie geeignet. Ein weiteres wirksames Mittel gegen das Völlegefühl ist ein wenig Bewegung: Dadurch können Sie Ihre Verdauung fördern und damit das Völlegefühl schneller abklingen lassen.

Wenn Stress und übermässige Anspannung hinter dem Völlegefühl stecken, bieten sich zur Therapie Entspannungsmethoden wie zum Beispiel autogenes Training an. Ist das Völlegefühl durch eine Lebensmittelallergie oder sonstige -unverträglichkeit bedingt, besteht die wirksamste Behandlung grundsätzlich darin, die verantwortlichen Nahrungsmittel beziehungsweise -bestandteile zu vermeiden.

Ist das Völlegefühl Begleitsymptom einer anderen Grunderkrankung, wie etwa einer Magenschleimhautentzündung oder einem Zwölffingerdarmgeschwür, ist die gezielte Therapie dieser Krankheit notwendig.