Von Veröffentlicht am 01.01.1970

1. Definition

Definition

Der Begriff Zuckungen bezeichnet laut Definition abrupt einsetzende, unwillkürliche Muskelzuckungen, die durch überschiessende, unangemessene und unkontrollierte Entladungen von Nervenimpulsen entstehen.

Der allgemeine Begriff Zuckungen umfasst ganz unterschiedliche Störungen, zum Beispiel Muskelzittern (Tremor) bei Parkinson, motorische Tics bei Tic- und Tourettestörungen, Krämpfe und Krampfanfälle, wie sie beispielsweise bei der Epilepsie auftreten, sowie Muskelzuckungen, die durch Kälte, Drogen, Stress oder Stoffwechselstörungen ausgelöst werden. Zuckungen können also sehr verschiedene Ursachen haben.

Auch die Art und Weise, wie die beteiligten Muskeln zucken, hängt von der jeweiligen Grunderkrankung ab: Bei epileptischen Anfällen kommt es zum Beispiel zu sehr heftigen Zuckungen, die den gesamten Körper verkrampfen können. Die kältebedingten Zuckungen der Kiefermuskulatur, die fast jeder Mensch als Zähneklappern kennt, sind dagegen eher ein feines Zittern. Das Beispiel Zähneklappern zeigt auch, dass Zuckungen manchmal nur eine bestimmte Körperregion betreffen. Ein ähnliches Beispiel ist das Augenzucken: Dabei fängt die Muskulatur um das Auge oder im Augenlid an zu zucken. Augenzucken kann unter anderem im Rahmen von Tic-Störungen auftreten (Augenzwinkern).

Manchmal sind Augenzucken oder Zuckungen an anderen Körperstellen nur als kurze Bewegung unter der Haut sichtbar. Dabei ziehen sich kleine Muskelbündel (sog. Faszikel) wiederholt zusammen. Mediziner verwenden für solche feinen Zuckungen auch den Begriff Faszikulationen. Faszikulationen können im Rahmen von neurologischen Erkrankungen vorkommen oder auch bei völlig Gesunden Menschen (z.B. nach intensivem sportlichem Training) auftreten.

Die Zuckungen können – je nach Ausprägung – die Betroffenen allgemein beeinträchtigen oder im Fall der Epilepsie die Gefahr von Verletzungen bergen. Zuckungen bei Tic-Störungen oder dem Tourette-Syndrom sind häufig nicht nur für den Betroffenen unangenehm, sie fallen auch der Umwelt auf und lösen oft Unverständnis und Irritation aus.

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2. Ursachen

Den Zuckungen können unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen, zum Beispiel:

  • Tics (Tic- und Tourettestörungen)
  • Krampfanfälle (z.B. Epilepsie oder Fieberkämpfe)
  • Magnesiummangel
  • Unterzuckerung
  • Einfluss von Alkohol und Drogen
  • Kälte und Unterkühlung
  • Einklemmung von Nerven
  • Nebenwirkung von Medikamenten
  • Direkte Nervenreizung nach Untersuchungen (z.B. Liquorpunktion, ENG und Infusionen)
  • Neurologische Erkrankungen wie multiple Sklerose (MS) und Parkinson
  • Polyneuropathien (z.B. bei Diabetes mellitus)
  • Ursachen im Gehirn (z.B. Gehirnentzündung, Gehirntumor etc.)
  • Durchblutungsstörungen, Viruserkrankungen und bakterielle Infektionen
  • Orthopädische Erkrankungen mit Nervenreizung
  • Psychische Ursachen
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3. Diagnose

Bei häufigen oder dauerhaften Zuckungen ist eine ärztliche Diagnose wichtig. So lässt sich feststellen, ob eine vorübergehende Nervenreizung oder aber eine ernste Erkrankung dahinter steckt. Neurologen sind auf die Diagnose von Zuckungen spezialisiert. Der Arzt stellt zunächst einige Fragen zu den genauen Beschwerden, zum Beispiel:

  • Wann sind die Zuckungen erstmals aufgetreten?
  • Wie oft kommen sie vor?
  • Welche Körperstellen sind betroffen?
  • Gab es ein auslösendes Ereignis (z.B. eine Untersuchung oder eine Verletzung)?
  • Bestehen weitere Beschwerden (wie Brennen, Schmerzen, Fieber)?
  • Sind Vorerkrankungen bekannt (z.B. Epilepsie)?
  • Nehmen Sie Medikamente ein?
  • Trinken Sie Alkohol?

Es folgen eine körperliche Untersuchung sowie eine gründliche neurologische Untersuchung, bei der der Arzt unter anderem Nerven, Muskulatur und Reflexe prüft. Elektronische Messungen wie eine Elektroneurographie (ENG), Elektromyographie (EMG) und Elektroenzephalographie (EEG) können bei Zuckungen nötig sein, um die Diagnose der Grunderkrankung zu stellen.

Je nach Befund sind weitere Untersuchungen bei Zuckungen notwendig, zum Beispiel:

  • Blutuntersuchungen
  • orthopädische Untersuchungen
  • Röntgenaufnahmen
  • Computertomographie (CT)
  • Kernspintomographie (MRT)
  • Entnahme von Muskelgewebe (Biopsie)
  • Liquorpunktion (Hirnwasseruntersuchung)
  • Blutgefässuntersuchungen wie eine Angiographie
  • Allergietests
  • psychologische oder psychiatrische Untersuchungen
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4. Therapie

Bei Zuckungen richtet sich die Therapie nach der zugrunde liegenden Ursache. Manchmal verschwinden die Beschwerden von ganz alleine, wenn nicht eine behandlungsbedürftige Erkrankung dahinter steckt. Werden Ihre Zuckungen durch Stress verursacht, können zum Beispiel Entspannungstechniken helfen. Alkohol und vor allem aufputschende Drogen sollte Sie meiden. Medikamente, die Zuckungen auslösen, sollten Sie nur in Rücksprache mit Ihrem Arzt einnehmen beziehungsweise absetzen.

Bei Tic- und Tourettestörungen können spezielle Medikamente (sog. Neuroleptika) helfen, die Ausprägung der Tics und Zuckungen zu verringern. Zur Therapie von Zuckungen, die bei einer Epilepsie auftreten, verordnet der Arzt in der Regel Medikamente, wobei verschiedene Wirkstoffe infrage kommen.

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