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  4. Zungenbrennen (Burning-mouth-Syndrom, BMS)

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1. Überblick

Zungenbrennen ist eine unangenehme und belastende Empfindungsstörung. Die Betroffenen haben das Gefühl, dass die Zunge brennt, sticht, juckt oder wund ist. Die brennende Zunge ist dabei oft nicht das einzige Symptome. Ähnliche Beschwerden entstehen an der Mundschleimhaut des Gaumens oder an der Innenseite der Wangen. Zunge und Schleimhaut können dabei ganz unauffällig aussehen. Daher ist es häufig sehr schwierig, eine Diagnose zu stellen.

Zungenbrennen ist ein Symptom, dessen Ursache sowohl allgemeine Krankheitsbilder als auch Reize im Mundraum sein können. Zu den typischen Erkrankungen, die das brennende Gefühl an der Zunge auslösen können, zählen zum Beispiel Blutarmut (Anämie), Vitaminmangel, Diabetes mellitus, Infektionen mit Bakterien oder Pilzen und Erkrankungen, die zu Mundtrockenheit führen (Sjögren-Syndrom).

Reizungen entstehen zum Beispiel mechanisch: Dann sind scharfe Zahnkanten oder drückende Zahnprothesen dafür verantwortlich, dass die Zunge brennt. Die Schleimhaut kann auch auf bestimmte Nahrungsmittel oder – selten – auf das Material, das Zahnarzt für Zahnfüllungen verwendet, allergisch reagieren.

Oft spielt auch eine psychische Komponente eine wichtige Rolle. Stress und Angst können die brennenden Schmerzen hervorrufen, verstärken oder dafür sorgen, dass sie lange andauern oder sich nur schwer behandeln lassen. In manchen Fällen gelten die Symptome Schleimhaut- und Zungenbrennen als eigenständige Krankheit. Mediziner verwenden dann den englischen Begriff Burning Mouth Syndrome.

Die erste Anlaufstelle für Patienten mit Zungenbrennen ist häufig der Zahnarzt. Neben einem ausführlichen Gespräch ist wichtig, dass sich der Arzt die Mund- und Zungenschleimhaut genau ansieht. Liegen sichtbare Gewebeveränderungen (z.B. Druckstellen) der schmerzenden Bereiche im Mund vor, kann er leichter auf die Ursachen rückschliessen. Beim Verdacht auf eine Grunderkrankung sind – je nachdem, welche der Arzt vermutet – weitere Diagnoseverfahren (z.B. Blutuntersuchungen) sinnvoll. Diese Ursachenforschung beim Zungenbrennen ist deshalb so wichtig, weil sich die Therapie in der Regel nach der Ursache richtet. Es bedarf dabei häufig viel Zeit und Geduld bis die Beschwerden verschwinden.

2. Definition

Unter Zungenbrennen versteht man eine unangenehme Empfindungsstörung im Bereich der Zunge. Die Betroffenen haben dabei oft nicht nur das Gefühl, eine brennende Zunge zu haben: Auch die Mundschleimhaut (z.B. am Gaumen) kann sich bei Zungenbrennen ähnlich anfühlen.

Wenn es im Mund oder an der Zunge brennt, können zusätzlich noch weitere Empfindungsstörungen auftreten: Dazu gehören Kribbeln, Jucken, Stechen oder der Eindruck, dass die Schleimhaut wund sei. Häufig kommt es auch zu Geschmacksstörungen oder Mundtrockenheit.

3. Ursachen

Für Zungenbrennen genaue Ursachen festzustellen, ist oft nicht leicht. Viele Ursachen kommen infrage. Unter anderem tritt diese Empfindungsstörung auf, wenn die Mund- und Zungenschleimhaut entzündet oder gereizt ist beziehungsweise allergisch auf bestimmte Stoffe reagiert. Auch im Rahmen bestimmter allgemeiner Grunderkrankungen kann es zu Zungenbrennen kommen: Ursachen sind dann zum Beispiel Bluterkrankungen. Manchmal gilt das Zungenbrennen auch als eigenständige Krankheit: Beim sogenannten Burning-Mouth-Syndrom macht schon der Name deutlich, dass diese Krankheit zu «Brennen im Mund» und damit auch zu Zungenbrennen führt.

Allgemeine Erkrankungen

Die Ursache für Zungenbrennen kann in allgemeinen Erkrankungen liegen. Vitamin-B- und Eisenmangel, Diabetes mellitus, gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD), Infektionen und Blutarmut, dabei insbesondere die sogenannte Vitamin-B12-Mangelanämie mit der Hunter-Glossitis (Glossitis = Zungenentzündung), können Zungenbrennen oder Schleimhautbrennen hervorrufen. Das Sjögren-Syndrom kann dazu führen, dass zu wenig Speichel vorhanden ist, um die Mundschleimhaut zu befeuchten. Neben der Mundtrockenheit kann auch Zungenbrennen die Folge davon sein.

Auch im Rahmen der Behandlung von verschiedenen Erkrankungen kann es zu Zungenbrennen kommen, zum Beispiel als Nebenwirkung von Medikamenten oder bei der Strahlentherapie.

Da oft Frauen jenseits der Wechseljahre betroffen sind, gehen manche Mediziner auch davon aus, dass die hormonelle Umstellung eine Ursache für das unangenehme, brennende Gefühl im Mund ist. Der genaue Zusammenhang zwischen Hormonhaushalt und Zungenbrennen ist aber derzeit nicht erwiesen.

Reize und Allergien

Scharfe Zahnkanten, Karies, Zahnstein, überstehende Füllungsränder, abstehende Kronenränder, Zahnspangen oder Metalle aus den Zahnfüllungen können die Zunge oder Mundschleimhaut reizen, verletzen oder eine Allergie hervorrufen. Auch bestimmte Mundschleimhautentzündungen, sogenannte Gingivitiden, können Zungenbrennen verursachen.

Ebenso kann bei manchen Menschen der direkte Kontakt der Mundschleimhaut mit bestimmten Nahrungsmitteln (z.B. zimthaltige Speisen) oder Tabak Zungenbrennen auslösen. Auch Metallverbindungen, die Nickel oder Quecksilber enthalten, können die Schleimhaut reizen.

Psychische Ursachen

Eine wesentliche Rolle spielt beim Zungenbrennen auch die psychische Komponente. Erkrankungen wie Depressionen können neben psychischen Symptomen (z.B. Antriebslosigkeit) auch körperliche Beschwerden hervorrufen. Manche Betroffenen berichten dann neben Kopfschmerzen oder Appetitmangel auch über Zungenbrennen. Angst, zum Beispiel vor drohenden schweren Krankheiten wie Krebs (sog. Kanzerophobie), kann ebenfalls ein brennendes Gefühl im Mund auslösen.

Auch psychischer Stress kann neben Verspannungen und Fehlbewegungen des Kausystems Missempfindungen der Mundschleimhaut sowie Zungenbrennen verursachen.

4. Symptome

Bei Zungenbrennen müssen sich die Symptome nicht ausschliesslich auf die Zunge beschränken, sondern können sich auch auf Gaumen und Lippen ausbreiten. Die Betroffenen klagen über ein brennendes, wundes und unangenehm stechendes Gefühl im Mund. Nicht selten berichten sie darüber hinaus über Geschmacksstörungen und verminderte Speichelbildung.

Die Symptome können unterschiedlich stark sein und in verschiedenen Bereichen im Mund auftreten. Die Zunge ist meist seitlich und im Bereich ihrer Spitze betroffen. Anfangs haben die Patienten phasenweise – zum Beispiel nachts – keine Beschwerden. Später nimmt die Missempfindung im Lauf des Tages dann sogar zu.

Durch die grosse Bandbreite der Ursachen begleiten das Zungenbrennen oft viele andere Symptome. Rötungen, Schwellungen oder gar blutende Stellen im Mund sprechen für entzündliche Ursachen. Ist die Schleimhaut weisslich verfärbt, kann dies auf eine Pilzinfektion oder Verhornungsstörung (Leukoplakie) hinweisen. Sichtbare Symptome an der Zungen- und Mundschleimhaut können fehlen, wenn das Zungenbrennen psychosomatischer Natur ist. Klagen die Betroffenen neben dem Zungenbrennen auch über Missempfindungen an Armen und Füssen, könnte zum Beispiel ein Diabetes mellitus vorliegen.

5. Diagnose

Ein Spezialist für die Zungenbrennen-Diagnose ist der Zahnarzt. Aber auch Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Hautärzte oder Neurologen können die Ursache von Zungenbrennen feststellen.

Je nachdem, ob noch weitere Beschwerden neben dem Zungenbrennen vorhanden sind, fällt die Diagnose leichter. Der Arzt kann zum Beispiel anhand von allgemeinen Symptomen (z.B. Blässe bei Blutarmut) auf die jeweilige Grunderkrankung schliessen. Wichtig ist, dass der Arzt die Zunge und den Mundraum genau betrachtet, denn wenn die Schleimhaut der Zunge verändert aussieht, gibt dies dem Arzt entscheidende Hinweise. Ein Brennen kann unter anderem bei folgenden sichtbaren Erkrankungen der Zunge auftreten:

  • Landkartenzunge (sog. Lingua geographica)
  • Faltenzunge (sog. Lingua plicata)
  • Knötchenflechte (Lichen ruber planus)

Sichtbare Schleimhautveränderungen, die auf einem schlechten Prothesensitz, einem Wärmestau unter der Prothese oder einer Prothesenunverträglichkeit (sog. Prothesenstomatitis) beruhen, sind ebenfalls schnell erkennbar.

Welche weiteren Untersuchungen und Verfahren sinnvoll sind, hängt davon ab, welche Grunderkrankung der Arzt als Ursache für das Zungenbrennen vermutet. Zur Diagnose sind dann zum Beispiel Blutuntersuchungen oder Allergietests nötig. Generell wichtig ist auch, dass der Arzt den Betroffenen genau nach den Beschwerden befragt (Anamnese).

Landkartenzunge (Lingua geographica)

Eine Landkartenzunge (Lingua geographica) ist eine harmlose Veränderung der Zunge, die durch glatte hellrote Flecken auf der Zungenoberfläche gekennzeichnet ist. Die Ursache für die Landkartenzunge ist unklar. Möglicherweise können die Veränderungen auf der Zungenoberfläche Zungenbrennen verursachen, weil sich Bakterien und Pilze hier besser ansiedeln und zu Infektionen führen können.

Faltenzunge (Lingua plicata)

Bei einer Faltenzunge (Lingua plicata) ist die Zunge im vorderen und mittleren Teil symmetrisch eingekerbt und erhaben. Die Falten bieten Bakterien einen geeigneten Nährboden. Bakterielle, aber auch durch Pilze hervorgerufene Infektionen können dann das Zungenbrennen hervorrufen. Daher müssen Menschen mit einer Faltenzunge besonders auf ihre Mundhygiene achten.

Innerhalb einer Familie tritt die Faltenzunge oft gehäuft auf. Es handelt sich um eine harmlose Zungenveränderung, die bei circa 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung vorkommt. Da die Faltenzunge auch als Symptom beim sogenannten Melkersson-Rosenthal-Syndrom vorkommt und leicht mit Zungenveränderungen bei der Syphilis verwechselt werden kann, sollten Sie – wenn Sie entsprechende Veränderungen an Ihrer Zunge entdecken – den Arzt aufsuchen. Er kann dann genau feststellen, worum es sich dabei handelt.

Knötchenflechte (Lichen ruber)

Die Knötchenflechte (Lichen ruber) ist ein komplexes Krankheitsbild, das wahrscheinlich durch eine Autoimmunreaktion hervorgerufen wird. Experten diskutieren jedoch auch andere Ursachen, beispielsweise eine Virusinfektion oder eine örtlich begrenzte Überreaktion des Immunsystems. Typische Anzeichen der Knötchenflechte im Mundraum – der medizinische Fachbegriff lautet dann Lichen ruber mucosae – sind folgende:

  • zierliche
  • grauweisse
  • teilweise vernetzte
  • nicht abwischbare
  • erhabene Hautveränderungen

Sie finden sich meist an der Wangenschleimhaut, an der Zungenunterseite, dem Zungenrücken, dem Mundboden, dem Zahnfleisch, dem Gaumen und dem Lippenrot. Die Knötchenflechte tritt gehäuft im Erwachsenenalter auf und befällt Männer häufiger als Frauen. Neben dem Mundraum können auch andere Schleimhäute (z.B. Analschleimhaut) vom Lichen ruber mucosae befallen sein.

Allergien

Allergien sind Überempfindlichkeitsreaktionen des körpereigenen Abwehrsystems gegenüber körperfremden, eigentlich unschädlichen Substanzen, den sogenannten Allergenen.

Mundschleimhautveränderungen finden sich meist beim sogenannten verzögerten Allergie-Typ. Das bedeutet unter anderem, dass zwischen dem Kontakt mit einem Allergen und der allergischen Reaktion mehrere Stunden bis Tage vergehen. Eine Allergie zeigt sich meist durch kräftig rot verfärbte, leicht geschwollene, glatt begrenzte, unförmige Areale auf der Zunge. Diese Gewebsveränderungen können ein Zungenbrennen mit sich bringen.

Prothesenstomatitis

Unter einer Prothesenstomatitis versteht man Mundschleimhautentzündungen (Stomatitis) und andere Beschwerden, die nach dem Einsatz eines herausnehmbaren Zahnersatzes auftreten.

Sitzt die Prothese schlecht, drückt sie oder ist sie so gearbeitet, dass die Zunge daran scheuert, können Beschwerden wie Zungenbrennen auftreten. Die psychosomatische Komponente bei Zungenbrennen kann durch eine Zahnprothese verstärkt werden. Dann können sichtbare Schleimhautschäden wie Druckstellen fehlen. Trotzdem empfinden die Betroffenen das Tragen der Prothese als unangenehm, fahren mit der Zunge ständig über den Zahnersatz und klagen über Schmerzen, Jucken oder eben Brennen.

Hunter-Glossitis

Die Hunter-Glossitis ist ein Begleitsymptom, das bei Blutarmut (Anämie) durch Vitamin-B12-Mangel, auftreten kann. Sie macht sich durch heftiges Brennen im Mund bemerkbar. Das beeinträchtigt die Zungenbewegung und damit auch das Sprechen und Kauen. Die Zunge zeigt rote, lackartige Veränderungen, die sich meist an der Zungenspitze oder dem Zungenrücken befinden.

6. Therapie

Es ist eine Herausforderung für den Arzt, bei Zungenbrennen schnell die geeignete Therapie zu finden. Denn: Es gibt viele verschiedene Ursachen für Zungenbrennen, die der Arzt herausfinden und dann behandeln muss. Aber nicht immer finden sich Grunderkrankungen oder eine schlecht sitzende Zahnprothese als Auslöser. In manchen Fällen ist das brennende Gefühl an Zunge und Mundschleimhaut auch als eigenständige Erkrankung (Burning-Mouth-Syndrome) zu verstehen.

Ergibt eine umfassende Ursachenforschung ein allgemeines Krankheitsbild, wie zum Beispiel Blutarmut oder eine Infektion, so behandelt der Arzt die auslösende Erkrankung. Ist die Ursache behoben, lässt in der Regel auch das Zungenbrennen nach.

Lassen sich allerdings keine Ursache des Zungenbrennens ausmachen, so sollten die Betroffenen mit ihrem Arzt besprechen, welche Medikamente (z.B. schmerzlindernde Tabletten oder Spüllösungen) sinnvoll sind. Ausserdem ist wichtig, dass sich die Patienten mit Zungenbrennen aktiv an der Therapie beteiligen. Dazu gehört zum Beispiel, dass die Betroffenen versuchen herauszufinden, in welchen Situationen (z.B. Urlaubsreisen) sie das Zungenbrennen weniger schlimm empfinden oder gar nicht mehr wahrnehmen. Das kann helfen, mit dem dauerhaften unangenehmen Gefühl im Mund besser umzugehen.

7. Verlauf

Bei Zungenbrennen hängen Verlauf und Prognose von mehreren Faktoren ab. Ist das Zungenbrennen Begleitsymptom einer Grunderkrankung wie Blutarmut (Anämie) oder einer Infektion, kann das unangenehme Gefühl im Mund nach entsprechender Behandlung verschwinden. Sind mechanische Auslöser (z.B. scharfe Zahnkanten, schlecht sitzende Zahnprothese) vorhanden, kann der Zahnarzt rasch Abhilfe schaffen. Ein langwieriger Verlauf ist eher wahrscheinlich, wenn keine Ursachen vorhanden sind beziehungsweise die psychosomatische Komponente im Vordergrund steht.

Komplikationen

Zungenbrennen selbst, verursacht in der Regel keine Komplikationen, kann die Betroffenen mitunter aber psychisch stark belasten.

Wenn auch auffällige Oberflächenveränderungen der Zunge auftreten, sind allerdings Komplikationen nicht auszuschliessen. Um einer bösartigen Entartung vorzubeugen, sollten in solch einem Fall regelmässige Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt erfolgen.

Prognose

Wann und unter welchen Umständen beziehungsweise mit welchen Medikamenten das Zungenbrennen zu beseitigen ist, hängt von den Umständen des Einzelnen ab. Daher gibt es keine generelle Prognose zum Verlauf der Krankheit. Unter Umständen bedarf es grosser Geduld und Zeit, bis ein Therapieerfolg eintritt. Eine Linderung des Zungenbrennens ist jedoch durch entsprechende Massnahmen möglich.

8. Vorbeugen

Bei Zungenbrennen gibt es keine speziellen Massnahmen zum Vorbeugen. Ist die Ursache des Zungenbrennens ein Diabetes mellitus oder ein Vitaminmangel, verschwinden die Beschwerden mit der Behandlung der ursächlichen Erkrankung. Bei Zungenbrennen im Rahmen einer Allergie gilt es in erster Linie, das auslösende Allergen zu meiden. Falsch sitzende Zahnprothesen sollte der Zahnarzt frühzeitig anpassen, damit sie keine Schleimhautreizungen – und damit Zungenbrennen – verursachen können.

Psychischen Problemen als Ursache für Zungenbrennen vorzubeugen, gestaltet sich oftmals schwierig und erfordert viel Zeit, Geduld und Bereitschaft zur Mitarbeit beim Betroffenen. Manchmal, vor allem wenn weitere psychische oder körperliche Beschwerden hinzukommen, kann eine psychologische oder psychiatrische Unterstützung hilfreich sein.