Die Nano-Industrie boomt. Immer mehr Alltagsgegenstände enthalten die ultrakleinen Wunderteilchen mit 10'000-mal kleinerem Durchmesser als ein Haar: von der Sonnencreme übers Karbonvelo bis hin zum Nuggi. Gleichzeitig warnen viele Wissenschaftler vor möglichen Gesundheitsschäden.

So haben Studien an Nagetieren gezeigt, dass Carbon-Nanotubes Lungenfibrosen verursachen, das Hirngewebe schädigen und die Immunabwehr schwächen können. Die winzigen Kohlenstoffröhrchen kommen etwa in Velorahmen, aber auch in Laptop-Gehäusen vor.

Die EU macht vorwärts

Die Behörden sind schlecht auf einen möglichen Nano-GAU vorbereitet; niemand weiss genau, wo welche Materialien drin sind. Weder der Angestellte, der sie verarbeitet, noch der Kunde, der ein nanohaltiges Produkt in Händen hält oder gar konsumiert. Das will die EU nun ändern. Bereits beschloss sie eine Deklarationspflicht für Nano in Kosmetika, die 2012 in Kraft treten wird. Zudem fordert das EU-Parlament für alle Werkstoffe und Güter auf dem ganzen Produktions- und Konsumweg bis hin zum Recycling- und Entsorgungshof eine Kennzeichnung der Nanomaterialien. Das deutsche Umweltbundesamt will gar ein Melderegister.

«Es ist davon auszugehen, dass die Schweiz die Deklarationspflicht für Nanomaterialien in Kosmetika übernehmen wird», meint Steffen Wengert, Nano-Fachmann beim Bundesamt für Gesundheit. Ob eine generelle Deklarationspflicht für nanohaltige Produkte eingeführt wird oder ob Informationen im Internet oder in Gebrauchsanweisungen genügen müssen, werde derzeit in Arbeitsgruppen diskutiert. Ein Schlussbericht wird auf Ende Jahr erwartet. Wie so oft wird man aber wohl erst handeln, wenn die EU Beschlüsse gefasst hat.