Peter Meier ist seit zehn Jahren glücklich verheiratet und Vater von drei gesunden Kindern. «Meine Frau schluckt seit fast 20 Jahren die Pille, das kann doch nicht gesund sein», sagte sich der 40-jährige Bankangestellte und entschloss sich, die Schwangerschaftsverhütung selbst zu übernehmen.

Nach wie vor tragen die Frauen die Hauptlast in Sachen Verhütung. Doch wenns um den endgültigen Eingriff geht, holen die Männer auf. Die Anzahl der Unterbindungen gleichen sich laut Bundesamt für Statistik bei Mann und Frau langsam an. Das macht auch aus medizinischer Sicht Sinn. Beim Mann dauert der ambulante Eingriff 20 Minuten. Die Unterbindung der Frau hingegen ist kompliziert, verbunden mit einer Vollnarkose und entsprechend viel teurer.

Es braucht einige Überwindung


Die Angst vor dem Routineeingriff ist aber noch immer gross. Wenn Männer beim Fussball eine Freistossmauer bilden müssen, dann weiss jeder automatisch, wo die schützenden Hände hingehören. Geht trotzdem mal ein Ball unter die Gürtellinie, ist dem Betroffenen das Mitleid sämtlicher männlicher Zuschauer gewiss. Jeder weiss, wie weh das tut. Kein Wunder, dass die Mehrzahl der Männer beim Gedanken an eine Sterilisation abwinkt. Auch Peter Meier brauchte viel Überwindung: «Mein Hausarzt hat mich dann aber sehr umfassend informiert.»

Laut dem Allgemeinmediziner Peter Tschudi, der schon seit vielen Jahren ambulante Sterilisationen vornimmt, ist das Informationsgespräch mit dem Paar elementar. «Es ist wichtig herauszuspüren, woher der Wunsch zur Vasektomie rührt», sagt der Arzt. «Wenn bei einem Gespräch immer wieder die Frage gestellt wird, ob man den Eingriff wieder rückgängig machen könne, operiere ich nicht», sagt Tschudi weiter.

Gute Beratung ist entscheidend


Meistens entscheiden sich die Männer nach einer kurzen Bedenkzeit für den Eingriff und sind danach erleichtert und befreit. Wichtig ist, dass die Betroffenen gemeinsam mit ihrer Partnerin und ohne Druck entscheiden. Sie müssen bedenken, dass sie nach einer Vasektomie keine Kinder mehr zeugen können. Eine so genannte Refertilisation (das mikrochirurgische Zusammennähen der Samenstränge) ist sehr aufwändig, teuer und nicht immer erfolgreich. Ein Beratungsgespräch beim Hausarzt oder bei einem Urologen ist in jedem Fall empfehlenswert, auch dies am besten gemeinsam mit der Partnerin.

Zu bedenken ist auch, dass durch geänderte Lebensumstände wie beispielsweise eine neue Partnerschaft der Kinderwunsch neu entstehen kann.

Der Eingriff wird ambulant und bei lokaler Betäubung vorgenommen. Er dauert in der Regel 20 Minuten. Dabei werden die Samenstränge beider Hoden um ein bis drei Zentimeter gekürzt, die Enden verödet und mit einem Faden abgebunden. Die Orgasmusfähigkeit, der Samenerguss und die Potenz bleiben dabei völlig unberührt.

Die Sterilisation des Mannes gilt als relativ risikolos. Nach der Operation kann der Patient nach Hause, sollte sich aber zwei bis drei Tage schonen. Zudem muss noch für etwa drei Monate verhütet werden – bis die Spermaprobe negativ ausfällt.

Die meisten Krankenkassen übernehmen zumindest einen Teil der Kosten. Eine Vasektomie kostet etwa zwischen 900 und 1500 Franken. 20 Prozent der Männer empfinden laut Peter Tschudis Umfragen den Sex danach als schöner. Bei über 70 Prozent bleibts wie vor dem Eingriff. Auch bei Meiers ist das Fazit positiv. «Unser Sexleben hat sich sehr verbessert», sagt Peter Meier und lächelt bedeutungsvoll.

Quelle: Archiv