Drei- bis viermal pro Jahr greift Reto Flury zur Wasserpfeife. Und bloss im Freien: «In der Wohnung rauchen, das kommt für mich nicht in Frage.» Zu sehr würde ihn der zurückbleibende Geruch stören. Flury lernte die Wasserpfeife, auch Shisha genannt, durch Freunde kennen, die sich in einem Ägypten-Urlaub in Sharm el-Sheik eine gekauft hatten. Und als seine Freundin von einem Aufenthalt in Israel zurückkam, schwärmte auch sie vom aromatischen Rauch der Wasserpfeife. «Da habe ich ihr eine geschenkt», sagt der 27-Jährige.

Jugendliche kommen zunehmend auf den Geschmack der Shisha. Dass deren Rauch weniger schädlich sei als jener von Zigaretten, ist eine weit verbreitete Annahme – sie ist aber falsch. «Das Gesundheitsrisiko beim Rauchen von Wasserpfeifen ist noch höher als bei Zigaretten», sagt Vigeli Venzin. Er leitet die Fachstelle für Suchtprävention beim Mittelschul- und Berufsbildungsamt des Kantons Zürich.

Mit der Shisha auf der Skipiste

Dass sich besonders Minderjährige gern vom süssen Duft der Shisha verführen lassen, beunruhigt den Suchtexperten. «Kürzlich sah ich in einer Skihütte, wie eine Gruppe Jugendlicher eine Wasserpfeife aus dem Rucksack holte.» Dass es die Shisha sogar bis auf die Skipiste schafft, hätte Venzin nie für möglich gehalten.

Über den exotischen Rauch der Wasserpfeife kommen immer mehr schädliche Details ans Licht. Wer an der Shisha nuckelt, nimmt erheblich grössere Mengen Teer und Kohlenmonoxid zu sich, als wenn er eine filterlose Zigarette rauchen würde. Zudem wurden krebsauslösende Substanzen wie Arsen, Chrom und Nickel in hohen Konzentrationen festgestellt. Aber nicht nur der Rauch hat seine Tücken: Weil sich oft mehrere Leute eine Wasserpfeife teilen, können über das Mundstück Krankheiten wie Herpes und Hepatitis sowie Pilze übertragen werden.

Ein zeitintensives Prozedere

Inzwischen wird an den Schulen im Rahmen der Suchtprävention über das Gefahrenpotenzial der Shisha informiert. «Bei uns ist die Wasserpfeife ein Thema», sagt Fachstellenleiter Venzin. Neben den allgemeinen Risiken des Tabaks würden im Unterricht auch die zusätzlichen Schadstoffe beim Wasserpfeifenrauchen angesprochen. Das Bundesamt für Gesundheit sieht ebenfalls Handlungsbedarf.

Massnahmen wie Steuererhöhungen, rauchfreie öffentliche Räume und eine Regulierung der Tabakwerbung seien das Ziel bei sämtlichen Tabakprodukten – das gelte auch für Wasserpfeifen, so Philippe Vallat, Leiter des nationalen Programms zur Tabakprävention.

Bei Reto Flury hat das Interesse an der Shisha nach der ersten Euphorie nachgelassen: «Wir packen sie immer seltener aus.» Das Einrichten sei ziemlich aufwändig, und man müsse, um die Shisha wirklich geniessen zu können, mindestens eine Stunde Zeit haben. «Für mich ergibt sich diese Gelegenheit nur sehr selten.»

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