Wenn unsere Vorfahren nie Angst gehabt hätten, gäbe es uns heute wahrscheinlich nicht. Denn sie waren schlau genug, sich vor Mammuts, Säbelzahntigern und Giftspinnen zu fürchten – und überlebten.

Heute stehen wir zwar vor anderen Bedrohungen: Zerstörung der Umwelt, Totalüberwachung, kriminelle Übergriffe. Es gibt aber drei Faktoren, die gleich geblieben sind und zu jeder Art von Angst gehören: Man weiss, dass etwas passieren kann, dass man diesem Ereignis nicht unbedingt gewachsen ist und dass sich daraus nega­tive Konsequenzen ergeben können.

Angst ist nichts Rationales – auch wenn sie im Kopf entsteht. Kaum jemand hat Angst davor, durch die Hand seines Partners umzukommen, aber viele Menschen werden von Flugangst geplagt. Doch wer sich an Statistiken orientierte, würde rasch merken, dass man getrost mit dem Flieger in die Ferien reisen kann – aber besser aufs Heiraten verzichten sollte. Denn in Beziehungen ist die Gefahr, den Tod zu finden – statistisch gesehen –, deutlich höher.

So paradox es klingt: Angst hilft, sich vor möglichen Übergriffen zu schützen, Panik aber führt fast zwangsläufig ins Verderben. Am klügsten aber ist Vorsicht. Wer sich vorher überlegt, wie man sich in einer gefährlichen Situation verhalten soll, wird eher vernünftig handeln können. Schliesslich ist ein erkannter Feind nur ein halber.

Anzeige

Gewalt ist nicht immer zu verhindern –aber man kann versuchen, ihr aus dem Weg zu gehen. Wer mit rabiaten Fussballfans oder einer gewalttätigen Demonstration konfrontiert wird, macht besser einen gros­sen Bogen und bleibt in sicherer Distanz.

Im Notfall klare Grenzen setzen

Wer trotz gesundem Menschenverstand in eine Konfliktsituation gerät, verhält sich am besten so, dass eine Eskalation vermieden wird. Dazu gehört, das Gegenüber nicht verbal oder physisch anzugreifen. Mischen Sie sich auch nicht unnötig in einen Konflikt ein, der Sie in Gefahr bringt. Besser ist es, Hilfe zu organisieren und – zum Beispiel – die Polizei zu rufen.

Auch wenn die Gefahr nur diffus ist, können Sie vorbeugen. Etwa wenn Sie in der Nacht durch eine gefährliche Gegend nach Hause gehen müssen. Informieren Sie jemanden, wo Sie sind und wann Sie ungefähr zu Hause eintreffen werden. Frauen können die Haare zusammenbinden und eine Baseballmütze aufsetzen. Halten Sie mögliche Verteidigungsmittel, etwa den Schlüsselbund, und das Handy griffbereit.

Anzeige

Wenn Sie bedrängt werden, setzen Sie Grenzen. Weisen Sie klar darauf hin, dass Sie bestimmte Verhaltensweisen nicht tolerieren, etwa wenn Ihnen jemand zu nahe kommt oder Sie anfasst. Sprechen Sie den Angreifer mit «Sie» an, damit Aussenstehende sofort erkennen, dass es sich um eine Ihnen fremde Person und nicht etwa um ein Geplänkel unter Freunden handelt.

Sich trauen, laut zu schreien

Falls Sie von jemandem physisch bedrängt werden: Scheuen Sie sich nicht, laut zu schreien. Damit irritieren Sie den Täter möglicherweise jenen Moment lang, den Sie zur Flucht brauchen. Auf jeden Fall aber verunmöglichen sie ihm, seinem Treiben nachzugehen, ohne dass andere Leute auf Ihre Situation aufmerksam werden.

Fordern Sie Umstehende direkt auf, Ihnen zu Hilfe zu kommen. Konkretes Ansprechen bringt mehr als diffuse Hilferufe, die als Scherz missverstanden werden können. Falls Sie von einer Gruppe angegriffen werden, konzentrieren Sie sich in Ihrer Abgrenzung auf den Anführer. Mitläufer sind erfahrungsgemäss etwas feige.

Anzeige

Risiken: Tipps für die Joggerin

Wenn Sie auf einer einsamen Strecke joggen, treffen Sie folgende Vorkehrungen

  • Sagen Sie jemandem, wohin und wie lange Sie etwa unterwegs sind.

  • Nehmen Sie möglichst nicht jeden Tag um die gleiche Zeit die identische Route.

  • Verzichten Sie in der Morgen- und der Abenddämmerung auf Kopfhörer und nehmen Sie Ihr Handy mit (laden Sie eine Notfall-App).

  • Wenn Ihnen eine verdächtige Person entgegenkommt: Drehen Sie um oder laufen Sie einen Umweg.

  • Überlegen Sie schon zu Hause, wo auf Ihrer Strecke sich «Fluchtpunkte» befinden: Busstation, Kiosk, Tankstellenshop, Spitaleinfahrt, Hotellobby, Bauernhof, Polizeiposten.

  • Grüssen Sie die Menschen, denen Sie regelmässig begegnen. Sie werden Ihnen in einem Notfall eher helfen, weil bereits eine Art Vertrauensverhältnis besteht.

Buchtipp

Tatort Alltag

So schützen Sie sich vor Übergriffen, Trickbetrug, Gewalt und Kriminalität

Mehr Infos

Buchcover: Tatort Alltag
Quelle: Beobachter Edition
Anzeige