Es ist erleichternd, seine Emotionen auszudrücken. Hätten Sie es schon früher so gemacht, wären Sie vielleicht tatsächlich von Ihren Krankheiten verschont geblieben, denn psychosomatisch gesehen symbolisieren Magengeschwüre und Gallenleiden in den wortlosen Körperbereich abgesunkenen Ärger. Nicht umsonst heissen zwei Redensarten: Mir liegt etwas auf dem Magen; mir kommt die Galle hoch.

Die Psychotherapeutin Irmtraud Tarr, die einen Ratgeber für den Umgang mit schwierigen Menschen geschrieben hat (siehe Buchtipp), erzählt dazu die Geschichte von den Stachelschweinen, die ursprünglich vom Philosophen Arthur Schopenhauer stammt.

Um sich an einem kalten Wintertag vor dem Erfrieren zu schützen, drängten sich einige Stachelschweine ganz dicht aneinander. Doch die erhoffte Gemütlichkeit blieb aus. Mit ihren Stacheln verletzten sie sich gegenseitig, und sie liefen wieder auseinander. Da jetzt aber jedes Stachelschwein allein vor sich hin fror, rückten die Tiere wieder etwas zusammen, bis sie das richtige Gleichgewicht von Nähe und Distanz gefunden hatten.

Auf die anderen einzugehen kann Wunder wirken
Das entspricht der Situation heutiger Menschen. Um der Einsamkeit, Kälte und dem Stress der Wettbewerbsgesellschaft zu entrinnen, werden Entspannung, Friede und Glück in Partnerschaft und Familie gesucht. Doch genau da entstehen auch die schmerzhaften Konflikte. Das Grundrezept zum konstruktiven Umgang damit entspricht der Lösung der Stachelschweine: Wir müssen die richtige Balance finden zwischen Einfühlen und Verstehen der anderen einerseits sowie klarer Abgrenzung von ihnen anderseits.

Jeder ist mal schwierig, reagiert ganz anders, als wir es erwartet hätten. Wenn es uns dann gelingt, seine Welt ein wenig zu verstehen, ohne uns selbst zu verleugnen, braucht es keinen Streit zu geben. Die Menschen sind zwar von Natur aus eigennützig, aber eben auch sozial. Die neue Hirnforschung hat nachgewiesen, dass Konflikte Stress erzeugen und Wahrnehmung und Denken beeinträchtigen, gute Sozialkontakte dagegen die Ausschüttung belohnender Hormone bewirken. Harmonische Beziehungen steigern also das Wohlbefinden und fördern die Gesundheit.

Hier die wichtigsten Ratschläge zum Umgang mit Menschen, die wir als «schwierig» erleben:

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  • Nicht spontan reagieren, sondern erst mal durchatmen.
  • Nicht mitspielen, sich nicht provozieren lassen, um sich nicht zu verstricken.
  • Zwischen Eigenem und Fremdem sauber trennen sowie zwischen dem bewussten Verstehen des Anderen und dem Ausdruck des Eigenen unterscheiden.
  • Mit Kreativität und Humor auf problematische Situationen reagieren.


Buchtipp

Irmtraud Tarr: «So zähmen Sie ein Stachelschwein. Vom Umgang mit schwierigen Menschen»; Herder, 2005, 192 Seiten, Fr. 31.70